swb AG

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swb AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1941
Sitz Bremen

Leitung

Mitarbeiter 2.349 (2014)
Umsatz 1.458,4 Mio. Euro (2014)
Branche Energieversorgung, Trinkwasser und Kommunikation
Website www.swb-gruppe.de

Die swb AG versorgt über ihre Tochtergesellschaften die Städte Bremen und Bremerhaven mit Erdgas, Fernwärme, Trinkwasser, Strom und Entsorgungsdienstleistungen. Das 1999 umgewandelte Vorgängerunternehmen Stadtwerke Bremen war eines der ältesten Stadtwerke Deutschlands. Die swb AG erzielte 2014 mit insgesamt 2.349 Mitarbeitern einen Umsatz von 1.458,4 Millionen Euro und machte dabei einen Gewinn von 6,5 Millionen Euro.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gas
Das erste Bremer Gaswerk nahm am 23. September 1854 seinen Betrieb auf. Es befand sich auf dem Gelände an der Theodor-Heuss-Allee (damals: Schlachthofstraße), das heute als Standort der Verwaltung der swb genutzt wird, zwischen dem Schlachthof und dem 1847 errichteten Hauptbahnhof. Durch diesen Bau konnte die Straßenbeleuchtung von 165 Laternen, die im Umkreis des Bahnhofs standen auf nunmehr 1100 Laternen im gesamten Innenstadtgebiet ausgeweitet werden.

Elektrizität
Das erste Bremer Elektrizitätswerk wurde neben dem Gaswerk errichtet und war von 1893 bis in den Ersten Weltkrieg hinein in Betrieb. Es erzeugte aus Wasserdampf Gleichstrom und stellte eine Leistung von 633 Kilowatt zur Verfügung. Auch der Strom wurde – wie das Gas – zunächst vor allem zur Beleuchtung verwendet.

Das ehemalige Kohlenlager des Gaswerks von 1901 beherbergt heute das Hochregallager der swb-Tochter Wesernetz

Der Energiebedarf der Stadt Bremen wuchs. Ein weiteres Gaswerk wurde 1901 am Neustädter Güterbahnhof errichtet. Dort wurde Gas aus Steinkohle hergestellt und in einem Gasometer zwischengespeichert, der in Anlehnung an die Bremer Speckflagge mit roten und weißen Rechtecken gestrichen war und den Ortseingang von Woltmershausen prägte. Ein Dampfkraftwerk in Hastedt lieferte seit 1905 weitere 2400 Kilowatt Strom in die Stadt, nunmehr Drehstrom statt Gleichstrom. Von 1911 bis 1987 war ein Wasserkraftwerk am Weserwehr in Betrieb.

Das alte Weserkraftwerk 1987

1929 kam das erste Fernwärmekraftwerk hinzu, welches heute noch als Reserveheizwerk benutzt wird. Es belieferte vor allem das Klinikum Bremen-Mitte mit Wärme. 1933 waren 95 Prozent aller Haushalte an das elektrische Netz angeschlossen.

Wasser
Im Jahr 1873 wurde das erste Wasserwerk der Stadt eröffnet, das nach Plänen und unter Leitung der Architektensozietät Böttcher und Ohnesorge errichtet worden war.[2] Dieses Wasserwerk versorgte die Stadt mit Trinkwasser aus der Weser, war bis 1983 in Betrieb und gilt als eines der Wahrzeichen von Bremen. Wegen seiner Form nannten es die Bremer umgedrehte Kommode.

1935 wurde die mit über 200 Kilometern längste Wasserleitung Europas vom Harz nach Bremen gebaut, so dass Bremen seinen Wasserbedarf zu einem Großteil aus der Sösetalsperre decken konnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Wasserbedarf erheblich zu und Bremen wurde zunehmend mit Weserfiltratwasser versorgt. Seit Mitte der 1960er Jahre bekommt Bremen sein Trinkwasser ausschließlich aus mehreren Grundwasserwerken im direkten südlichem Umland und aus Bremen-Nord.

Stadtwerke Bremen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 18. Dezember 1939 wurden die Werke unter dem Namen Städtische Werke zusammengefasst und in drei Abteilungen betrieben: Städtische Werke – Gas und Wasserwerk, Städtische Werke – Elektrizitätswerk und Städtische Werke – Kaufmännische Verwaltung. Mit der Gründung der Stadtwerke Bremen AG am 23. August 1941 sicherte sich Bremen mit einem Aktienkapital von 52 Millionen Reichsmark die Bindung des Betriebes an die Stadtgemeinde, nachdem 1937 der Reichsstatthalter von Bremen und Oldenburg, Carl Röver, versucht hatte, das E-Werk an die Landes-Elektrizitätsversorgung Oldenburg auszuliefern.

Während des Krieges wurden die Betriebsanlagen und das Leitungsnetz der Stadtwerke stark beschädigt oder zerstört, und die Kohleversorgung zur Herstellung von Gas und Elektrizität verschlechterte sich zunehmend. Die Folge waren häufige Unterbrechungen in der Energieversorgung, die am Ende des Krieges ganz zusammenbrach. Die Trinkwasserversorgung konnte teilweise nur durch Handpumpen auf den Straßen aufrechterhalten werden. Bis zur Instandsetzung der Anlagen und ausreichender Belieferung mit Kohle wurde der Verbrauch durch zeitweise Abschaltung rationiert.

Die Firmenkonstruktion der Stadtwerke AG blieb auch nach dem Krieg erhalten, obwohl die einzelnen Abteilungen eine gewisse Eigenständigkeit erhielten. Das Verwaltungsgebäude an der Schlachthofstraße (heutige Theodor-Heuss-Allee) wurde 1952/53 nach Entwürfen der Architekten Th. Siegfried A. Morschel und G.A. Henke erheblich erweitert. 1954 entstand dort ein neues Lager- und Werkstattgebäude.

Kraftwerk Bremen-Hastedt

Für den Bau der Wohnsiedlung Neue Vahr für 30.000 bis 40.000 Menschen durch die Neue Heimat entwickelten die Stadtwerke ein modernes Energieversorgungskonzept. 1959 errichteten sie ein Gasturbinen-Heizkraftwerk, das den gesamten Stadtteil mit Strom und Fernwärme versorgt. Als weitere Kraftwerksneubauten sind das Bahnstromkraftwerk Mittelsbüren (1964/1974), das ein Zehntel des in Deutschland verbrauchten Bahnstroms erzeugt, und das Kohle- und Gaskraftwerk Hastedt (1905/1989), das für ein Viertel des Bremer Strombedarfs verantwortlich zeichnet, zu nennen.

Bis 1983 waren die Stadtwerke mit 5 Prozent am Kernkraftwerk THTR-300 beteiligt.[3] Unter der Leitung des Vorsitzenden Günther Czichon (1984–1994) wurde der Umweltschutz verstärkt Teil der Unternehmenspolitik.

1998 wurde die bis dahin eigenständige Stadtwerke Bremerhaven AG zu 100 Prozent übernommen. Diese trat ab 1999 unter dem Namen swb Bremerhaven nach außen auf.

swb AG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtwerke Bremen AG wurde 1999 in swb AG umbenannt und privatisiert. Vor dem Hintergrund der Öffnung der Energiemärkte wurden die Bereiche Erzeugung, Netze und Vertrieb in eigenständige Tochtergesellschaften ausgegliedert. Im Jahr 2000 veräußerte die Freie Hansestadt Bremen ein Aktienpaket von 51 Prozent an das niederländische Energieversorgungsunternehmen Essent. Die restlichen 49 Prozent gingen 2003 an die EWE AG in Oldenburg. Die öffentliche Hand war nun nur noch mit einer Aktie über die Bremer Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft am Unternehmen beteiligt.

Den Startschuss für das größte Investitionsprojekt in der Firmengeschichte von swb gab der Aufsichtsrat 2005 mit der Freigabe der Planungsmittel für den Bau eines neuen Steinkohle-Kraftwerksblocks am Kraftwerk Bremen-Hafen. Die Planungen wurden jedoch im Jahr 2007 eingestellt. 2006 gab es grünes Licht für den Bau eines Mittelkalorik-Kraftwerks, das bereits Anfang 2009 den Probebetrieb aufnahm.

Zum 1. August 2008 wurde die bisherige Abfallbehandlung Nord GmbH (ANO), die das Müllheizkraftwerk Bremen betreibt, zu 100 Prozent in den swb-Konzern integriert. Im weiteren Verlauf wurde aus der Abfallbehandlung Nord GmbH die swb Entsorgung GmbH.[4]

Im Oktober 2009 übernahm die EWE AG Oldenburg den Anteil von Essent und hält seitdem 100 Prozent minus eine Aktie.[5] In jenem Jahr wurde am Standort des Kraftwerks Hafen auch das Mittelkalorik-Kraftwerk Bremen in Betrieb genommen.

Zwei Ereignisse fielen in den November 2011: Zunächst wurde am Kraftwerk Mittelsbüren der Grundstein für das Gemeinschaftskraftwerk gelegt und am 30. November folgte die Einweihung des Weserkraftwerks.

Die swb-Netzgesellschaften wurden am 1. März 2014 in „wesernetz Bremen GmbH“ bzw. „wesernetz Bremerhaven GmbH“ umbenannt. Für swb-Kunden hat sich dadurch nichts geändert. Der Kontakt zum Netzbetreiber etwa für neue Hausanschlüsse oder den 24-Stunden-Entstörungsdienst bleibt unverändert bestehen. Auslöser für den neuen Außenauftritt der Netzgesellschaften ist eine Änderung im Energiewirtschaftsgesetz zum Thema Entflechtung. Sie legt fest, dass sich bei einem integrierten Energieversorger, wie der swb-Konzern einer ist, die Netzgesellschaft im Außenauftritt deutlich vom Vertrieb unterscheiden muss.

Die Umsatzbedeutung der verschiedenen Geschäfts-Segmente stellte sich 2014 wie folgt dar: 66,8 Prozent entfielen auf Strom; 16,9 Prozent auf Erdgas; 5,3 Prozent auf Wasser; 4,8 Prozent auf Wärme; 3,9 Prozent auf Abfall und 2,3 Prozent auf Sonstige.[6]

Telekommunikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Kooperation mit dem Kommunikationsdienstleister EWE Tel bietet swb seit 2011 eigene Telekommunikationsprodukte in Bremen und Bremerhaven an, die vorher unter der Marke NordCom angeboten wurden.[7] Weiteres Ziel ist es auch unter der Marke swb neue Kombinationen von Telekommunikations- und Energie-Versorgungs-Verträgen anzubieten.

Konzernstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die swb AG ist Muttergesellschaft zahlreicher Konzern- und Beteiligungsunternehmen.

Wichtige Konzernunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • swb Beleuchtung GmbH
  • swb CREA GmbH
  • swb Entsorgung GmbH
  • swb Erzeugung AG & Co. KG
  • swb Abrechnungsservice GmbH
  • Wesernetz Bremen GmbH
  • Wesernetz Bremerhaven GmbH
  • swb Services AG & Co. KG
  • swb Vertrieb Bremen GmbH
  • swb Vertrieb Bremerhaven GmbH & Co. KG

Wichtige Beteiligungsunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sigmund Meyer (1873–1935); der Industrielle, Elektroautomobil-Pionier und Senator verwaltete die Bremer Gas- und Elektrizitätswerke[8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.swb-gruppe.de/ueber-swb/unternehmen/kennzahlen.php
  2. Ausführliche Darstellung zum Wasserwerk Bremen in Zeitschrift für Bauwesen, 1876, Teil I–III und Teil IV–VII, Verlag Ernst & Sohn., abgerufen am 24. April 2015.
  3. U. Kirchner, Der Hochtemperaturreaktor, Campus Forschung Bd. 667 (1991)
  4. swb AG: Geschäftsbericht 2008, S. 10
  5. Pressemitteilung. EWE AG, 21. Oktober 2009, abgerufen am 3. Oktober 2010.
  6. https://www.swb-gruppe.de/ueber-swb/media/pdf/geschaeftsbericht-swb-2014.pdf
  7. http://www.pressebox.de/inaktiv/swb-ag/Telekommunikationsanbieter-nordcom-agiert-ab-30-Mai-unter-swb/boxid/426784
  8. Hans Christoph Graf von Seherr-Thoß: Meyer, Sigmund. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 17, Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 373 f. (Digitalisat).