Suwalki-Lücke

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Koordinaten: 54° 15′ N, 23° 19′ O

Suwalki-Lücke zwischen Polen und Baltikum

Die Suwalki-Lücke (auch Suwalki-Korridor, englisch Suwalki Gap, polnisch Przesmyk suwalski) bezeichnet in der Terminologie der NATO das Gebiet um die Grenze zwischen Litauen und Polen, das die einzige Landverbindung der baltischen Staaten mit den übrigen NATO-Partnern darstellt und das Territorium der russischen Exklave Kaliningrad von Belarus trennt. Benannt ist es nach der Stadt Suwałki.

Die Lücke verläuft zwischen zwei Dreiländerecken über 65,4 km Luftlinie bzw. 100 km Grenze am Boden, vom Dreiländereck Litauen-Polen-Belarus im Südosten zum Dreiländereck Litauen-Polen-Russland (Kaliningrad) im Nordwesten. Die letzten 12 Kilometer im Südosten folgen dem stark mäandrierenden Flusslauf der Marycha, eines linken Nebenflusses der Czarna Hańcza.

Diese Region gilt – insbesondere nach der Krimkrise – als eine der militärisch potentiell entzündlichsten in Europa, wie der Kommandeur der US-Streitkräfte in Europa, General Ben Hodges, während der Konferenz CEPA Forum 2015 schilderte. US-Beamte weisen auf Mängel in der Infrastruktur und Organisation hin, die die NATO-Staaten an einer schnellen Reaktion im Falle der Bedrohung des Gebiets hindern. Laut Geheimdienstinformationen könnten Russland und Belarus im Falle eines möglichen militärischen Konflikts mit NATO-Staaten Interesse an einer Besetzung des Gebietes haben, um die baltischen Staaten vom NATO-Partner Polen zu isolieren; sie ziehen weiter Vergleiche zum Fulda Gap aus den Zeiten des Kalten Krieges.[1]

Eine Studie der RAND Corporation, an der Wesley Clark und Egon Ramms als Autoren beteiligt waren, bezeichnete das Gebiet als das labilste der NATO und schätzte, die transatlantische Allianz würde im Fall eines russischen Angriffs nur 36 bis 60 Stunden lang den Nachschub über den Korridor sicherstellen können, bis die baltischen Hauptstädte besetzt und das Baltikum isoliert seien.[2] Die NATO stationierte deshalb 2016 vier Bataillone in dem Gebiet (siehe NATO Enhanced Forward Presence)[3] und bezog es in ihre Großübung Anakonda 16 ein.[4]

Die Russische Föderation hielt vom 14. bis zum 20. September 2017 mit offiziell 13.000 Soldaten an der Nato-Ostgrenze das Manöver Sapad 2017 (Westen 2017) ab.[5]

Bei der Übung Winter 20 der polnischen Streitkräfte im Winter 2020/21 wurde ein All-Out-Szenario angesetzt. Hier gelang es der russischen Armee zur Überraschung der Planer, Polen innerhalb von fünf Tagen zu überrollen, bei größten Verlusten innerhalb der polnischen Streitkräfte.[6] Bei einem Beitritt Finnlands zur Nato wird davon ausgegangen, dass die Sicherheit der Balten damit erhöht und weniger Druck auf der Suwalki-Lücke lasten würde.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Suwalki-Lücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Agnia Grigas: Opinion: Putin’s Next Land Grab. The Suwalki Gap. In: Newsweek, 14. Februar 2016 (englisch); Thomas Gutschker: Russisches Zapad-Manöver. Wo das Baltikum wirklich verwundbar ist. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. Juni 2017.
  2. Thorsten Jungholt, Julia Smirnova: Die „Lücke von Suwalki“ ist die Achillesferse der Nato. In: Die Welt, 9. Juli 2017.
  3. Konrad Schuller: Baltenrepubliken: Die Angst vor einem russischen Blitzkrieg. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Juli 2016.
  4. Jochen Bittner: Osteuropa: So gefährlich ist die Nato wirklich. In: Die Zeit, 26. Juni 2016.
  5. Lorenz Hemicker: Russland übt den Krieg drei Mal so oft wie die Nato. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. August 2017.
  6. https://wiadomosci.onet.pl/kraj/porazka-polskiej-armii-w-symulowanej-wojnie-cwiczenia-wykazaly-kleske-w-piec-dni/pmh647s?srcc=ucs
  7. Diese Folgen hätte der Nato-Beitritt von Finnland und Schweden. Abgerufen am 16. Mai 2022.

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