Universitätsbibliothek Rostock

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Universitätsbibliothek Rostock
Universitätsbibliothek, Neubau von 2004 Campusbibliothek Südstadt
Architekturbüro: HLT, Dänemark

Gründung 1569
Bestand ca. 2.2 Mio. Bände[1]
Bibliothekstyp Hochschulbibliothek
Ort Rostock Welt-IconKoordinaten: 54° 4′ 32,1″ N, 12° 6′ 12,8″ O
ISIL DE-28 (Universitätsbibliothek Rostock)
Website www.ub.uni-rostock.de

Die Universitätsbibliothek Rostock wurde 1569 gegründet.[2] Sie ist damit die älteste Hochschulbibliothek Norddeutschlands und kann 2019 auf 450 Jahre Geschichte zurückblicken. Die Universitätsbibliothek Rostock ist verantwortlich für die universitätsweite Versorgung von Forschung, Lehre und Studium mit wissenschaftlicher Literatur und Information. Als große wissenschaftliche Bibliothek in Mecklenburg-Vorpommern dient sie auch der regionalen und überregionalen Literaturversorgung für die wissenschaftliche und berufliche Arbeit sowie die Fortbildung.

Bestand und Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bibliothek verfügte 2017 über einen Gesamtbestand von ca. 2.2 Mio. Bänden.[1] Sie besteht aus zwei Campus- und mehreren Fachbibliotheken, die auch im Portal Bibliotheken Region Rostock, einer Übersicht aller öffentlich zugänglichen Bibliotheken, Archive und Spezialsammlungen der Stadt und der Region Rostock, verzeichnet sind.[3][4]

Sie besitzt umfangreiche Sondersammlungen kultur- und wissenschaftshistorisch wertvoller Altbestände.[5] Zu den Schätzen des kulturellen Erbes zählen u. a. alte Drucke, historische Karten und Atlanten sowie eine umfangreiche Mecklenburgica-Sammlung.

Nach der 1999 erworbenen Forschungsbibliothek der Wossidlo-Forschungsstelle für Europäische Ethnologie und Volkskunde wird 2017 auch das Wossidlo-Archiv der Universitätsbibliothek angegliedert. Die historischen und landeskundlichen Sammlungen der Universitätsbibliothek werden in einem regionalwissenschaftlichen Forschungszentrum, dem Richard-Wossidlo-Zentrum, zusammengefasst.

Zur Universitätsbibliothek gehören auch Universitätsarchiv und Kustodie[6] mit der Aufgabe der Verwahrung, Erhaltung und Erschließung aller Unterlagen von Organen, Fakultäten und Einrichtungen der Universität mit bleibendem Wert.

Das Patent- und Normenzentrum (PNZ)[7] stellt umfangreiche Bestände an Patentschriften zur Verfügung und führt im Auftrag der Benutzer Recherchen in allen relevanten Patentdatenbanken durch. Weiterhin stehen das gesamte DIN-Normen- und Regelwerk sowie die VDI-Richtlinien zur Verfügung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht von Rostock mit der 1614 fertiggestellten Bibliotheca Stich von Wenzel Hollar

Die Anfänge der Universitätsbibliothek reichen bis in das Mittelalter zurück – bereits im 15. Jahrhundert werden Bücher ad librariam Artistarum in Rostock gewidmet. Als Geburtsstunde der Bibliothek gilt jedoch der 13. Juli 1569: An diesem Tag beschließt das Konzil der Universität, dem Dekan der Philosophischen Fakultät, Nathan Chyträus (1543–1598), einen Raum für die collectio bibliothecae zur Verfügung zu stellen. Nathan Chyträus schenkte das erste Buch und legte einen Liber facultatis philosophicae an. 1615 wurde Joachim Morsius der erste Rostocker Universitätsbibliothekar. Ab 1650 wurden zwei Professoren mit der Aufsicht über die Sammlung beauftragt und ein Ausleihbuch angelegt. In dem ersten alphabetischen Bandkatalog von Joachim Heinrich Sibrand (1670–1743) wurden 1709 etwa 2000 Bände verzeichnet.

Nach der Trennung der Universität und Einrichtung der Bützower Universität „Fridericana“ im Jahre 1758 wurde 1772 die Akademische Bibliothek in Bützow unter dem Orientalisten Oluf Gerhard Tychsen (1734–1815) eröffnet. Die Vereinigung beider Universitäten 1789 brachte auch einen erheblichen Bestandszuwachs. Unter anderem kamen die Renaissancebibliothek des Herzogs Johann Albrecht I. von Mecklenburg (1525–1576) und der sogenannte Rostocker Große Atlas nach Rostock.

Ab 1840 wurde die Bibliothek unter Führung von Christian Erhard von Nettelbladt mehrere Jahrzehnte reorganisiert und ein neuer Bandkatalog angelegt, in den bis 1963 alle Bücher verzeichnet wurden. Als dazugehöriges alphabetisches Register wurde ein Zettelkatalog („Strumpfbandkatalog“) angelegt. Die wichtigste Erwerbung in dieser Zeit ist die etwa 18.000 Bände umfassende Bibliothek des Rostocker Juristen Ferdinand Kämmerer (1784–1841).

In dem 1870 fertiggestellten neuen Universitätshauptgebäude erhielt die Bibliothek den rechten Gebäudeflügel und war die erste in Deutschland nach dem Magazinsystem gebaute Bibliothek.

Nach jahrelangen Bemühungen unter dem seit 1912 an der Bibliothek tätigen und 1934 als ersten hauptamtlichen Direktor wirkenden Bruno Claußen konnte 1939 ein damals modernes Magazingebäude bezogen werden, das wegen der architektonischen Anlehnung an norddeutsche Speicher auch Bücherspeicher genannt wird.

Ohne nennenswerte Kriegsverluste konnte die Bibliothek im Oktober 1945 wiedereröffnet werden. Einige Jahre später wurde im Palais am Universitätsplatz ein Lesesaal und im „Rostocker Hof“ ein Katalogsaal eingerichtet.

1992 begann die elektronische Verzeichnung der Bestände.

Nach dem Umbau ab 1994 konnte im ehemaligen Michaeliskloster zuerst bis 2017 die Fachbibliothek Geschichte und ab 2018 die Fachbibliothek Theologie und Philosophie untergebracht werden. Die Abteilung Sondersammlungen mit den historisch wertvollen Beständen befindet sich seit 1999 im Michaeliskloster.

2004 konnte ein Neubau insbesondere für die Agrar-, Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie Informatik und Medizin bezogen werden.[8]

Momentan ist die Bibliothek auf neun verschiedene Standorte verteilt. Sie besitzt mehr als zwei Millionen Bücher und Zeitschriften aller Fachgebiete und wendet einen Großteil ihres Erwerbungsetats, 2017 mehr als 70 %, für elektronische Medien auf.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Universitätsbibliothek Rostock – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Universitätsbibliothek Rostock in Zahlen. UB Rostock. Abgerufen am 16. August 2011.
  2. Geschichte der Universitätsbibliothek Rostock. UB Rostock. Abgerufen am 28. November 2013.
  3. Bereichsbibliotheken der UB Rostock. UB Rostock. Abgerufen am 16. August 2011.
  4. Bibliotheken Region Rostock. UB Rostock. Abgerufen am 28. November 2013.
  5. Bestände Sondersammlungen. UB Rostock. Abgerufen am 16. August 2011.
  6. Universitätsarchiv und Kustodie. UB Rostock. Abgerufen am 16. August 2011.
  7. Patent- und Normenzentrum. UB Rostock. Abgerufen am 16. August 2011.
  8. Neubau der Bereichsbibliothek Südstadt. UB Rostock. Abgerufen am 16. August 2011.
  9. Bibliotheksindex Universitätsbibliothek Rostock (2012). Deutscher Bibliotheksverband. Abgerufen am 22. Juni 2013.