Theater Münster

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Außenansicht des Theater Münster
Innenansicht des Großen Hauses

Das Theater Münster (ehemals: Städtische Bühnen Münster) ist ein Fünfspartentheater in Münster und bietet Vorstellungen der eigenen Ensembles in den Sparten Musiktheater (Oper, Operette, Musical), Schauspiel, Tanztheater (Ballett) und Junges Theater. Außerdem finden hier die Sinfoniekonzerte des Sinfonieorchesters Münster statt. Ergänzt wird das Programm durch die Produktionen der Niederdeutschen Bühne, Gastspiele, Lesungen, Vorträge und Ausstellungen.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stadttheater war einer der ersten Theaterneubauten Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg – vorher aber beispielsweise Neues Residenztheater München, eröffnet am 28. Januar 1951. Das Gebäude wurde zwischen 1952 und 1956 von einem jungen Architektenteam entworfen und unter der Intendanz von Hermann Wedekind realisiert. Direkt über dem Eingangsbereich befindet sich die Raum-Zeit-Plastik von Norbert Kricke aus den Jahren 1955/56.

In die Anlage wurden Teile der rückwärtigen Fassade des ehemals im Bereich des heutigen Baues stehenden Romberger Hofes in den Innenhof des Neubaues integriert. Der Romberger Hof war ein klassizistisches Adelspalais das um 1780 durch den Architekten Wilhelm Ferdinand Lipper errichtet wurde und zusammen mit dem alten Theater im Krieg zerstört wurde.[1] Beteiligt waren die Architekten Harald Deilmann, Max Clemens von Hausen, Ortwin Rave und Werner Ruhnau. Dem Großen Haus (955 Sitzplätze) wurde mit dem 1971 eröffneten Kleinen Haus mit rund 280 Plätzen eine zweite Spielstätte angegliedert. Im Untergeschoss des Kleinen Haus befindet sich zudem das U2, eine kleine Bühne mit 52 Plätzen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Innenhof des Theater Münster mit Blick auf das Große Haus

Die Theatertradition in Münster wurde im 18. Jahrhundert durch Franz Freiherr von Fürstenberg begründet. Der Kurfürst ließ 1774 im ehemaligen Schlachthaus am Roggenmarkt nach Plänen des Architekten Wilhelm Ferdinand Lipper das so genannte Komödienhaus errichten, Münsters ersten Theaterbau. Die Münsteraner kamen nun in den Genuss von Singspielen und Opern. Prominenter Akteur an dieser Spielstätte war Albert Lortzing, der zwischen 1826 und 1833 als Schauspieler und Sänger in Münster tätig war.

Nach dem Abbruch des Hauses 1890 entstand mit dem wenige Jahre später eröffneten Lortzing-Theater im ehemaligen Adelshof der Familie von Romberg an der Neubrückenstraße ein eleganter Theaterbau. In den umgebauten Pferdeställen des Romberger Hofes wurde das Lortzing-Theater am 30. November 1895 mit Zar und Zimmermann als neue Spielstätte eröffnet. Im Jahr 1900 wurde das Theater um den Westerholtschen Hof, in dem schon Beethoven Konzerte gegeben hatte, in Richtung der Voßgasse erweitert. Nach der Übernahme der Gebäude durch die Stadt wurde das Theater ab 1906 als Städtisches-Lortzing-Theater weitergeführt.

Alfred Bernau leitete von 1929 bis 1932 das Theater. Im Stadtführer hieß es 1930: „Die Theater der Stadt Münster sehen ihre vornehmste Aufgabe darin, Stätten wahrer, veredelter Kunst zu sein, klassische Werke und Werke moderner Autoren in Wort und Klang vorzuführen und damit als kulturelle Erziehungsfaktoren zu wirken. Neben Schauspiel und Oper darf und soll aber auch die leichte Muse zur Geltung kommen. Die moderne Operette und die Werke der Komponisten um die Jahrhundertwende sorgen für vergnügliche Stunden, ebenso vereinzelte Schwänke und Possen. Über allem weht ein Geist vornehmsten Künstlertums, reifsten, eifrigsten Schaffens im Dienste Thaliens. Eine Tanzgruppe bietet auch auf diesem Gebiet Abwechslung in dem Repertoire der beiden Bühnen Münsters.“

Nach der Zerstörung des Theaters im Sommer 1941 wurde zunächst das Foyer der Stadthalle als Notbühne benutzt. Im März 1950 fiel der Entscheid gegen eine originalgetreue Rekonstruktion der verlorenen Bauten, es sollte ein Neubau nach Plänen des städtischen Baurats Edmund Scharf entstehen. Zunächst war geplant, dass Münster ein neues Theater im Stil des monumentalen Neoklassizismus erhalten sollen. Den Plänen des Architekten hatte der Rat der Stadt bereits 1950 einmütig zugestimmt, allerdings hat eine akute Etatkrise die Ausführung dieser Pläne verhindert. Nach kontroverser öffentlicher Diskussion kam es zu einer Ausschreibung, die bis Oktober 1952 lief. Am 16. Mai 1954 wurde der Grundstein gelegt, am 4. Februar 1956s, als erster Theaterneubau nach dem Krieg, dann das neue Haus eröffnet. Mit der Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart wurde dann am folgenden Tag der Spielbetrieb aufgenommen.

Am 1. Juli 2008 kam es zu einem Brand im Großen Haus. Ein von Handwerkern aufgestellter Scheinwerfer setzte den Vorhang in Brand. Die Sanierung dauerte bis Oktober 2008.

Anfang Februar 2012 wurde die Umbenennung der Städtischen Bühnen Münster bekannt gegeben, die seit September 2012 den Namen Theater Münster tragen.[2]

Seit Mitte der 1990er Jahre findet im Theater Münster das Internationale Jazzfestival Münster statt.

Spielplan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In jeder Spielzeit stehen im Großen Haus, im variablen Kleinen Haus und in der neuen Spielstätte U2 rund 30 Premieren und 600 Vorstellungen auf dem Spielplan.

Musiktheater

Das Musiktheater Münster zeigt Werke von der Barockzeit bis zur Gegenwart. Oper, Operetten und Musicals werden vom Sängerensemble, dem Chor und dem Sinfonieorchester Münster dargeboten.

Schauspiel

Das Schauspiel Münster bringt die großen Werke der Weltliteratur ebenso wie Ur- und Erstaufführungen junger Autoren auf die Bühne.

Tanz

Das international zusammengesetzte Ensemble des TanzTheaterMünster legt den Schwerpunkt auf den zeitgenössischen Tanz. Choreografische Interpretationen literarischer Vorlagen stehen ebenso auf dem Programm wie abstrakte Tanzabende, Gastchoreografien, eigene Stückentwicklungen und Musiktheater.

Junges Theater

Das Junge Theater Münster spielt Märchen- und Mythenstoffe ebenso wie zeitgemäße Bearbeitungen von Klassikern, Stückentwicklungen, Uraufführungen und Stücke junger Autoren, die sich mit der Lebenswelt der jungen Zuschauer beschäftigen. Daneben gibt es Möglichkeiten zum Mitspielen sowie Einführungen, Workshops und Probenbesuche.

Konzerte

Mit rund 80 Konzerten pro Jahr präsentiert das Sinfonieorchester Münster sinfonische Werke, Kammerkonzerte, Kinder-, Chor- und Kinokonzerte sowie Open-Air-Veranstaltungen. Kooperiert wird mit Solisten ebenso wie mit befreundeten Orchestern, was Aufführungen aufwendiger Werke mit großer Besetzung ermöglicht.

Generalintendanten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Generalmusikdirektoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Wagner (1951–1961)
  • Reinhard Peters (1961–1970)
  • Alfred Walter (1970–1985)
  • Lutz Herbig (1985–1992)
  • Will Humburg (1992–2004)[4]
  • Rainer Mühlbach (2004–2007)[5]
  • Fabrizio Ventura (2007–2017)[6]
  • Golo Berg (ab 2017)

Rahmenprogramm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Foyer des Theater Münster mit Blick auf die Ruine im Innenhof

Vortragsreihe Gelehrte im Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2004 findet im Theater Münster die Vortragsreihe Gelehrte im Theater statt. Die Vortragsreihe wurde in Kooperation mit der Westfälischen Wilhelms-Universitätünster begründet. Seit 2007 ist das Stadtmuseum Münster Mitveranstalter der Reihe. Initiator, Organisator und Moderator der Veranstaltungsreihe ist der Dramaturg und Pressesprecher des Theaters Wolfgang Türk. Die Reihe Gelehrte im Theater widmet sich unter Beteiligung namhafter Wissenschaftler alljährlich in einem dreimonatigen Veranstaltungszeitraum geistesgeschichtlichen und kulturhistorischen Fragestellungen.

Theatergespräche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Veranstaltungsreihe Theatergespräche wurde 2009 begründet. In den Theatergesprächen referieren Wissenschaftler zu einem literarischen, kunsthistorischen oder kulturgeschichtlichen Thema. Schauspieler aus dem Ensemble des Theaters lesen oder rezitieren ausgewählte Briefe, Tagebuchnotizen, Passagen aus literarischen Werken, Kritiken, Zeitzeugenberichte etc., so dass sich für das Publikum eine Dialogsituation zwischen Wissenschaft und Kunst, Theorie und Praxis ergibt. Die Reihe wird von ihrem Begründer Wolfgang Türk moderiert und organisiert.

Bisherige Themen waren: 2009: Anna, Effi, Nora und die anderen – Literarische Frauengestalten des 19. Jahrhunderts; 2010: Der Spießer – Eine literarische Anatomie der Mittelmäßigkeit; 2010: Eros und Macht – Die femme fatale in der Literatur der Jahrhundertwende; 2010/11: Frauen um Goethe; 2011: Die Diva; 2011/12: Heinrich von Kleist; 2012: Der Dandy; 2012/13: Gerhart Hauptmann; 2013/14: Georg Büchner; 2014/15: Frank Wedekind.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kulturpolitik
  • Volker Resing: Der Theaterneubau in Münster. Kulturpolitische Konflikte 1949–1956 (= Kleine Schriften aus dem Stadtarchiv Münster. Bd. 3). Regensberg, Münster 1999, ISBN 3-7923-0733-2.
Architektur
  • Anton Henze: Die Stadttheater in Münster und Gelsenkirchen. In: Der Architekt. BDA, 1955, IV, S. 135–137.
  • Anton Henze: Umfangreiche Projektbeschreibung. In: DBZ. 1956, Heft 7, S. 777–788.
  • Das neue Stadttheater in Münster. In: Bauwelt. 1956, Heft 47, S. 771–775.
  • Stefan Rethfeld: Ein Manifest des Neubeginns – Stadttheater Münster (1952–1956) von Harald Deilmann, Max von Hausen, Ortwin Rave und Werner Ruhnau, in: Auf den zweiten Blick. Architektur der Nachkriegszeit in Nordrhein-Westfalen, hg. v. Sonja Hnilica, Markus Jager, Wolfgang Sonne, Bielefeld 2010, S. 133–139.
  • Claudia Blümle, Jan Lazardzig: Öffentlichkeit in Ruinen. Zum Verhältnis von Theater, Architektur und Kunst in den 1950er Jahren, in: Ruinierte Öffentlichkeit. Zur Politik von Theater, Architektur und Kunst in den 1950er Jahren, hg. v. Claudia Blümle, Jan Lazardzig, Zürich 2012, S. 9–37.
  • Stefan Rethfeld: Mut zum Aufbruch – 60 Jahre Theater Münster, Baunetz-Meldung, 4. Februar 2016
Musik
  • Gernot Wojnarowicz (Hrsg.): Musikalische Bekenntnisse. Dokumente und Reflexionen zu einer Konzert- und Opernreihe des Symphonieorchesters und der Städtischen Bühnen Münster. Im Auftrag des Symphonieorchesters der Stadt Münster-Generalmusikdirektor Will Humburg. Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung, Münster 1995, ISBN 3-402-03942-7.
  • Klaus Hortschansky, Berthold Warnecke (Hrsg.): Der Ring des Nibelungen in Münster – der Zyklus von 1999 bis 2001. Agenda, Münster 2001, ISBN 3-89688-102-7.
  • Uwe Schweikert, Berthold Warnecke (Hrsg.): Musik und Szene Münster 1992–2004. Musiktheater – Szenische Konzerte – Symphoniekonzerte. Im Auftrag des Symphonieorchesters der Stadt Münster. Agenda, Münster 2004, ISBN 3-89688-223-6 (Zur Musiktheater-Ära Will Humburgs).
  • Antal Dorati: „Notes of Seven Decades“, Hodder & Stoughton, London, 1979. Musikalische Erinnerungen des Dirigenten. Seine Zeit als zweiter Dirigent an den Muenster Städtischen Bühnen wird im elften Kapitel beschrieben.
  • Richard Chlupaty: „Antal Dorati and the Joy of Making Music“, The Antal Dorati Centenary Society, Bournemouth, 2006. Mit einem Register von Opernauffuehrungen in Muenster 1929–1932.

Fotogalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Tag des offenen Denkmals im Jahr 2005 wurden die nachfolgenden Fotos aufgenommen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Städtische Bühnen Münster – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Faltblatt zur Ausstellung des Stadtmuseum Münster zum neuen Theater 2006 (PDF; 191 kB)
  2. Westfälische Nachrichten: Namensvorschlag des neuen Intendanten findet Zustimmung / Kosten von 10.000 Euro: Münsters Theater heißt künftig „Theater Münster“, Münster, Johannes Loy, 2. Februar 2012
  3. Westfälische Nachrichten vom 29. März 2011: Neuer Theater-Intendant: Ulrich Peters setzt sich klar durch
  4. Will Humburg: Biografie willhumburg.de, abgerufen am 3. April 2018
  5. Rainer Mühlbach verlässt die Städtischen Bühnen Münster klassik.com, abgerufen am 3. April 2018
  6. Biografie von Fabrizio Ventura abgerzufen am 3. April 2018

Koordinaten: 51° 57′ 53″ N, 7° 37′ 44″ O