Theater Vorpommern

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Theater Vorpommern GmbH
Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1994
Auflösung 2018 (geplant)
Auflösungsgrund Fusion (geplant)
Sitz Stralsund
Leitung Dirk Löschner
Mitarbeiter 285
Website http://www.theater-vorpommern.de/

Das Theater Vorpommern ist ein in der Rechtsform einer GmbH betriebenes Theater. Gesellschafter sind die Städte Stralsund, Greifswald Putbus. Das Theater Vorpommern bietet Musiktheater, Schauspiel, Ballett und Konzerte. In jedem Jahr finden neben den Aufführungen in den Haupthäusern auch Open-Air-Aufführungen statt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Theater Vorpommern wurde im Jahr 1994 durch den Zusammenschluss des Stralsunder Theaters mit dem Theater in Greifswald gebildet. Im Januar 2006 wurde auch das Theater Putbus eingegliedert. Alle drei Häuser haben gleiches Stimmrecht in der Gesellschafterversammlung, wobei Putbus 5,7 Prozent der Anteile hält und Stralsund und Greifswald jeweils 47,15 Prozent.

Nach Differenzen um die Vertragsverlängerung des Intendanten Anton Nekovar kündigte die Stadt Greifswald im April 2009 den Gesellschaftervertrag in seiner bisherigen Form mit Wirkung zum 31. Dezember 2010.[1] Ziel der Kündigung war nach Darstellung der Stadt Greifswald eine Änderung des Gesellschaftsvertrages, so dass künftige Entscheidungen der Hauptgesellschafter Stralsund und Greifswald einstimmig gefällt werden müssen.[2] Am 28. Mai 2010 wurde Anton Nekovar von seinem Posten als Intendant abberufen. Seither wurde das Theater von zwei Rechtsanwälten als Geschäftsführer geführt, deren Vertrag bis zum 31. Dezember 2010 befristet war. Die Sparten werden von den jeweiligen Spartendirektoren geführt; die Sparte Musiktheater wird vom amtierenden Generalmusikdirektor und der Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros geführt, da der bisherige und abberufene Intendant Nekovar die Operndirektion innehatte.

Seit August 2012 ist Dirk Löschner als Intendanten tätig. Er kam vom Theater der Altmark und wechselte zunächst etwa die Hälfte des Schauspielensembles aus. In der Spielzeit 2012/2013, der ersten Saison unter dem neuen Intendanten Dirk Löschner, besuchten 144.000 Zuschauer die Aufführungen, rund 38.600 weniger als in der Saison 2011/2012.[3] Löschner erklärte dies mit unterschiedlichen statistischen Verfahren der Zählung. Der Aufsichtsrat des Theaters sprach sich knapp für eine Abberufung Löschners aus; die drei Gesellschafter des Theaters folgten dem nicht, erlegten Löschner allerdings auf, keine eigenen Inszenierungen mehr herauszubringen[4]. Damit bleibt der Intendant bis mindestens 2017 in seinem Amt[5].

Nach eigener Darstellung schloss das Theater Vorpommern die Spielzeit 2013/2014 mit einer deutlichen Steigerung bei den Zuschauerzahlen ab - insgesamt besuchten danach 173.470 Zuschauer die 1.062 Veranstaltungen der Spielzeit. Das bedeute gegenüber der Spielzeit 2012/2013 eine Steigerung um 33.624 Zuschauer bzw. 24 Prozent[6].

Ein Eckwertepapier des Schweriner Kultusministeriums Mecklenburg-Vorpommern aus dem Jahr 2014 sah bis zum Jahr 2020 die Fusion der Theater und Orchester Neubrandenburg/Neustrelitz mit dem Theater Vorpommern zum Staatstheater Nordost unter Landesbeteiligung vor. Stralsund soll danach Standort der Oper sein, Greifswald Standort für Schauspiel und Ballett und Neubrandenburg der Standort des Konzertorchesters, das mit dem Stralsunder Opernorchester zusammengehen soll. Neustrelitz würde Produktionsstandort für Musical und Operette werden[7]; verbunden wäre die Fusion mit einem Stellenabbau. Gegen diese Fusion gab es an den Standorten Proteste von Politikern und Bürgerinitiativen. Intendant Dirk Löschner sprach sich im November 2014 für eine Fusion aus[8].

Das Land leistete immer wieder Zuschüsse, um den Betrieb zu sichern; so im Dezember 2014 300.000 Euro. Mit dem Geld soll eine wirtschaftliche Schieflage abgewendet werden[9], im Dezember 2016 wurden 350.000 Euro bewilligt[10].

Das Theater Vorpommern teilte im August 2016 mit, dass die Besucherzahl in der Spielzeit 2015/2016 auf mehr als 191.000 Zuschauer in den Häusern in Greifswald, Putbus und Stralsund gestiegen wäre. Das bedeute eine Steigerung der Zahlen um mehr als 9000 gegenüber der Spielzeit 2014/2015 und damit die höchsten Zahlen in Mecklenburg-Vorpommerns Theaterlandschaft. Diese Zahlen wurden vom Kultusminister Mathias Brodkorb angezweifelt, und tatsächlich wurden dabei die Besucher aus Saalvermietungen mitgezählt[11][12].

In der Saison 2016/17 spitzte sich die Situation am Theater Vorpommern zu. Die seit 23 Jahren bestehenden Haustarifverträge für die etwa 190 künstlerisch Beschäftigten liefen zum Ende des Jahres 2016 aus; es drohte die Insolvenz. Kritischer Punkt war die Bezahlung der Angestellten, welche mit den Haustarifverträgen auf große Teile ihres Lohns gegenüber der tariflichen Fläche verzichten (ca. 15 Prozent, Stand März 2017)[13]. Letztlich waren die Verhandlungen mit der Unterzeichnung eines neuen Haustarifvertrags erfolgreich, der Abschluss soll nun auf die etwa 90 nichtkünstlerischen Beschäftigten in befristeten Einzelverträgen übertragen werden. Eine weitere Erhöhung um 2,25 Prozent, die das Land Mecklenburg-Vorpommern ab 1. Januar 2018 allein tragen will, ist an die Bedingung geknüpft, dass zum Sommer 2018 die Fusion mit der Theater- und Orchestergesellschaft Neubrandenburg/Neustrelitz vollzogen ist.

Im Mai 2017 erklärte Kultusministerin Birgit Hesse, dass eine Fusion zum 1. Januar 2018 möglich sei, da sich die Träger der Theater Vorpommern und der Orchestergesellschaft Neubrandenburg/Neustrelitz haben sich demnach mit dem Land auf einen Zeitplan geeinigt hätten[14].

Nach der Saison 2016/2017 wechselte der Generalmusikdirektor Golo Berg ans Theater Münster. Auch der Regisseur und Dramaturg Hannes Hametner verließen das Theater Vorpommern[15]. Kommissarischer Generalmusikdirektor ist nun Florian Csizmadia.

Der Spielplan 2017/2018, möglicherweise der letzte vor der Fusion, steht unter dem Motto “Ordnung und Widerstand”; 31 Premieren und diverse Konzerte stehen auf dem Programm, darunter das Spektakel “Ordnung und Widerstand” mit fünf Schauspielen und eine Neufassung des Ballets Le sacre du printemps von Ralf Dörnen nach Musik von Igor Strawinsky. Das Spielzeitmotto nimmt nach Intendant Dirk Löschner Bezug auf die Jahrestage 500 Jahre Reformation, 100 Jahre Oktoberrevolution und 50 Jahre 68er-Bewegung[16].

Spielstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater in Greifswald

Greifswald[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Spielerlaubnis der Stadt an eine fahrende Truppe lässt sich für das Jahr 1730 nachweisen.

Nach einem Brand der Spielstätte in der Kuhstraße im Jahre 1912 wird unmittelbar die Errichtung eines Theaterneubaus, des jetzigen Theaters, samt Stadthalle, beschlossen und durchgeführt. Mitten im Ersten Weltkrieg, am 10. Oktober 1915, öffnete das neue Gebäude seine Pforten, und schon ein Jahr später hatte das Greifswalder Theater ein eigenes Ensemble. Unter Intendant Emanuel Voß, der das Haus mit Unterbrechungen bis 1949 leitete, wurde es zu einer soliden Stätte der Kunst. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Greifswalder Theater schon am 17. Oktober 1945 wieder eröffnen. 1960 fusionierte es zum ersten Mal mit dem Stralsunder Theater und dem Theater in Putbus auf Rügen zu einem großen Mehrspartenhaus. Nachdem diese Verbindung 1968 aufgelöst worden war, arbeiten die Theater Greifswald und Stralsund seit Herbst 1994 unter dem Namen „Theater Vorpommern“ wieder zusammen.

Intendanten des Theaters Greifswald bis 1994 waren: 1914–1936 Emanuel Voß, 1936–1938 Harald Güthe, 1938–1942 Claus Dietrich Koch, bis 1949 Emanuel Voß, 1949 Heinz-Andreas Ehm, 1961–1964 Georg Roth als Chefintendant für die Vereinigten Theater und für Greifswald Werner Eisenblätter, 1964–1968 Otto-Ernst Tickert, 1968–1971 Hubertus Methe, 1971–1979 Fred Grasnick, 1979–1986 Alfred Nicolaus, 1986–1987 Ursula Schone-Makus, 1987–1988 Joachim Giem; 1988 amtierten Detlev Klemm, Rainer Harder, Monika Meyer-Klette, 1988–1990 Rainer Harder und 1990–1994 Dieter Wagner.

Stralsund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater in Stralsund (2008)
Hauptartikel: Stralsunder Theater

Das Theater Stralsund wurde als Stadttheater 1766 gegründet. Bereits vorher jedoch sind Aufführungen in der Stadt nachgewiesen.

Die aktuelle Spielstätte befindet sich am Olof-Palme-Platz. Weitere Spielstätten sind über die Stadt verteilt, bei Open-Air-Aufführungen wurde über einige Jahre das Schiff Ursula B. genutzt, aber auch der Alte Markt und die Wiese vor dem Hansa-Gymnasium.

Putbus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater von Putbus

Das Theater in Putbus wurde 1819 bis 1821 unter dem Fürsten Wilhelm Malte I. als Sommertheater errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte eine erste Sanierung und in den Jahren 1992 bis 1998 eine umfangreiche Rekonstruktion des ursprünglichen Zustandes.

Im Jahr 2006 übernahm das das Theater Vorpommern die Spielstätten in Putbus, damit wurde das Theater in Putbus, das über kein eigenes Ensemble verfügte, zur dritten großen Spielstätte des Theaters Vorpommern.

Open-Air-Aufführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Theater veranstaltete regelmäßig auch Open-Air-Aufführungen. Zu den wechselnden Aufführungsorten zählten in Greifswald die Klosterruine Eldena und der Museumshafen Greifswald. In Stralsund waren und sind es das Schiff Ursula B., der Alte Markt, der Hof der Ruine der Johanneskirche, die Wiese vor dem Hansa-Gymnasium und der Zoo Stralsund. Dazu kommen auch Städte in Vorpommern sowie das Amfiteatr Świnoujście.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Opernchor des Theater Vorpommern war im Jahr 2014 zusammen mit dem Chor der Stettiner Oper als Chor des Jahres der Zeitschrift Opernwelt nominiert[17].

Förderverein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Förderverein “Hebebühne” unterstützt das Theater Vorpommern ebenso wie der “Förderverein Ballett Vorpommern”.

Ensemble[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Intendanten des Theaters waren Rüdiger Bloch (1997–2005)[18], Anton Nekovar (2005–2010/2012) und Dirk Löschner (2012– lfd.). Operndirektor ist Horst Kupich (2012– lfd.). Leiter des Philharmonischen Orchesters waren Mathias Husmann (1998–2012) und Golo Berg (2012–2017). Ballettdirektor ist Ralf Dörnen (1997– lfd.). Chefdramaturg ist Sascha Löschner (2012– lfd.). Als Oberspielleiter Schauspiel tätig waren Axel Vornam (1995–1998)[19], Matthias Nagatis (1998–2012)[20] und Reinhard Göber (2016– lfd.).

Musiktheater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Solisten des Musiktheaters sind bzw. waren Alexandru Constantinescu (2012– lfd.), Jardena Flückiger (2015– lfd.), Doris Hädrich-Eichhorn (1994– lfd.), Kristi Anna Isene (2016– lfd.), Karo Khachatryan (2016– lfd.), Anne-Theresa Møller (2016– lfd.), Katarzyna Rabczuk (2016– lfd.), Thomas Rettensteiner (2012– lfd.), Johannes Richter (2012– lfd.) und Andrey Valiguras (2016– lfd.).

Schauspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Sparte Schauspiel sind bzw. waren folgende Künstler am Theater Vorpoimmern tätig: Jan Bernhardt, Sarah Bonitz, Frederike Duggen, Anne Greis, Lutz Jesse, Dennis Junge, Susanne Kreckel, Jörg F. Krüger, Claudia Lüftenegger, Manfred Ohnoutka, Marvin Rehbock, Chiaretta Schörnig, Sebastian Undisz, Markus Voigt, Julius Robin Weigel, Ronny Winter, Alexander Frank Zieglarski.

Ballett[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Sparte Ballett sind bzw. waren folgende Artisten am Theater Vorpommern engagiert: Zoe Ashe-Browne, Nathan Cornwell, Laura Cristea, Stefano Fossat, Christopher Seán Furlong, Mami Fujii, Dominic Harrison, Isabella Heymann, Armen Khachatryan, Emilia Lakic, Melissa Mastroianni, Miguel Rodriguez, Leander Veizi.

Orchester[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Philharmonische Orchester Vorpommern entstand im Jahr der Fusion der Orchester der Theater Greifswald und Stralsund (1994). 19669 bis 1998 war Per Borin Generalmusikdirektor. Seit der Spielzeit 2012/2013 steht das Orchester unter der Leitung von Generalmusikdirektor Golo Berg.

Operchor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Opernchor entstand im Jahr 1994; er ging aus den Opernchören der Theater Stralsund und Greifswald hervor. Im Jahr 2017 hat er 23 Mitglieder. Erster Chordirektor war Günther Wolf, der zuvor den Stralsunder Opernchor leitete. Seit der Spielzeit 2016/17 leitet Julija Domaševa den Opernchor des Theater Vorpommern.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Monika Klette: Aus der Theatergeschichte der Hanse- und Universitätsstadt Greifswald. Herausgegeben 2004 im Auftrag der Theaterleitung.
  • Theaterjubiläen in Vorpommern. 100 Jahre Greifswald, 100 Jahre Stralsund, 200 Jahre Putbus, Hrsg.: Dirk Löschner und Harald Müller, Theater der Zeit, Berlin 2015, ISBN 978-3-95749-052-0.
  • Thomas Wieck: !Stadttheater Greifswald Theaterstadt? 100 Jahre Theater Greifswald, Theater der Zeit, Berlin 2015, ISBN 978-3-95749-053-7.
  • Juliane Voigt: "Dem edlen Bürgersinn dies Haus geweiht". 100 Jahre Theater Stralsund, Theater der Zeit, Berlin 2015, ISBN 978-3-95749-054-4.
  • Holger Teschke: "...ein Schauspielhaus zwischen Himmel und Meer...". 200 Jahre Theater Putbus auf Rügen, Theater der Zeit, Berlin 2015, ISBN 978-3-95749-055-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Theater Vorpommern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ostsee-Zeitung, 25. April 2009
  2. Presse-Konferenz der Stadt Greifswald, 27. April 2009
  3. Ostsee-Zeitung Stralsund, 12. September 2013
  4. nachtkritik.de, 3. Oktober 2014, abgerufen am 20. Mai 2017
  5. nachtkritik.de, 20. Juli 2014, abgerufen am 20. Mai 2017
  6. nachtkritik.de, 3. Oktober 2014, abgerufen am 20. Mai 2017
  7. nmz.de, 18. Juni 2014, abgerufen am 20. Mai 2017
  8. welt.de, 7. November 2014, abgerufen am 20. Mai 2017
  9. nmz.de, 18. Dezember 2014, abgerufen am 20. Mai 2017
  10. nmz.de, 14. Dezember 2016, abgerufen am 20. Mai 2017
  11. nmz.de, 9. August 2016, abgerufen am 20. Mai 2017
  12. faz.net, 11. August 2016, abgerufen am 20. Mai 2017
  13. NDR: Theater Vorpommern: Neuer Tarifvorschlag. Abgerufen am 2. April 2017.
  14. nmz.de, 10. Mai 2017, abgerufen am 20. Mai 2017
  15. Ostsee-Zeitung, 18. Mai 2017
  16. welt.de, 19. Mai 2017, abgerufen am 20. Mai 2017
  17. nmz.de, 9. Oktober 2014, abgerufen am 20. Mai 2017
  18. abgerufen am 24. Mai 2017
  19. 8. Februar 2007, abgerufen am 24. Mai 2017
  20. abgerufen am 24. Mai 2017