Poreč

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Poreč
Parenzo
Wappen von PorečParenzo
Poreč (Kroatien)
Paris plan pointer b jms.svg
45.22727222222213.5952388888890Koordinaten: 45° 13′ 38″ N, 13° 35′ 43″ O
Basisdaten
Staat: Kroatische Flagge Kroatien
Gespanschaft: Flagge der Gespanschaft Istrien Istrien
Höhe: m. i. J.
Fläche: 139 km²
Einwohner: 16.696 (2011)
Bevölkerungsdichte: 120 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+385) 052
Postleitzahl: 52 440
Kfz-Kennzeichen: PU
Bootskennzeichen: PO
Struktur und Verwaltung
(Stand: 2013, vgl.)
Gemeindeart: Stadt
Bürgermeister: Edi Štifanić (IDS/DDI)
Postanschrift: Obala maršala Tita 5
52 440 Poreč
Parenzo
Webpräsenz:

Die Stadt Poreč [ˈpɔrɛtʃ] (ital. Parenzo, lat. histor. Parens oder Parentium, deutsch histor. Parenz) ist neben Rovinj und dem urbanen Zentrum Pula die bedeutendste Küstenstadt an der Westküste der Halbinsel Istrien in Kroatien und hat 16.696 Einwohner (Stand 2011)[1]. Das wohl bedeutendste Bauwerk Porečs ist das Bischofsgebäude mit der Euphrasius-Basilika, das von der UNESCO in das Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Die Stadt ist außerdem Sitz der katholischen Diözese Poreč-Pula.

Geografie und Wirtschaft[Bearbeiten]

Poreč liegt auf einer schmalen Halbinsel, die durch die vorgelagerte kleine Insel Sveti Nikola (St. Nikolai) geschützt wird. Es bildet zusammen mit angrenzenden und zum Teil eingegliederten Gemeinden das größte und vom Angebot her vielfältigste Touristenzentrum Istriens. In den Sommermonaten steigt die Einwohnerzahl auf 70.000, in der übrigen Zeit leben etwa 10.500 Menschen (2005) in der Stadt.

Die bei genügender Bewässerung sehr fruchtbaren Roterdeböden in der Umgebung von Poreč werden landwirtschaftlich sehr intensiv genutzt. Es wird Obst, Gemüse, vor allem aber Wein kultiviert. Die alten bodenständigen Sorten wie der gelbe bis grünlichgelbe Malvasier und der rote Teran werden immer häufiger moderneren Reben geopfert. Nördlich von Poreč, in der Gegend von Tar-Vabriga, wird ein qualitativ hochwertiges Olivenöl erzeugt.

Poreč war 1902–1935 vorläufiger Endpunkt der Lokalbahn Triest–Parenzo zur besseren verkehrstechnischen Anbindung ans Hinterland, heute dient diese 153 km lange Trasse als Radwanderweg.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gegend war schon sehr früh besiedelt wie Funde aus dem Neolithikum sowie der Bronzezeit belegen. Um 800 v. Chr. siedelte der illyrische Stamm der Histrier in diesem Gebiet, wahrscheinlich entstand in dieser Zeit auch der erste geschützte Hafen. Das Siedlungszentrum der Histrier, die der Halbinsel auch ihren Namen gaben, lag in Nesactium, in der Nähe von Pula.

Um 100 v. Chr. gelang es den Römern, die Histrer zu besiegen. In Poreč legten sie ein befestigtes Lager (castrum) an, in dessen Nähe sich eine römische Zivilsiedlung (oppidum) sehr schnell entwickelte und schließlich unter Kaiser Tiberius den Rang einer Kolonie (Colonia Iulia Parentium) erhielt. Die planmäßige Anlage mit den beiden Hauptstraßen Decumanus und Cardo Maximus sowie dem im Zentrum liegenden Forum ist in ihren Grundzügen bis heute erhalten.

Nach der Völkerwanderung geriet Poreč von 539 n. Chr. an für etwa 250 Jahre unter oströmische Herrschaft. Aus dieser Epoche stammt das wohl berühmteste Bauwerk der Stadt, die Euphrasius-Basilika. Sie wurde vom Bischof der frühen Christengemeinde, Euphrasius, gegründet. Die UNESCO erklärte die Kirche und ihre Nebengebäude 1997 zum Weltkulturerbe.

Karte von Istrien

Im Jahr 788 fiel die Stadt unter fränkische Herrschaft. Für kurze Zeit regierte ab 1232 der Patriarchat von Aquileia, bis Venedig 1267 die Stadt einnahm und bis zum Ende der Dogenrepublik 1797 in ihrem Besitz hielt. Der heutige Baubestand entstand im Wesentlichen während dieser Zeit, doch wurde durch Bombardements im Zweiten Weltkrieg sehr viel zerstört.

1354 hat eine genuesische Flotte Poreč eingenommen, geplündert und angezündet. Auch die Gebeine des Stadtpatrons St. Maurus wurden geraubt. 1440 war die Stadt von einem schweren Erdbeben betroffen, bei dem u. a. die Basilika beschädigt wurde.

Häufige Pestepidemien entvölkerten Poreč jedoch immer mehr, so dass die Stadt gegen Ende des 17. Jahrhunderts kaum mehr als 100 Einwohner zählte.

Im 18. Jahrhundert und während der österreichischen Herrschaft seit 1797 bzw. 1815 erholte sich Poreč sowohl wirtschaftlich als auch bevölkerungszahlenmäßig, allerdings war das Übergewicht der Italiener in jener Zeit noch größer als in den vorangegangenen Epochen. Dazu trugen nicht zuletzt auch Entscheidungen des in Poreč tagenden istrischen Landtags bei. Das von der italienischen Oberschicht beherrschte Parlament bevorzugte einseitig das Italienische als Schulsprache in allen istrischen Städten, so auch in Poreč. In der Verwaltung war Kroatisch lange Zeit gar nicht zugelassen. Die österreichische Volkszählung des Jahres 1900 ermittelte für Poreč 3390 Bürger italienischer und 13 slowenischer Muttersprache, während Kroaten überhaupt nicht vertreten waren.

Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie 1918 war Poreč bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Teil Italiens. 1944 gab es einen schweren Luftangriff der Alliierten. 1945 rückten die jugoslawischen Partisanen in die Stadt ein, was mit der Flucht und Vertreibung vieler italienischer Bewohner einherging. Im Pariser Friedenskonferenz 1946 wurde Jugoslawien im Besitz ganz Istriens und damit auch Porečs bestätigt. Die Stadt wurde der Teilrepublik Kroatien zugeschlagen.

Poreč, rechts im Hintergrund die Insel Sveti Nikola

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Nördlicher Wehrturm (Obrambena kula), 1473
Fünfeckiger Turm (Peterokutna kula), 1447
Runder Turm (Serenisima Kula / Torre rotondo), 1474

Die bekannteste Sehenswürdigkeit von Poreč ist die im nördlichen Teil der Halbinsel gelegene Euphrasius-Basilika und der sie umgebende Komplex kirchlicher Bauten (Baptisterium, Bischofspalast u. a.).

Von der ehemaligen mittelalterlichen, zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert erstellten Stadtbefestigung mit den 11 Türmen sind heute noch 3 Türme erhalten:

  • den nördlichen Turm, errichtet 1473 vom damaligen Statthalter Francesco Bondulimier. In der Nähe des Turms befinden sich noch Reste der ehemaligen Stadtmauer.
  • den Fünfeckigen Turm, errichtet 1447 vom damaligen Statthalter Nicolo Lion. Am Turm befindet sich das Relief eines venezianischen Löwen. Der im oberen Teil halboffene Turm beherbergt, kombiniert mit einem Nachbarsgebäude, seit der im Jahr 1994 abgeschlossenen dreijährigen Renovation ein Restaurant.
  • den Runden Turm (Serenisima ), errichtet 1474 vom damaligen Stadtverwalter Pietro de Mula. Der Turm kann bestiegen werden, auf der Terrasse des Turms befindet sich seit 2001 eine Bar (Torre Rotondo).

Die west-östlich verlaufende Hauptgasse Ulica Decumanus ist nicht nur die Einkaufs- und Flaniermeile, ihr entlang befinden sich auch die meisten der historischen Bauten und Sehenswürdigkeiten.

Der Trg Marafor (Forumsplatz), der ursprünglich aus der Römerzeit Forum Romanum hieß [2], ist ein kleiner Platz mit Überresten (Teile der Mauern und der Fundamente) römischer Tempeln. Die ursprüngliche römische Bepflasterung des Platzes blieb erhalten und ist an einigen Stellen sichtbar. Westlich des Parks am Ende der Hauptgasse Decumanus stehen die Reste zweier römischer Tempel. Der Marstempel (auch Großer Tempel genannt) war einst zu Beginn des 1. Jahrhunderts einer der größten Tempel in Istrien. Die verbliebenen Ruinen des Neptun Tempel, unter anderem mit die Steinsäulen, stammen ebenfalls aus dem 1. Jahrhundert.

Ein Bauwerk im romanischen Stil ist das Romanische Haus (Romanička kuća). Es wurde im 13. Jahrhundert errichtet. Markant für das Gebäude ist der hervortretende Holzbalkon, wie auch die aussenwändige steinerne Treppe und der vor dem Treppenaufgang befindliche steinerne Brunnen aus dem 15. Jahrhundert. Des Weiteren besitzt es ein Biforium und eine monolithische Archivolte.[2]

Gleich mehrere gotische Gebäude befinden sich entlang der Ulica Decumanus am Platz Trg Matije Gupca, so der gotischer Gebäudekomplex (Kompleks gotičkih kuća), der Zuccato Palast (Palača Zucatto), in welche sich heute eine Kunstgalerie befindet, sowie zwei weitere Gebäude aus dem 15. Jahrhundert (Gotička kuća).

Das Palais Polezini (1896), westlich des Trg Marafor gelegen und heute als Hotel genutzt, und das Palais Sinčič (1729) an der Ulica Decumanus sind zwei spätgotische Adelssitze. In letzterem befindet sich das 1884 eröffnete (seit einigen Jahren jedoch geschlossene) Heimatmuseum der Poreština, mit prähistorischen, antiken und mittelalterlichen Sammlungen.

Sehenswerte Beispiele später romanischer Architektur sind das Kanonikerhaus, errichtet Mitte des 13. Jahrhunderts, sowie das einstöckige, im 14. und 15. Jahrhundert erbaute Haus der zwei Heiligen mit den Relieffiguren der beiden Heilige an der Außenwand.[2]

Entlang der Hafenstrasse, der Obala marsaia tita, steht das Theatergebäude aus dem Jahr 1886, mit einer auffälligen Skulptur auf dem Dach und den zwei an der Fassade angebrachte Reliefs des Porec-Wappens. Gleich angrenzend, durch eine kleine Parkanlage mit Denkmal getrennt, befindet das Rathaus aus dem Jahr 1909, erbaut von den Architekten Ruggero Berlam und Arduino Berlam aus Triest.

Ganz im Westen der Halbinsel der historischen Altstadt von Porec steht vor einem grossen Platz die zwischen 1743 bis 1770 im neoklassischen Stil erbaute Liebfrauenkirche (Crkva Gospe od Anđela).

Der Landtagspalast (Sabornica), im 13. Jahrhundert als gotische Kirche (Franziskanierkirche) erbaut und im 18. Jahrhundert barockisiert, dient heute als Saal für Konzerte und Ausstellungen. Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts tagte hier Landtag Istriens.

Sport[Bearbeiten]

Športska dvorana Žatika

Der Handballverein RK Poreč trägt seine Heimspiele in der anlässlich der Handball-Weltmeisterschaft der Herren 2009 errichteten Športska dvorana Žatika aus.

Volksfeste[Bearbeiten]

In Poreč werden mehrere Volksfeste gefeiert. Der Tag der Stadt Poreč am 30. April ist ein Feiertag, an dem sportliche und kulturelle Veranstaltungen sowie Unterhaltungsprogramme stattfinden. Mandalenjina am letzten Sonntag im Juli ist ein traditionelles Volksfest und eine religiöse Feier zu Ehren der Heiligen Magdalena in Višnjan. Rokova am 16. August ist ebenfalls ein Volksfest und eine religiöse Feier anlässlich des Feiertages Sveti Rok (dt.: Sankt Rochus), dem Beschützer des Ortes Nova Vas. Mavrova am 21. November ist eine religiöse Feier in den Kirchen Porečs anlässlich des Feiertages St. Mauro, dem Schutzpatron der Stadt. An diesem Tag finden auf dem Trg Slobode (Platz der Freiheit) Sportveranstaltungen und Unterhaltungsprogramme statt.[2]

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Milan Prelog: Poreč. Grad i spomenici. Beograd 1957.
  • Egmont Strigl: Istrien entdecken. Unterwegs zwischen Poreč, Pula und Opatija. Berlin 2004. ISBN 3-89794-048-5
  • Antun Travirka: Istrien – Geschichte, Kultur, Künstlerisches Erbe. Zadar 2006. ISBN 953-179-468-5
  • Pavanello, Giuseppe (Hrsg.): Istria città maggiori. Capodistria, Parenzo, Pirano, Pola. Opere d’arte dal Medioevo all’Ottocento. Trieste 2001.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Croatian Bureau of Statistics: Census 2011 Bevölkerung Volkszählung 2011
  2. a b c d Poreč : Info. Fremdenverkehrsbüro der Stadt Poreč, 2008

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Poreč – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien