Wildnis

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Heide: Früher ein Synonym für Wildnis, tatsächlich jedoch keine Naturlandschaft, sondern eine Kulturlandschaft
Garten-„Wildnis“: Manchmal abwertend im Sinne der zweiten Begriffsbestimmung gemeint
Viele große Raubtiere – wie z. B. der Amurtiger – sind angewiesen auf ungestörte Wildnisgebiete (Foto aus dem Zoo Pittsburgh USA)

Wildnis ist - wie Landschaft und Natur - kein naturwissenschaftlicher Begriff, sondern ein alltagssprachlicher mit unterschiedlichen, kulturell geprägten Bedeutungen. Es gibt zwei verschiedenartige Begriffsbestimmungen.

Nach der einen wird unter Wildnis eine vom Menschen weitgehend unbeeinflusste Naturlandschaft verstanden, die sich durch naturwissenschaftliche Parameter beschreiben und von Kulturlandschaften, Städten, Landwirtschaftsflächen, Forsten usw. abgrenzen lässt.[1] In diesem Sinne kann man noch rund ein Viertel bis ein Drittel der Landoberfläche Wildnis nennen.

Die zweite Begriffsbestimmung ist mit einem Werturteil verbunden. Demnach wird ein Gebiet als Wildnis bezeichnet, wenn ihm die Bedeutung einer Gegenwelt zu irgendeinem kulturellen Ordnungsprinzip zugewiesen wird. Dabei kann die Bewertung sowohl positiv als auch negativ ausfallen: abwertend z. B. als „ungezähmte, unordentliche“ Natur im Gegensatz zur kultivierten Natur, aufwertend z. B. als „unverdorbene, unschuldige“ Urnatur.[2]

Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten]

Der Begriff Wildnis tauchte erstmals im 15. Jahrhundert in den mittelhochdeutschen Formen „wiltnisse“, „wiltnis“, „wiltnüsse“, oder „wiltnus“ im deutschen Schrifttum auf. Ab dem 17. Jahrhundert setzt sich langsam die Form „Wildnis“ durch.[3] Die Wortbedeutung wird abgeleitet vom Adjektiv „wild“, das erstmals im Althochdeutschen und Altsächsischen des 8. Jahrhunderts als „wildi“ auftaucht und „unbebaut“, „ungezähmt“ oder „fremd“ meint. Das zusammengesetzte Wort „Wild-nis“ bedeutet demnach ‘unbebaute, unkultivierte Gegend mit üppig wucherndem Pflanzenwuchs und ungezähmten Tieren’.[4]

Die gleichbedeutenden Wörter in den anderen germanischen Sprachen enthalten fast immer den Wortbestandteil „wild“, der in den meisten Sprachen sehr ähnlich klingt und auf die (rekonstruierte) urgermanische Wurzel *wilthiz bzw. *wilþja- zurückgeführt wird. Deutsch, Englisch, Holländisch: wild, Schwedisch, Dänisch: vild, Norwegisch: vill, Isländisch: villtur.

Synonyme für Wildnis sind allgemein „Abgeschiedenheit“, „Menschenleere“, „Einöde“, „Ödland“ (öde(n) ursprünglich ebenfalls „unbewohnt“, aber auch „unbebaut“)[5]. Das Wort wird heute vorwiegend stellvertretend für unbewohnte Landschaften wie „Steppe“, „Wüste“, „Urwald“, „Heide“, „Moor“ u. Ä. verwendet. Darüber hinaus steht Wildnis jedoch auch für solch negativ belegte Begriffe wie „Unfruchtbarkeit“, „Trostlosigkeit“, „Nutzlosigkeit“, „Verbannung“ oder „Kulturlosigkeit“.[6][3]

Abgrenzung zu den Kulturlandschaften[Bearbeiten]

Lapplands Fjällberge: „Rentierweide-Kulturlandschaft“ oder Wildnis? Die quantitative Auslegung wird in Debatten bisweilen polemisch verwendet.

Aufgrund einer fehlenden wissenschaftlichen Definition des Begriffes „Wildnis", kommt es immer wieder zu Debatten im Sinne der Behauptung: „Sind nicht fast alle Wildnisgebiete eigentlich anthropogen beeinflusste Kulturlandschaften?" Häufig wird dieses Argument verwendet, wenn es um die Erhaltung „intakter Naturlandschaften" geht. Es ist unumstritten, dass sich fast überall auf der Erde Spuren menschlichen Wirtschaftens finden lassen. Dennoch bestehen aus ökologischer Perspektive große Unterschiede zwischen der dauerhaft besiedelten und bewohnten Ökumene und den fast unbesiedelten und nur lokal genutzten – sprich: naturnahen – Gebieten der sogenannten Subökumene (z. B. der Regenwälder am Amazonas, die gern in diesem Zusammenhang genannt werden). So wird hier ein sehr weit gefasster Kulturlandschaftsberiff bemüht, der tatsächlich jedoch in der Fachwelt selten verwendet wird.

Fazit: „Kulturlandschaft" ist ebenso unscharf und nicht festgelegt wie der Wildnisbegriff.[7][8] Letzten Endes offenbart sich hier die weltanschaulich-philosophische Frage nach dem Unterschied zwischen Mensch und Natur.

„Wie Natur ist und wie sie sein soll, bleibt technischen Kulturen im Grunde ein Rätsel.“

Jürgen Mittelstraß[9]

Definitionen von Wildnis im Sinne des Naturschutzes[Bearbeiten]

Seit mit dem Yellowstone-Nationalpark im Jahre 1872 das erste Mal ein großes Wildnisgebiet unter Schutz gestellt wurde, entstand die Notwendigkeit, den Begriff genauer zu definieren. Wie man den folgenden Begriffsbestimmungen entnehmen kann, sind die Vorstellungen in dieser Hinsicht sehr unterschiedlich.

Conservation International[Bearbeiten]

Als Wildnis im Sinne der Conservation International gelten Bereiche, in denen 70 oder mehr Prozent der ursprünglichen Vegetation erhalten sind, die mehr als 1.000.000 ha umfassen und in denen weniger als fünf Menschen pro Quadratkilometer leben. (Unter diese Definition fallen weltweit 37 Gebiete.)

International Union of Conservation Nature[Bearbeiten]

Die International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) definiert Wildnis ebenfalls weniger abhängig von der Flächengröße und mehr im Hinblick auf auszuweisende Schutzgebiete (Wilderness Area IUCN Ib):[10]

„Als Wildnis gilt ein ausgedehntes, ursprüngliches oder leicht verändertes Gebiet, das seinen ursprünglichen Charakter bewahrt hat, eine weitgehend ungestörte Lebensraumdynamik und biologische Vielfalt aufweist, in dem keine ständigen Siedlungen sowie sonstige Infrastrukturen mit gravierendem Einfluss existieren und dessen Schutz und Management dazu dienen, seinen ursprünglichen Charakter zu erhalten.“

Neuseeland[Bearbeiten]

In Neuseeland gelten als Wildnis unbewohnte Gebiete, für die man „mindestens zwei Tagesmärsche zur Durchquerung benötigt.“, das entspricht 150.000–500.000 ha[11]

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

Unter das Gesetz zum Schutz der Wildnis von 1964 (Wilderness Act) fallen in den Vereinigten Staaten mindestens 2.000 ha große, unbesiedelte, natürliche Landschaften oder Inseln, die auch kleiner sein dürfen. Wilderness Areas werden vom US-Kongress durch Gesetz gewidmet. Es gibt 757 (Stand 2012) Wilderness Areas in 44 der 50 US-Bundesstaaten und in Puerto Rico.

Europa[Bearbeiten]

Im Februar 2009 hat das Europaparlament auf Antrag einer Reihe von Nichtregierungsorganisationen (NGO´s) eine (nicht rechtlich bindende) Resolution zur Erhaltung von Wildnisgebieten in Europa verabschiedet, die in das Naturschutz-Netzwerk Natura2000 integriert werden soll. Daraufhin bildeten die NGO´s eine Arbeitsgruppe (European Wilderness Working Group) zur Konkretisierung der Empfehlungen, die 2012 abgeschlossen wurden. Darin enthalten ist folgende Definition von Wildnis:

„Wildnisgebiete sind große, unveränderte oder nur leicht veränderte Naturgebiete, die von natürlichen Prozessen beherrscht werden und in denen es keine menschlichen Eingriffe, keine Infrastruktur und keine Dauersiedlungen gibt. Sie werden dergestalt geschützt und betreut, dass ihr natürlicher Zustand erhalten bleibt und sie Menschen die Möglichkeit zu besonderen geistig-seelischen Naturerfahrungen bieten.“ (European Wilderness Working Group, September 2011, Übersetzung von Dr. Bernhard Kohler. Programmleiter Biodiversität. WWF Österreich)[12][13]

Die vom WWF initiierte Organisation „PAN Parks“ hat als eine der federführenden NGO´s dieses Prozesses für „große Naturgebiete“ einen Wert von mindestens 10.000 ha festgelegt.[14]

Nach der Übernahme der PAN Parks durch die European Wilderness Society (EWS) im Jahr 2014 hat die EWS vorgeschlagen, die Mindestgröße „echter Wildnis" im Kern solcher Schutzgebiete auf 3.000 ha zu begrenzen. Die Ränder sollen sich dann im Laufe der Zeit hinzu entwickeln. Da es in Europa nur noch extrem wenige Gebiete gibt, die die strengen IUCN-Kriterien für Wildnisgebiete erfüllen, wurde darüber hinaus eine weitere Definition für sogenannte „Wilde Regionen" (Wild Areas) vorgeschlagen:

„Wilde Regionen sind naturnahe Lebensräume, deren Entwicklung überwiegend von natürlichen Prozessen dominiert wird. Sie sind zumeist kleiner oder stärker fragmentiert als Wildnisgebiete, können jedoch auch sehr großflächig sein. Der Zustand ihrer Biotope, Prozesse und Artenzusammensetzung zeigt oft deutliche Spuren früherer menschlicher Nutzung und Inanspruchnahme, wie zum Beispiel durch Beweidung, Jagd, Fischerei, Forstwirtschaft, Sportaktivitäten oder andere Folgen menschlicher Aktivitäten."[15]

Nordeuropa[Bearbeiten]

Die größten verbliebenen Wildnisgebiete Westeuropas liegen in Fennoskandinavien. Finden sich keine markierten Wanderwege oder touristischen Anlagen in zusammenhängenden Gebieten, die größer als 100.000 ha sind und mehr als 15 km von Straßen oder Eisenbahnlinien entfernt liegen, spricht man in Schweden von „Wildniskernen“. Nach dieser strengen Festlegung gibt es noch neun Wildniskerne. Sie liegen ausschließlich in der nördlichsten Provinz Norrbotten und machen 4,5 % der Fläche Schwedens bzw. 14,5 % Norrbottens aus. Alle anderen unbesiedelten Gebiete von mindestens 1.000 ha (Süd- und Mittelschweden) bzw. 2.000 ha (Nordschweden), die nicht schmaler als 1 km sind, werden als „Weglose Gebiete“ bezeichnet.[16]

Mittel-, Süd- und Osteuropa[Bearbeiten]

In den am dichtesten besiedelten Ländern Europas, wo ursprüngliche Wildnis nahezu nur noch in den höchsten Bergregionen zu finden ist (z. B. gelten noch 4 % der Alpen als Wildnis) geht man notgedrungen von noch kleineren Mindestflächen aus. So hält der NABU Deutschland für „neue“, geschützte Waldwildnis mindestens 40 ha für erforderlich. Die angestrebte Flächengröße sollte jedoch mindestens 1.000 ha betragen. Die Frage der Flächengröße ließe sich jedoch zur Zeit nicht wissenschaftlich, sondern zunächst einmal nur politisch begründen.[17] Für „neue“ Wildnis- und Wildnisentwicklungsgebiete schlägt das BfN Mindestflächen von 500 ha vor.[18]

In der Schweiz gelten Gebiete, die seit länger als 50 Jahren nicht mehr genutzt wurden und mindestens 600 ha umfassen als schutzwürdige Wildnisparks.[19]

Primäre Wildnis[Bearbeiten]

Bestand[Bearbeiten]

Die “Naturlandschaft” im Naturreservat Vindelfjäll (S) wird von Samen als Weide für ihre Rentierherden genutzt.

Zur Klassifikation des Wildnisbestandes benötigt man Gradmesser für die Naturnähe, die eine Einschätzung erlauben, wie stark ein Ökosystem durch die Einflüsse des Menschen verändert wurde. Die Ökologie bedient sich hier verschiedener „Hemerobie-Systeme“.

Eine Gruppe von 200 Experten der Naturschutzorganisation Conservation International (CI, s. o.) hat errechnet, dass im Jahre 2002 noch 46 % der irdischen Landoberfläche unberührte und damit schützenswerte Wildnis war.[20] 1996 kam CI noch auf 52 %. Der größte Anteil liegt in Fels-, Eis- oder Wüstenregionen, die ohnehin nicht besiedelt werden können. Betrachtet man nur die bewohnbaren Regionen, sind noch rund 25 % wild.[21] Die unterschiedlichen Maßstäbe für Wildnis werden auch dadurch deutlich, dass andere Organisationen zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Nach National Geographic z. B. waren 2008 noch 17 % der eisfreien Erdoberfläche (inkl. der Meere!) ohne menschliche Eingriffe bzw. ohne Anzeichen menschlichen Tuns[22], während die IUCN lediglich 10,9 % relativ unberührte Natur errechnet hat (Stand 2003).

Die am wenigsten fragmentierte und größte einheitliche Wildnisregion der Erde ist die Antarktis. Allerdings besteht sie nahezu ausschließlich aus lebensfeindlichen Eis- und Kältewüsten. Nahezu genauso groß sind die arktischen Tundren und -Kältewüsten. Sie sind zwar teilweise bereits in einem gewissen Grad fragmentiert, beherbergen jedoch weitaus mehr Biomasse. Die drittgrößte Wildnis der Erde sind die südlich anschließenden borealen Nadelwälder. Die Artenvielfalt und die Menge der Biomasse sind ungleich höher, aber dieser Großraum ist auch deutlich stärkerer zerschnitten und gefährdet. Fasst man die nordischen Wälder mit der Arktis zusammen, bilden sie die mit Abstand größte Wildnis der Welt, die vor allem ganz Alaska sowie große Teile Kanadas und Russlands einnimmt. Platz drei bildet die trockene und zu einem großen Teil lebensfeindliche Wildnis der Sahara- und Sahelländer. Etwas mehr als halb so groß ist der Amazonas-Urwald, der Brasilien damit zum drittgrößten Wildnisstaat macht. Nach der Antarktis ist Australien der Kontinent mit dem größten Wildnisanteil. Weitere Länder, die noch große Wildnisareale besitzen sind die USA, China, Kongo, Indonesien, Kasachstan, Argentinien und Saudi-Arabien.[23]

Weltweit nur noch mit wenigen Ausnahmen relikthaft vorhanden sind Wildnisgebiete in den subtropischen Vegetationszonen sowie in den Laubwäldern der warmgemäßigten Zone. Stark gefährdet sind auch die teilweise noch bedeutenden Reste der nordamerikanischen und asiatischen Steppen sowie der südamerikanischen und afrikanischen Savannenlandschaften.

weitere Gebiete siehe → folgende Weltkarte (Hinweis: Mauszeiger ohne Klicken auf ein Wildnisgebiete der Weltkarte legen und nicht mehr bewegen, um den Namen des Gebietes zu sehen)

Last of the wild[Bearbeiten]

Die umfassende Studie „Last of the wild – Version 2“, die 2005 von der Wildlife Conservation Society und dem „Center for International Earth Science Information Network“ (CIESIN) an der Columbia University (New York) veröffentlicht wurde, kommt auf einen Wert von 16 % „most wild“ (im Folgenden übersetzt mit: Kernwildnis) und 47 % „last of the wild“ (im Folgenden übersetzt mit: Wildnischarakter) - ohne Berücksichtigung der Antarktis.

Nicht selten wird in Veröffentlichungen ein Anteil genannt, bei dem die Fläche der Antarktis nicht in die Berechnungsgrundlage eingeht. Leider ist das oftmals nicht erkennbar. Legt man die komplette Landfläche der Erde zu Grunde, kommt man auf 22 % Kernwildnisgebiete und 51 % Gebiete mit Wildnischarakter (siehe Weltkarte).

Die Studie basiert u.a. auf Satellitendaten der NASA und des Joint Research Centers der europäischen Kommission.

  • In einem ersten Schritt wurde der menschliche Einfluss auf die Natur (HII - „Human influence index“) ermittelt und mit Hilfe eines einfachen Punktesystems gewichtet. Dazu wurden Daten zu Bevölkerungsdichte (0 bis >9,6 Einw./km²), Verkehrswegen (Einfluss je nach Abstand, zumeist <2 km, 2-15 km, >15 km), künstlich beleuchteten Bereichen der Erdoberfläche (Intensität 0 bis >89), Lage innerhalb oder außerhalb verstädterter Gebiete und Art der Landnutzung verwendet.
  • In einem zweiten Schritt wurden die ermittelten Werte auf die jeweiligen globalen Biomtypen bezogen, um die unterschiedliche Empfindlichkeit verschiedener Ökosysteme zu berücksichtigen. Dieser Wert wird hier als „Menschlicher Fußabdruck“ (HFI - „Human footprint index“) bezeichnet (nicht zu verwechseln mit dem „Ökologischen Fußabdruck“!). Der HFI wurde anschließend auf eine Skala von 0 (vollständig naturbelassen) bis 100 (vollständig vom Menschen überprägt) bezogen.
  • Der letzte Schritt war die Festlegung der Kategorien „last of the wild“ und „most wild“: Die Autoren der Studie bestimmten dazu im ersten Fall alle Gebiete mit einem HFI von kleiner oder gleich 10 und im zweiten Fall von kleiner oder gleich 1. Während die Kernwildnis-Gebiete noch nahezu unbeeinflusst sind, können in den umgebenden „Last of the wild-Gebieten“ zwischen Flächen weitgehend unbeeinflusster Naturlandschaften (mind. 5 km²) auch Siedlungen, Verkehrswege sowie land- oder forstwirtschaftliche Flächen liegen. Dennoch sind die Landschaftsbilder noch überwiegend von den ursprünglichen Landschaften geprägt.[24]

Intact Forest Landscapes[Bearbeiten]

Bezogen auf Waldgebiete stößt die Methodik des Human footprint index (s. o.) an ihre Grenzen, da unberührte Urwälder aufgrund normaler Satellitenaufnahmen nicht sicher von beeinflussten oder zerstörten Waldgebieten in unbesiedelten Regionen unterschieden werden können. Um die real verbliebene Waldwildnis der Erde zu lokalisieren, hat Greenpeace daher 2005/06 zusammen mit einem Konsortium international anerkannter Wissenschaftler und Organisationen (u.a. Global Forest Watch, ein Netzwerk des World Resources Institute) die Studie „Intact Forest Landscapes“ erstellt.

Siehe auch: Urwald

Sonderfall Europa[Bearbeiten]

Maximal 18 % Europas können noch als Wildnis bezeichnet werden. Fast neun Zehntel davon liegen in der Tundra und Taiga Nordeuropas. Davon wiederum befinden sich mehr als zwei Drittel in Nordwest-Russland. Die wilden Landschaften auf Island und in Fennoskandinavien sind bereits deutlich fragmentiert; genügen jedoch noch den strengen Kriterien der IUCN. Rechnet man Europa ohne Russland, erreichen max. 8 % die Kriterien der „Last of the wild“-Studie.

In den dicht besiedelten und seit tausenden von Jahren anthropogen geprägten Biomen Europas außerhalb der Nordkalotte haben lediglich sehr kleine Reliktflächen einen Human footprint index von max. 10. Diese naturnahen Landschaften verteilen sich vorwiegend auf unzugängliche Gebirgsregionen. Zumeist handelt es sich dabei um Gebiete, die nicht seit jeher unberührt geblieben sind, sondern die sich lediglich in einem weitgehend wildnisähnlichen Zustand befinden. Den Status einer „Kernwildnis“ erreicht hier lediglich eine einzige Fläche in den südlichen Westkarpaten (mithin < 0,01 % Europas).

Die Universität von Leeds hat speziell für Europa (ohne Russland) die Studie „Review of status and conservation of wild land in europe“[25] angefertigt. Die Methodik entspricht im Prinzip der Studie „Last of the wild“; die Betrachtung der Ergebnisse wurde jedoch an die vorgenannten besonderen Bedingungen in Europa angepasst. Statt der Festlegung eines absoluten Maßstabes für unberührte Landschaften wurde im Vorhinein festgelegt, die 10 % Europas zu lokalisieren, die noch am ehesten als Wildnis bezeichnet werden können (Die Weltkarte zeigt für Europa die Flächen dieser Studie). Im globalen Vergleich kommt man für Europa ohne Russland nur auf wenig mehr als 2 % Kernwildnis.

Nach einer Untersuchung des WWF befinden sich nur 2 Prozent der Waldfläche Europas gegenwärtig in einem natürlichen Zustand. Panek schätzt, dass der Anteil urwaldähnlicher (unversehrter) Rotbuchenwälder an der gesamten derzeitigen Buchenwaldfläche europaweit bei weit unter 5 % liegt. Bezogen auf die weitaus größere Fläche von 90,7 Mio. ha, auf der ohne menschliche Eingriffe Buchenwald wachsen würde (Potenzielle natürliche Vegetation), liegt der Buchen-Urwaldanteil nur noch unter 0,5 %.[18]

Auf ebenfalls rund 0,5 % schätzt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) den Anteil der Wildnisgebiete in Deutschland an der Gesamtfläche[26] (= ca. 1800 Quadratkilometer). Dabei handelt es sich allerdings nicht um ursprüngliche Wildnis, sondern überwiegend um die Kernzonen der Nationalparks, die seit der Unterschutzstellung ganz sich selbst überlassen werden!

Weltkarte[Bearbeiten]

Die Grundlage der folgenden Karte ist die ursprüngliche Vegetation der Erde, präziser die potentielle, klimatogene Zonierung, auf die der Mensch mehr oder weniger starken Einfluss ausübt.

Die Wildnisflächen beruhen auf den Ergebnissen der drei vorgenannten Studien:

  • Die gering beeinflussten, naturnahen Wildnis-Landschaften sind die Gebiete mit Wildnischarakter der „Last of the wild-Studie". Sie weisen einen „Human footprint Index“ ≤ 10 auf. (Die exakten Flächen dieser Kategorie sind Teil der zoombaren Karten, die über die „Weblinks“ der jeweiligen Region im Artikel → WWF-Ökoregion aufgerufen werden können.)
    • Für Europa ohne Russland wurden hier abweichend die „Top 10 % wildest areas“ der Studie „Review of status and conservation of wild land in europe“ für das Kartenbild verwendet (Die Anteile an den Vegetationszonen in der Tabelle blieben davon jedoch unberührt!)
  • Die nahezu unbeeinflusste Kernwildnis zeigt bei unbewaldeten Landschaftstypen die Flächen mit einem HFI ≤ 1.
    • In den potenziellen Waldgebieten wurde stattdessen die Urwaldwildnis der „Intact Forest Landscapes“ zu Grunde gelegt.
Antarktis Wälder  Neuseelands Tasmanien Südpazifische  Küsten-Regenwälder Patagonien Südostaustralische  Feuchtwälder Nordost-Australische  Regenwälder Kap  York-Halbinsel Nord-  und  Ostaustralische  Savannen Australische  Wüsten Südwestaustralische  Hartlaubwälder Madagaskar Miombo-Trockenwälder Okavango-Fluss Kalahari-Trockengebiet Namib-Wüste Pantanal Gran  Chaco Pazifische  Wüsten  Südamerikas Regenwälder  von  Borneo  bis  Neuguinea Kongobecken Cerrado  u.  Caatinga Amazonasbecken Trockene  Tropenwälder  Kambodschas Ostafrikanische  Wüsten Ostafrikanische  Dornsavannen Zentralafrikanische  Savannen Llanos-Ebenen Mittelamerikanische  Regenwälder Himalaya-Gebirge Wüste  Tharr Arabische  Wüsten Wüste  Sahara  und  Sahel Everglades Chihuahua-Wüste Colorado-Plateau Mojave-  u.  Sonora-Wüste Niederkalifornische  Wüste Japanische  Alpen Innerasiatische  Trockengebiete West-Kaukasus Appalachen-Gebirge Great  Plains Südliche  Rocky  Mountains Großes  Becken Alpengipfel Nördliche  Große  Seen Nördliche  Rocky  Mountains Nordpazifische  Küsten-Regenwälder Boreale  Nadelwälder Boreale  Nadelwälder Arktische  Tundren  u.  Kältewüsten Südliche  West-Karpaten Südwest-Ural Serengeti
Die Wildnisse der Welt Anfang des 21. Jahrhunderts[27]
(weitgehend flächentreue Eckert VI-Kartenprojektion)

„Gering beeinflusste, naturnahe Wildnis-Landschaften“ = alle Farbflächen, die NICHT rot dargestellt sind
„Nahezu unbeeinflusste Kernwildnis“ = grau umrandete Bereiche innerhalb der vorgenannten Flächen

Klicken Sie auf diesen Link, um eine große Ansicht der Karte mit gleichzeitig sichtbarer Legende zu erhalten:


Landschaftstyp / Vegetationszone (nach „Atlas zur Biogeographie“ von J. Schmithüsen)[28] Wildnisanteil min. bis max.   gefährdet geschützt 2005[29]
 Polargebiete (= Inlandeis und Kältewüsten)
ca. 95 %   – 100 %     nein ca. 7 %
 Tundren (= Flechten- u. Moostundra, Zwergstrauch- u. Wiesen- sowie Wald-Tundren)
ca. 65 %   – 83 %     gering ca. 15 %
 Alpine Hochgebirgsregionen (= Gletscher, Bergtundra, Kältewüsten, Matten u. Heiden)
ca. 58 %   – 82 %     gering *ca. 18 %
 Temperierte Nadelwälder (= Boreale-, Gebirgs- und gemäß. Küsten-Nadelwälder)
ca. 28 %   – 63 %     mittel ca. 14 %
 Temperierte Laub- u. Mischwälder (= Laub- u. Nadelmischwälder und Auenwälder)
ca. 0,5 %   – 7 %     extrem **ca. 12 %
 Temperierte Steppen (= Wald-, Gras-, Strauch-, Trockensteppen und Salzwiesen)
ca. 4 %   – 28 %     extrem ca. 16 %
 Wüsten und Halbwüsten (= Heiße und winterkalte-, Hochlandwüsten und -steppen)
ca. 37 %   – 71 %     mittel ca. 10 %
 Subtropische Trockenvegetation (= Hartlaubvegetation und Trockenwälder)
ca. 2 %   – 16 %     extrem ca. 9 %
 Subtropische Feuchtwälder (= Lorbeer-, Feuchtwälder und subtr. Regenwälder)
ca. 1 %   – 4 %     extrem **ca. 12 %
 Tropische Trockenwälder
ca. 5 %   – 35 %     extrem ca. 13 %
 Tropische Savannen (= Dornstrauch-, Kakteen-, Trocken- und Feuchtsavannen)
ca. 8 %   – 24 %     stark ca. 13 %
 Tropische Feuchtwälder (= Regenwälder, Nebelwälder und trop. Feuchtwälder) ca. 27 %   – 40 %     mittel ca. 23 %

     Gesamt
ca. 32 %   – 52 %     ca. 12 %
     *) = Anteil nicht nur für den alpinen Teil der Gebirge, sondern für die gesamten Gebirgsräume
    **) = Anteil gilt für die Summe der temperierten Laub- u. Mischwälder zuzüglich der subtropischen Feuchtwälder









Gefährdungen und Schutz[Bearbeiten]

Die derzeit vorrangige Nutzung der verbliebenen Wildnisregionen ist die intensive Ausbeutung der Rohstoffreserven wie Holz, Erdöl oder diverse Metallerze sowie die Umwandlung der ursprünglichen Vegetationsdecke zur Schaffung neuer landwirtschaftlicher Flächen. Letzteres steht vor allem in Zusammenhang mit der Soja-Futtermittelproduktion, um den steigenden Fleischkonsum der Weltbevölkerung zu decken und dem Anbau von Energiepflanzen als Ersatz für die schwindenden fossilen Treibstoffe. Aufgrund der häufig weitreichenden Naturzerstörung sind diese Nutzungsformen nicht nur im Kontext „Nutzwert der Wildnis“ zu betrachten, da die Wildnis an dieser Stelle in genutztes Land umgewandelt wird und ihren „wilden Charakter“ damit einbüßt. Die Verringerung der verbliebenen Wildnisflächen schreitet in erschreckendem Tempo voran.

Siehe auch: Entwaldung

Zur Bewertung der in der Tabelle genannten Anteile geschützter Flächen muss man berücksichtigen, dass ein großer Teil davon real keinen wirksamen Schutz genießt! Nicht wenige Schutzgebiete in Entwicklungsländern sind nach wie vor zerstörenden Einflüssen ausgesetzt, da es an Mitteln oder dem politischen Willen mangelt, die Schutzziele umzusetzen. Zudem sind in den Zahlen auch Gebiete enthalten, deren Schutzstatus Management-Maßnahmen vorsieht oder die vorrangig der Erholung dienen. Solche Ziele entsprechen natürlich nicht dem Wildnisgedanken!

Indigene Bevölkerungsgruppen[Bearbeiten]

Einige Saami bringen den Touristen die Wildnis näher

Nahezu alle großen Wildnisregionen der Erde sind die Heimat indigener Völker, die sich dort seit der Erstbesiedlung an die speziellen Umweltbedingungen angepasst haben. Diese Anpassung bedingte eine Abhängigkeit von einer intakten Umwelt, die vielen Völkern bei der Unterwerfung durch die Europäer zum wohl entscheidendsten Verhängnis wurde. Vier Beispiele: Den nordamerikanischen Plains-Indianer wurde durch die Vernichtung der Bisonherden die Nahrungsgrundlage entzogen. Die fortschreitende Rodung der südamerikanischen Regenwälder nimmt den dortigen Indigenen ihren Lebensraum. Marktwirtschaftliche Zwänge nötigen die skandinavischen Sámi zu immer größeren Rentierherden, die wiederum die Tundren überweiden. In jüngster Zeit bedrohen die Auswirkungen des Klimawandels auf die Polarregion die Existenz der Eskimo-Völker.

Die wenigsten dieser Völker leben noch ausschließlich von ihrer traditionellen Wirtschaftsweise. Wo die ursprünglichen Ökosysteme noch intakt und ausreichend großflächig sind, nutzen einige wenige Indigene die Wildnis jedoch nach wie vor extensiv und an den jeweiligen Naturraum angepasst, indem sie die vorhandenen Ressourcen nachhaltig nutzen, ohne sie zu zerstören. Dabei wirken sie z. T. durchaus auf die Artenzusammensetzung ein, so dass sie als landschaftsverändernder Faktor ein wesentlichen Teil der jeweiligen Wildnisregion sind. So sind z. B. die Regenwälder Südamerikas auch eine vom Menschen geprägte Kulturlandschaft.[30] Die Bewahrung der kulturellen Identität ist allerdings von Volk zu Volk sehr unterschiedlich und kein einheitliches Merkmal für „Wildnisvölker“.

Aufgrund ihrer jahrtausendealten Erfahrungen haben traditionell wirtschaftende, indigene Völker ein natürliches Interesse an der Unversehrtheit ihrer Umwelt. Dennoch werden ihre Wohn- oder Nutzungsrechte an verschiedenen Wildnisgebieten von manchen Staaten nicht anerkannt. Solche völkerrechtlich bedenklichen Eingriffe in die Gewohnheitsrechte der Indigenen sind zum Beispiel aus Ländern wie den USA, Kanada, Brasilien, Schweden oder Russland bekannt.[31] Häufig handelt es sich dabei um Landrechtskonflikte bei der Vergabe von Konzessionen zur Ausbeutung wertvoller Ressourcen an internationale Konzerne in Gebieten, die nie rechtswirksam von den Indigenen übereignet wurden. Da diese Menschen die Wildnis sehr genau kennen, wird von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen wie dem WWF[32] oder der Gesellschaft für bedrohte Völker[33] darauf hingewiesen, das überlieferte Wissen der Indigenen und ihre traditionellen Lebensweisen zu achten.

Nutzwert[Bearbeiten]

Trekking in der Waldwildnis des Tresticklan-Nationalparks (S)

Als Lebensraum bedrohter Tiere und Pflanzen spielen die verbliebenen Wildnisgebiete eine herausragende Rolle bei der Erhaltung der Artenvielfalt. Der größte Nutzen für den Menschen liegt vorrangig in ihrer Bedeutung als letzte intakte „Funktionszusammenhänge“ der Biosphäre. Dies wird besonders heute deutlich, seit der anthropogen verursachte Klimawandel die Stabilität der irdischen Lebensgemeinschaften bedroht. So erzeugen z. B. die Regenwälder große Mengen Sauerstoff und binden ebenso große Mengen Kohlendioxid. Zugleich bestimmen sie maßgeblich den Wasserhaushalt in den Tropen. Ähnlich wichtig ist die Speicherung des hoch-klimaschädlichen Methangases in den dauergefrorenen Torflagerstätten der Polargebiete. Grundsätzlich gelten intakte Naturgebiete als Garant für gesunde Böden, sauberes Wasser und saubere Luft. Darüber hinaus wird vor allem in den artenreichen Regenwäldern eine große Zahl noch unentdeckter Substanzen vermutet, die in der Medizin oder Chemie äußerst nutzbringend sein könnten. Die Nutzung dieser Ressourcen setzt jedoch intakte Ökosysteme voraus, die leider in großem Tempo immer weiter degradiert werden.

Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender „Nutzwert“ der Wildnis liegt sicherlich auch in ihrer Bedeutung als „Regenerationsraum“ des modernen Menschen, denn sie übt auf viele Menschen eine große Faszination aus. Daher wird der Begriff „Wildnis“ in Werbung, Fernsehen (z. B. Tiere vor der Kamera) und Literatur oftmals verbunden mit Abenteuerlust und Ursprünglichkeit. Dabei wird allerdings meistens ein romantisiertes Bild aufgebaut, das den unerfahrenen Besucher, der die Wildnis einmal hautnah erleben möchte, schnell in gefährliche Situationen bringen kann. Insbesondere die Orientierung in weglosem Gelände stellt besondere Anforderungen an den Besucher. Echte Wildnis ist kein Garten Eden, sondern eher ein Naturraum, „der in der Lage ist, den Menschen – je nach dessen Fähigkeiten – in seiner physischen Existenz zu gefährden“ (Zitat Herwig Decker in[34]). Wer weglose Wildnisgebiete bereisen möchte, sollte sich daher für eine geführte Tour entscheiden.

Nicht erfasste Kriterien[Bearbeiten]

Wisent als Beispiel für große Pflanzenfresser in der Wildnisentwicklung

Alle genannten Charakterisierungen von Wildnisgebieten beziehen sich nur auf die Faktoren Besiedlung, Vegetation und Nutzung, so dass daraus nicht grundsätzlich auf vollkommen unveränderte Naturzusammenhänge geschlossen werden kann! Vor allem Veränderungen in der Zusammensetzung der Tierwelt werden nicht berücksichtigt, obwohl Anzahl und Artenspektrum der Tiere einen wesentlichen Einfluss auf das Aussehen der Landschaft haben. Besonders deutlich wird dies bei einem Blick auf Mitteleuropa, wo die Veränderung des Artenspektrums durch menschliche Einflüsse nicht erst seit dem 20. Jahrhundert stattfindet. Bereits im Laufe des Mittelalters wurden die großen Weidetiere Auerochse, Elch, Wildpferd und Wisent ausgerottet oder auf unbedeutende Restbestände dezimiert. Später kamen Bestandsdezimierungen oder Ausrottungen der großen Räuber Bär, Wolf und Luchs hinzu, so dass von einer natürlichen Zusammensetzung seit langem keine Rede mehr sein kann.[35] Eine ähnlich dramatische Dezimierung der Tierwelt findet zur Zeit vor allem in den tropischen Wildnisgebieten statt, wie man den Berichten der großen Naturschutzorganisationen allenthalben entnehmen kann. Weitere negative Einflüsse auf die Lebewelt der Wildnis, die nicht berücksichtigt werden, gehen von der Luftverschmutzung aus. Hier spielt zum Beispiel die Versauerung der Böden oder der düngende Effekt der Stickstoffeinträge in der Nähe industrieller Zentren eine Rolle. Die größten Veränderungen der Natur wird jedoch der globale Klimawandel verursachen, der zu dramatischen Wetterextremen wie Überflutungen und Dürren, sowie zu einer Verschiebung der Klima- und Vegetationszonen nach Norden führt.

Sekundäre Wildnis[Bearbeiten]

Urwälder brauchen Zeit zur Entwicklung

Schon im ausgehenden 19. Jahrhundert gab es Stimmen, die die Erhaltung oder Wiederherstellung eines „Naturzustandes“ für einige Gebiete forderten. In dieser Zeit drohten die letzten Wälder der Verkohlung für die Metallverarbeitung zum Opfer zu fallen und es entstanden erste Naturschutzvereine.

Heute, wo in Mitteleuropa praktisch keine Primärwildnis mehr existiert, wurde der Gedanke in den 1990er Jahren aufgegriffen, geeignete Gebiete sich selbst zu überlassen und nicht mehr pflegend einzugreifen, wie es der Naturschutz bis dahin vorsah. Wald ist die potentielle natürliche Vegetation der größten Teile Europas. In Deutschland war einer der Vorreiter der Idee sekundärer Wildnis Hans Bibelriether, langjähriger Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, der sich für die Entwicklung neuer Urwälder im Park einsetzte. Neben wissenschaftlichen Gründen zur Erforschung natürlicher Prozesse wollte Bibelriether gegen die zunehmende Natur-Entfremdung ein Bewusstsein für Wildnis als „unzerstörten Naturschatz“ wecken.

Eine große Anzahl geschützter Naturgebiete in Mitteleuropa sind keine Wildnis, sondern ehemals extensiv genutzte Kulturlandschaften wie Heiden, Bergweidegebiete, Offenlandbereiche oder Hutewälder. Diese Lebensräume bedürfen der Pflege, um erhalten zu werden. Ohne diese Maßnahmen würden sie verbuschen und sich schließlich in Wälder verwandeln. Zum anderen hat sich aber auch gezeigt, dass die Primärwälder in Europa bis auf wenige Inseln verloren sind, und sich selbst überlassene Wälder nur in Ausnahmefällen in einen wie auch immer gearteten „Originalzustand“ verfallen können. Daher ist man von einem zu strengen Fokus auf den Unberührtheitsgedanken wieder abgekommen, und erarbeitet Konzepte von Landschaftspflege und integrierten Kulturlandschafts- und Sekundärwildnisbereichen.

Weltweit ist dort, wo der Mensch sich aus dem Landschaftsraum zurückzieht, häufig Versteppung oder gar Wüstenbildung zu beobachten. Dies ist ein Zustand, der - obwohl dem Wildnisbegriff genau entsprechend - als unerwünscht oder bedrohlich angesehen wird. Ob diese Prozesse als „natürlich“ gedeutet werden können, wurde im Kontext Klimaveränderung/globale Erwärmung noch nicht festgelegt.

Naturschutzkonzepte[Bearbeiten]

Schutzgebiete[Bearbeiten]

Als Reaktion auf die „Wilderness“-Bewegung des ausgehenden 19. Jahrhunderts gibt es in den USA bereits seit 1964 gesetzlich geschützte „Wilderness Areas“ (s. o.), die rund 4,6 % der amerikanischen Gesamtfläche (= 44,3 Mio. ha) umfassen (Stand 2012). Die weitaus größten Gebiete davon liegen im Bundesstaat Alaska.

Seit 1997 gibt es auch in Europa eine Schutzgebietskategorie, die speziell für Wildnis(entwicklungs)gebiete eingerichtet wurde, die „PAN Parks“ und „PAN Park Wildnispartner“. Im April 2013 gehörten 7.670 km² Flächen innerhalb bestehender Großschutzgebiete dazu, das entspricht 0,08 % der Fläche Europas. 2014 übernahm die „European Wilderness Society" (Sitz in Österreich) die führende Rolle im europäischen Wildnisschutz. Sie löst die mittlerweile insolvente PAN Parks Foundation ab und hat deren zertifizierten Wildnisgebiete in ihren Bestand übernommen. Auf der Internetseite der EWS werden die Wildnisgebiete in die drei Gruppen "Certified Wilderness Areas", "Wilderness Areas" und "Potential Wilderness Areas in Europe" unterteilt.[36]

Auf globaler Ebene wurden primäre Wildnisgebiete im Rahmen der Kategorienfindung der IUCN für international gültige Schutzgebietsstandards in die höchste Schutzstufe (Kategorie Ia und Ib) eingruppiert. Etwa 1,1 % der irdischen Landfläche fielen 2005 unter diese Schutzkategorien.

Die häufigste Schutzgebietsform für große, unzerstörte Naturräume ist der Nationalpark (s.u.).

Obwohl sich alle großen Naturschutzorganisationen - u.a. CI dank einiger Millionenspenden - weltweit um den Wildnisschutz bemühen, waren im Jahre 2002 erst ca. 7 % dieser Gebiete tatsächlich geschützt [20].

Flächenunabhängige Konzepte[Bearbeiten]

Dem Begriff des Wildnisgebiets liegt immer der eines zusammenhängenden Raums zugrunde.

Mario Broggi, der Leiter der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) hat eine von der Größe unabhängige Definition verfasst, die in der Literatur als „kleinster, gemeinsamer Wildnisnenner“ bezeichnet wird:[37]

„Unter Wildnis wird jener Raum verstanden, im dem wir jede Nutzung und Gestaltung bewusst unterlassen, im dem natürliche Prozesse ablaufen können, ohne dass der Mensch denkt und lenkt, im dem sich Ungeplantes und Unvorhergesehenes entwickeln kann.“

Prozessschutz[Bearbeiten]

Der von dem deutschen Forstökologen Knut Sturm geprägte Begriff Prozessschutz wird in der Diskussion häufig mit Wildnisentwicklung gleichgesetzt. Zufällige, natürliche Vorgänge wie Sturm, Brand oder Schädlinge, die in der Wildnis ungehindert wirken können, spielen bei dieser Naturschutzstrategie durchaus eine wichtige Rolle (Zitat Sturm: „Störungen und Konkurrenz müssen wirken dürfen“). Allerdings galt dies im ursprünglichen Sinne nur auf begrenzten, mosaikartigen Teilflächen in Wirtschaftswäldern. Das heißt, die natürliche Dynamik von Wildnis- (sprich: Urwald-) inseln im Wirtschaftswald soll genutzt werden.[38]

Die neuere Definition erstreckt sich nicht mehr nur auf Wälder, und es wird nunmehr zwischen segregativem- und integrativem Prozessschutz unterschieden. Beim segregativen Prozessschutz steht die vollkommen ungesteuerte Naturentwicklung zu wildnisähnlichen Lebensräumen im Mittelpunkt. Dagegen findet beim integrativen Prozessschutz eine Bewertung der natürlichen Prozesse statt, die entsprechend den bewusst formulierten Zielen einer bestimmten Landschaftsentwicklung zugelassen oder verhindert werden.[39]

Umgesetzt werden diese Konzepte in Schutzgebieten mit der Deklarierung von Kernzonen, die vollkommen unberührt bleiben sollen, und Rand- und Pufferzonen, in denen anthropogene Einflüsse abgefangen werden, oder in verschiedenen Konzepten von Schutzgebietsklassen (Schongebiete, Sperrzonen, temporäre Regelungen). Ein vorbildliches Beispiel für diese Schutzstrategie liefern die europäischen PAN Parks.

Umsetzung[Bearbeiten]

Nationalparks[Bearbeiten]

Frei lebende Islandpferde im Nationalpark De Meinweg (NL)

Nach den international gültigen Kategorien der IUCN müssen in einem Nationalpark (Kategorie II) mindestens 75 % der Fläche sich selbst überlassen bleiben und dürfen in keiner Weise genutzt werden.

Dieser Standard findet sich auch im deutschen Bundesnaturschutzgesetz wieder: §24 (2) „Nationalparke haben zum Ziel, im überwiegenden Teil ihres Gebiets den möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik zu gewährleisten.“ In Deutschland erreichen bis auf zwei Nationalparks alle diese strengen Anforderungen. Allerdings wird es noch viele Jahrzehnte dauern, bis in einem deutschen Nationalpark tatsächlich wieder von Wildnis gesprochen werden kann. In anderen Ländern orientiert man sich nicht unbedingt an den IUCN-Kategorien. Die Nationalparks der Niederlande unterliegen beispielsweise weitaus schwächeren Schutzkriterien, so dass hier noch weniger von der Entwicklung sekundärer Wildnis die Rede sein kann.

Andere Schutzkonzepte[Bearbeiten]

Bereits in den 1970er Jahren begann man in Deutschland aus wissenschaftlichem Interesse kleine naturnahe Waldinseln als Dauerversuchsflächen (Naturwaldreservate, Naturwaldzellen, Totalreservate) auszuweisen, die ihrer ungestörten biologischen Entwicklung überlassen wurden. Es unterbleibt jegliche forstliche Nutzung und direkte Beeinträchtigung. Diese Schutzgebiete sind ein Beispiel für die Strategie des integrativen Prozessschutzes (s. o.) auf Landesebene. Sie werden je nach Bundesland unterschiedlich benannt. Viele Landes-Forstverwaltungen bezeichnen diese Reservate gern als „Urwälder von morgen“. Aufgrund der geringen Flächengröße von durchschnittlich rund 37 ha (bezogen auf insgesamt 719 Reservate dieser Art) und nur 0,3 Prozent der Waldfläche Deutschlands ist diese Bezeichnung jedoch sicherlich zu euphorisch. Fachleute geben die Mindestgröße von Naturwaldreservaten mit 50–100 ha an.[18]

In den anderen Schutzgebietstypen (Naturschutzgebiete, FFH-Gebiete, Vogelschutzgebiete, geschützte Biotope nach jeweiligem Landesrecht etc.) hat der Prozessschutz in der Regel eine geringere Bedeutung. Die Schutzbestimmungen werden individuell festgelegt und zielen vielfach auf die Erhaltung anthropogen gestalteter, artenreicher Naturlandschaften wie z. B. Heiden und andere Offenlandbiotope, die sich ohne Pflegemaßnahmen in – zumeist artenärmere – Waldbiotope verwandeln würden s. o.

Unter anderem aufgrund der geringen Flächengrößen liegt Deutschland in der unteren Hälfte einer europäischen Rangliste zum Waldschutz. Die Schweiz belegt in dieser Bewertung den ersten Platz.[17]

Wildnisentwicklungsgebiete[Bearbeiten]

Wie bereits im Abschnitt „Primäre Wildnis“ dargestellt, muss auch die potentielle Tierwelt berücksichtigt werden, wenn das Naturschutzziel die Wiederherstellung der natürlichen Prozesse eines Gebietes sein soll.

Für Mitteleuropa ging man lange Zeit davon aus, dass die gesamte Landfläche bis auf einige Moore, Auen und Berge von Wald bedeckt war. Nach umfangreichen Pollenanalysen in verschiedenen Bodenschichten vertreten manche Wissenschaftler seit den 1980er Jahren jedoch vermehrt die Theorie, dass größere Teile Mitteleuropas doch nicht so dicht bewaldet, sondern eher mit offenen Graslandbereichen durchsetzt waren. Die Erklärung dafür seien neben Stürmen und Dürren auch Herden großer Pflanzenfresser, die den Wald – vor allem auf mageren Tieflandstandorten – kurz hielten (siehe Megaherbivorenhypothese und Mosaik-Zyklus-Konzept). Besonders in den Niederlanden und Belgien werden diese Theorien bei der Wiederherstellung von „neuer Wildnis“ berücksichtigt und erforscht. Ein herausragendes Beispiel dafür ist das Gebiet Oostvaardersplassen in Holland, wo in einer aufgelassenen Küstenlandschaft große Herden von Rothirschen und sogenannte Abbildzüchtungen von Wildpferden (Koniks) und Rinder (Heckrinder) leben. Der Eingriff des Menschen ist hier ausschließlich auf die Bejagung kranker und Entfernung toter Tiere beschränkt, um die fehlenden Beutegreifer zu ersetzen. Nach den Vorstellungen der niederländischen Naturschützer sollte das Gebiet deutlich vergrößert werden und schließlich zu einem vernetzten Verbund ähnlicher Schutzgebiete erweitert werden, der u. a. bis an die Lippe reichen könnte. Die Voraussetzungen am Niederrhein sind naturräumlich günstig, und auch in Deutschland finden sich genügend Befürworter der Megaherbivorentheorie. In den Veröffentlichungen des Bundesamt für Naturschutz (BfN) spricht man in diesem Zusammenhang von Wildnisentwicklungsgebiet,[40] für die das folgende Leitbild formuliert wurde: „In Deutschland gibt es in der Zukunft wieder großflächige Wildnisgebiete (Zielkorridor 2 % der Gesamtfläche Deutschlands bis zum Jahre 2020), in denen Entwicklungsprozesse natürlich und ungestört ablaufen und die weitere Evolution der Arten und Lebensgemeinschaften stattfinden kann“.[18] In den Niederlanden wird der Begriff Naturentwicklungsgebiet verwendet.

Erste Beispiele dieser Naturschutzstrategie finden sich im NSG Königsbrücker Heide und beim Hutewaldprojekt im Solling. Große Herden wilder Weidetiere benötigen große „wilde Weiden", so dass vor allem die Nationalparks, ehemalige Truppenübungsplätze und Bergbaufolgelandschaften in Frage kämen. Wie ernst die Verwilderung großer Landschaften genommen wird, zeigt die Empfehlung einer Studie des Berlin-Institutes für Bevölkerung und Entwicklung an den Brandenburger Landtag, ohnehin dünnbesiedelte Landstriche mit Hilfe von Abwanderungsprämien gänzlich zu entvölkern und in ökologisch und touristisch attraktive Wildnisgebiete umzuwandeln.[41] Vergleichbare Projekte außerhalb Europas sind ein Pleistozän-Park in Nordostsibirien und das Mahazat As-Sayd-Schutzgebiet in der Arabischen Wüste.

Wildnis im kulturellen Kontext[Bearbeiten]

Geschichtliche Entwicklung[Bearbeiten]

In frühen (Ackerbau-)Kulturen bildete das bewirtschaftete Kulturland nur Inseln in einer großen Wildnis. Wo das Kulturland mit der Zeit zu einer zusammenhängenden Fläche zusammenwuchs, kehrte sich die Situation um. Die restlichen Wildnisinseln wurden ursprünglich als Forst bezeichnet. Einerseits sicherten sich viele Herrscher ausgedehnte Jagdreviere, die nicht urbar gemacht werden durften und daher lange Zeit ihren Wildnischarakter behielten. Zum anderen gab es Grenzwälder entlang strittiger Grenzen wie den Sachsenwald (Limes Saxoniae) zwischen sächsischem und slawischem Siedlungsgebiet im heutigen Schleswig-Holstein. Derartige Grenzwildnisse wurden mancherorts durch Verwüstung von Siedlungen in jahrzehnte-, ja jahrhundertelangen Kleinkriegen künstlich erhalten. So wurde z. B. der Süden (späteres Masuren) und Osten des preußischen Ordenslandes zunächst gezielt entvölkert und erst nach vertraglicher Grenzfestlegung (Frieden von Melnosee) wieder besiedelt.[42] Derartige Gebiete wurden an den Ostgrenzen des deutschen Sprachgebietes allgemein als Wildnisse bezeichnet. So ist auch die mittelalterliche „Wildnis Bauske“ im Baltikum im Zusammenhang mit den Litauerzügen des Deutschen Ordens entstanden.

Die Bewertung der Wildheit[Bearbeiten]

Das altehrwürdige Wörterbuch der Gebrüder Grimm gibt Auskunft über die Bedeutung des Wortes in historischer Zeit. Da heißt es z. B. „die grundbedeutung ist eine weitere, als der heutige gebrauch vermuthen läszt. das wort bezeichnet (…) ganz allgemein ‚wildheit, etwas wildes‘, sowohl zuständlich als gegenständlich (…) der alten sprache fremd ist die heutige bildliche verwendung von wildnis für ‚üppigwuchernde fülle, hemmende noth, geistige verwirrung‘“. Weiter steht dort: „die gewöhnliche, ältere Vorstellung scheint fast nur die unfreundlichen Züge des bildes zu bemerken.“ So spricht Luther von der „grausamen wildnusz“ oder benutzt den Begriff für „Verwirrung“, „verwildern“ und „verirren“, während Schambach Wildnis und Anarchie gleichsetzt.[3]

Die ursprünglich negative Belegung des Begriffes zeigt, dass die Abneigung gegen die Wildnis tief in uns verwurzelt ist. Bei unseren Vorfahren war die Wildnis der Gegenpart zur Kultur: die ungezähmte, gefährliche und unkontrollierbare Urnatur, das „Unbewohnbare“, die allenfalls nur störend in die vom Menschen geschaffene Kultur, die Ökumene, eingreift.

Im Zeitalter der Aufklärung wurde der Begriff zunehmend positiv belegt. Er findet sich in Ausdrücken wie „wildromatische Landschaft“ oder „wilde Bergwelt“ als Inbegriff des Naturschönen oder des Reizvoll-Abenteuerlichen, sowie im Konzept des edlen Wilden als Verkörperung des verlorenen Garten Edens im Sinne Rousseaus. Diese Vorstellungen finden ihre Fortsetzung in der auf die amerikanischen Romantiker zurückgehende Wilderness-Bewegung, die die Wildnis als Leitbild des „Freien“ sieht, ähnlich wie im modernen Naturschutzgedanken.

Bis heute liegt dem Begriff die beschriebene Mehrdeutigkeit zugrunde (etwa: Wildbach als der ungezähmte, unverbaute, und überschwemmungsgefährliche Fluss; dagegen Wildwasser als sportlich herausforderndes Ambiente). Der Historiker Roderick Nash sieht das Substantiv „Wildnis“ als irreführende Verdinglichung des Adjektives „wild“. Er schreibt: „Es gibt Wildnis nicht als eigentliches, materielles Objekt. Der Terminus beschreibt eine Eigenschaft (…), die in einem bestimmten Individuum eine bestimmte Stimmung oder ein bestimmtes Gefühl erzeugt.“ Tatsächlich ist der heutige Gebrauch des Wortes sehr mehrdeutig. Während der eine damit seine Abneigung gegen einen verwilderten Garten ausdrückt, spricht der andere respektvoll von der „Weisheit der Wildnis“. Der Ökologe Wolfgang Scherzinger bezeichnete diesen Widerspruch im Wildnisbegriff als „Spannungsfeld zwischen Ehrfurcht und Furcht, Staunen und Schauern, Begeisterung und Bestürzung, Sehnsucht und Angst, Geborgenheit und Hilflosigkeit“.[34]

Heutige Bedeutung des Begriffes und die Wildnisdebatte[Bearbeiten]

Aktuell wird die Rolle der Wildnis unter dem Stichwort Wildnisdebatte - im englischsprachigen Raum als wilderness-Debatte[43] - diskutiert.[44] Sie betrifft einen weitverbreiteten Wandel der Wahrnehmung von Wäldern und Bergen als bedrohten, sensiblen und schützenswerten Ökosystemen zu einer regelrechten Sehnsucht, einem Wunsch nach Wildnis als kulturellem Phänomen.[45] Die dazu notwendige aktive Wiederherstellung von Wildnis durch aktives menschliches Zutun erscheint paradox, was in Titeln wie „Beim nächsten Wald wird alles anders“ oder „Wa(h)re Wildnis“ zum Ausdruck kommt.[46] Darüber hinaus kommen ästhetische Punkte zum Tragen – Urwälder werden akzeptiert und gefordert. (Borkenkäferbefall, Windwurfflächen und Waldbrandfolgen sollen aber möglichst schnell wieder beseitigt werden.)[47]

Eine der wesentlichen Motivationen, die Wildnis aufzusuchen oder sie im Naturschutz als Leitbild zu formulieren, liege in ihrem Kontrast zur modernen Zivilisation wie in Freiheitserfahrungen im weitesten Sinn.[44] Drei Freiheitsaspekte werden in deutschen Quellen unterschieden. Zum einen die Waldfreiheit des konservativen Wilhelm Heinrich Riehls, der im Rahmen einer organisch-konservativen Weltanschauung den Wald als Jungbrunnen des Volkes charakterisierte. Dem gegenüber steht eine aufklärerisch-liberale Perspektive einer emanzipatorischen Freiheit und Autonomie in der Wildnis und Natur wie als dritter Aspekt das romantisch innerliche Freiheitsgefühl.[48] Dabei unterscheidet sich der mitteleuropäische Wildnisbegriff durchaus vom Wildnisbegriff der älteren Wilderness-Debatte in den USA.[49] Ursachen liegen unter anderem im sinkenden Flächenbedarf in der Land- und Forstwirtschaft, der Entscheidungen über die Verwilderung zahlreicher Flächen notwendig macht.[50]

Aus philosophischer Sicht kommt bei der Wildnisdebatte unter dem Stichwort Wildnis und Tod die vergleichsweise kurze Lebensspanne des Menschen zum Ausdruck. Langfristige Entwicklungen in der Natur können wir nur episodisch begleiten. Bei der Borkenkäfer-Diskussion im Bayerischen Wald gingen Menschen auf die Straße, die das für andere Anliegen nie getan hätten, mit Aussagen wie „Was nützt es uns, wenn in 70 Jahren ein neuer Wald entstehen wird. Wir haben nichts mehr davon.“ Unterschwellig bedingt die Möglichkeit, in der Wildnis zu sterben zu können, vielleicht den stärksten Widerstand beim Versuch, Wildnis zu akzeptieren. Echte Wildnis ist ein Naturraum, der in der Lage ist, den Menschen – je nach dessen Fähigkeiten – in seiner physischen Existenz zu gefährden. Wildnis beginnt für jeden dort, wo er – bewusst oder unbewusst und je nach persönlicher Disposition – Lebensgefahr spürt.[51]

Eine ideen- bzw. kulturgeschichtlich fundierte, systematische Analyse der heutigen „Sehnsucht nach Wildnis“ mit einer Unterscheidung (1) von voraufklärerischen, aufklärerischen und aufklärungskritischen Wildnisideen sowie (2) einer Charakterisierung der heutigen Bedeutungen der Wildnistypen Berge, Dschungel, Wildfluss und Stadtbrachen liefern Haß et al.[52]

Der Umwelthistoriker William Cronon betrachtet die Idee unberührter Wildnis als Idealvorstellung von Menschen, die nie direkt in und von ihrer Umwelt leben mussten. Er beruft sich dabei auf die amerikanische Geschichte: Bereits die Ureinwohner hätten ihre Umwelt aktiv gestaltet, so dass man keineswegs mehr von unberührt sprechen könne. Einige Naturschützer sahen darin eine unangemessene moralische Position in der naturwissenschaftlichen Diskussion und warfen ihm Anthropozentrismus vor. Er würde dem Menschen damit eine zu hohe Stellung in der Hierarchie des Lebens einräumen und seine Rolle in der vorkolumbischen Ära überbewerten. Dies sei kontraproduktiv für die Bestrebungen zum Wildnisschutz. Cronons Absicht zielt jedoch gar nicht auf die Rolle des Menschen in der Vergangenheit, sondern auf die Zukunft des Naturschutzes: Nach seiner Ansicht sei eine kategorische Trennung von Mensch und Natur eine gefährliche Ideologie, die den Menschen noch mehr von der Natur entfremden und verhindern würde, eine ethisch und ökologisch korrekte, nachhaltige Nutzung der Wildnis zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund wurde Cronon in den Vorstand der The Wilderness Society berufen, die sich um die Erhaltung von Amerikas Wildnisgebieten kümmert.[53]

Konfliktpotential[Bearbeiten]

Sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Wissenschaft hat Wildnisschutz und –entwicklung ein großes Konfliktpotential, was unter anderem auf unterschiedliche Auffassungen und Bewertungen von Wildnis zurückzuführen ist.[54]

Öffentlichkeit[Bearbeiten]

Faszination Wildnis im Nationalpark Sarek

Bereits bei der Etymologie des Begriffes „Wildnis“ (s. o.) wurde deutlich, dass die negative Bedeutung tief in uns verwurzelt ist. Viele „un-Worte“ wie unschön, ungepflegt, unberechenbar, unproduktiv oder unordentlich werden mit Wildnis in Verbindung gebracht. Seit Urzeiten bemüht sich der Mensch, Wildnis zu zähmen und zu kultivieren. Erst seit vergleichsweise kurzer Zeit spricht man von einem Schutz der Wildnis. Handelt es sich um Gebiete in fernen Ländern, ist die Bevölkerung meist positiv eingestellt. Bei direkter Konfrontation jedoch bricht sich die alte Abneigung sehr schnell Bahn. Ein Beispiel sind die monatelangen Tumulte der Anwohner des Nationalparks Bayerischer Wald, als es aufgrund der großen Totholzmengen im Wald zu einer explosionsartigen Vermehrung des Borkenkäfers kam.[34] Da sich Wildnisentwicklung nicht planen lässt und einem stetigen, unvorhersehbarem Wandel unterliegt, erfordert es ein großes Maß an Vertrauen in die Natur, auch solche Entwicklungen zu akzeptieren. „Wer eine Entwicklung zur Wildnis wirklich akzeptiert, der muss den Borkenkäfer und den Birkenspanner genauso akzeptieren wie Wolf, Luchs oder Wisent[55] Um dies zu erreichen, sollten daher die Bedürfnisse und Vorstellungen der Bevölkerung frühzeitig mit berücksichtigt werden. In der Schweiz hat man aus den Problemen in Bayern gelernt und das Meinungsspektrum möglichst vieler Bewohner und potenzieller Nutzer bei der Ausweisung von Wildnisgebieten ermittelt. Interessanterweise stimmten die meisten Eidgenossen den typischen Merkmalen von Wildnis in wissenschaftlichen Positionen zu, obwohl sie sich andererseits Wanderwege, Feuerstellen und Besucherparkplätze wünschten. Die Gebiete sollen demnach zwar verwildern dürfen, aber nicht komplett für die menschliche (Freizeit-)Nutzung gesperrt werden. Um den Wünschen der Bevölkerung nachzukommen, böte sich eine Einteilung der Gebiete in verschieden stark geschützte Zonen an, wie es von Nationalparks bekannt ist.[37] Ein Beispiel für eine solche Zonierung bietet Österreich mit dem Wildnisgebiet Dürrenstein.

Fachleute[Bearbeiten]

In den Reihen der Naturschützer und Wissenschaftler gibt es ebenfalls einige Bedenken gegen den Wildnisschutz „durch Nichteingreifen“:[55]

  • Die meisten Offenlandbiotope Mitteleuropas benötigen Pflege, um das jeweilige Artenspektrum zu erhalten. Bei einer Wildnisentwicklung gingen diese Arten verloren
  • Wildnisentwicklung ist nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit größerem Artenreichtum! Prozessschutz (s. o.) führt in der Regel zuerst zu einer massenhaften Vermehrung ohnehin häufiger Arten (z. B. Weidenröschen, Brennnesseln, Brombeeren, Adlerfarn, Birken). Die Entstehung einer ursprünglichen (potentiellen) Artenzusammensetzung ist nicht bzw. nur in sehr langen Zeiträumen möglich
  • Einige Förster und Waldbauern behaupten, dass naturnah bepflanzte, aber forstwirtschaftlich gepflegte Wälder wesentlich stabiler und ertragreicher seien
  • Einige Naturschützer fürchten um den Sinn ihrer Arbeit, denn es ist eine ungewohnte Vorstellung für viele Menschen, am besten einfach nichts zu tun und damit keine Kontrolle über die Dinge zu haben.

Nicht erst seit dem spektakulären Vorschlag des Berlin-Institutes zur Wildnisentwicklung in großen Teilen des Bundeslandes Brandenburg ist eine Debatte über die Anteile solcher Gebiete entbrannt. Selbst die moderate Forderung des BfN für einen Zielkorridor von 5 % stößt in einigen Gesellschaftskreisen auf Ablehnung. So hat das Umweltministerium im Rahmen der Entwicklung einer nationalen Biodiversitätsstrategie für Wildnisgebiete eine Zielvorstellung von 2 % genannt. Auf der einen Seite erklären die Naturschutzverbände, dass allein für die Erfordernisse der FFH-Richtlinie 1–2 % der Fläche an Wildnisgebieten vorhanden sein müssten. Auf der anderen Seite steht zur Zeit jedoch erst maximal 0,9 % der Fläche Deutschlands als Potential zur Verfügung (ermittelt aus ca. 0,3 % Naturschutzgebiete, 0,085 % Naturwaldzellen, 0,25 % Nationalparke, weitere Flächen ca. 0,25 %).

Philosophische Betrachtungen[Bearbeiten]

In der Diskussion[34] um „neue Wildnisse“ gibt es sicherlich gute Gründe für und gegen die Details der entsprechenden Konzepte. Die Grundsatzfrage ist jedoch, ob der Mensch bereit ist, ein „Grundrecht der Natur“ anzuerkennen oder seine Vorstellungen von Natur höher zu bewerten. Der amerikanische Ökologe Aldo Leopold hat diese Philosophie drastisch formuliert:

„Wildnis ist eine Absage an die Arroganz des Menschen.“

Hubert Weinzierl, ehemaliger Vorsitzender des Bundes Naturschutz, hat ein diplomatisches Plädoyer für die Wildnis abgegeben. Er schrieb 1998:

„Wollen wir eine Momentaufnahme menschengemachter Landschaft für immer konservieren oder wollen wir die Natur an sich schützen? (…) Wir sollten (…) wieder viel mehr den Mut zur Wildnis beweisen und uns nicht mit ein paar ‚Biotopen‘, als Landschaftsalmosen sozusagen, abspeisen lassen. Vielmehr sollten die Naturschutzgebiete als Perlen eingebettet sein in eine Landschaft, mit der wir insgesamt anständiger umgehen. Wir brauchen also künftig den Naturschutz auf der Gesamtfläche. Und wir brauchen wieder einen Hauch von Wildnis in unserem Lande, damit wir uns nicht ganz von der Natur entfernen. Das bedeutet einige Korrekturen in unserer Denkweise: (Dazu gehört auch) das Eingeständnis bei uns Naturschützern selbst, dass manche Pflege-Manie letztlich dem anthropozentrischen Wunschdenken entspricht, die Natur so zu bewahren, wie wir sie gerne haben möchten.“

Der amerikanische Schriftsteller Edward Abbey schrieb in „Desert Solitaire“:[56]

„[…] Wildnis ist kein Luxus sondern ein Bedürfnis des menschlichen Geistes, so lebenswichtig wie Wasser und gutes Brot. Eine Zivilisation, die das wenige zerstört, was von der Wildnis übrig ist, das Spärliche, das Ursprüngliche, schneidet sich selbst von ihren Ursprüngen ab und begeht Verrat an den Prinzipien der Zivilisation.“

und:[57]

„Aber die Liebe zur Wildnis ist mehr als ein Hunger nach dem, was außerhalb unseres Einflußbereichs liegt; sie ist ein Ausdruck der Loyalität zur Erde, der Erde, die uns hervorbringt und ernährt, die einzige Heimat, die wir je kennen werden, das einzige Paradies, das wir benötigen – wenn wir denn die Augen hätten [es] zu sehen.“

Henry David Thoreau, der amerikanische Schriftsteller, Unitarier, Philosoph und Mitbegründer des Transzendentalismus war ein starker Verfechter der Wildnis, und forderte auf sie als öffentlich zugängliches Land zu bewahren. In seinem Essay Walking beschreibt er Wildnis als einen Schatz, der erhalten werden muss, anstatt geplündert zu werden:

„Ich würde gerne ein Wort über die Natur aussprechen, für absolute Freiheit und Wildheit, wie sie sich gegenüber einer Freiheit und lediglich zivilen Kultur abhob. – Menschen als Bewohner betrachten, oder ein Teil oder Stück der Natur, anstatt eines Mitglieds einer Gesellschaft.“[58]

sowie:

„Das Leben setzt sich aus der Wildheit zusammen. Am belebtesten ist der wildeste.“[59]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • William Cronon: The trouble with wilderness; or, Getting back to the wrong nature, in: Environmental History 1 (1) 1995: 7-28.
  • Hans Peter Duerr: Traumzeit. Über die Grenze zwischen Wildnis und Zivilisation. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1985.
  • Elsbeth Flüeler, M., Volken, M. Diemer (Hrsg.): Wildnis. Ein Wegbegleiter durchs Gebirge. Mit einem Vorwort von Franz Hohler und 24 Originalbildbeiträgen. Rotpunktverlag, Zürich 2004.
  • Haß, A., D. Hoheisel, G. Kangler, T. Kirchhoff, S. Putzhammer, M. Schwarzer, V. Vicenzotti & A. Voigt: Sehnsucht nach Wildnis. Aktuelle Bedeutungen der Wildnistypen Berg, Dschungel, Wildfluss und Stadtbrache vor dem Hintergrund einer Ideengeschichte von Wildnis.In: T. Kirchhoff, V. Vicenzotti & A. Voigt (Hg.): Sehnsucht nach Natur. Über den Drang nach draußen in der heutigen Freizeitkultur. transcript, Bielefeld 2009: 107–141.
  • Deborah Hoheisel, Gisela Kangler, Ursula Schuster, Vera Vicenzotti: Wildnis ist Kultur. Warum Naturschutzforschung Kulturwissenschaft braucht. Natur und Landschaft 2010/85 (2): 45–50.
  • Thomas Kirchhoff, Ludwig Trepl (Hrsg.): Vieldeutige Natur. Landschaft, Wildnis und Ökosystem als kulturgeschichtliche Phänomene. transcript, Bielefeld 2009.
  • T. Kirchhof/V. Vicenzotti: A historical and systematic survey of European perceptions of wilderness, in: Environmental Values (pre-copyediting version) 2013.
  • Patrick Kupper: Wildnis schaffen: Eine transnationale Geschichte des Schweizerischen Nationalparks. Bern: Haupt 2012.
  • Roderick Frazier Nash: Wilderness and the American mind. Fourth edition. New Haven & London: Yale University Press/Yale Nota Bene 2001.
  • Max Oelschlaeger: The idea of wilderness: from prehistory to the age of ecology. New Haven & London: Yale University Press 1991.
  • Matthias Stremlow, Christian Sidler: Schreibzüge durch die Wildnis. Wildnisvorstellungen in Literatur und Printmedien der Schweiz. Haupt, Bern 2002.
  • Vera Vicenzotti: Der 'Zwischenstadt'-Diskurs. Eine Analyse zwischen Wildnis, Kulturlandschaft und Stadt. transcript, Bielefeld 2011.
  • WWF Deutschland (Hrsg.): Weisheit der Wildnis – Unser Umgang mit der Erde. Pro Futura, München 1995.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe z. B.: „Category Ib Wilderness area. Category 1b protected areas are usually large unmodified or slightly modified areas, retaining their natural character and influence, without permanent or significant human habitation, which are protected and managed so as to preserve their natural condition.“ (iucn.org) Vgl. .bfn.de.
  2. T. Kirchhoff, Ludwig Trepl: Landschaft, Wildnis, Ökosystem: zur kulturell bedingten Vieldeutigkeit ästhetischer, moralischer und theoretischer Naturauffassungen. Einleitender Überblick. In: Dies. (Hrsg.): Vieldeutige Natur. Landschaft, Wildnis und Ökosystem als kulturgeschichtliche Phänomene. transcript, Bielefeld 2009: S. 13–66; Deborah Hoheisel, Gisela Kangler, Ursula Schuster, Vera Vicenzotti: Wildnis ist Kultur. Warum Naturschutzforschung Kulturwissenschaft braucht. Natur und Landschaft 2010/85 (2): 45–50; naturphilosophie.org.
  3. a b c WILDNIS, f. und n., zu wild adj.. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Hirzel, Leipzig 1854–1960 (woerterbuchnetz.de, Universität Trier).
  4. Wolfgang Pfeifer (Leitung): Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. dtv, München 1995. ISBN 3-05-000626-9; 7. Auflage 2004, ISBN 3-423-32511-9 . Eine digitale Fassung dieses Wörterbuchs ist abrufbar im lexikalischen Informationssystem: http://www.dwds.de/.
  5. ÖDE, f.. In: Grimm: Deutsches Wörterbuch. Hirzel, Leipzig 1854–1960 (woerterbuchnetz.de, Universität Trier).
  6. Online Wortschatz-Portal der Universität Leipzig
  7. Ludwig Trepl: Der Konservativismus entdeckt die Wildnis. Jungbrunnen, Asphaltdschungel und Betonwüste. scilogs.de: „Landschaft und Ökologie“ auf der Webseite von „Spektrum der Wissenschaft“, Artikel vom 20. August 2012.
  8. L. Fischer: Kulturlandschaft – naturtheorethische und kultursoziologische Anmerkungen zu einem Konzept. in Denkanstöße. Landschaftskult - Kulturlandschaft., Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz, Heft 6, November 2007, S. 16 - 27.
  9. Philosophische Naturerkundung auf www.die-philosophen.de, 1992
  10. Deutsche Übersetzung durch das Bundesamt für Naturschutz
  11. Hendee, Stankey und Lucas 1990.
  12. http://www.tiroler-forstverein.at/fileadmin/user_upload/pdf/Vortraege/Wieviel_Wildnis_braucht_das_Land_Vortrag_2013_Bernhard_Kohler.pdf
  13. http://ec.europa.eu/environment/nature/natura2000/wilderness/pdf/guidance.pdf
  14. http://www.panparks.org/sites/default/files/Principles_1-3.doc.pdf
  15. Definition of Wilderness in Europe. Website der European Wilderness Society. Abgerufen am 25. März 2014. Übersetzt durch Wikipedia-Nutzer Ökologix
  16. Sveriges Nationalatlas. Bd. Miljön, 2. Auflage, Kartförlaget, Gävle 1997, ISBN 91-87760-42-8.
  17. a b Berichte, NABU
  18. a b c d Norbert Panek: Deutschlands internationale Verantwortung: Rotbuchenwälder im Verbund schützen. Gutachten im Auftrag von Greenpeace e. V., 2011
  19. nach BUWAL 2002, Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL, Schweiz
  20. a b Hubertus Breuer: Korridore des Lebens. In: Die Zeit, Nr. 52/2002.
  21. Wildnis statistisch. In: WWF-Journal, 2/96, S. 36
  22. Planet Erde 2008. Unsere Welt im Wandel: Zahlen, Daten, Fakten. In: National Geographic, S. 36
  23. Abgeleitet aus der Literatur zur Weltkarte, siehe dort
  24. Studie „Last of the wild, Verion 2“ auf der Webseite „Socioeconomic Data and Applications Center (SEDAC)“ des „Center for International Earth Science Information Network (CIESIN)“ der Columbia University, New York - Abfrage September 2012
  25. Studie vom „The Wildland Research Institute“ der University of Leeds - Dokument vom 3. Oktober 2010 (PDF; 4,7 MB)
  26. Hanno Charisius: Halb so wild. In: Süddeutsche Zeitung, 28. Mai 2010, S. 16.
  27. Quellen siehe aktuelle Dateibeschreibung der Karte
  28. Die Landschaftstypen basieren auf einer vereinfachten Version der Wikipedia-Karte „Vegetationszonen"
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  54. Siehe hierzu systematisch am Beispiel des Bayerischen Waldes: Gisela Kangler: Von der schrecklichen Waldwildnis zum bedrohten Waldökosystem – Differenzierung von Wildnisbegriffen in der Geschichte des Bayerischen Waldes. In: T. Kirchhoff, L. Trepl (Hrsg.): Vieldeutige Natur. Landschaft, Wildnis und Ökosystem als kulturgeschichtliche Phänomene. transcript, Bielefeld, S. 263–278; G. Kangler, U. Schuster: Naturschutz im Nationalpark: Ist der „Borkenkäferwald“ Natur? Was kulturwissenschaftliche Analysen eines Naturschutzkonfliktes zu seiner Lösung beitragen können. Laufener Spezialbeiträge, 2011 (1), S. 139–143.
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