Truppendienstgericht

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Die Truppendienstgerichte (kurz: TrDG) entscheiden als erstinstanzliche Bundesgerichte in den ihnen nach der Wehrdisziplinarordnung und der Wehrbeschwerdeordnung zugewiesenen Rechtssachen aus dem Bereich der Bundeswehr.

Gegenwärtig gibt es in Deutschland das Truppendienstgericht Nord mit Sitz in Münster und das Truppendienstgericht Süd mit Sitz in München.

Der Gerichtsbarkeit des Truppendienstgerichts Nord sind alle Dienststellen der Bundeswehr unterstellt, die ihren Sitz in Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen mit Ausnahme des Regierungsbezirks Köln, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein haben. Dem Truppendienstgericht Süd sind die Dienststellen mit Sitz in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, im Regierungsbezirk Köln, in Rheinland-Pfalz, im Saarland, in Sachsen und in Thüringen unterstellt; es ist ferner zuständig für Truppenteile und Dienststellen, die sich im Ausland befinden. Das Truppendienstgericht Nord hat neben den beiden Kammern am Sitz in Münster weitere, auswärtige Kammern in Hamburg (3., 4.), Potsdam (5., 6.) und Koblenz (7., derzeit unbesetzt). Das Truppendienstgericht Süd hat neben den beiden Kammern am Sitz in München weitere, auswärtige Kammern in Koblenz (3., 4.), Erfurt (5., 6.) und Potsdam (7., derzeit unbesetzt). Die vormaligen auswärtigen Kammern in Oldenburg, Kassel und Regensburg sind mit Wirkung vom 1. Juli 2006 und die vormaligen auswärtigen Kammern in Hannover und Karlsruhe mit Wirkung vom 1. September 2012 aufgelöst worden.

Rechtsgrundlage für die Errichtung der Truppendienstgerichte und ihrer auswärtigen Kammern ist § 69 Abs. 1 und 2 der Wehrdisziplinarordnung in Verbindung mit der Verordnung über die Errichtung von Truppendienstgerichten (PDF; 26 kB) vom 16. Mai 2006 (BGBl. I S. 1262 – Inkrafttreten: 1. Juli 2006) und der Verordnung zur Regelung der Dienstbereiche der Truppendienstgerichte und zur Bildung von Truppendienstkammern (PDF; 29 kB) vom 15. August 2012 (BGBl. I S. 1714 – Inkrafttreten: 1. September 2012).

Die Truppendienstgerichte gehören zum Organisationsbereich Rechtspflege des Bundesministeriums der Verteidigung. Sie fungieren als Dienstgerichte für Disziplinarverfahren gegen Soldaten und für Verfahren über Beschwerden von Soldaten. Regelmäßig verhandeln sie in der Besetzung mit einem zivilen Berufsrichter und zwei Soldaten als ehrenamtlichen Richtern; dabei muss einer der Soldaten der Dienstgradgruppe des angeschuldigten bzw. beschwerdeführenden Soldaten angehören.

Äquivalente Wehrstrafgerichte dürfen gem. Art. 96 Abs. 2 Satz 2 GG Gerichtsbarkeit nur im Verteidigungsfall sowie über Angehörige der Streitkräfte ausüben, die in das Ausland entsandt oder an Bord von Kriegsschiffen eingeschifft sind. Von dieser Möglichkeit hat der Gesetzgeber jedoch bisher keinen Gebrauch gemacht; zuständig sind vielmehr die ordentlichen Gerichte.

Da die Truppendienstgerichte Disziplinargerichte sind, kann es vorkommen, dass ein Fall wegen einer Straftat sowohl vor einem ordentlichen Gericht als auch wegen gleichzeitigen Verstoßes gegen soldatische Pflichten vor dem Truppendienstgericht verhandelt wird. Kommt es dabei zu einer zweifachen Verurteilung, handelt es sich nicht um einen Verstoß gegen das Verbot der Doppelbestrafung (ne bis in idem).[1] Der Grund hierfür liegt darin, dass die Bestrafung durch ein ordentliches Gericht zur Vergeltung und Prävention erfolgt, während das Verfahren vor dem Truppendienstgericht in erster Linie erzieherischen Zwecken dient.

Soweit die Entscheidungen der Truppendienstgerichte mit Rechtsmitteln angefochten werden können, entscheiden hierüber die Wehrdienstsenate des Bundesverwaltungsgerichts.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich gab es 1957 fünf Truppendienstgerichte; 1959 kam ein sechstes hinzu:

1972 wurden diese ersetzt durch die Truppendienstgerichte Nord (Münster), Mitte (Koblenz) und Süd (Ulm).[3]

1992 wurde das TrDG Mitte aufgelöst[4] und 1997 der Sitz des TrDG Süd nach München verlegt.[5]

Die Wehrdienstsenate des Bundesverwaltungsgerichts hatten ihren Sitz bis 2002 in München.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BVerfGE 21, 378 (1967)
  2. Verordnung über die Errichtung von Truppendienstgerichten vom 29. April 1957 (BGBl. I S. 401); 1. Änderung BGBl. 1958 I S. 418; 2. Änderung BGBl. 1959 I S. 232; 3. Änderung BGBl. 1962 I S. 729; 4. Änderung BGBl. 1963 I S. 866; 5. Änderung BGBl. 1967 I S. 358; 6. Änderung BGBl. 1967 I S. 625; 7. Änderung BGBl. 1969 I S. 2352; 8. Änderung BGBl. 1970 I S. 1233; 9. Änderung BGBl. 1970 I S. 1333
  3. Verordnung über die Errichtung von Truppendienstgerichten vom 24. November 1972 (BGBl. I S. 2154); 1. Änderung BGBl. 1975 I S. 1438; 2. Änderung BGBl. 1978 I S. 1573; 3. Änderung BGBl. 1986 I S. 1548; 4. Änderung BGBl. 1987 I S. 1211; 5. Änderung BGBl. 1990 I S. 2151; 6. Änderung BGBl. 1991 I S. 1430
  4. Verordnung über die Errichtung von Truppendienstgerichten vom 20. August 1992 (BGBl. I S. 1579)
  5. Verordnung über die Errichtung von Truppendienstgerichten vom 5. November 1997 (BGBl. I S. 2690)
  6. Verordnung über den Sitz der Wehrdienstsenate vom 30. August 1957 (BGBl. I S. 1330); Verordnung über den Zeitpunkt der Verlegung des Sitzes des Bundesverwaltungsgerichts von Berlin nach Leipzig vom 24. Juni 2002 (BGBl. I S. 2371)
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