Ulrich Parzany

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Ulrich Parzany (* 24. März 1941 in Essen) ist deutscher evangelischer Theologe, Pfarrer, Prediger und Autor.

Ulrich Parzany bei ProChrist 2013

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulrich Parzany wuchs in Essen auf. Er besuchte dort die Schule bis zum Abitur 1960. Nach eigener Aussage fand Parzany 1955 im Weigle-Haus in Essen unter dem Einfluss des Jugendpfarrers Wilhelm Busch zum christlichen Glauben. Bis 1961 wirkte er ehrenamtlich in der missionarischen Jugendarbeit mit.[1]

Parzany studierte von 1960 bis 1964 evangelische Theologie in Wuppertal, Göttingen, Tübingen und Bonn.[2] Während seines Studiums arbeitete er in der Studentenmission in Deutschland mit.

Nach dem Ersten Theologischen Examen (Herbst 1964) arbeitete er bis Herbst 1965 in der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Jordanien als Vikar des deutschen Propstes in Jerusalem, wo er sowohl in der deutschen Lutherischen Gemeinde als auch im Internat der Lutherischen Sekundarschule in Beit Jala tätig war.

Parzany beendete nach seiner Rückkehr die theologische Ausbildung bis zum Herbst 1966 am Predigerseminar der Evangelischen Kirche im Rheinland in Essen. Danach war er bis April 1967 Synodalvikar im Kirchenkreis Bonn. Im April 1967 legte er das 2. Theologische Examen ab.

Ulrich Parzany ist seit 1967 mit der Lehrerin Regine, geb. Drunk, verheiratet, die er während des Studiums in der Göttinger SMD-Gruppe kennenlernte. Beide haben drei gemeinsame Kinder und wohnen in Kassel.

Nach der Ordination arbeitete Parzany von Mai 1967 bis September 1984 als Jugendpfarrer und Leiter des Weigle-Hauses in Essen. In dieser Zeit begann seine überregionale jugendevangelistische Tätigkeit. Er war Vorsitzender des Trägervereins für die Vorbereitung und Durchführung der missionarischen Jugendkongresse „Christival.“

Von Januar 1978 bis Mitte 1999 war Parzany Herausgeber und Schriftleiter der christlichen Monatszeitschrift Schritte, die sich als Sprachrohr des landeskirchlichen Pietismus verstand und sich sowohl für eine einladend missionarische wie sozial und politisch engagierte Arbeit der Christen einsetzte.

Von Oktober 1984 bis Oktober 2005 war Parzany als Generalsekretär des CVJM-Gesamtverbandes in Deutschland tätig. Von 1987 bis 2005 war er Mitglied im Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz.

Ulrich Parzany als Hauptredner bei ProChrist 2009

Er war von Oktober 1991 bis Oktober 1993 der Vorsitzende des nationalen Komitees für „ProChrist '93“ mit Billy Graham und wurde in der Fortsetzung dieser Arbeit, neben seiner Tätigkeit als CVJM-Generalsekretär, zum Evangelisten und Leiter des evangelistischen Vereins ProChrist berufen. Dieser organisierte eine im Mai 1995 mit Satellitenübertragung für den deutschsprachigen Raum von Leipzig aus durchgeführte Massenevangelisation. Weitere ProChrist-Veranstaltungen fanden in den Jahren 1997, 2000, 2003, 2006, 2009 und 2013 europaweit statt. Von 1997 bis 2009 war Parzany der Hauptredner. Auch für ProChrist 2013 war Parzany als Hauptredner vorgesehen, erkrankte jedoch einige Stunden vor der Auftaktveranstaltung. An diesem wie auch am zweiten Abend der Reihe wurde er von dem württembergischen Pastor Steffen Kern vertreten.[3] Am dritten Abend sprach wieder Ulrich Parzany. Zum 31. März 2013 gab Parzany die Leitung von ProChrist ab.

Von November 2002 bis November 2005 leitete er außerdem die Lausanner Bewegung Deutschland mit Sitz in Kassel. Seit 2006 predigte Parzany regelmäßig in der Reihe „Gottesdienst als Entdeckungsreise“ der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche.

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parzany beschäftigte sich schon vor dem Neuaufbruch des Islam in den 1970er Jahren mit dem Islam. Sein erstes Buch Jesus der Moslems, Jesus der Christen. Das Wichtigste aus Bibel und Koran zum Gespräch mit Moslems erschien 1968 im Aussaat-Verlag Wuppertal und wurde später leicht überarbeitet als ein Kapitel in Parzanys Buch Ein Gott für alle, Holzgerlingen 2007, S. 80–124, aufgenommen.

Parzanys literarische Arbeit widmet sich vor allem der theologischen Begründung und der Praxis eines ganzheitlichen Verständnisses der christlichen Sendung (Mission). Die einladende Verkündigung des Evangeliums (Evangelisation) und die soziale Verantwortung will er in Theorie und Praxis unbedingt zusammengehalten sehen. Er vertritt damit die im Ruhrgebiet geprägte Form des landeskirchlichen Pietismus in der Nachfolge von Wilhelm Busch und die in der sogenannten Lausanner Bewegung für Weltevangelisation auf deren drei Weltkongressen in Lausanne 1974, Manila 1989 und Kapstadt 2010 vertretene Theologie.

Ein weiterer Schwerpunkt in Parzanys Veröffentlichungen ist die Reflexion der christlichen Verkündigung in der pluralistischen Gesellschaft und insbesondere die Auseinandersetzung mit dem Toleranzbegriff. Er beruft sich dabei auf Jürgen Habermas, u. a. auf dessen Vortrag vor der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften am 29. Juni 2002 zum Thema „Wann müssen wir tolerant sein? Über die Konkurrenz von Weltbildern, Werten und Theorien“. Die politische Tugend der Toleranz fordere nicht die Verleugnung der eigenen Überzeugung, sondern erfordere die Bereitschaft, unvereinbare Positionen in öffentlicher Auseinandersetzung zu diskutieren und das friedliche Zusammenleben aufrechtzuhalten. Parzany vertritt die These, dass die Christen nach der Geschichte des Missbrauchs der Macht in der Staatsreligion heute den Nachweis bringen müssten, dass Feindesliebe gemäß der Bergpredigt Jesu (Mt 7,38–48 LUT) ihr Erkennungszeichen sei.[4]

Parzany vertritt eine konservative Bibelauslegung, nach der gelebte Homosexualität Sünde sei und eine „schöpfungswidrige Anomalie“.[5] Homosexuelle Christen kritisierten ihn, weil er Homosexualität mit Ehebruch und dem Verhalten sowohl mit „Karnickeln“ als auch mit fehlgeleiteten Kindern, die korrigiert werden müssten, verglichen hat,[6] sowie wegen einer Predigt am 18. Februar 2007, in der er Ehebruch und homosexuelle Praxis im Zusammenhang mit einem Mangel an Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit erwähnte.[7] Auch bei der Kontroverse, ob das Christival 2008 eine „antihomosexuelle Veranstaltung“ sei, trat er energisch für das Christival ein.[8]

Zur grundsätzlichen Auseinandersetzung über die Bewertung von Sexualität und Ehe heute schreibt Parzany: „Das Gegenüber von Mann und Frau gehört wesentlich zum biblischen Menschenbild (1 Mos 1,27 LUT; Mt 19,4–6 LUT). So wie die Beziehung zwischen Gott und Mensch einerseits durch den Unterschied und andererseits durch die Zusammengehörigkeit bestimmt ist, so auch das Verhältnis von Mann und Frau. Wo Gott, der Schöpfer, nicht mehr geehrt wird, wird auch die Gabe und Aufgabe der Ehe aufgelöst. Das erleben wir heute. Die Kritik der Bibel an außerehelichen Sexualkontakten und auch an homosexuellen Handlungen ist in der Offenbarung Gottes, des Schöpfers, und in dem damit verbundenen Menschenbild begründet. In den Auseinandersetzungen um sexuelle Lebensformen geht es nicht um zeitgebundene Moralvorstellungen, sondern um die Anerkennung Gottes, des Schöpfers, und die Wertschätzung seiner Gabe des Unterschiedes und der Zusammengehörigkeit von Mann und Frau.“[9]

Michael Diener, Vorsitzender der Evangelischen Allianz und seit November 2015 im Rat der EKD, hatte die ablehnende Haltung der evangelikalen Bewegung gegenüber homosexuellen Paaren im Pastorendienst in einem Welt-Artikel relativiert.[10] Diener bekräftigte in einem späteren Interview, dass Homosexuelle auch in evangelikalen Gemeinden mitarbeiten könnten, „wenn Menschen für sich diese Frage geistlich geklärt haben“[11], auch wenn die meisten evangelikalen Gemeinden noch nicht so weit seien. Dem widersprach Parzany deutlich. Am 8. Januar 2016 veröffentlichte der evangelikale Informationsdienst idea ein Memorandum von Parzany. Darin schreibt er, dass er die historisch-kritische Bibelauslegung „überwinden“ wolle und fordert, an der Judenmission festzuhalten.[12] Er lud rund 60 evangelikale Vertreter für Ende Januar 2016 nach Kassel ein, um auf der Basis des konservativen Aufrufes „Zeit zum Aufstehen“ und seines neuen Memorandums über die Gründung eines deutschlandweiten Bekenntnisnetzwerks zu beraten.[13]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1998 erhielt er das Bundesverdienstkreuz für sein Engagement für Jugendliche, Mission und Seelsorge. Bei der Weltausstellung EXPO 2000 war Parzany Direktor des Pavillons der Hoffnung.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus seinem evangelistischen Dienst und der regelmäßigen Predigttätigkeit entstanden eine Reihe von Büchern. Parzany war von 1984 bis 2005 Mitherausgeber und zeitweise Redakteur der Bibellesehilfen Termine mit Gott, Bibel für heute und Start in den Tag, die zeitweise jährlich mit über 100.000 verkauften Exemplaren über den Buchhandel verbreitet wurden.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Anfang 2016 die Debatte um den Kurs der Evangelikalen Bewegung durch unterschiedliche Haltungen zur Homosexualität an Fahrt aufnahm, äußerte sich Thies Gundlach, Vizepräsident des EKD-Kirchenamtes zu Parzanys Aussagen. Dieser hatte dazu aufgefordert, den in der Kirche vertretenen und geförderten Irrlehren entschiedener zu widerstehen. Gundlach sagte dem Evangelischen Pressedienst, dieser Vorwurf sei weder neu noch zutreffend: „Ich sehe […] mit Kummer, wie schwer es diesem großartigen Prediger fällt, jenseits seiner eigenen Überzeugungen anderes als Irrlehren zu erkennen.“[14]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jesus der Moslems, Jesus der Christen. Das Wichtigste aus Bibel und Koran zum Gespräch mit den Moslems, Studienhilfen herausgegeben von Theo Sorg, Gerhard E. Stoll, Karl Sundermeier. Aussaat Verlag Wuppertal, 1968.
  • Im Einsatz für Jesus. Programm und Praxis des Pfarrers Wilhelm Busch. Schriftenmissions-Verlag, Gladbeck 1973, ISBN 978-3-7615-4894-3.
  • Was kann man denn noch ernst nehmen? 2. Auflage. Schriftenmissions-Verlag, Gladbeck 1974.
  • Zeugen gesucht! Evangelistischer Ansatz, soziale Verantwortung und weltmissionarischer Weitblick in der Jugendarbeit. Aussaat Verlag, Wuppertal 1976.
  • Ausgeschüttet wie Wasser, Hat das Leben Sinn? 2. Auflage. Schriftenmissions-Verlag, Gladbeck 1978, ISBN 978-3-7958-0305-6.
  • Moment Mal! 1983, ISBN 3-7615-3135-4.
  • Ein Schrei zerreißt die Welt. Über die sieben Worte Jesu am Kreuz. Schriftenmissions-Verlag, Gladbeck 1978, ISBN 3-7958-2149-5.
  • Mir geht ein Licht auf. 2. Auflage. Brunnen Verlag, Gießen, Basel 1991, ISBN 3-7655-3429-3.
  • Leben mit neuem Programm. Brendow Verlag, Moers 1996.
  • Wozu Gott? 1997, ISBN 3-87067-141-6.
  • So ist Versöhnung. Die Heimkehr des verlorenen Sohns. Brendow Verlag, Moers 1999, ISBN 978-3-87067-791-6.
  • Zündstoff. Reden gegen den Strom. 2001, ISBN 3-7615-1047-0.
  • Ich glaube … Wozu Christen sich bekennen. 2. Auflage. Brunnen-Verlag, Gießen u.a. 2003, ISBN 3-7655-3743-8.
  • Unglaublich. Reden vom Zweifeln und Staunen. Hänssler, Holzgerlingen 2003, ISBN 3-7751-4049-2.
  • mit Hans-Joachim Eckstein: Die Basis trägt. Die Pariser Basis und der CVJM heute. 2. Auflage. Aussaat Verlag, Neukirchen-Vluyn 2005, ISBN 3-7615-5346-3.
  • Ein Gott für alle. SCM Hänssler, Holzgerlingen 2007, ISBN 978-3-7751-4687-6.
  • Kraft und Mut statt Angst und Wut. SCM Hänssler, Holzgerlingen 2008, ISBN 978-3-7751-4885-6.
  • Hallo, hört mich einer? SCM Hänssler, Holzgerlingen 2009, ISBN 978-3-7751-5117-7.
  • Christ. Glauben. Leben. SCM Hänssler, Holzgerlingen 2012, ISBN 978-3-417-26466-1.

als Herausgeber

  • mit Horst Marquardt (Hrsg.): Evangelisation mit Leidenschaft. Berichte und Impulse vom II. Lausanner Kongress für Weltevangelisation in Manila. Aussaat- und Schriftenmissions-Verlag, Neukirchen-Vluyn 1990.
  • Gottes Wort gilt: Dafür tritt das Netzwerk Bibel und Bekenntnis ein, Logos Editions, Ansbach/Windsbach 2016, ISBN 978-3-945818-05-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ulrich Parzany – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ProChrist e. V. – Pfarrer Ulrich Parzany (Biografie)
  2. Ulrich Parzany. Prochrist.org, abgerufen am 5. Juni 2010.
  3. Markus Mockler (epd): Rollstuhl statt Kanzel: ProChrist-Chef Parzany erleidet Schwächeanfall. Auf: evangelisch.de vom 4. März 2013
  4. Ulrich Parzany: Christsein in einer pluralistischen Gesellschaft. Vortrag in der Reihe „Klartext im Blarer“ des Evangelischen Bildungswerks Esslingen, 22. Februar 2006 (PDF; 36 kB).
  5. M. Münnich: Argumente sind tot … es lebe der Extremismus. Sekteninfo.net, 12. Mai 2006, archiviert vom Original am 30. März 2008, abgerufen am 15. Februar 2017.
  6. Interview mit Parzany. RBB-Sendung „Thadeusz“, 18. April 2006, archiviert vom Original am 10. April 2009, abgerufen am 15. Februar 2017.
  7. Stellungnahme von HuK e. V. (offline)
  8. Steht auf, wenn ihr Christen seid! Kommentar von Ulrich Parzany, idea-Meldung auf Kath.net, 16. Februar 2008, abgerufen am 12. Januar 2016.
  9. U. Parzany: Christ. Glauben. Leben. SCM R. Brockhaus. Witten 2012, ISBN 978-3-417-26466-1, S. 147 f.
  10. Matthias Kamann: Chef der Evangelikalen will Homo-Verdammung stoppen. Die Welt, 14. Dezember 2015, abgerufen am 11. Januar 2016.
  11. Hanno Terbuyken: Ulrich Parzany will die historisch-kritische Bibelauslegung „überwinden“. evangelisch.de, 9. Januar 2016, abgerufen am 11. Januar 2016.
  12. Ulrich Parzany: Wenn die Bibel Gottes Wort ist …. Memorandum auf der idea-Website, 2. Januar 2016, abgerufen am 11. Januar 2016.
  13. „Netzwerk Bibel und Bekenntnis“: Entsteht ein weiterer evangelikaler Dachverband? idea-Meldung, 8. Januar 2016.
  14. Thies Gundlach: EKD offen für unterschiedliche Frömmigkeitsstile. epd-Artikel auf Jesus.de, 7. Januar 2016, abgerufen am 11. Januar 2016.