Tatort: Spiel auf Zeit

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Folge der Reihe Tatort
OriginaltitelSpiel auf Zeit
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Produktions-
unternehmen
SWR
Länge88 Minuten
EinordnungFolge 875 (Liste)
Erstausstrahlung26. Mai 2013 auf Das Erste
Stab
RegieRoland Suso Richter
DrehbuchHolger Karsten Schmidt
ProduktionSabine Tettenborn
MusikMatthias Klein, Michael Erdmann, Jürgen Heidecke
KameraJürgen Carle
SchnittIsabelle Allgeier
Besetzung

Spiel auf Zeit ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Tatort und wurde am 26. Mai 2013 im Ersten zum ersten Mal gesendet. Es ist die 875. Folge der Reihe und der 12. Fall des Stuttgarter Ermittlerteams Lannert und Bootz. Sie bekommen es diesmal mit einem kompliziert eingefädelten Raubüberfall zu tun und privat gerät Sebastian Bootz in eine familiäre Krise.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Überführung von Volker Zahn aus der JVA Stammheim wird der Gefangenentransport von falschen Polizisten überfallen und der Gefangene befreit. Lannert und Bootz werden informiert und eilen zum Tatort, an dem sie die angeschossenen Wachmänner vorfinden. Einer stirbt kurz darauf auf dem Weg ins Krankenhaus, der andere überlebt. Eine Ringfahndung wird sowohl nach dem Geflohenen eingeleitet, als auch nach den Mitgliedern seiner vierköpfigen Bande, von denen man annehmen muss, dass sie hinter der Befreiungsaktion stecken. Die Überführung wurde von der Staatsanwältin angeordnet, nachdem ihr Mann, Stephan Brüggenthies, entführt und sie damit unter Druck gesetzt worden war.

Bootz trifft sich mit seiner Frau in einer Gaststätte. Sie gesteht ihm, dass sie jemanden kennengelernt habe und ihn verlassen werde. Es sei Moritz Bahr, der Vater eines Schulkameraden ihres Sohnes Henry. Für Bootz kommt das wie aus heiterem Himmel. Er lässt sich alle Informationen über den Mann beschaffen und sucht Moritz Bahr auf, um mit ihm zu reden. Dabei muss er feststellen, dass dieser querschnittsgelähmt ist und im Rollstuhl sitzt.

Während Bootz noch verkraften muss, dass sich seine Frau von ihm trennen will, besucht Lannert seinen alten Kontrahenten Victor de Man in der JVA und befragt ihn, ob er von der Befreiungsaktion etwas weiß. Dieser handelt mit Lannert aus: Wenn er hilft, Zahn zu schnappen, möchte er neun Monate eher entlassen werden. So schickt er Lannert zu einer Wohnwagensiedlung hinter dem Containerhafen. Dort findet er auch den beschriebenen Wohnwagen mit Heilbronner Kennzeichen, in dem Brüggenthies gefangen gehalten wurde. Auch der erste der Bande, Marko Rossi, kann verhaftet werden.

De Man weiß auch, dass Zahn dabei ist, sich Schnellfeuergewehre zu besorgen. Um herauszufinden, wo er sich diese beschafft, nutzen sie de Mans Verbindungen, und Lannert nimmt ihn in seine Obhut. Zusammen fahren sie zu Waffenhändler Moscherosch, der ihnen verrät, dass sich Zahn bereits mit Waffen versorgt hat. Zahn war Berufssoldat und ist in der Lage, sich in die Zeitschlossanlagen von Banken einzuhacken. So ist zu vermuten, dass er einen großen Bankraub vorhat. Fünf Banken in Stuttgart arbeiten mit solch einem Zeitschlosssystem, und Bootz befragt de Man, ob er wüsste, welche sich Zahn ausgesucht haben könnte. Das muss er verneinen, aber er weiß, dass sich Zahn nach einem Experten für Katastrophenschutz erkundigt hat. Die in Frage kommenden Leute der Stadt werden recherchiert und ein Betz ist auffällig, da er schon einmal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist. Den suchen die Ermittler auf und verfolgen ihn, als er flüchtet. Sie erfahren von Betz, dass er, da er der Sicherheitsbeauftragte der Stadt ist, ein Leck in der Gasleitung verursachen soll. Auf diese Weise bekämen Zahns Leute als Handwerker getarnt Zugang zur Bank, während ein allgemeines Chaos herrschen würde und alle Angestellten und Kunden aufgrund des Alarms der Gashavarie die Bank verlassen müssten.

De Man gesteht Lannert, dass er eine Tochter hat, von deren Existenz er gerade erst erfahren hat. Er möchte jedoch nicht, dass sie ihn im Knast besucht, darum will er unbedingt vorzeitig entlassen werden. Lannert erlaubt ihm vorab für 30 Minuten ohne Handschellen und Bewachung zu ihr zu gehen und fällt so auf einen Trick herein. De Man flieht und die Ermittler sind wieder so weit wie am Anfang.

Lannert und Bootz begeben sich in die JVA in der Hoffnung mehr über Zahn zu erfahren. So befragen sie den Zellengenossen von Zahn. Der weiß, dass er mal nach Xenon, dass man als Betäubungsmittel einsetzen kann, gefragt hat und wo man das beziehen könnte. Da sie noch keine andere Spur haben, als zu der Bank, bleiben sie daran, diese im Großeinsatz zu überwachen. Sie kommen jedoch dahinter, dass es sich möglicherweise gar nicht um einen Banküberfall handelt, den Zahn und de Man vorhaben, sondern dass es um den Transport von Gelddruckplatten geht und bei einem solchen Transport ein Narkosegas gut zum Einsatz kommen kann.

Mit einem ausgeklügelten System gelingt es Zahn und seiner Bande den Transporter zu überfallen und die Druckplatten zu stehlen. Die Polizei ist ihnen zwar schon auf der Spur, wird aber mit den großkalibrigen Waffen der Räuber zum Rückzug gezwungen. Als De Man und Zahn sich mit der Beute per Hubschrauber absetzen wollen, kommt Lannert Zahn so nahe, dass dieser ihn nieder schießt. Ehe er jedoch einen tödlichen Schuss nachsetzen kann, erschießt de Man Zahn und rettet Lannert damit das Leben.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Drehorte für diesen 875. Tatort waren Stuttgart, Baden-Baden und Karlsruhe.[1] Nach dem Tatort: Der Wald steht schwarz und schweiget war Spiel auf Zeit der zweite Tatort, bei dem der SWR den Zuschauern die Gelegenheit gab, im Netz mitzuermitteln.[2]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spiel auf Zeit erzielte bei seiner Erstausstrahlung am 26. Mai 2013 10,23 Mio. Zuschauer was einem Marktanteil von 28,40 % entspricht. Bei den 14- bis 49-Jährigen kam der ARD-Krimi auf 3,56 Mio. und somit auf 24,5 %.[3]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lena Bopp von der FAZ beurteilt diesen Stuttgarter Tatort als „Durchschnitt“, obwohl diese Episode eigentlich „einen neuen Handlungsstrang“ eröffnet und „fast wie eine Action-Episode“ wirkt. „Der für das Drehbuch verantwortlich zeichnende Holger Karsten Schmidt, [versuchte] diese Ungewissheit bis zur letzten Minute aufrechtzuerhalten. Das macht diesen Tatort in manchen Augenblicken wirklich spannend.“ Letztlich bringt er aber doch wieder nur das gewohnte Mittelmaß.[4]

Bei der Süddeutschen Zeitung urteilt Holger Gertz ähnlich. Er befindet den Tatort als durchaus „spannend, vor allem dann, wenn man den Begriff auf sein Inneres zurückführt.“ Die Geschichte lebt durch die Gegensätze, „die miteinander in Berührung gebracht werden. Spannung zwischen dem Waffenhändler, einem faszinierend charismatischen Arschloch, und den Kommissaren Lannert und Bootz, gute Jungs. Spannung zwischen Vertrauen und Enttäuschung. Spannung zwischen stillen und lauten Momenten.“ Daher ist für ihn das Finale „dann komplett übersteuert. Alles entlädt sich in Kommissar-Tschiller-hafter Ballerei, unangemessen flach am Ende einer Episode" obwohl die Handlung "den Zuschauer lange angesprochen hat.“[5]

„Trotz gekonnt inszenierter Schießereien und der einen oder anderen gelungenen Wendung gibt es auch in der Inszenierung immer wieder Störfaktoren, die ein konzentriertes Mitfiebern sabotieren. Die musikalische Untermalung, die in ihrer Machart oft an das auditive Intro einer beliebigen Gameshow erinnert, überschattet die Hintergrundgeräusche allzu penetrant. Auch, dass zudem ganze Gesprächspassagen nachsynchronisiert werden mussten, schadet der Atmosphäre des Werkes.“

Thordes Herbst: serienjunkies.de[6]

Zum interaktiven Medienexperiment urteilt man bei merkur.de:

„Mindestens ebenso wichtig dürfte für alle "Tatort"-Zuschauer ohne Internetzugang jedoch die Frage sein, ob sie beim klassischen Krimigenuss am Fernseher noch die Chance auf Durchblick haben. Darüber verrät der Sender nichts, allerdings hatte man alle Skeptiker bereits bei der Premiere vor einem Jahr beruhigt: "Es ist mitnichten so, dass künftig der Mörder im Tatort erst via Internet gefunden werden muss.“

Rudolf Ogiermann: merkur-online.de[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daten zur Tatortfolge auf tatort-fundus.de, abgerufen am 24. November 2013.
  2. TATORT: Internet auf tatort-fundus.de, abgerufen am 24. November 2013.
  3. Rekorde für "Tatort" (Memento des Originals vom 12. November 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/meedia.de auf meedia.de, abgerufen am 24. November 2013.
  4. Filmkritik der FAZ auf faz.net, abgerufen am 24. November 2013.
  5. Guter Bulle, zweifelnder Bulle auf sueddeutsche.de, abgerufen am 24. November 2013.
  6. Review Tatort@1@2Vorlage:Toter Link/www.serienjunkies.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. auf serienjunkies.de, abgerufen am 24. November 2013.
  7. So funktioniert der nächste Mitmach-Tatort auf merkur-online.de, abgerufen am 24. November 2013.