Tommaso Traetta

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Tommaso Traetta

Tommaso Michele Francesco Saverio Traetta (auch Trajetta; * 30. März 1727 in Bitonto bei Bari; † 6. April 1779 in Venedig) war ein italienischer Komponist der neapolitanischen Schule. Sein Hauptgebiet war die Oper.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1738[1] bis 1748[1] studierte er am Conservatorio S. Maria di Loreto in Neapel[1] unter anderem bei Francesco Durante. 1751[1] erhielt er den Auftrag, mit Il Farnace seine erste opera seria zu schreiben, die bereits recht erfolgreich war. 1758 wurde er Hofkapellmeister und Musiklehrer am Hof in Parma, einem Zentrum für die Reformbestrebungen der Oper. Hier lernte er die berühmte Sopranistin Caterina Gabrielli kennen, mit der ihn eine lebenslange und fruchtbare Zusammenarbeit verband, nachdem sie in seiner Oper Ippolito ed Aricia sang (UA am 9. Mai 1759, Parma);[2] er schrieb für sie fast alle weiblichen Hauptrollen seiner folgenden Opern Enea nel Lazio (1760, Turin),[3] I Tindaridi (1760, Parma),[4] Armida (1761, Wien)[5], Zenobia (1761, Lucca)[6] und Alessandro nell’Indie (1762, Reggio Emilia).[7]

Traettas Name wurde in ganz Europa bekannt, und er erhielt Kompositionsaufträge aus Turin, Wien und Mannheim. Der Tod seines Förderers Herzog Philipps von Parma,[1] dem Infanten von Spanien, und nachlassende finanzielle Unterstützung für die Oper veranlassten ihn, 1765 die Stelle eines Direktors am Conservatorio dell'Ospedaletto in Venedig anzunehmen. Hier entstanden geistliche Musik und weitere Opern. Zudem verfügte er über lebenslange[1] Renten aus der Kasse des spanischen Monarchen Karl III.

Ab 1768 wirkte er als Hofkapellmeister in Sankt Petersburg für Zarin Katharina II.[1] Hier schuf er 1772 die Oper Antigona, die als sein reifstes Werk gilt. Die Titelrolle schuf er wieder für Caterina Gabrielli,[8] die auch in Amore e Psiche (1773)[9] und Lucio Vero (1774)[10] auftrat. Da das kalte Klima seiner Gesundheit abträglich war,[1] musste er Russland verlassen und ging nach London, wo er drei erfolglose[1] Opern veröffentlichte. 1774 kehrte Traetta nach Venedig zurück und starb krank[1] und enttäuscht[1] 1779.

Sein Sohn Filippo Traetta (* 8. Januar 1777 in Venedig; † 9. Januar 1854 in Philadelphia) wurde ebenfalls Komponist, musste 1799 fliehen und wanderte in die USA aus. Er war 1801 maßgeblich an der Gründung des American Conservatorio in Boston beteiligt, der ersten Musikhochschule der USA.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tommaso Traetta – Denkmal in seiner Geburtsstadt Bitonto

Tommaso Traetta schuf über 40 Opern, wovon die meisten Opere serie sind. Zu den wenigen Buffa-Opern gehören Buovo d'Antona und Le serve rivali, die besonders beliebt waren.[11]

Sein Werk umfasst zudem Oratorien, eine Messe, ein Stabat mater (1750), eine Johannes-Passion, sowie Sinfonien und Divertimenti.

Gelegentlich bezeichnet man Traetta – so wie auch seinen Zeitgenossen Niccolò Jommelli – als den „italienischen Gluck“. Er versuchte, die Arien in den dramatischen Ablauf der Oper einzubinden und die starre Form der Da-capo-Arie aufzulösen, folgte jedoch in seinen Seria-Opern nicht Glucks schlichtem Gesangsideal.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jörg Riedlbauer: Die Opern von Tommaso Trajetta, Olms-Verlag, Hildesheim 1994, ISBN 978-3-487-09798-5.
  • Marco Russo: Tommaso Traetta: i Libretti della Riforma – Parma 1759–1761, Facoltà di Lettere di Trento, Trento 2005.
  • Marco Russo: Tommaso Traetta: Maestro di cappella napoletano, Edizioni S. Marco dei Giustiniani, Genova 2006.
  • Fabrizio Cassoni, Gianfranco Spada: Le Feste d'Imeneo, Tommaso Traetta a Parma, Traettiana, London 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tommaso Traetta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k Clive Unger-Hamilton, Neil Fairbairn, Derek Walters; deutsche Bearbeitung: Christian Barth, Holger Fliessbach, Horst Leuchtmann, et al.: Die Musik – 1000 Jahre illustrierte Musikgeschichte. Unipart-Verlag, Stuttgart 1983, ISBN 3-8122-0132-1, S. 88.
  2. Daten der UA auf Corago (Abruf 4. September 2019)
  3. Daten der UA auf Corago (Abruf 4. September 2019)
  4. Daten der UA auf Corago (Abruf 3. September 2019)
  5. Interpretenliste auf Corago (Abruf 3. September 2019)
  6. Interpretenliste auf Corago (Abruf 3. September 2019)
  7. Interpretenliste auf Corago (Abruf 3. September 2019)
  8. Interpretenliste auf Corago (Abruf 3. September 2019)
  9. Interpretenliste auf Corago (Abruf 3. September 2019)
  10. Interpretenliste auf Corago (Abruf 3. September 2019)
  11. siehe die Aufführungslisten auf Corago an der entsprechenden Stelle.
  12. Daten auf Corago (Abruf 6. September 2019)
  13. Daten der UA auf Corago (Abruf 4. September 2019)
  14. Interpretenliste auf Corago (Abruf 3. September 2019)
  15. Daten auf Corago (Abruf 6. September 2019)