Susanne Pfeffer

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Susanne Pfeffer (* 1973 in Hagen) ist eine deutsche Kunsthistorikerin und Kuratorin. Sie ist seit 2018 Direktorin des Museums für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt am Main.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Susanne Pfeffer besuchte das Ruhr-Gymnasium Witten[1] und studierte Kunstgeschichte bei Horst Bredekamp an der Humboldt-Universität in Berlin. Sie schloss das Studium 2001 mit einer Magisterarbeit über mittelalterliche Kunst ab.[2] Im gleichen Jahr wurde sie Ausstellungsassistentin bei Udo Kittelmann im Kölnischen Kunstverein, wo sie unter anderem an der Präsentation von Gregor Schneiders Arbeit Totes Haus u r auf der Biennale von Venedig 2001 mitarbeitete. 2002 wurde Kittelmann Direktor des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt am Main, wohin ihm Pfeffer als Assistentin folgte.

2004 wurde sie zur Künstlerischen Leiterin des Künstlerhauses Bremen berufen. Von Januar 2007 bis Dezember 2012 war Susanne Pfeffer Chefkuratorin der Kunst-Werke Berlin und seit Juni 2013 Direktorin des Museums Fridericianum in Kassel. Zum 1. Januar 2018 wurde Pfeffer – als Nachfolgerin von Susanne Gaensheimer – Direktorin des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt.[3]

Für ihre Ausstellung Kenneth Anger im MoMA PS1 wurde sie 2009 von der US-Sektion des Kunstkritikerverbandes AICA ausgezeichnet.[4] 2016 erhielt Pfeffer den erstmals verliehenen Kuratorenpreis des Kunstmagazins ART. Gewürdigt wurde ihre Ausstellung Inhuman (2015). „Die Schau untersucht scharfsinnig, wie sich die Menschen durch unmenschliche Technik verändern“, so in der Begründung der Jury.[5]

Pfeffer ist zum 1. Januar 2019 zur Honorarprofessorin im Fachbereich Kunst an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main ernannt worden. Sie lehrt im Bereich Ausstellung und Vermittlung von Gegenwartskunst.[6]

Neben zahlreichen ehrenamtlichen Verpflichtungen ist sie auch Jurymitglied des Kurt-Schwitters-Preises,[7] des Kunstpreises der Böttcherstraße[8] und des Kunstpreises der Schering-Stiftung sowie kuratorische Beraterin des MoMA PS1 in New York.

Bisher hat sie mehr als 60 Ausstellungen kuratiert.[9] Pfeffer ist Herausgeberin zahlreicher Künstlermonographien und Ausstellungskataloge.

Kuratorische Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bremen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2004 wurde sie zur Künstlerischen Leiterin des Künstlerhauses Bremen berufen. Dort zeigte sie zahlreiche Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen. Einige „Neuentdeckungen“ von Pfeffer hatten hier ihre erste institutionelle Ausstellung, wie Matthias Weischer mit Simultan, Emily Jacir mit Woher wir kommen, David Zink Yi mit Alrededor del dosel/Umgehen der Baumkronen und Jonathan Monk mit Ocean Wave (alle 2004). Daneben stellte sie die Filmpioniere Hans Richter mit Der absolute Film (2005) und Kenneth Anger mit Pleased to meet you (2006) vor. Sie kuratierte Gruppenausstellungen wie Bremer Freiheit mit Arbeiten von unter anderem Olaf Nicolai, Thomas Rentmeister und Gregor Schneider, Not a Drop but the Fall nach einem Ausstellungskonzept von Elmgreen & Dragset oder Nichts weiter als ein Rendezvous mit zeitgenössischen Variationen des Ready-made.[10]

Im Mai 2006 hatte Susanne Pfeffer für das Bozener Museum Museion die Ausstellung Deutsche Wandstücke[11] kuratiert, in der Fresken und Wandarbeiten von Ulla von Brandenburg, Katharina Grosse, Frank Nitsche, Gregor Schneider, Norbert Schwontkowski, Dirk Skreber und Matthias Weischer gezeigt wurden. Sie hatte die Künstler für drei Wochen nach Südtirol eingeladen, um in der regionalen Tradition der Wandmalerei „al fresco“ zu arbeiten. Für die 9. Biennale d’art contemporain de Lyon kuratierte sie im September 2007 The history of a decade that has not yet been named der Künstlerin Annette Kelm.[12]

Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Januar 2007 bis Dezember 2012 war Susanne Pfeffer – als Nachfolgerin von Anselm Franke – Chefkuratorin der Kunst-Werke Berlin. Sie zeigte unter anderem die Ausstellungen Joe Coleman. Internal Digging (2007), ... 5 minutes later (2008) mit Beiträgen von Robert Barry, Martin Boyce, Ulla von Brandenburg, Thomas Demand, Hans-Peter Feldmann, Douglas Gordon, Annette Kelm, Thomas Rentmeister und Andreas Slominski, Dreharbeit Mommartzfilm. Lutz Mommartz (2008) sowie die Gemeinschaftsausstellung mit Ricarda Roggan (Still Life), Albrecht Schäfer (Winds and Windings) und Richard Serra (Thinking on Your Feet). Daneben lief das fortlaufende Ausstellungsprojekt Hotel Marienbad 01–10 (2008–2010). 2011 zeigte Pfeffer eine Einzelausstellung Cyprien Gaillards unter dem Titel The Recovery of Discovery.[13] Artforum wählte die Ausstellung unter die „Best of 2011“. Dem Künstler Absalon widmete Pfeffer die erste umfassende Einzelausstellung. Die Ausstellung war anschließend auch im Museum Boijmans Van Beuningen zu sehen (2012).[14]

Kassel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2013 bis Ende 2017 war Pfeffer Direktorin des Fridericianum in Kassel. Dort zeigte sie unter anderem die Ausstellungstrilogie Speculations on Anonymous Materials (2013), nature after nature (2014) und Inhuman (2015). Dem amerikanischen Experimentalfilmer Paul Sharits widmete sie die weltweit erste umfassende Retrospektive. Weitere Einzelpräsentationen zeigten Arbeiten der britischen Künstlerin Helen Marten und Tetsumi Kudo. Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der documenta kuratierte Pfeffer eine Retrospektive des belgischen Künstlers Marcel Broodthaers.[15]

Venedig: Schweizer Pavillon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2015 wurde sie Kuratorin des Schweizer Pavillons bei der Biennale von Venedig, wo sie Arbeiten der schweizerisch-deutschen Künstlerin Pamela Rosenkranz zeigte.[16] Rosenkranz und Pfeffer hatten bereits 2013 bei der Ausstellung Speculations on Anonymous Materials im Fridericianum eng zusammengearbeitet.

Venedig: Deutscher Pavillon und Auszeichnung mit dem Goldenen Löwen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Susanne Pfeffer kuratierte 2017 den deutschen Beitrag auf der 57. Biennale von Venedig. Sie lud die Frankfurter Künstlerin Anne Imhof ein, eigens für den Deutschen Pavillon die Arbeit Faust zu entwickeln. Das entstandene Werk mit dem Titel Faust setzte sich aus Rauminstallation, Malerei, Skulptur und Performance zusammen.[17] Der Pavillon wurde als bester nationaler Beitrag mit dem Goldenen Löwen[18] ausgezeichnet. Die Jury lobte in ihrer Begründung, Faust sei „eine kraftvolle und gleichsam verstörende Installation, die drängende Fragen zu unserer Zeit stellt und den Betrachter in einen Zustand der Angst versetzt.“ Des Weiteren sei „Anne Imhofs Arbeit eine beeindruckende Reaktion auf die Architektur des Pavillons, eine Arbeit, die sich durch präzise künstlerische Entscheidungen über Objekte, Bilder, Körper und Sound auszeichnet.“[18]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Vaupel: Sahnehäubchen-Job für Wittenerin, DerWesten, 10. Februar 2014
  2. Magister 2001 bei Bredekamp – Susanne Charlotte Pfeffer: Der Anhang des Codex Ser.n. 2639 aus der Nationalbibliothek Wien
  3. zer: Frankfurt: Susanne Pfeffer soll künftig das MMK leiten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 29. September 2017, abgerufen am 1. Oktober 2017.
  4. AICA Names Exhibitions of the Year In: artforum.com, abgerufen am 12. Januar 2018.
  5. Presseportal vom 15. April 2016: Susanne Pfeffer ist erste Trägerin des ART-Kuratorenpreis (ots), abgerufen am 17. April 2016
  6. Katja Kupfer: Susanne Pfeffer zur Honorarprofessorin an der HfG Offenbach ernannt. In: hfg-offenbach.de. 4. Februar 2019, abgerufen am 24. März 2019.
  7. Kurt-Schwitters-Preis In: nsks.de, abgerufen am 12. Januar 2018.
  8. Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen (Memento vom 19. Januar 2016 im Internet Archive)
  9. Juliane Sattler-Iffert: (k) KulturMagazin. Printec Offset; Ausgabe 237, 24. Jahrgang, 2018, S. 16–17.
  10. Website Künstlerhaus Bremen
  11. Ausstellungskatalog: Deutsche Wandstücke, Edizioni Charta, Mailand 2006.
  12. 00s – The history of a decade that has not yet been named (Memento vom 19. Januar 2016 im Webarchiv archive.today)
  13. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 9. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kw-berlin.de
  14. Ausstellungsarchiv Museum Boijmans Van Beuningen (Memento vom 21. Oktober 2011 im Internet Archive)
  15. Website Fridericianum (Memento des Originals vom 2. Juni 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.fridericianum.org
  16. Susanne Pfeffer kuratiert den Schweizer Pavillon – der «Salon Suisse» im Palazzo Trevisan thematisiert Dada In: prohelvetia.ch, abgerufen am 12. Januar 2018.
  17. German Pavilion 2017. Abgerufen am 10. August 2017 (englisch).
  18. a b La Biennale di Venezia – Premi della 57. Esposizione Internazionale d’Arte. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 10. August 2017; abgerufen am 10. August 2017. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/web.labiennale.org