Taz, die Tageszeitung Verlagsgenossenschaft

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Taz, die Tageszeitung Verlagsgenossenschaft eG

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Rechtsform Eingetragene Genossenschaft
Gründung Dezember 1991 – Eintragung im Genossenschaftsregister des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg Nr. 480 Nz am 13. April 1992[1][2]
Sitz Berlin, Deutschland
Leitung Andreas Bull, Pascal Beucker, Isabel Lott, Berit Lusebrink, Karl-Heinz Ruch[3]
Mitarbeiterzahl 250
Umsatz 369.650,23 Euro (Umsatzerlöse zum 31.12.2015)[4]
Branche Medienunternehmen
Website www.taz.de/Genossenschaft
Stand: 26. April 2018

Taz, die Tageszeitung Verlagsgenossenschaft eG (Eigenangabe taz, die tageszeitung. Verlagsgenossenschaft, häufig kurz taz-Verlagsgenossenschaft oder taz-Genossenschaft)[5] ist eine deutsche Medien-Genossenschaft mit Sitz in Berlin. Sie wurde Ende 1991 durch Leser und Mitarbeiter der 1978 gegründeten Tageszeitung ins Leben gerufen, um die Zeitung und ihre Nebenprodukte weiterhin unabhängig von anderen großen Medienunternehmen herauszugeben und zu entwickeln. Sie zielt nach eigenen Angaben auf die „Sicherung der Pressevielfalt durch wirtschaftliche Unterstützung der taz“.[6] Im Juli 2019 hatte die als Herausgeberin agierende Genossenschaft 19.036 Mitglieder.[7]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die Tageszeitung konnte sich seit ihrer Gründung im Jahr 1979 „mehr recht als schlecht durchlavieren“.[8] Nach der Wiedervereinigung wurde die Berlinförderung gestrichen. Gleichzeitig kam es zu Rückgängen im Anzeigengeschäft, so dass sie in eine existenzielle Krise geriet.[9][10] Eigentümer des „Imperiums taz“[11] war zu diesem Zeitpunkt seit der Gründung der eingetragene Verein Freunde der alternativen Tageszeitung, in den nur Mitarbeiter aufgenommen werden konnten. Nach „harter, öffentlicher Diskussion“[11] entschieden sich die Mitarbeiter in der Mitgliederversammlung am 16. November 1991 (mit 132 zu 58 Stimmen bei 6 Enthaltungen) für die Auflösung des Vereins und den Verkauf der Zeitung an eine neu zu gründende Genossenschaft.[12][13]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans-Christian Ströbele zu 25 Jahre taz-Genossenschaft

Ein Teil der Redaktion hatte ursprünglich eine GmbH gründen wollen, um zahlungskräftige Unterstützer anzulocken. Andere warnten davor. Hintergrund dieser Warnung war laut Hans-Christian Ströbele: „Ein Kapitalgeber wird es nicht auf Dauer hinnehmen, dass es keine Profite gibt.“[14] Auch Olaf Scholz empfahl damals der taz eine Genossenschaft zu gründen.[15]

2000 Leser zeichneten für 3 Mio. Mark Genossenschaftsanteile und retteten die taz aus der aktuellen Finanzkrise. Das Statut der taz, die Tageszeitung Verlagsgenossenschaft eG wurde am 27. November 1991 errichtet und am 6. April 1992 vollständig neu gefasst. Die Eintragung der Genossenschaft ins Genossenschaftsregister beim Amtsgericht Berlin Charlottenburg erfolgte am 13. April 1992 unter der Genossenschaftsregisternummer 480. Der Geschäftsbeginn war am 1. Juni 1992.[16]

Weitere Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2003 bemüht sich die Genossenschaft, bedingt durch die anhaltende Medienkrise, um eine Ausweitung weit über das eigene politische Milieu hinaus.[17]

Wer Anteile an der taz-Genossenschaft zeichnet, dem ist die politische Rendite wichtiger als ein finanzieller Gewinn. „Das Wort Rückvergütung, zu Beginn der Genossenschaftsbewegung noch ein wichtiger Motor für die Entwicklung, ist der taz-Genossenschaft ein Fremdwort.“[8] Im Laufe ihrer Geschichte erwies sich die Genossenschaft als Garant für das Überleben der taz und als Finanzier für wichtige Vorhaben, so für die Neubeschaffung von Redaktionssystemen oder für den 2015 geplanten Neubau des Redaktionshauses.[18] So haben die taz-Genossen den wichtigen Neubau-Finanzierungsanteil der stillen Beteiligungen aus der Genossenschaft mit insgesamt 7 Millionen Euro aufgebracht und 1.099 taz-Sympathisanten ihren Beitritt zur Genossenschaft erklärt beziehungsweise Genossen ihre Anteile an deren Kapital erhöht. Innerhalb von drei Monaten sind auf diese Weise 868.000 Euro neue Geschäftsanteile gezeichnet worden.[19][20]

Auch 2018 setzt sich das Mitgliederwachstum weiter fort. Es wurden über 1.200 neue Mitglieder gewonnen.

Satzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Satzung wurde seit der ersten Fassung vom 27. November 1991 mehrfach überarbeitet. Laut Satzung ist der Zweck der Genossenschaft die wirtschaftliche Förderung und Betreuung der Mitglieder als Mitarbeitende und Leser und Leserinnen der taz, dies vor allem mit dem Ziel, „die Unabhängigkeit von großen Verlagen oder Konzernen zu garantieren“.[21] „Gegenstand des Unternehmens sind die Herstellung und der Vertrieb der Tageszeitung die tageszeitung sowie angrenzender Publikationen, die Vermietung und Verpachtung genossenschaftseigener Räume und Einrichtungen, die Bereitstellung von sonstigen Dienstleistungen.“[22]

Eigenkapital[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 2015 betrug das Eigenkapital der taz-Genossenschaft (Geschäftsguthaben verbliebener Mitglieder) mehr als 15 Mio. Euro.[4]

Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die taz-Genossenschaft fungiert für die taz-Gruppe als Holding[4] und trägt folgende Teilunternehmen:[23][16]

  • Taz Verlags- und Vertriebs GmbH (Redaktion und Verlag)
  • Taz Entwicklungs GmbH (Geschäftsführung der Taz Entwicklungs GmbH & Co. Medien KG)
  • Taz Treuhand- und Verwaltungs GmbH (Treuhandkommanditistin der Taz Entwicklungs GmbH & Co. Medien KG)
  • Taz Entwicklungs GmbH & Co. Medien KG (Taz Unternehmensbereich Nord, Datenbanken und Digitaz, Le Monde Diplomatique)
  • Contrapress Media GmbH (Werbeagentur, Handel, Geschäftsführung der Contrapress Satz und Druck GmbH & Co. Neue KG)
  • Contrapress Satz und Druck GmbH & Co. Neue KG (Produktion)

Organe der Genossenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Generalversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Generalversammlung der Mitglieder ist das höchste Organ der Genossenschaft. Mindestens einmal jährlich, meist im September, findet die Generalversammlung statt, an der jedes Mitglied teilnehmen kann.

Mitarbeiterversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese wird von Mitarbeitenden gebildet, die Mitglieder der Genossenschaft und mehr als ein Jahr bei der Genossenschaft oder bei einem von ihr beherrschten Unternehmen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind sowie vom Vorstand als Mitglieder der „Versammlung der Mitarbeitenden“ anerkannt wurden (siehe Satzung).[22] Die Versammlung der Mitarbeitenden kann unter anderem ein Veto gegen die Beschlüsse der Generalversammlung einlegen (§ 16, Absatz 1 der Satzung[22]), den Vorstand bestellen und muss dem Redaktionsstatut zustimmen.

Aufsichtsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Aufsichtsrat besteht aus den drei Mitgliedern:

Vorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den geschäftsführenden Vorstand bilden: Andreas Bull, Pascal Beucker, Isabel Lott, Berit Lusebrink, Karl-Heinz Ruch.[3]

Mitgliedschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altersgruppen der Mitglieder der taz Genossenschaft 2016[25]

Der Beitritt in die Genossenschaft wird mit einer einmaligen Zahlung von mindestens 500 € (auch in 20 Raten zahlbar) abgeschlossen.[26] Seit der Satzungsänderung im September 2010[27] ist die Zeichnung von maximal 200 Anteilen pro Person möglich, was einer Einlage von 100.000 € entspricht. Jedes Mitglied hat unabhängig von der eingelegten Summe immer nur eine Stimme.

Mitgliederverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das taz-Geno-Team unter der Leitung Kornelia (Konny) Gellenbeck ist für die Mitgliederverwaltung zuständig und bereitet die jährliche Mitgliederversammlung der taz Genossenschaft vor.

Mitgliederzeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mindestens einmal im Jahr gibt die Genossenschaft die Mitgliederzeitung Mitgliederinfo[28] heraus, die in Vorbereitung der Mitgliederversammlung der taz-Genossenschaft unter anderem den Jahresabschluss enthält. Ein- bis zweimal im Jahr erscheint die Zeitschrift Genossenschaftsinfo,[29] die sich mit aktuellen Fragen der Genossenschaft beschäftigt.

Nachschusspflicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Nachschusspflicht besteht nicht (§ 33, Absatz 3 der Satzung).[22]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Taz.genossenschaft – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bericht des Vorstandes über das Geschäftsjahr 1992. In: tazMitgliederInfo (Nr. 2) zur Generalversammlung der tazVerlagsgenossenschaft am 18.9.1993, Sommer 1993, Seite 10. Der Gründung basierte demnach auf einem Beschluss der Mitgliederversammlung des Vereins Freunde der alternativen Tageszeitung am 16. November 1991, der zuvor die Tageszeitung herausgegeben hatte.
  2. Handelsregisterauszug Deutschland. unternehmen24.info (Unternehmen24 e.U., Wien), abgerufen am 2. Dezember 2018.
  3. a b Impressum. Herausgeberin. taz.de, abgerufen am 2. Dezember 2018.
  4. a b c Mitgliederinfo Nr. 26. Seiten 10 (Umsatz), 11 (Kapital) bzw. 14 („Holding“). taz.de, abgerufen am 2. Dezember 2018.
  5. Der Punkt wurde erst ab Ende 2011 aus dem Logo des Kernproduktes (ehemals „taz, die tageszeitung.“) in die Eigenschreibweise der Genossenschaft übernommen, so auf Titelseiten der Genossenschafts- und Mitgliederinfos. Kurzschreibweisen finden sich uneinheitlich auch mit Leerzeichen statt Bindestrich oder mit Binnenmajuskel.
  6. Das Wesen der Genossenschaft. taz.de, abgerufen am 2. Dezember 2018.
  7. Genossenschaft. In: taz.de. Archiviert vom Original am 13. Juli 2019; abgerufen am 13. Juli 2019 (Inhalt der Originalseite nicht persistent; Angaben beruhen auf Archivversion).
  8. a b Johannes Greiner: Engagierte Gemeinschaften. Hrsg.: Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften. Taz, Berlin 2006, ISBN 978-3-937683-08-9.
  9. Claudia Bioly: taz, die tageszeitung Verlagsgenossenschaft eG. (PDF, 4 Steiten) Genossenschaften im Porträt, Internationales Jahr der Genossenschaften 2012. In: ethikbank.de. EthikBank, November 2012, abgerufen am 2. Dezember 2018.
  10. Konny Gellenbeck (Kornelia Gellenbeck): Die Geschichte der Genossenschaft, Kauft die taz! taz.de, abgerufen am 1. Februar 2015.
  11. a b Hanna Gersmann, Ulrike Winkelmann: „Eine harte Diskussion“. 20 Jahre taz-Genossenschaft (Interview mit Hans-Christian Ströbele, Johannes Eisenberg und Karl-Heinz Ruch). taz.de, 15. September 2012, abgerufen am 27. Dezember 2014.
  12. Genosse Ströbele auf der Geno-Versammlung 2016. (Video, am 14:26 min. bzw. ab 17:46 min.) Abgerufen am 2. Dezember 2018.
  13. Götz Aly: Zugluft der Wirklichkeit. taz.de, 8. Januar 2013, abgerufen am 27. Dezember 2014.
  14. Ulrike Herrmann: Kontroverse als Stärke. Am Samstag lud die taz Genossenschaft zur Generalversammlung. Der taz geht es gut, Streit gab es trotzdem. taz.de, 19. September 2016, abgerufen am 19. September 2016.
  15. Olaf Scholz im Interview mit Jan Feddersen: Olaf Scholz über Genossenschaften: „Zur taz passt dieses Modell“. Man muss mit seinem Geld auskommen, meint Olaf Scholz, heute Bürgermeister von Hamburg. Vor 20 Jahren riet er der taz, zum Überleben eine Genossenschaft zu gründen. www.taz.de, 23. März 2012, abgerufen am 27. Januar 2019.
  16. a b taz.die Tageszeitung: Die Zeitung. Die Genosenschaft. Das Projekt. 9. Auflage. Berlin 2014, 52 Seiten.
  17. Konny Gellenbeck: Die taz Genossenschaft – eine Erfolgsgeschichte seit 1992. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 10. August 2015: „Drei Phasen der Genossenschaft – Die Genossenschaft als Unternehmensmodell der taz existiert jetzt seit über 20 Jahren. Gründungsphase 1992: 3000 LeserInnen retten die taz vor einem Verkauf (Armutsmodell). Von 1998 bis 2003: Wohlstandsphase der ehemalig Bewegten. (Franz Walter) LehrerInnen. ÄrztInnen u. a. beteiligen sich an der taz Genossenschaft. Seitdem kontinuierliche Bewerbung der taz Genossenschaft. Seit 2003, bedingt durch die anhaltende Medienkrise, Ausweitung weit über das eigene politische Milieu hinaus.“
  18. Auf in die Zukunft! Kurzinfos zum taz Neubau. taz.de, abgerufen am 1. Februar 2015.
  19. Karl-Heinz Ruch: Moorlinsen und Schnurbäume. taz.de, 20. Dezember 2014, abgerufen am 1. Februar 2015.
  20. Ines Pohl, Konny Gellenbeck (Kornelia Gellenbeck): Aus Liebe zum Journalismus. taz.de, abgerufen am 2. Dezember 2015.
  21. a b Der Aufsichtsrat. Die Mitglieder. taz.de, abgerufen am 25. Januar 2015.
  22. a b c d Die Satzung der Genossenschaft. (PDF) taz.de, 4. April 2011, abgerufen am 2. Dezember 2018.
  23. Verlagsgenossenschaft EG. Ein Überblick über die Geschäftsbereiche (Organigramm). taz.de, abgerufen am 2. Dezember 2018.
  24. Ulrike Herrmann: Bericht zur Genossenschaftsversammlung: Ein einfacher Genosse. Bundeswehranzeigen, taz Ultras und die Geschichte von 25 Jahren Genossenschaft. taz.de, 18. September 2016, abgerufen am 18. September 2016.
  25. Genossenschaftsinfo 2/2016. (PDF) taz.de, abgerufen am 15. November 2016.
  26. taz.genossenschaft. taz.de, abgerufen am 2. Februar 2014.
  27. Margarete Stokowski: Wir sind viele. In: taz.de. 20. September 2010, abgerufen am 6. Dezember 2013.
  28. Mitgliederinfo Nr. 24. (PDF) taz.de, abgerufen am 28. Dezember 2014.
  29. Genossenschaftsinfo 2/2014. (PDF) taz.de, abgerufen am 28. Dezember 2014.

Koordinaten: 52° 30′ 24″ N, 13° 23′ 29,5″ O