Thorsten Dietz

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Thorsten Dietz (* 1971) ist ein deutscher evangelischer Theologe. Er lehrt als Professor für Systematische Theologie an der Evangelischen Hochschule Tabor und ist Privatdozent an der Universität Marburg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thorsten Dietz studierte Theologie, Philosophie und Germanistik in Münster, Tübingen und Marburg. Angeregt durch die Bücher Dostojewskis setzte sich Dietz, der seit seiner Jugend Atheist gewesen war, ernsthaft mit dem Christentum auseinander und entwickelte während seines Studiums einen persönlichen Glauben.[1] Insbesondere in den Jahren 1993 bis 2007 publizierte er mehrere Artikel in der theologischen Zeitschrift ichthys. 2002 legte er sein zweites kirchliches Examen ab und war anschließend bis 2005 als Vikar und Pfarrer zur Anstellung in Castrop-Rauxel tätig.

Seit 2005 ist Dietz Dozent an der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg. 2008 wurde er am Fachbereich Evangelische Theologie der Philipps-Universität Marburg mit einer Dissertation über den Begriff der Furcht bei Martin Luther zum Dr. theol. promoviert. Für seine Dissertation wurde er 2010 mit dem Martin-Luther-Preis für den akademischen Nachwuchs der Luther-Gesellschaft ausgezeichnet. Im Jahre 2011 erhielt Dietz eine Professur an der Evangelischen Hochschule Tabor. 2014 erfolgte seine Habilitation an der Universität Marburg für das Fach Systematische Theologie mit einer Arbeit zum Thema "Religiöse Gefühle", und er erhielt ebenda eine Privatdozentur im Fachbereich Evangelische Theologie. 2016 wurde Dietz als ständiger Gast in die Kammer für Theologie der Evangelischen Kirche in Deutschland berufen.

Theologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weiterglauben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieses Buch von 2018 bringt exemplarisch theologische Positionen von Dietz in einfacher Sprache auf den Punkt. Im ersten Kapitel (S. 15) wird das Wortspiel des Titels erläutert:

  • Lokaler Sinn: Weite im Sinne von großem Freiraum
  • Temporaler Sinn: weiterhin zu glauben und nicht davon abzulassen

Ganz grob gesagt wollen liberal geprägte Christen einen "weiten Glauben", durch Hinterfragen, Horizonterweiterung, Flucht aus der Enge usw. Konservativ geprägte Christen wollen den Glauben nicht verlieren, sondern "weiter glauben". Die Frage des Buches ist, wie beides gelingen kann.

Das erste Kapitel heißt "Im Sog der Polarisierungen" (I.). Es gliedert sich wiederum in vier Unterkapitel: Wachstumsschmerzen (1.) können entstehen, wenn man im Glauben mehr Tiefe oder Weite haben möchte. Für die einen bedeutet Wachstum, ihren Glauben konsequenter umzusetzen, für die anderen, eigene Glaubensüberzeugungen zu hinterfragen (S. 13). Diese beiden Gruppen driften immer weiter auseinander (S. 14). Aber es gibt auch immer wieder Grenzgänger, die sich zwischen den beiden Polen bewegen möchten. Als Beispiel wird für die "Freischwimmer-Debatte" (2.) Torsten Hebel herangezogen. In Hebels Buch "Freischwimmer" skizziert er seinen Weg vom Evangelikalen hin zu jemandem, der wegen vielen Fragen und Zweifel nach Möglichkeiten sucht, seinen Glauben neu zu finden, und ihn nicht komplett über Bord zu werfen, sondern nur eine bestimmte Gestalt hinter sich zu lassen. Nicht allen gelingt so ein differenzierter Umgang: Viele sind in ihrer Jugend dabei, merken aber, dass für bestimmte Zweifel und Neuorientierungen kein Platz ist, und wenden sich ab. Die Frage ist, ob eine Atmosphäre geschaffen werden kann, in der Menschen sich ohne Angst auf neue Wege begeben können (S. 20). In "Zarathustra und sein Schatten" (3.) geht es um Nietzsches "Also sprach Zarathustra", wo es u. a. um die Umwertung aller Werte geht: Es gibt keine Wahrheit, nichts Falsches, keine Moral, usw. – das ist das Programm des Zarathustra, das sein Schatten zunächst mitgemacht hat. Nachdem der Schatten alles aufgelöst hat, überfordert ihn die Verunsicherungserfahrung, sodass er wieder zurück in die alten Sicherheiten möchte. Aber Zarathustra warnt seinen Schatten davor, wieder in einen neuen engen Glauben eingefangen zu werden, weil es kein Zurück mehr gibt. Der Schatten zeigt für Dietz, wie Fundamentalismus funktioniert: Als eine Reaktion auf Verunsicherungen lebt der Fundamentalismus von dem Feindbild. Attraktiv am Fundamentalismus (S. 29) ist die

  • eindeutige Lebensorientierung,
  • Motivation zum Einsatz,
  • und die Schaffung von Verbundenheit mit Gleichgesinnten.

Gefährlich am Fundamentalismus sind folgende Punkte (S. 30):

  • Unfähigkeit, an der Gegenseite das Positive zu würdigen
  • Probleme der eigenen Kreise auszublenden
  • Partei- und Lagerdenken mit Bekämpfung der anderen
  • Offenheit für Verschwörungstheorien

Diese Punkte treffen sowohl auf "Fundementalisten" zu als auch auf diejenigen, die radikal gegen "Fundamentalisten" sind und dabei selbst fundamentalistisch nach den genannten Kriterien werden. Aber selbst wenn man, um dem Dilemma zu entkommen, die "Theologie des dritten Weges" (4.) will, kann man auch "eine fundamentalistische Sehnsucht" nach "dem" dritten Weg entwickeln. Kein dritter Weg ist die Lösung, sondern das Ringen und Streiten nach dritten Wegen (S. 31–32).

Mitgliedschaften und Gremien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • (mit Harald Matern): Rudolf Otto. Religion und Subjekt (Christentum und Kultur 12). Theologischer Verlag, Zürich 2012.
  • (mit Norbert Schmidt): Wort, Wahrheit, Wirklichkeit. Beiträge zum Gespräch mit Heinzpeter Hempelmann. Gießen 2015.
  • (mit Henning Freund): Gebet und Erfahrung (= Schriften der Evangelischen Hochschule Tabor Bd. 5). LIT, Berlin 2015.
  • Dietrich Bonhoeffer: Theologische Briefe aus „Widerstand und Ergebung“ (= Große Texte der Christenheit, Band 2). Leipzig 2017.

Vorträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thorsten Dietz: Predigt bei der ICF-Gemeinde Basel. 15. Oktober 2017, abgerufen am 3. Juni 2018.