Thienen-Adlerflycht

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stammwappen derer von Thienen(-Adlerflycht)
Andere Form des Wappens der von Thienen-Adlerflycht, hauptsächlich zwischen dem 17. - und 19. Jahrhundert verwendet

Thienen ist der Name eines alten Adelsgeschlechts, das dem holsteinischen Uradel entstammt. Die Schreibweise hat sich im Laufe der Jahrhunderte von Tyne und Tynen über Tinen, Thien, Tienen, Thinen bis Thienen verändert. Die zum dänischen Hochadel zählenden Barone von Thienen-Adlerflycht sind der einzige bis heute existierende Zweig dieses Geschlechts.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft des Geschlechts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Genealoge Johann Daniel Eberus beschreibt in seinem 1670 veröffentlichten Werk „Insignia et tabula genealogica dominorum a Thinen“ dass die Familie von Thienen am Anfang des 9. Jahrhunderts von Karl dem Großen aus Holstein vertrieben sein soll und so die Stadt Thienen bzw. Tienen (französisch: Tirlemont) in Brabant (heutiges Belgien) gründete. Der Name Thienen erscheint erstmals am 20. April 872 in einer Akte Karl des Kahlen. Zumindest ein Zweig der Familie soll seit etwa 1000 seinen Sitz in Dithmarschen gehabt haben, wurde jedoch 1280 von dort vertrieben. Mitglieder des Geschlechts fochten 1289, 1322 und 1404 gegen die Dithmarscher, wobei einige von ihnen ums Leben kamen.

Das erste nachweisbare Mitglied der Familie war der Ritter Heneke von Thienen, 1270 geboren, 1314 in einer Urkunde die sich heute im dänischen Staatsarchiv in Kopenhagen befindet. Die geschlossene Stammreihe beginnt mit dem Ritter Johannes von Thienen (dictus de Tyne), der 1342 geboren und 1381 Justiciarus bzw. Truchsess im Herzogtum Schleswig war. Das Geschlecht hat sich früh in mehrere Linien auf verschiedenen Besitzungen verteilt. Die Barone von Thienen-Adlerflycht gehören zu den neun noch existierenden Equites Originarii, den uradeligen, ursprünglich ritterlichen Familien aus Schleswig-Holstein.

Heutiger Chef der Familie ist Dr. Franz Baron von Thienen-Adlerflycht (* 1957).

Zwei wichtige Herrensitze des Geschlechts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprüngliche Wasserburg Wahlstorf wurde im 15. Jahrhundert von Detlev von Thienen und seinem Sohn Claus erbaut und wurde zum Stammhaus des Geschlechts. Es ist eines der ältesten erhaltenen Herrenhäuser Schleswig-Holsteins. Nach über 320 Jahren im Familienbesitz fällt es 1788 im Erbgang an die Familie von Plessen, der es noch gehört.

Das Herrenhaus auf Gut Güldenstein ist 1726 von den Thienens erbaut worden. Das Wasserschloss liegt auf einer ovalen Insel und ist von einem Graben umgeben. Über dem Hauptportal befindet sich das Allianzwappen Thienen/Brockdorff. 1779 ging Güldenstein an die Familie Rantzau, seit 1839 ist es im Besitz der Großherzöge von Oldenburg.

Barone von Thienen-Adlerflycht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute existiert nur noch die älteste Linie des Geschlechts (katholisch), welcher 1840 als von Thienen-Adlerflycht das dänische Baronat verliehen worden ist. Die Namensverbindung entstand aufgrund der in 1833 erfolgten Vermählung des Conrad Christoph von Thienen mit Luise von Adlerflycht, der Letzten eines alten aus Schweden stammenden Geschlechts, nach dem Tod ihres Vaters Justinian von Adlerflycht († 1831) und Onkels Carl Friedrich Christian von Adlerflycht († 1835).

Eben jener Conrad Christoph wanderte aus Schleswig-Holstein aus. Er erhielt durch königlich dänische Resolution vom 19. September 1840 die Anerkennung des Namens v. Thienen-Adlerflycht und durch königlich dänisches Patent vom 26. Januar 1841 die Standeserhöhung zum Freiherrn bzw. Baron.

Sein Sohn Carl (* 23. Januar 1835 in Frankfurt am Main; † 28. Januar 1900 in Nizza)[1] war diplomatischer Vertreter einiger deutscher Fürsten- bzw. Herzogtümer in Wien, insbesondere über 30 Jahre als Minister-Resident des Herzogtums Braunschweig, eine Position, von der er sich nach dem Tode von Herzog Wilhelm (1806–1884) ins Privatleben zurückzog.[2]
Die Barone von Thienen-Adlerflycht leben seitdem in Österreich.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stammwappen ist gespalten. Es zeigt rechts drei schwarze Balken auf rotem Hintergrund und links drei schwarze Rauten wiederum auf rotem Grund. Auf dem Helm mit rot-schwarzen Decken stehen drei schwarz-rot-schwarze Straußenfedern, je belegt mit einer Raute verwechselter Farbe. Später wird die linke Hälfte vierfach von Rot und Schwarz geteilt dargestellt. Die schwarzen Teile erscheinen zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert meist in Silber. Die 1840 in das dänische Baronat erhobene, blühende Linie führt wieder die alte Wappenform in Rot und Schwarz, mit Baronskrone und einem Falken und einem Bären als Schildhalter.

Bedeutende Vertreter des Geschlechts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beata von Thienen, geboren 1368, verheiratet mit Erik von Krummedike, Ururgroßmutter des schwedischen Königs, Gustav I. aus dem Hause Wasa
  • Otto von Thienen, gefallen bei Hemmingstedt 1500, auf Wahlstorf
Wulf Heinrich von Thienen,
* 1721 königlicher Landrat, Geheimer Konferenzrat
  • Gosche von Thienen, geboren 1683, königlich dänischer Land- und Konferenzrat
  • Ludwig Karl von Thienen, geboren 1718, königlich dänischer Landrat
  • Klaus Christoph von Thienen, geboren 1754, königlich dänischer General und Kammerherr
  • Karl Baron von Thienen-Adlerflycht, geboren 1835 diplomatischer Vertreter des dänischen Königs und deutscher Fürstentümer in Wien.

Schlösser und Ländereien, die sich im Thienenschen Besitz befanden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gut Wulfshagen

Schleswig-Holstein und Dänemark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ahretost, Gut Augustenhof, Bienebek, Borghorst, Bülk, Bundhorst, Cronsburg, Eckhof, Ellgaard, Griesgaard, Goddersdorf, Grünholz, Klein Grünholz, Großenbrode, Großnordsee, Güldenstein, Harzhoff, Klausdorf, Kühren, Löhrstorff, Maasleben, Marienhof, Mehlbek, Mirebüll, Nehmten, Palais Thienen in Kiel, Petersdorf, Rathmannsdorf, Rethwisch, Schinkel, Sierhagen, Thienenhof bzw. Prinzeßhof, Tollgaard, Tollschlag (Nieharde), Travenort, Gut Wahlstorf, Warleberg, Warleberger Hof, Gut Wensin, Wippendorf (Kappeler Harde), Gut Wittmoldt, Wulfshagen (bei Tüttendorf), Wulfshagenerhütten und das Thienenhaus am Pretzer Kloster

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Neuhaus bei Salzburg, Schloss Katzenberg in Oberösterreich

Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jurkino, Litkino, Sinzoro, Kislorka, Kriuscha, Marina

Grablegen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Daniel Eberus, „Insignia et tabula genealogica dominorum a Thinen“ veröffentlicht 1670
  • Prof. publ. Kilon. Adam Hinrich Lackman und prof. Hafn. Claus Heinrich Moller, „Beschreibung der in den Herzogthümern Schleswig-Holstein angessenen ritterlichen Familie von Thienen ....“ veröffentlicht um 1750
  • Freiherr Waldemar Weber von Rosenkrantz, „Die Familie von Thienen“
  • Genealogisches Handbuch des Adels, Freiherrliche Häuser A, Band III (1959) und Band XI (1979); Freiherrliche Häuser Band XVIII (1995), C. A. Starke Verlag
  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XIV, Band 131 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 2003, ISSN 0435-2408
  • Danmarks Adels Aarbog, 1935 (Gesamtgenealogie)
  • Gothaischen Genealogischen Freiherrlichen Taschenbücher 1890 bis 1940

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Freiherr von Thienen-Adlerflycht. In: schlossarchiv.de, abgerufen am 22. September 2012.
  2. Kleine Chronik. (…) † Karl Freiherr v. Thienen-Adlerflycht. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, Nr. 12737/1900, 8. Februar 1900, S. 1, Mitte unten. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]