Thronende Madonna

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Apsismosaik der Nikopoia in der Hagia Sophia, Istanbul, 867

Die Thronende Madonna (griech. Νικοποια (Nikopoia, auch: Nikopea, Nikopeia, Nicopeia), die „Siegbringende“, die Gottesgebärerin), ist in der byzantinischen Ikonografie ein bestimmter Typus eines Marienbildes,[1] der im Westen bis ins 13. Jahrhundert zum bedeutendsten autonomen Marienbild wurde.[2]

Der Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung Nikopoia soll darauf zurückgehen, dass ein byzantinischer Herrscher namens Nikephoros (Der Sieg gewohnte) ein in dieser Weise gestaltetes Gnadenbild auf seinen Feldzügen mitführte.[3]

Ikonografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nikopoia, byzantinische Ikone, Kriegsbeute des vierten Kreuzzuges, heute in der Cappella della Madonna Nicopeia im Markusdom
Byzantinische Ikone in der Chiesa SS. Pietro e Paolo in San Cosmo Albanese, Kalabrien, 20. Jahrhundert

Die Mutter Gottes wird als Basilissa oder Kaiserin auf einem Thron mit üppigen Kissen sitzend, mit dem Jesuskind auf dem Schoß dargestellt.[1] Ihre rechte Hand liegt auf der Schulter des Jesuskindes, die linke auf seinem Knie.[3] Während die rechte Hand des Kindes segnend erhoben ist, hält es in der Linken (auf frühen Bildern seltener) die Buchrolle, Symbol der Macht.[2] Die Feierlichkeit wird durch die frontale Statik von Mutter und Sohn auf der gleichen vertikalen Achse dargestellt.[4]

Im byzantinischen Zeitalter folgte die Kleidung der Madonna starren Schemen. Die Haare wurden durch eine weiße Kappe verdeckt. Sie selbst war mit einer roten Tunika und darüber einem blauen manchmal mit drei Sternen bestickten Mantel bekleidet und trug rote Schuhe oder Pantoffel. Diese Art die Madonna darzustellen sollte die in Italien in den darauf folgenden Jahrhunderten erfolgreichste und am weitesten verbreitete werden.[4]

Marias göttliche Mutterschaft wird bei jüngeren Darstellungen durch zwei Diagramme auf beiden Seiten des Kopfes bezeugt: MP ΘY, Abkürzung für Meter Theou (Mutter Gottes).

Diese Darstellungsform findet sich

die beiden letzteren auch als stehende Madonnen.

Variante[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Variante der Nikopoia ist die Kyriotissa (griech. „Mutter des Herrn“), ein byzantinischer Madonnen-Bildtypus, bei dem Maria aufrecht steht und das Jesuskind an ihre Brust drückt.[5]

Ikonografische Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Byzantinische Reich unter Justian I.

Dieser „triumphale Typus“ setzte sich 431 nach dem Konzil von Ephesos durch. Der Prototyp scheint byzantinischen Ursprungs zu sein, da dieser ikonografische Typus in allen Gebieten zu finden ist, in denen die byzantinische Kunst Fuß fassen konnte. Man findet ihn in Syrien, Kappadokien, Ägypten, Karthago, Italien, Russland, Rumänien und Bulgarien.[6]

Unter den Ikonen des 6. Jahrhunderts gibt es nur zwei in gutem Zustand erhaltene, die eine im Katharinenkloster im Sinai in Ägypten und die andere, Madonna della Clemenza genannt, in der Chiesa Santa Maria in Trastevere in Rom. In beiden Darstellungen ist Maria als Königin der Engel und Heiligen dargestellt.[7]

Seit der Herrschaftszeit von Justinian I. (527–565) findet man den Typus in der Sophienkirche in Konstantinopel, in der Basilika Sant’Apollinare Nuovo in Ravenna u. a. m.[6]

Nach den ikonoklastischen Kämpfen unter Leo III. und Konstantin V. wurde die Rolle der Maria als Mutter von Jesus mit dem Zweiten Konzil von Nicäa (787) verstärkt. Sie sollte die gleiche Rolle ihres Sohnes, König der Christen, erhalten. Als Königin auf dem Thron sitzend erhielt sie den Ehrenplatz in der Halbkugel der zentralen Apsis der Kirchen.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nicopeia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Lorenzo Ceolin, S. 5
  2. a b Die vergessene Bildersprache der Kunst, S. 203
  3. a b Beyars.com
  4. a b Lorenzo Ceolin, S. 63
  5. Kyriotissa. In: Beyars.com. Abgerufen am 30. August 2017.
  6. a b Lorenzo Ceolin, S. 61
  7. a b Lorenzo Ceolin, S. 62