Universität Bützow

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Schloss Bützow war Sitz der Friedrichs-Universität (Foto von 2014)

Die Friedrichs-Universität Bützow war eine deutsche Universität in Bützow in Mecklenburg. Sie bestand von 1760 bis 1789.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nach ihrem Gründer benannte Friedrichs-Universität Bützow wurde im Herbst 1760 durch Herzog Friedrich (1756–1785) gegründet, dem Regenten des Landesteils Mecklenburg-Schwerin.

Einen Anlass für die Entstehung der Bützower Universität lieferte eine Auseinandersetzung zwischen dem pietistischen Landesherrn und der der Orthodoxie verhafteten theologischen Fakultät der Universität Rostock um die Besetzung eines theologischen Lehrstuhls mit dem ebenfalls dem Pietismus nahestehenden Christian Albrecht Döderlein (1758). Dieser Streit, der sich allerdings in langjährige Machtkämpfe zwischen den mecklenburgischen Landesherrn und der alten Hansestadt Rostock einordnet, eskalierte durch den Umstand, dass Herzog und Stadt gleichermaßen Patrone der Universität Rostock waren und z. B. ihre eigenen Professorenkollegien unterhielten.

Untergebracht war die Universität Bützow im dortigen Schloss, dem ehemaligen Sitz des Bischofs von Schwerin. Als Aula und Universitätskirche wurde die Stiftskirche Bützow genutzt. Die offizielle Eröffnung fand am 20. Oktober 1760 statt. Beschwerden des Rostocker Rates beim Engeren Ausschuss der mecklenburgischen Stände und beim Reichskammergericht in Wetzlar gegen die Neugründung blieben ohne Erfolg. Ebenso erfolglos blieb der Versuch des Herzogs, die Universität Rostock schließen zu lassen.

Zwar konnte Friedrich mit seiner Neugründung die Rostocker Konkurrenz nicht vollständig aufheben, aber er zog einen beträchtlichen Teil der dortigen Studenten zu seiner Neugründung ab. Dennoch blieb die Frequenz der Bützower Hochschule auf Dauer gering. Während der knapp drei Jahrzehnte ihrer Existenz waren 779 Studenten – überwiegend Mecklenburger – in Bützow immatrikuliert.

Die Friedrichs-Universität umfasste die vier klassischen Fakultäten: Theologische Fakultät, Juristische Fakultät, Medizinische Fakultät und Philosophische Fakultät und war damit eine Volluniversität. Mit der Universität verbunden war – nach Vorbild der ebenfalls von Pietismus geprägten Universität Halle – ein Pädagogium, das 1780 wieder aufgehoben wurde. Die Universität verfügte über eine Bibliothek und eine Sternwarte, letztere wurde von Wenzeslaus Johann Gustav Karsten geleitet und befand sich auf dessen Wohnhaus (heute Pfaffenstraße 3).

Angesichts des sich langsam abzeichnenden Niedergangs der Universität vereinigte Friedrichs Nachfolger Friedrich Franz I. (1785–1837) die Bützower Universität im April 1789 wieder mit der Universität Rostock. Die meisten Professoren wurden dort übernommen und beispielsweise auch die Bestände der Universitätsbibliothek und die Instrumente der Universitätssternwarte.

Traditionell wurden Gründung und Existenz der Bützower Universität seither als Panne bzw. Makel der Rostocker Universitätsgeschichte angesehen und dargestellt. Ein Umdenken erfolgte erst in jüngster Zeit, gefördert insbesondere durch Forschungsergebnisse und Publikationen von Matthias Asche. Im Rostocker Matrikelportal[1] werden heute auch alle Studierende gelistet, die sich einst in Bützow immatrikuliert hatten.

Bedeutende Professoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Uvo Hölscher: Urkundliche Geschichte der Friedrichs-Universität Bützow. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Band 50 (1885), S. 1–110 (Volltext)
  • Hans W. Barnewitz: Aus dem Bützower Studentenleben (1760–1789). In: Mecklenburgische Monatshefte. Band 6 (1930), Heft 2, S. 65–69. (Digitalisat)
  • Matthias Asche: Von der reichen hansischen Bürgeruniversität zur armen mecklenburgischen Landeshochschule. Das regionale und soziale Besucherprofil der Universitäten Rostock und Bützow in der Frühen Neuzeit (1500–1800). Stuttgart 1999. ISBN 3-515-07255-1.
  • Günter Camenz: Die Herzoglichen, Friedrichs-Universität und Pädagogium zu Bützow in Mecklenburg. Bützow 2004.
  • Matthias Asche: Die mecklenburgische Hochschule Bützow (1760–1789) – nur ein Kuriosum der deutschen Universitätsgeschichte? Versuch einer historischen Neudeutung. In: Jahrbuch für Universitätsgeschichte 9. (2006), S. 133–147
  • Jürgen Hamel: Die Universitätssternwarte Bützow – Geschichte, Baulichkeit, Instrumente und Personal. In: Beiträge zur Astronomiegeschichte. Band 11. Frankfurt a. M. 2011 (Acta Historica Astronomiae 43), S. 181–207

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Universität Bützow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. matrikel.uni-rostock.de

Koordinaten: 53° 50′ 49,7″ N, 11° 58′ 35,8″ O