Kloster Preetz

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Das Kloster Preetz wurde 1211 oder 1212 unter dänischer Herrschaft in Holstein als ein Benediktinerinnenkloster gegründet. In den ersten Gründungsjahren erlebte das Kloster mehrfach einen Ortswechsel, bis es 1261 in Preetz seinen bis heute endgültigen Sitz fand.

Der Klosterbereich war durch die Bäche Mühlenau und Schwentine sowie durch einen künstlich angelegten Graben umschlossen und dadurch gesichert. Neben den Wohngebäuden und der Klosterkirche verfügte das Kloster über einen Wirtschaftshof mit Scheunen, Kuh-, Pferde- und Schafställen, einer Wassermühle und zahlreichen Nebengebäuden. Diese Wirtschaftseinrichtungen bestanden bis zur Vernichtung des Wirtschaftshofes durch Brandstiftung im Jahr 1959.[1]

Im Zuge der Reformation wurde 1542 das Kloster in ein adliges Damenstift der Schleswig-Holsteinischen Ritterschaft umgewandelt, das bis heute in dieser Form besteht. Für die adligen Damen wie auch für die Nonnen, die das Kloster verließen, wurden mehrere Häuser auf dem Klostergelände in lockerer Bebauung errichtet. Bis ins 20. Jahrhundert kamen weitere Häuser hinzu. Zum Kloster gehört ein ausgedehntes Waldgebiet in Pohnsdorf nahe Kiel, der Klosterforst Preetz.[2][3]

Die Gesamtanlage des Klosters sowie sämtliche Klostergebäude stehen unter Denkmalschutz.[4][5]

Klosterhof Preetz

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung und Dauer des Klosterbetriebes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstgründung des Benediktinerinnenklosters zu Preetz in der Diözese Lübeck erfolgte 1211 oder 1212 unter dem dänischen Statthalter in Holstein Graf Albrecht von Orlamünde, Sohn der Schwester Waldmars II. Das Gründungsdatum geht aus den Aufzeichnungen des vom Propst Bockholt veranlassten Registers aus dem Jahr 1286 hervor (siehe Abschnitt Bockholdtsche Register).

Eiche auf dem Klosterhof um 1895
Eiche auf dem Klosterhof, Mai 2013

Der Sage nach erschien Graf Albrecht von Orlamünde, als er bei der Jagd unter einer großen Eiche einem Hirsch gegenüber stand, ein Zeichen, das er deutete, dass der Ort heilig sei. An diesem Ort ließ er das Kloster errichten. Die Eiche auf dem Klosterhof soll noch aus der Zeit der Gründung des Preetzer Klosters stammen, als rundherum noch Wald war. Untersuchungen im Jahre 1999 zufolge beträgt das Alter dieses Baumes etwa 450-500 Jahre, was nicht ganz mit dem Gründungsjahr zusammenpasst.[6]

Graf Albrecht stattete das Kloster im Jahr 1222 mit einem großen, unbesiedelten Waldgebiet aus, das sich vom Honigsee westlich von Preetz bis zur Kieler Förde erstreckte.[7]

1223 begangen die Schauenburger Grafen mit Unterstützung der Truppen der Städte Lübeck und Hamburg gegen den dänischen König ihre im Jahr 1203 an die Dänen verlorenen Gebiete wieder zurück zu erobern. 1225 konnten sie Graf Albrecht gefangen nehmen und 1227 in der Schlacht von Bornhöved den dänischen König besiegen. Der Schauenburger Adolf IV. übertrug bereits 1226 dem Kloster ein nahezu 4000 Hektar großes Wald- und Wiesengebiete sowie Siedlungsland nordöstlich der Kieler Förde.[1] Das Kloster war durch Bischof Berthold von Lübeck am 9. Dezember 1244 der Gottesmutter Jungfrau Maria geweiht.[8] Adolf IV. erneuerte die Stiftung 1226.

Den Ort Marienfelde, der den Nonnen zuerst zugewiesen wurde, verließen sie bald, um 1230 nach Erpesfelde, etwa 4 km westlich von Preetz, zu ziehen. Um 1240 gelangte das Kloster für einige Jahre nach Lutterbek, in die Probstei, wo in der Nähe vom Lübecker Bischof in Karcenhagen (Probsteierhagen) eine Kirche errichtet wurde. Um 1260 ließ das Kloster sich schließlich in Preetz nieder, wo es sich heute befindet.[9]

Der Lübecker Bischof Bertram Cremon weihte 1360 den Laienaltar der Klosterkirche und auch der Lübecker Bischof Albert II. Krummendiek stattete dem Kloster Preetz 1488 seinen Besuch ab, um den damals neuen Altar im Nonnenchor der Kirche zu weihen.

In Anbetracht ihrer Armut verlieh dann auch Bischof Berthold den Nonnen des Preetzer Marienklosters die Zehnten aus allen Dörfern des Klostergebietes. Die Besiedlung des nun weitläufigen Klostergebietes machte die Gründung von Pfarrkirchen erforderlich. Die Klosterkirche wurde wieder Parochialkirche und dem Kloster das Pfarrbesetzungsrecht und die Archidiakonatsgewalt eingeräumt.[10]

Im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts erfreute sich das Kloster dank seiner reichen Ausstattung großen Zuspruchs. In einem Kontrakt vom 21. Januar 1286, der die Einkünfte zwischen Propst, Konvent und Priorissa regelt, wurde die Anzahl der Nonnen unter Verweis auf eine Anordnung von Bischof Burchard von Serken auf 70 beschränkt. Erstmals ist von einer Priörin die Rede.[11] Aus 1286 datiert auch das Register des Propstes Conradus Bockholdt, das Registrum praepositorum et conventus in Porez. Es belegt als exakte Fleißarbeit kluge und umsichtige Amtsführung und ist zumal im Blick auf die Anfänge des Klosters als Quelle von hohem geschichtlichen Wert anzusehen. Mit Zusätzen versehen, wurde das Registrum bis ins 16. Jahrhundert fortgeschrieben.

Während des 25-jährigen Krieges der Holsteiner mit dem dänischen König Erich von Pommern von 1415 bis 1440 unterstützte das Kloster genötigt die gräfliche Kriegsführung durch Einwilligung in die Heeresfolge der Hintersassen, die Gestellung von Pferden und Wagen sowie Getreidelieferungen. Die Kriegszeit zehrte auch an der Substanz des Klosters bis hin zur Lockerung der Sitten. 1437 verbot der Lübecker Bischofsvikar Johannes Berthold den Preetzer Nonnen unter Androhung der Exkommunikation allen Umgang mit den Männern.[12] Die Klosterschule muss trotzdem einen guten Ruf gehabt haben, überliefert sind von 1416 bis 1491 die Namen von Schülerinnen, die zumeist dem Adel oder Lübecker Patrizierfamilien entstammten.

Am Ende des 15. Jahrhunderts schloss sich der Preetzer Konvent der Bursfelder Kongregation an, die vor allem die Rückkehr zur Regel, zur ursprünglichen benediktinischen Spiritualität verfolgte. Visitationen unter Abt Heinrich vom Kloster Cismar, Primas Andreas von Bordesholm vom Augustinerchorherrenstift zu Neumünster und die beiden Adligen Benedikt Pogwisch und Ove Rantzau deckte 1491 mehrfach Missstände auf. Beschlossen wurde die Vermeidung aller unnützen Ausgaben.

Für Klöster bestand auch die Verpflichtung, den Landesherren samt Gefolge zu beköstigen. Als 1490 die Landesteilung erfolgte, fiel das Kloster Preetz dem König zu, daß es ihn bewirte.[13] 1526 besuchte König Friedrich I. das Kloster. Es war die Zeit, als die Reformation in Dänemark und in den Herzogtümern Schleswig und Holstein an Boden gewann.

Säkularisation und Aufhebung des Klosters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Landesteilung 1490 zwischen König Hans von Dänemark und Herzog Friedrich fiel das Kloster dem König zu. Im Zuge der Reformation predigte bereits 1526 ein evangelischer Prediger im Kloster.[6] Seinen Status als Benediktinerinnenkonvent verlor das Kloster aber unter König Christian III. Nach der Annahme der Kirchenordnung 1542 bestätigte dieser am 21. März 1542 die Rechte des Klosters mit der Auflage, dass die Kirchenordnung ungekrencket bleibe. Den Nonnen wurde freigestellt, das Kloster zu verlassen. Der erste eindeutig evangelische Propst war Wulf von Rantzau. Die erste Priörin, die das Kloster im Sinne der neuen Kirchenordnung leitete, hieß Dorothea von Rantzau. Schon zu katholischer Zeit waren die Nonnen überwiegend Angehörige des holsteinischen Adels, was nach der Reformation die Umwandlung in ein adliges Damenstift bis 1566 erleichterte.

Neben den Nonnenklöstern Itzehoe, Uetersen und St.- Johannis vor Schleswig wurde auch das Preetzer Kloster eine Stiftung für Töchter des eingeborenen und rezipierten schleswig-holsteinischen Adels. Für das Kloster in Preetz wurde die Höchstzahl der Konventualinnen einschließlich der Priörin auf 40 festgesetzt.

Fortbestand als Adliges Damenstift[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ritterschaft konnte die Güter der vier Nonnenklöster im Wesentlichen zusammengehalten. Am Bestand der Jungfrauenklöster rüttelte Christian III. von Dänemark nicht. Der Bestand war schon mehrmals, 1533 durch Bestätigung der Privilegien, 1541 in einer Anweisung zur Visitation und 1542 in der Kirchenordnung garantiert worden. So blieb der Besitz der Klöster bei ihrer Umwandlung in evangelische Damenstifte unangetastet.

Da sich auch das Preetzer Kloster längst vom ursprünglichen Auftrag entfernt hatte und sich zur Versorgungsanstalt für Töchter adeliger Familien entwickelt hatte, bewirkte die Umwandlung in ein adliges Damenstift nur wenige Veränderungen in ihrer Ordnung, rechtlichen Stellung und im Alltag. Auch der geistliche Auftrag blieb der gleiche: der gemeinschaftliche Gottesdienst und das Gebet, die Erziehung junger Mädchen zu Gottesfurcht und guten Sitten in der Schule. Neu war: die Konventualinnen durften heiraten.

1590 und noch einmal 1610 sicherte die Landesherrschaft den Fortbestand des Damenstifts zu. 1620 und 1625 erließ Christian IV. zwei Klosterordnungen, die am 18. Oktober 1636 durch die ausführliche Revidierte Closterordnung ersetzt und 1637 nach Einwänden der Ritterschaft nochmals ergänzt wurde. So dienen die adligen Damenstifte bis heute der Versorgung unverheirateter Töchter des Adels.

Vom ursprünglichen Klosterbesitz sind etwa 1600 Hektar Land und Waldbesitz geblieben. Zum Erhalt und die Pflege von Klosterkirche und -gebäuden wurde 1981 die „Gesellschaft der Freunde des Klosters Preetz“ gegründet, deren Hauptaufgabe die Bewirtschaftung der Landschaftsflächen und die Vermietung der klostereigenen Immobilien ist.[6]

Klosterbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Torhaus, Klosterhof 1
"Lange Reihe": Haus des Klosterpredigers, Bedienten- und Beamtenhäuser, Klosterhof 3-6[1]
Probstenhaus, Klosterhof 8

Die ersten Klosterbauten entstanden unter Propst Johannes. Dazu gehörte auch eine zwischen 1286 und 1280 erbauten Klosterkirche, nachdem man bis dahin die Pfarrkirche mitbenutzt hatte. 1307 zerstörte eine Feuersbrunst Kirche und Klausur des Klosters völlig.[14] Der Wiederaufbau der Klosterkirche in heutiger Gestalt erfolgte in der Zeit von 1325 bis 1340. Dazu hatte Bischof Heinrich II. von Lübeck 1330 einen vierzigtägigen Sündenablass ausgeschrieben.[15]

Unmittelbar an die Nordwand der Kirche schloss sich der ehemalige Klausurbezirk an mit einem großen Innenhof, dem Kreuzgang mit zwei Zugängen zur Kirche, dem Kapitelsaal, dem Refektorium (heute das Haus Klosterhof 19) mit der Predigerbibliothek (siehe gleichlautenden Abschnitt), einer Küche und den Räumen mit den Zellen der Nonnen. Hierzu sind verschiedene Grundrisse des Klausurbezirks aus dem 18. Und 19. Jahrhundert überliefert, jedoch keine Ansichten von den Gebäuden. Wegen Baufälligkeit wurden die Klausurgebäude bis auf das Refektorium um 1847 bis 1849 abgerissen.[1]

Ende des 15. Jahrhunderts wurden unter Leitung der Priörin Anna von Buchwald alte Gebäude erneuert und Räume heizbar gemacht. Das um 1497 fertiggestellte große Siechenhaus für Kranke und Alte wurden über Holsteins Grenzen hinaus bekannt. Baureste scheinen sich im Haus 7 am heutigen Klosterhof erhalten zu haben.

In der Folge der Umwandlung des Klosters in ein adliges Damenstift wurden im 16. bis zum 18. Jahrhundert mehrere Damenhäuser mit eigenem Hausstand sowie im 19. Jahrhundert die Häuser der Priörin und des Propstes und weitere Gebäude errichtet. Bis zur Auflösung des Gutsbezirkes 1927 gehörten die zwölf von adligen Familien errichtet Konventualinnenhäuser zur Klosteranlage. Neben den im parkähnlichen Gelände teils aus Backstein, teils in Fachwerk oder in Mischbauweise errichteten Häuser der Konventualinnen ragt besonders das Priörinnenhaus (Klosterhof 6) hervor. Der zweigeschossige Putzbau mit flachem Satteldach und Dreiecksgiebel mit Rankenwerk wurde 1847 erbaut. Das größte Gebäude ist das von 1838 bis 1839 errichtete Propstenhaus (Klosterhof 8), ein dreigeschossiger Putzbau mit Stilmerkmalen toskanischer Frührenaissance. Das Torhaus (Klosterhof 1) an der Kieler Straße ist ein zweigeschossiger Breitbau und Torrisalit mit Pilastern, Korbbogenöffnung und flachem Dreiecksgiebel von 1737. Die zum Wirtschaftshof gehörenden Gebäude brannten 1950 ab und wurden 1960 wieder errichtet (Neues Torhaus, Klosterhof 2a).[16][1]

Klosterkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klosterkirche

Die jetzige Klosterkirche, eine dreischiffige gotische Stutzbasilika aus Backsteinen, wurde zwischen 1325 und 1340 erbaut. Das herausragende Mittelschiff, die Binnenkirche, wird bis auf die zwei westlichen Joche durch hohe Mauern von den Seitenschiffen getrennt. Es war der Chor der Nonnen und ist bis heute die eigentliche Stiftskirche. Das Nordschiff bildete einen Flügel des anschließenden Kreuzganges.[17]

Das Äußere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die backsteinerne Kirche wird durch ein hohes, nach Westen halbabgewalmtes Satteldach überdeckt. Der barocke Dachreiter ist eine Zutat von 1783. Das schlichte Äußere wird durch kräftige Stützpfeiler geprägt.

Das nördliche Seitenschiff mit den drei Portalen, langgezogenen Spitzbogenfenstern und dem Kreuzgesims wurden von 1885 bis 1889 vollständig - leider nicht historisch getreu - erneuert. Der Neubau wurde notwendig, da die Nordwand der Kirche sich in einer gefährlichen Schieflage befand. Hierzu ist noch eine Konstruktionszeichnung des Architekten Josef Eduard Mose für den Abbruch und Neubau von 1886 sowie eine Photographie der Nordseite Kirche nach dem Abriss der Außenwand von 1877 erhalten.[1]

Ein Teilstück des ehemaligen Klosternordflügels von 1456 hat sich im Konventhaus erhalten. Der Dachstuhl ist noch aus dem 14. Jahrhundert.

Das Innere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nonnen-Chorus
Orgel
Barocker Hochaltar von Theodor Schlichting
Chorabschlussgitter
Schnitzaltar von Hans Gudewerdt d. J.

Das Innere der Klosterkirche wird bestimmt durch den hohen, lichten einjochigen Chor mit polygonalem Fünfachtelschluss, in den das Mittelschiff mit seinen hohen, spitzbogigen Arkaden einmündet. Schmale Dienstbündel tragen die Kreuzrippengewölbe. Die Mittelschiffswand wird oberhalb der Arkaden durch Blendfenster gegliedert. Der Nonnenchor in den drei östlichen Jochen des Mittelschiffs wird zusammen mit dem Chorjoch durch eine halbhohe Mauer gegen die als Laienkirche genutzten Seitenschiffe abgetrennt. Das Zusammenwirken von dämmrigem Nonnenchor und strahlendem Chorhaupt, dazwischen der barocke Altar von 1743, bewirken einen interessanten Raumeindruck.

Erhalten sind Reste des siebzigsitzigen gotischen Nonnenchorgestühls mit stabdurchteilten Rückwänden, Teile der Klappsitze und die beiden Ostwangen aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die gotischen Schnitzwerke zeigen Maß- und Rankenwerk, kleine Figuren und Wappen und im Mittelfeld ein gemaltes spätgotisches Bild des Gnadenstuhls.

Zu den mittelalterlichen Ausstattungsstücken gehören die Schnitzwerke Christus auf dem Palmesel um 1300 und Christus der Schmerzensmann, wohl eine Lübecker Arbeit zwischen 1420 und 1430. Das Votivbild mit Gregorsmesse (Öl auf Holz) gehört in den Anfang des 16. Jahrhunderts.

Im Jahr 1490 wurde hinter den 70 Sitzen des Chorgestühls eine Bilderbibel aus 137 Tafelbildern in zwei Reihen übereinander angefertigt. Es sind Szenen aus dem Alten Testament und aus dem Leben von Jesus Christus. Sie diente, der nicht Lateinisch sprechenden Bevölkerung die christliche Lehre bildlich nahe zu bringen. Im mittleren 17. Jahrhundert wurden durch den Einbau barocker Logen die Bilder z. T. übermalt und ein Bild zerstört.[1]

Die Renaissance-Orgel ist ein Werk des Lübecker Orgelbauers Hans Köster und stammt aus dem Jahr 1573. Sie wurde durch Ahasverus Schütze 1686 erweitert, 1767 durch Johann Daniel Busch ergänzt und 1999 umfangreich restauriert.[18][5]

Im Chorhaupt stand der spätgotische Hochaltar (ca. 1425–1430), der sich heute in der Sammlung mittelalterlicher Retabel im Nationalmuseum in Kopenhagen befindet. Er wurde 1743 durch den spätbarocken Hochaltar mit Pfeiler-Säulenaufbau von Theodor Schlichting ersetzt.

Im nördlichen Seitenschiff steht der aus Eichenholz gefertigte Schnitzaltar von Hans Gudewerth der Jüngere († 12. Februar 1671). Ursprünglich stand der Altar in der Kirche in Dänischenhagen (1656), 1844 wurde er vom Preetzer Kloster gekauft.[1]

Die Kanzel von Hans Gudewerdt dem Jüngsten ist aus dem Jahre 1674 und das Chorgitter, eine wertvolle Schmiedearbeit von 1738 und die Kronleuchter sind aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Im nördlichen Seitenschiff sind auf der Grabplatte aus Kalksandstein der Priörin von Buchwald † 1710 noch Reste gotischer Umschrift zu erkennen.

Kirchendokumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buch im Chore[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buch im Chore

Anna von Buchwald, Priorin von 1484 bis 1508, hatte bereits 1471 als Nonne und Kantorin (cantrix) unter der Priörin Heylewick Splitt begonnen, mündlich überlieferte Texte und Gebräuche zu sammeln und in einem Buch niederzuschreiben, das sich als sogenanntes Buch im Chore bis heute erhalten hat. Die Eingangsworte lauteten: Anno domini MCCCCLXXI in vigilia omnium sactorum est iste inceptus colligeendo et querendo per me Annam de bockwolde.

Die Texte sind in einem Zeitraum von 16 Jahren bis 1487 teils in Latein, teils in Niederdeutsch verfasst worden. Das Buch, heute ein einzigartiges Dokument in der Umbruchzeit vom Mittelalter in die Neuzeit, wurde in drei Teile - Liturgie, Klosteragende und Wirtschaftsbuch - mit persönlichen Anmerkungen versehen, unterteilt. Es beschreibt detailliert den Status quo seiner Zeit im Kloster, sowohl der Gottesdienste als auch des Tagesgeschäfts des Konvents.[19] Als letztes von drei Exemplaren ist die Abschrift des Konvents erhalten, die 2003 umfangreich restauriert und digitalisiert wurde.[20] Aus der Zeit der Benediktinerinnen haben sich neben dem Buch im Chore zwei liturgische Bücher, ein Antiphonar und ein Graduale erhalten.[21]

Nach dem Rücktritt Anna von Buchwald 1508 als Priörin und Wahl der neuen Priörin Anna von Qualen war Anna weiter einfache Nonne im Kloster Preetz.

Predigerbibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konventhaus (Klosterhof 19)

Der in Preetz geborene lutherische Pastor Petrus Scheele trug im 17. Jahrhundert eine Gelehrtenbibliothek von etwa 2500 Titeln zusammen, die er dem Kloster Preetz stiftete. Die Büchersammlung wurde 1726 im Konventhaus (Klosterhof 19) des Klosters untergebracht, wo sie sich bis heute befindet und im Laufe der Jahre auf einen Bestand von 8000 Büchern aufgestockt wurde. Sie ist damit einer der größten Kulturschätze der Stadt Preetz.[1][5]

Siegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Schätzen des Klosters zählen mittelalterliche Siegel. Das älteste Siegel mit Maria und Jesuskind führt die Umschrift: Sigillu(m) ecclesie i(n) ca(m)po s(an)c(t)e Marie. Diverse weitere mittelalterliche Siegelumschriften sind erhalten geblieben. Darunter auch ein Siegel des Propstes Tetbernus (1286–1296) mit der Umschrift: Sigillum Thitberni Praepositi Porenensis. Ein weiteres Siegel hat die Umschrift: Noli me tangere und erinnert an Maria Magdalena. Es steht wohl in Zusammenhang mit der Erscheinung der Maria Magdalena in der Schlacht bei Bornhöved 1227.

Bocholtsches Register[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das von Propst Conradus Bockholt (Bocholt, Bucholz) 1286 veranlasste Register Registrum praepositorum et convenentus in Porenz enthält die Namen der Bischöfe, Verzeichnis der Pröpste des Klosters mit Angabe ihrer Herkunft und Taten, Verzeichnis der Priörinnen und eine Liste der zur Grund- und Gerichtsherrschaft des Klosters gehörenden Dörfer und deren Abgaben. So hatte die Klosterobrigkeit im Gebiet der Probstei, das sich über 40 Dörfer sowie Walddörfer im Norden und Westen des Klosters bis an die Kieler Förde erstreckte, bis 1888 die Polizeigewalt und Gerichtshoheit.[1]

Das Register belegt die umsichtige Amtsführung und ist im Blick auf die Anfänge des Klosters als Quelle von hohem Wert. Später ist es, mit einigen Zusätzen versehen, bis ins 16. Jahrhundert fortgesetzt worden, wahrscheinlich von Propst Detlev von Sehestedt (Sehstede).[22]

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pröpste von Preetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namen und Jahreszahlen bezeichnen die urkundlich nachweisbare Erwähnung als Abt.[23]

  • 1211–1218 Herdericus
  • 1218–1220 Lambertus
  • 1220–1246 Eppo
  • 1250–1261 Luderus
  • 1261–1275 Johannes
  • 1275–1285 Conradus (war vorher Mönch im Kloster Cismar)[24]
  • 1285–1286 Conradus Bockholdt
  • 1286–1296 Tetbernus
  • 1306–1316 Hinricus
  • 0000 1319 Johannes Hake
  • 1325–1331 Hinricus
  • 0000 1337 Sigridus
  • 0000 1345 Johannes
  • 0000 1365 Vulfardus
  • 1375–1380 Johannes Krome
  • 1383–1389 Johannes Eghardi
  • 0000 1391 Hinrik Notbergh
  • 1399–1404 Hinrik Konemann
  • 1404–1407 Nicolaus Meynerstorp
  • 1407–1411 Sedisvakanz
  • 1411–1416 Hinrik Krevet
  • 1416–1428 Luder Rughe
  • 1428–1435 ThomasMarquardi
  • 1437–1453 Johannes Knutter
  • 1453–1455 Wulfhardus Blome
  • 1455–1463 Johannes Brunebard
  • 1463–1468 Hinricus Lubbert
  • 1468–1475 Sivert Swin
  • 1476–1478 Schacke Rantzow
  • 1478–1482 Paulus Rode
  • 1482–1484 Wernerus Reventlow
  • 1484–1486 Hinricus Vaget
  • 1486–1491 Herman Dornebusch
  • 1491–1492 Hemanus Colpyn (war vorher Mönch im Kloster Cismar)
  • 1492–1494 Bartholdus Stenhagen
  • 1494–1498 Sedisvakanz
  • 1498–1527 Detlef von Sehstede
  • 1527–1543 Hinrik von Ahlefeld
  • 1542–1548 Wulf von Rantzau (erster evangelischer Propst)
  • 0000 1550 Claus von Rantzau

Priörinnen von Preetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namen und Jahreszahlen bezeichnen die urkundlich nachweisbare Erwähnung als Priörin[25]

  • 0000 1266 Jutta
  • 0000 1286 Adelhedis
  • 1319–1331 Elizabeth
  • 0000 1369 Zosye
  • 1379–1388 Alheydis Solenbeke
  • 1393–1401 Anne Wiltbarch
  • 1401–1416 Tyburgis (Tebbe) Miles
  • 1443–1450 Elisabeth (Telze) von Ouwe
  • 1450–1457 Katharina van Siggeme
  • 1458–1472 Wilburgis (Wibe) Poghewisch
  • 1472–1484 Heylewich Split
  • 1484–1508 Anna von Buchwald
  • 1508–1528 Anna von Qualen
  • 1528–1542 Armgard von Sestede
  • 1546–1549 Dorothea von Rantzau (erste Priörin,
    die das Kloster im Sinne der neuen Kirchenordnung leitete)
  • 1550–1552 Anna von Pentz

Pröpste des Damenstifts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klosterprediger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. G. Schmidt: Die Propstei Preetz. Kiel 1813.
  • J. Fr. A. Dörfer: Chronik des Klosters und Flecken Preetz. Kiel 1813.
  • Chr. Kuss: Das Frauenkloster in Preetz. Staatsbürgerliches Magazin 9, 1829.
  • Diether Rudloff: Die Beziehungen des Klosters Preetz zur Hansestadt Lübeck. In: Der Wagen 1955, S. 60 - 67
  • Christian Stocks, Bernhard Schütz: Preetz. Ev. Adeliges Kloster, Ehem. Benediktinerinnenkloster Campus Beatae Mariae. Broschüre, Schnell & Steiner, Kunstführer Nr. 1030 von 1975, ISBN 3-7954-4761-5.
  • Jakob Hauschild: Das ehemalige Hochaltar-Retabel der Preetzer Klosterkirche. In: Nordelbingen, Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte Schleswig-Holsteins 64, 1995 S. 23–39.
  • Lorenz Hein: Preetz. GERMANIA BENEDICTINA Band XI. Die Frauenklöster in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen Ottilien 1984 ISBN 3-88096-611-7 S. 498–511.
  • Axel Attula: Dekorationen für Damen. Evangelische Damenstifte Norddeutschlands und ihre Orden. Thomas Helms Verlag Schwerin 2011, ISBN 978-3-940207-21-0.
  • Johannes Rosenplänter: Kloster Preetz und seine Grundherrschaft. Sozialgefüge, Wirtschaftsbeziehungen und religiöser Alltag eines holsteinischen Frauenklosters um 1210–1550. Neumünster: Wachholtz 2009, 556 S. (Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins, 114)
  • Alison Altstatt: The music and liturgy of Kloster Preetz: Anna von Buchwald's Buch im Chor in its fifteenth-century context. Diss. University of Oregon 2011 (Volltext)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j Ch. Stocks: „Das Adelige Kloster zu Preetz, Geschichte, Grundherrschaft, Klosterhof“, Gesellschaft der Freunde des Klosters Preetz e.V., 2012
  2. Klosterregister Preetz ∙ campus beatae mariae AugustinerinnenKlosterprojekt der Universität Kiel.
  3. Grüne Stationen in Kiel, Klosterforst Preetz Webseite der Landeshauptstadt Kiel.
  4. Liste der Kulturdenkmale, Landesregierung Schleswig-Holstein.
  5. a b c Adeliges Kloster Preetz, Deutsche Stiftung Denkmalschutz.
  6. a b c Adeliges Kloster Preetz, Schleswig-Holsteinische Ritterschaft, 2010.
  7. Kloster Preetz ∙ Benediktinerinnen, Ordo S. Benedicti (OSB), Klosterprojekt der Universität Kiel.
  8. Schleswig-Holstein-Lauenburgische Regesten und Urkunden (SHRU) 1, 194.
  9. Die Chronik des Adeligen Klosters Preetz, Preetzer Schützengilde.
  10. Schleswig-Holstein-Lauenburgische Regesten und Urkunden (SHRU) 1, 237.
  11. Lorenz Hein: Preetz. In: GERMANIA BENEDICTINA XI, 1984 S. 501.
  12. Klosterarchiv, Register S. 38, Nr. 15.
  13. E. Frytag: Die Klöster als Zentren kirchlichen Lebens. (Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte 1.) 1977 Kloster Preetz S. 165.
  14. Klosterarchiv, Register S. 28, Nr. 10.
  15. Schleswig-Holstein-Lauenburgische Regesten und Urkunden (SHRU) 3, 412.
  16. Dieter J. Mehlhorn: Kloster Preetz. In: Klöster in Schleswig-Holstein. 2004 S. 64–73.
  17. Claus Rautenberg: Der Kirchenbau des Mittelalters in Schleswig-Holstein. (Schleswig-Holsteinsche Kirchengeschichte 2.) 1978 S. 71–180.
  18. Infos zur historischen Orgel, gesehen 15. Dezember 2010.
  19. E. Kelm: Das Buch im Chore der Priörin Anna von Buchwald im Klosterarchiv zu Preetz. 1974 S. 68–83.
  20. Gesellschaft der Freunde des Klosters Preetz: Restaurierung
  21. Altstatt (Lit.), S. 1f
  22. Urkundensammlung der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen Gesellschaft für vaterländische Geschichte I. (SHUS) Kiel 1839–1880 S. 383–392.
  23. G. von Buchwald: Die Pröpste des Klosters Preetz bis zur Reformation. ZSHG 9, 1879.
  24. Anna-Therese Grabkowsky: Das Verhältnis zu geistlichen Institutionen. In: Das Kloster Cismar. 1982 S.63.
  25. G. von Buchwald: Die Priörinnen des Klosters Preetz bis zur Reformation. ZSHG 9, 1879.

Koordinaten: 54° 14′ 25″ N, 10° 17′ 0″ O