Thalia Bücher

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Thalia Bücher GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 1919
Sitz Hagen, Deutschland
Leitung Michael Busch (Vors.), Roland Kölbl, Klaus Ortner, Markus Steib
Mitarbeiter Rund 4.000 (2017)[1]
Umsatz 960 Mio. Euro (2016)[2]
Branche Buchhandel
Website www.thalia.de
Herder/Thalia-Buchhandlung in Freiburg im Breisgau (2016)

Die Thalia Bücher GmbH (bis Oktober 2015: Thalia Holding GmbH) mit Sitz in Hagen ist die Dachgesellschaft für mehrere Buchhandels- und Servicegesellschaften, die unter dem gemeinsamen Markennamen Thalia auftreten.

Die Thalia-Gruppe hat (Stand 2017) mehr als 280 Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz[3] und gilt (gemessen am Umsatz) als Marktführer im Sortimentsbuchhandel im deutschsprachigen Raum.[4][5]

Konzernstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesellschafter der Thalia Holding GmbH waren bis 2012 die Könnecke-Beteiligungs-GmbH (25 %) und die Buch & Medien GmbH (75 %). Letztere befand sich zu 100 % im Eigentum der Douglas Holding. Gesellschafter der Könnecke-Beteiligungs-GmbH sind Mitglieder der Familie Könnecke, die 1931 das Unternehmen Thalia erworben hatte. Bis Ende 2012 gehörte Thalia komplett zur Douglas Holding, Im selben Jahr stieg der US-Finanzinvestor Advent in den Konzern ein, die Douglas-Gründerfamilie Kreke blieb mit 20 Prozent am Unternehmen beteiligt. Im Juli 2016 wurde nach Abschluss umfangreicher Sanierungsmaßnahmen bekannt, dass ein Konsortium um den Herder-Verlag den Großteil der Thalia-Gruppe übernehmen wird;[6] die Familie Kreke hält weiterhin eine Minderheitsbeteiligung. Im März 2015 wurde Buch.de mit der Thalia Holding verschmolzen und ist nicht mehr als eigenständiges Unternehmen tätig.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thalia wurde 1919 in Hamburg gegründet; 1997 hatte das Unternehmen 12 Filialen in Hamburg. Am 20. März 1997 eröffnete es eine Filiale in Bremen.[7]

Seit September 2005 firmieren die österreichischen Thalia-Erwerbungen unter Thalia.at und die schweizerische Jäggi-Gruppe unter Thalia.ch. In Linz befindet sich seitdem die größte Buchhandlung der gesamten Thalia-Gruppe.

Anfang 2006 hatte Thalia als Marktführer im deutschsprachigen Raum einen Marktanteil von knapp sieben Prozent. Nach der Vereinigung der Hugendubel-Buchhäuser mit den über 350 Verkaufsstellen der Verlagsgruppe Weltbild fiel Thalia auf den zweiten Platz hinter den dadurch neugebildeten Buchhandelskonzern DBH zurück. Selbsterklärtes Ziel der Thalia-Gruppe war es 2006, ihren Marktanteil in Deutschland mittelfristig mehr als zu verdoppeln.[8][9]

Im Rahmen der 50. IFA stellte Thalia ihr E-Book-Lesegerät OYO vor, das im Herbst 2010[10] und damit deutlich früher als das Konkurrenzgerät von Amazon (Kindle)[11] in den deutschen Handel kam. Einen Marktplatz für Direktveröffentlichungen[12] bot Thalia am 21. April 2011 aber noch nicht an. Ab Ende November 2012 war mit dem E-Book-Reader Odyssey HD FrontLight von Bookeen ein Konkurrenzprodukt zu Amazons Kindle Paperwhite im Angebot.[13] Im März 2013 hat Thalia gemeinsam mit Partnern der Buchhandelsbranche und der Deutschen Telekom als Technikpartner die Marke tolino gelauncht und seither zahlreiche eReader herausgebracht.

Die Gesellschafterversammlung der Thalia Holding GmbH vom 6. Oktober 2015 beschloss die Umfirmierung in Thalia Bücher GmbH.[14] 2016 wurde die Mehrheit an Thalia Bücher GmbH vom deutschen Unternehmen Herder Verlag erworben.[15]

Übernahmen und Beteiligungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1975 Beteiligung an der Montanus aktuell-Gruppe
  • 1988 Übernahme der Phönix Universitätsbuchhandlung, Bielefeld, (1994 Fusion mit Montanus zur Phönix-Montanus GmbH)
  • 1996 Kauf der Herder-Buchhandlungen, Münster in Westfalen und Freiburg im Breisgau
  • 1999 Beteiligung am Onlinehändler buch.de
  • 2000 Kauf der schweizerischen Buchhandlungen W. Jäggi (Sitz Basel) und Stauffacher (Sitz Bern)
  • 2001 Fusion von Phönix und Thalia zur Thalia Holding GmbH
  • 2002 Übernahme der österreichischen Buchhandelskette Amadeus, Übernahme von Bol.de (durch buch.de)
  • 2003 Beteiligung an der schweizerischen Zur alten Post (ZAP) AG (5 Filialen im Kanton Wallis) sowie Übernahme der Buchhandelsgruppen Palm & Enke, Mencke & Blaesing (jeweils in Erlangen) sowie der Universitätsbuchhandlung Jena
  • 2004 Beteiligung an der Kober-Löffler-Gruppe, Übernahme der im Rheinland tätigen Bouvier/Gonski-Buchhandelskette und des Buchhauses Campe, Nürnberg
  • 2006 Übernahme der Reinhold Gondrom GmbH & Co. KG mit 26 Filialen, der wissenschaftlichen Versandbuchhandlung Dr. Claus Steiner, Idstein am Taunus mit (B2B-Geschäft) unter Beibehaltung des Standortes, der Wagnersche Buchhandlung in Innsbruck sowie Beteiligung in Höhe von 50,1 % an der Buchhandlung Grüttefien GmbH, Varel, mit 18 Buchhandlungen und einem Umsatz von 17 Millionen Euro
  • 2007 Übernahme der Buch & Kunst-Gruppe, Dresden, mit 44 Buchhandlungen vor allem in Ostdeutschland und Nordrhein-Westfalen und einem Jahresumsatz von etwa 60 Millionen Euro vom Finanzinvestor Barclays Private Equity[16], der Meissner Bücher AG von der AZ Medien Gruppe und von Haus der Bücher Spaethe, (Moers), der Buchhandlung Franz Potthoff (Bergisch Gladbach), Buchhandlung Köhl (Brühl) sowie über Grüttefien die Buchhandlung Bräuer in Lemgo
  • 2008 Übernahme von Buch-Kaiser in Karlsruhe[17] und Umbenennung der zugekauften Buchläden in Thalia.de[18]
  • Im März 2009 kündigt Thalia die Schließung von Buch-Kaiser in Karlsruhe für 2010 an und konzentriert damit sein Angebot auf 2 Thalia Megafilialen[19]
  • 2009 wurden lediglich drei Buchhandlungen neu eröffnet, 2010 sechs[20]
  • Im März 2013 wurde ein Joint-Venture zwischen Orell Füssli und der Thalia Holding GmbH bekannt gegeben. Im Herbst 2013 nahm das Gemeinschaftsunternehmen Orell Füssli Thalia (OFT), nun die größte Buchhandelskette der Schweiz, seine Geschäftstätigkeit auf. Die Thalia-Filialen in der Schweiz werden nach und nach auf die Marke Orell Füssli umgestellt.[21]
  • Am 1. April 2014 wurde von Thalia auf der Hauptversammlung der Buch.de Internetstores AG ein Squeeze-Out eingeleitet, um das Unternehmen vollständig zu übernehmen.
  • Zum 17. März 2015 wurde die inzwischen hundertprozentige Tochtergesellschaft Buch.de Internetstores aufgelöst und mit der Thalia Holding GmbH verschmolzen.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der intensive Wettbewerb im Buchhandel und der Trend zur Filialisierung gehen seit Jahren mit Übernahmen inhabergeführter Buchhandlungen und Neugründungen von Buchhäusern durch stark expandierende Ketten wie die Thalia-Gruppe, die Verlagsgruppe Weltbild oder die Mayersche Buchhandlung einher.

Die zentrale Einkaufsmacht von Großanbietern wie Thalia gilt zunehmend als geeignet, die Vertriebskonditionen der Verlage zu ihren Gunsten zu beeinflussen, wodurch besonders kleinere Verlage unter Druck geraten können. 2006 wurde Thalia für den Vorschlag kritisiert, die Verlage mögen sich finanziell am Ausbau und der Einrichtung neuer Firmenfilialen beteiligen.[22][23][24] Mehr als ein Jahrzehnt später sind solche Aufforderungen weiterhin Teil der Verlagspolitik.[25] Ein weiterer Kritikpunkt waren Versuche Thalias, durch Angriffe auf die Buchpreisbindung die verbleibenden inhabergeführten Buchhandlungen aus dem Markt zu drängen.[26][27][28] Offenen Widerstand gab es ab 2007 gegen die Pläne der Thalia-Gruppe zur Eröffnung einer Großfiliale im denkmalgeschützten Metropol-Kino in Bonn, was durch ein Bürgerbegehren mit 16.000 Unterschriften im Rahmen der Initiative Rettet das Metropol verhindert werden sollte. Allerdings blieben die Proteste erfolglos und die umstrittene Thalia-Filiale wurde im Herbst 2010 eröffnet.[29][30][31][32] Ebenfalls im Jahr 2010 wurde Thalia Österreich beschuldigt, einen lokalen Verlagsbuchhändler durch Androhung der Einstellung bestehender Lieferantenbeziehungen zum Verkauf zwingen zu wollen.[33]

Im Jahr 2017 verschickte Thalia ein Zahlungsaufforderung an rund 1000 Verlage, mit denen keine vertraglichen Bindungen bestanden, in der ein Jahresbonus in Rechnung gestellt wurde. Einzige Begründung war der Verweis auf das zukünftige Entwicklungspotenzial und die „langfristige Sicherung unserer Geschäftsbeziehungen“.[34] Nach verschiedenen Enthüllungen im Börsenblatt über die Praktiken wird dem Unternehmen von Fachjournalisten „die Methodik der Schutzgelderpresser“ vorgeworfen, sodass Thalia künftig wohl als „Muse der Mafia“ zu gelten habe.[25]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Thalia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thalia als Arbeitgeber Website der Thalia Bücher GmbH. Abgerufen am 8. März 2017.
  2. Thalia mit neuen Eigentümern. In: Buchreport, 11. Juli 2016, abgerufen am 8. März 2017.
  3. Die Thalia Bücher GmbH auf einen Blick Website der Thalia Bücher GmbH.
  4. Marktführer Thalia wird neuer Partner von Shopkick In: Investorszene, 20. Oktober 2016, abgerufen am 8. März 2017.
  5. Mario Brück: Buch-Profis übernehmen Thalia. Wirtschaftswoche. 11. Juli 2016. Abgerufen am 2. August 2017.
  6. Thalia bekommt neue Eigentümer: Vom Sorgenkind zum trendigen Geschäft. In: www.handelsblatt.com. Abgerufen am 11. Juli 2016.
  7. Heinz-Peter Petrat: Thalia schließt in Sögestraße, Weser-Kurier, 28. August 2013, abgerufen am 29. August 2013.
  8. Verdoppelung des Marktanteils angestrebt, Capital
  9. Bertelsmann erwägt Allianz im deutschen Buchhandel, FAZ 26. September 2006.
  10. IFA 2010: Thalia präsentiert Ebook-Reader für 139 Euro. netzwelt.de, 7. September 2010, abgerufen am 9. September 2010
  11. Amazon verkauft sein Lesegerät Kindle und die Digitalausgaben dafür nun direkt in der Bundesrepublik. Das Angebot ist umfangreicher als beim E-Book-Portal des Buchhandels.. Abgerufen am 20. April 2011.
  12. Wir bieten aufstrebenden Autoren eine Startrampe. Abgerufen am 21. April 2011.
  13. TEST: Bookeen HD Frontlight (Thalia Edition) In: allesebook, 27. November 2012, abgerufen am 8. März 2017.
  14. Registerbekanntmachung, Amtsgericht Hagen, HRB 9698, 27. Oktober 2015, abgerufen am 13. Juni 2016.
  15. Katholisch.de: Herder übernimmt Mehrheit an Thalia
  16. Thalia übernimmt BUCH & KUNST-Gruppe. Boersenblatt.net, 27. Dezember 2006, abgerufen am 28. November 2008.
  17. Thalia darf Buch-Kaiser übernehmen. Boersenblatt.net, 30. April 2008, abgerufen am 30. März 2009.
  18. Haus des Buches heißt jetzt Thalia. Boersenblatt.net, 3. September 2008, abgerufen am 28. November 2008.
  19. Thalia schließt eine Kaiser-Filiale in Karlsruhe. BuchMarkt.de, 25. März 2009, abgerufen am 30. März 2009.
  20. Thalia-Holding. Boersenblatt.net, 30. März 2010, abgerufen am 21. August 2010.
  21. Basel: Der Name Thalia verschwindet - badische-zeitung.de. Abgerufen am 20. Juli 2013.
  22. Interview mit dem Geschäftsführer von Thalia (Deutschlandradio Kultur)
  23. Wieland Freund: Der Bock als Gärtner. In: Die Welt, 7. November 2005. Abgerufen am 23. September 2015.
  24. Druckmethoden
  25. a b Andreas Platthaus: Traditionshaus mit Mafia-Methoden. In: FAZ, 30. Oktober 2017, abgerufen am selben Tag.
  26. spiegel.de 28. September 2004: Aushöhlung des Rechts
  27. Gericht soll prüfen
  28. Geschäftspraktiken von THALIA in Österreich
  29. Buchhandlung und Café im Metropol? (Kölnische Rundschau Online)
  30. Thalia bald im Metropol Bonn (Börsenblatt Online)
  31. Denkmalschutz geht vor Gewinnmaximierung (rheinraum-online)
  32. Thalia könnte in einem Jahr in das Metropol in Bonn einziehen
  33. Spiegel.de: Druckmethoden
  34. Börsenblatt: Rechnungen ohne Rechtsgrund vom 3. August 2017, abgerufen am 27. September 2017.