Rail Baltica

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Warschau – Tallinn (– Helsinki)
Streckenlänge: nach Tallinn 950–990 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: 3000 V (für Normalspurstrecke) =
Stromsystem: 25 kV 50 Hz (für 1520-mm-Spurnetz) ~
Länder: Polen, Litauen, Lettland,
Estland und Finnland
Verlaufsrichtung: Süd–Nord
Ausbau: zweigleisig,
elektrifiziert
Betriebsstellen und Bauwerke
Strecke – geradeaus
Richtung Berlin
Bahnhof, Station
Warschau
Strecke – geradeaus
Warschau-Petersburger Eisenbahn bis Białystok
Bahnhof, Station
Białystok
Strecke – geradeaus
Bahnstrecke Białystok–Głomno bis Ełk
Strecke – geradeaus
Bahnstrecke Ełk–Tschernjachowsk bis Olecko
Strecke – geradeaus
Bahnstrecke Olecko–Suwałki bis Suwałki
   
   
Kaunas
   
Panevėžys
   
   
Bauska
   
Riga
   
   
Pärnu
   
Flughafen Tallinn
   
Tallinn
   
   
   
   
Helsinki
Rail Baltica mit Tunnel zwischen Tallinn und Helsinki

Die Rail Baltica ist eine geplante Eisenbahnverbindung, die von Warschau über Kaunas und Riga nach Tallinn – mit Anschluss nach Helsinki durch Fähre oder Tunnel – führen soll.[1] Daran beteiligt sind die EU-Mitgliedsländer Polen, Litauen, Lettland, Estland und Finnland.

Die Ausführung soll in der in Westeuropa üblichen Normalspurweite von 1.435 mm und nicht wie dort bisher üblich in russischer Breitspur von 1.520 mm erfolgen. Die Gesamtlänge wird mindestens 950 km betragen. Die reine Fahrzeit der Gesamtstrecke würde damit – bei einer von der EU angestrebten Geschwindigkeit von 250 km/h – 3 Stunden 48 Minuten betragen. Vermutlich wird die Strecke nur für eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h ausgelegt sein, um die Kosten zu begrenzen. In diesem Fall wird die Fahrzeit der Reisezüge mindestens eine Stunde höher ausfallen. Rail Baltica ist das prioritäre Projekt der TEN-V 27. Die Gesamtkosten werden einer Studie zufolge 3,68 Milliarden Euro betragen.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pläne für die Rail Baltica gibt es bereits seit 1994. Beschlossen wurde der Bau der Verbindung 2001 in Wismar, die Fertigstellung war damals für 2015 geplant. Mehrere Faktoren verhinderten einen schnellen Fortschritt: Da der geplante Trassenverlauf keinen Umweg über die litauische Hauptstadt Vilnius enthielt, stand die litauische Regierung dem Projekt zunächst zögerlich gegenüber. Die Wirtschaftskrise 2008/2009 und damit verbundene Haushaltsprobleme erschwerten zudem die Finanzplanung.[3] 2012 wurde ein Baubeginn für 2018 und die Fertigstellung für 2023 angestrebt.[4]

Im Juni 2014 unterzeichneten die drei baltischen Staaten ein Abkommen zum Bau der Strecke. Im gleichen Jahr gründeten die drei baltischen Länder das Gemeinschaftsunternehmen RB Rail, das die Projektdurchführung koordiniert. Das Abkommen über die Beschaffungsrichtlinien konnte im November 2016 unterzeichnet werden.[5]

Am 31. Januar 2017 unterzeichneten die Regierungschefs Estlands, Lettlands und Litauens eine Vereinbarung über die Umsetzung, die von den Parlamenten der drei Staaten ratifiziert werden muss.[6] Darin wurden die Fristen, der Verlauf der Trasse und die technischen Standards festgelegt.[7] Donald Tusk als Ratspräsident der EU sagte bei dieser Gelegenheit Unterstützung zu.[8]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Warschau – polnisch-litauische Grenze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Modernisierungsarbeiten für den 66 km langen Abschnitt von Warschau nach Sadowne wurden 2014 durchgeführt. Der weitere Streckenverlauf von 107 km Länge nach Białystok wird bis zum Jahr 2020Vorlage:Zukunft/In 3 Jahren fertiggestellt, die verbleibenden 79 km von Białystok bis zur litauischen Grenze bis 2022Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren. Die Gesamtkosten für den polnischen Streckenabschnitt betragen rund 1,8 Mrd. Euro und werden etwa zur Hälfte von der EU finanziert.[3]

Polnisch-litauische Grenze – litauisch-lettische Grenze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kosten für den Ausbau der Strecke wurden 2007 auf 270 Millionen Euro berechnet. Die Fertigstellung war damals für Ende 2013 geplant. Im Juli 2011 wurde das 15 km lange Teilstück zwischen Mockava und Šeštokai als erster Abschnitt der Rail Baltica fertiggestellt.[9] Im Juli 2013 unterzeichnete die staatliche litauische Eisenbahngesellschaft einen Vertrag über den Umbau des Abschnitts von Šestokai nach Marijampolė auf Normalspur. Der Umbau des 28 km langen Abschnittes sollte 19 Monate dauern und 217 Millionen Euro kosten.[10]

Der erste Abschnitt von der polnischen Grenze bis Kaunas wurde am 16. Oktober 2015 eingeweiht, teilweise als Vierschienengleis.[11] Dieser Abschnitt ist allerdings nur für eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h ausgelegt. Die litauische Regierung sagte eine Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit zu, legte dafür aber noch keinen Zeitplan vor (Stand: 2016).[12] Seit Juni 2016 gibt es am Wochenende direkte Zugverbindungen von Polen nach Litauen (BiałystokKaunas) auf Normalspur.

Litauisch-lettische Grenze – Jelgava und Riga – Valka[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge des Baus der Rail Baltica wird der Hauptbahnhof Riga (Rīgas dzelzceļa stacija) von Grund auf umgebaut werden.[13]

Valka – Tartu[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Abschnitt Valka – Tartu wurden die Gleise erneuert; der Bahnhof Valka wurde umgebaut und die Zahl seiner Gleise erhöht. Der Abschnitt wurde im Dezember 2010 fertiggestellt. Die Kosten betrugen rund 40 Millionen Euro.

Tunnel unter dem Finnischen Meerbusen zwischen Tallinn und Helsinki[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tunnelverbindung

Ein Tunnel unter dem Finnischen Meerbusen zwischen Tallinn und Helsinki würde zusätzlich 13 Milliarden Euro kosten.[14]

Die maximale Weite des Finnischen Meerbusens beträgt 130 Kilometer. Die durchschnittliche Tiefe beträgt 38 m und die maximale Tiefe 115 m. Die Länge des Tunnels würde von der Trasse abhängen. Bei der kürzesten Entfernung würde er eine Länge von etwa 50 km haben und wäre damit der längste Unterwassertunnel der Welt. Eine Fertigstellung wäre frühestens 2030Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren möglich.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Planungen und Kosten-Nutzen-Rechnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Marta Jakubiec: The Rail Baltica and its impacts on the regions regarding the European Union. Diplomarbeit, Universität Dortmund 2007.
  • Beate Schütz: Welchen Beitrag können die INTERREG-Verkehrsprojekte „COINCO“, „Rail Baltica“ und „SIC!“ zur Beseitigung des Fehlens von Nord-Süd-Korridoren leisten? Masterarbeit, Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege, Berlin 2007.
  • Jürgen Murach, Jürgen Roß: Rail Baltica Growth Corridor. Zwischen Vision und wirtschaftlicher Realität. In: Informationen zur Raumentwicklung, ISSN 0303-2493, Jg. 17 (2012), Heft 7/8: Europäische Verkehrskorridore und Raumentwicklung, S. 415–426.
  • Milla Laisi, Juha Saranen: Integrating the Baltic States and Europe: Rail Baltica. In: International journal of business excellence, ISSN 1756-0047, Jg. 6 (2013), S. 251–269.

Studien zum Tunnel zwischen Tallinn und Helsinki[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rudolf Hermann: Ambitiöses Projekt «Rail Baltica»: Höchste Eisenbahn für den baltischen Express In: Neue Zürcher Zeitung vom 16. Dezember 2016.
  2. Project Rail Baltica would cost EUR 3.68 bln. In: The Baltic Course vom 28. Juni 2011, abgerufen am 4. Oktober 2011.
  3. a b OWC Verlag für Außenwirtschaft: An einem Strang: Highspeed-Projekt Rail Baltica nimmt Fahrt auf, vom 29. September 2014.
  4. Estonian Economy Minister: Finland an important factor in Estonian success. In: Helsingin Sanomat, abgerufen am 26. März 2012.
  5. Rail Baltica bringt Europa zusammen, DVZ vom 28. November 2016.
  6. Arnis Kluinis: Rail Baltica Vereinbarung unterzeichnet, nra.lv vom 1. Februar 2017 (lettisch).
  7. Baltische Staaten wollen Eisenbahnprojekt umsetzen. In: Neue Zürcher Zeitung vom 1. Februar 2017, S. 2.
  8. Peter Kleinort: „Rail Baltica“ vereinbart. Regierungschefs unterzeichnen Projektvertrag. EU finanziert mit. In: Täglicher Hafenbericht vom 2. Februar 2017, S. 2.
  9. Kallas: EU’s support should be focused on visible transeuropean projects. In: The Baltic Course vom 15. Juli 2011, abgerufen am 4. Oktober 2011.
  10. Standard gauge to reach Marijampole. In: Railway Gazette vom 24. Juli 2013, abgerufen am 1. August 2013.
  11. First section of Rail Baltica inaugurated. In: Railway Gazette vom 16. Oktober 2015, abgerufen am 28. Februar 2017.
  12. Vilnius does not refuse to raise train speed on Rail Baltica, but doesn’t see that as priority. In: The Baltic Course vom 30. März 2016 (englisch).
  13. PLH Arkitekter Wins Rail Baltica Competition with Arch-Inspired Infrastructural System, Pressemitteilung vom 10. Dezember 2016, abgerufen am 7. März 2017.
  14. Carsten Schmiester: Pläne für Supertunnel „Talsinki“ unter der Ostsee. In: Deutschlandfunk, 8. Januar 2016.