Todesengel

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Todesengel (Begriffsklärung) aufgeführt.
„Der Tod des Totengräbers“ von Carlos Schwabe

Als Todesengel oder Engel des Todes wird ein Engel bezeichnet, der Menschen den Tod bringt, Verstorbene ins Jenseits begleitet oder dort empfängt und eventuell richtet. Im Koran wird ein Engel des Todes ausdrücklich erwähnt (Sure 32:11), der in der islamischen Tradition als Azrael identifiziert wird. Munkar und Nakir empfangen und befragen die Toten.[1] In der Übersetzung der Hoffnung für alle-Bibel werden die Worte „der Verderber“ im 1. Korinther 10,10 HFA mit „sein [Gottes] Todesengel“ übertragen (ὀλοθρευτής, vgl. Ex 12,23 LXX).

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vorstellung eines Todesengels im christlichen Bereich stammt wahrscheinlich aus der mittelalterlichen Tradition, jedes Einwirken Gottes auf die Welt, also auch den Tod, als durch einen Engel vermittelt anzusehen. Im Besonderen bezieht sich das auf den Engel, der in der Paschanacht alle Erstgeborenen unter den Ägyptern erschlug (Ex 12,27 EU), obwohl im Bibeltext von einem Engel nicht die Rede ist und in der Haggada, die am Sederabend vorgelesen wird, sogar ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass Gott selbst eingriff, „kein Gesandter oder Engel, kein Bote oder Seraph“.[2] Im zweiten Buch Samuel taucht eventuell auch der Todesengel auf, er wird dort allerdings nicht so genannt. Dieser Engel bringt die Pest über das Reich des David (2 Sam 24,13-25 EU).

Todesengel. Foto von Paolo Monti, Venedig, 1951.

Verwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bild eines übernatürlichen Wesens als Begleiter des Verstorbenen ins Jenseits gibt es bei den meisten Völkern. Bei den Griechen sind es Hermes und Charon, im römischen Glauben der Genius des Verstorbenen, bei den Germanen die Walküren. In der christlichen Tradition wird diese Funktion häufig den Erzengeln Michael oder Raphael zugeschrieben, wobei letzterem auch eine richtende Funktion zukommt.

In der literarischen Tradition wird der Begriff „Todesengel“ häufig als Personifizierung des Todes verwendet. Eine Begegnung mit dem Todesengel oder eine Sichtung desselben stehen dann für Lebensgefahr oder eine Nahtoderfahrung.

Im übertragenen Sinne werden auch Durchführende von sogenannter aktiver Sterbehilfe (vgl. auch Michela Murgias Accabadora) oder Mörder als Todesengel bezeichnet, letztere insbesondere, wenn sie aus medizinischen Berufen stammen wie z. B. der KZ-Arzt Josef Mengele, der argentinische Junta-Offizier Alfredo Astiz oder die „Todesengel von Lainz“.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Krauss: Kleines Lexikon der Engel – Von Ariel bis Zebaoth (= Beck’sche Reihe. Bd. 1411). C. H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-45951-X.
  • Julia Cresswell: Das Engel-Kompendium. Über das Wesen und Wirken der Engel (= Kailash). Hugendubel, Kreuzlingen/München 2007, ISBN 978-3-7205-6013-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Todesengel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ursula Spuler-Stegemann Die 101 wichtigsten Fragen - Islam C.H.Beck 2017 Ausgabe 4 ISBN 978-3-406-70981-4 Seite 61
  2. Pessach. Die Haggada in Deutsch mit Anleitung. In: chabad.org. Chabad, abgerufen am 15. August 2017.