Unschuldig – Der Fall Julia B.
| Film | |
| Titel | Unschuldig – Der Fall Julia B. |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 2023 |
| Länge | 180 (2 Teile) Minuten |
| Produktionsunternehmen | Filmpool Fiction, ARD Degeto |
| Stab | |
| Regie | Ute Wieland |
| Drehbuch | Florian Oeller |
| Produktion | Iris Kiefer |
| Musik | Oli Biehler, Eckart Gadow, Roman Fleischer, Tim Schwerdter, Christoph Schauer, Max Filges |
| Kamera | Eeva Fleig |
| Schnitt | Dagmar Lichius |
| Besetzung | |
| |
Unschuldig – Der Fall Julia B. ist ein zweiteiliger deutscher Fernsehfilm von Ute Wieland aus dem Jahr 2023 mit Emily Cox, Thomas Loibl, Jan Krauter und Katharina Marie Schubert sowie Christina Große in den Hauptrollen. Der Zweiteiler basiert auf einer Vorlage von Matthew Arlidge und Chris Lang zur zweiten Staffel der ITV-Fernsehserie Innocent. Bereits 2018 hatte der Drehbuchautor Florian Oeller die erste Staffel unter dem Titel Unschuldig unter der Regie von Nicolai Rohde mit Felix Klare verfilmen lassen.[1]
Handlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Teil 1
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Bremer Deutschlehrerin Julia Brandt saß für den ihr zur Last gelegten Mord an ihrem Schüler Felix Weixler unschuldig fünf Jahre lang im Gefängnis. Nachdem das Verfahren wieder aufgenommen und sie freigesprochen wurde, gibt sie eine Erklärung vor der Presse ab und erläutert, dass dies abschließend geschehe und sie zu weiteren Interviews etc. nicht zur Verfügung stehe. Die Eltern von Felix Weixler, die dem Prozeß beigewohnt haben, empfinden den Freispruch als zutiefst ungerecht.
Julia, die von ihrer Freundin Meike Kirchhoff abgeholt wird, erfährt von dieser auch, dass Jan, der sich nach ihrer Verurteilung von ihr scheiden ließ, wieder heiraten werde, und zwar die aus reichem Haus stammende Katrin Voss. Diese arbeitet als Sozialarbeiterin, während Jan als Bewährungshelfer arbeitet.
Kriminalkommissar Max Kauth, der ein traumatisches Erlebnis zu verarbeiten hat, war dabei, als seine ihm sehr nahestehende Kollegin Jessica Storbeck beim Aufstellen eines Warndreiecks von einem Lkw erfasst und tödlich verletzt worden war; er spricht seitdem regelmäßig in Gedanken mit ihr. Obwohl ein abschließendes Gutachten über seine Dienstfähigkeit noch aussteht, möchte Kriminalrätin Posliki, dass Kauth den Mord an dem seinerzeit 16-jährigen Felix Weixler aufklärt und den wahren Täter doch noch findet. Felix kam durch einen Stich mit einem abgebrochenen Flaschenhals in die Halsarterie zu Tode. Obwohl es Kauth nicht so recht ist, stellt Posliki ihm den jungen Beamten Naveed Nanjiiani zur Seite. Kauth setzt sich erst einmal damit auseinander, wie Felix war. Er stellt fest, dass dieser eine Menge künstlerischen Begabungen hatte, so spielte er unter anderem den Puck in Shakespeares Ein Sommernachtstraum. Eine Mitschülerin von Felix, Sophie Gellert, hatte seinerzeit den Verdacht auf Julia Brandt gelenkt, da sie behauptet hatte, sie habe gesehen, wie er und seine Lehrerin sich im Auto geküsst hätten.
Nach ihrer Entlassung versucht Julia, wieder Kontakt zu ihrem Ex-Ehemann Jan aufzunehmen, der sie in dieser harten Zeit zwar alleine gelassen hat, den sie aber trotz allem wieder zurückgewinnen möchte, genauso wie ihre Anstellung an ihrer ehemaligen Schule. Sie sei Lehrerin gewesen, habe einen Mann gehabt und sei glücklich gewesen, all das wolle sie sich zurücholen.
Die Aussage von Sophie Gellert stellt sich als wahrheitswidrig heraus, da sie ihre Lehrerin und Felix dort, wo sie behauptet, sie im Auto küssend gesehen zu haben, gar nicht gesehen haben kann, da dieser Küstenabschnitt zu diesem Zeitpunkt abgesperrt war. Bei einer Vorladung weicht Sophie nicht von ihrer Aussage ab und zeigt sich auch nicht weiter gesprächsbereit. Auch dass sie Felix’ Namen oberhalb ihrer Brust eingeritzt hat, will sie nicht erklären. Es ist aber offensichtlich, dass sie total verliebt in Felix war und Julia als Konkurrenz um seine Gunst betrachtet hat. Auch ein Gespräch mit den Eltern von Felix verläuft weniug zufriedenstellend. Sie blocken das Thema ab, warum Felix kurz vor seinem Tod einige Tage in einer Auffangstation für Jugendliche gewesen ist. Bei Kauths Nachforschungen stellt sich heraus, dass Hannes Weixler nicht der biologische Vater von Felix ist, da er nie zeugungsfähig war.
Jan hat inzwischen erfahren, dass Julia am Anfang ihrer Haft eine Fehlgeburt hatte. Dabei hatte sich das Paar immer ein Kind gewünscht. Überraschend taucht Katrin bei Julia auf und bedroht sie, sie wisse, dass sie Jan manipulieren und sich wieder an ihn heranmachen wolle. Wenn sie damit nicht aufhöre, werde sie sie vernichten. Außer sich droht sie Julia, dass sie sie umbringen werde.
Teil 2
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nachdem Hannes Weixler eine Schlägerei mit Klaus Theissen, dem Wirt seiner Stammkneipe, hatte, ergeben die weiteren Nachforschungen, dass Theissen der Vater von Felix ist. Theissen meint, er habe das selbst erst einige Wochen vor Felix’ Tod erfahren. Er habe sich in der Folgezeit öfter mit Felix getroffen, das aber beendenmüssen, um seine Familie nicht zu verlieren.
Hannes Weixler gerät nun zunehmend ins Visier der Ermittlungen. Julia indes wird an ihrer Schule, an der sie wieder unterrichten wird, von Betty, der problembeladenen Tochter von Katrin, abgepasst und massiv bedroht. Nur wenig später bittet Kauth Julia um ein Gespräch, da er ihre Hilfe brauche. Julia meint zu Beginn des Gesprächs, man werde über Felix, nicht über sie sprechen. Sie beschreibt den Jungen als einen Schüler mit ausgeprägtem künstlerischen Talenten, auf der Bühne, im Malen, im Zeichnen. Felix habe eine narzisstische Ader gehabt und das Rampenlicht gebraucht, in dem er strahlen konnte. Wenn sich jemand seinem Willen widersetzt habe, sei er schnell gekränkt gewesen und konnte dann auch sehr verletzend sein. Wem er allerdings so weh getan habe, dass er habe sterben müssen, wisse sie nicht. Unvermittelt will Julia von Kauth wissen, ob ihm der Name Hans Nüssdorf etwas sage. Er solle den inzwischen pensionierten Lehrer nach einer Schülerin namens Betty Voss fragen. Nanjiiani befragt Nüssdorf, der erzählt, dass es einen heftigen Streit zwischen Felix und Betty gegeben habe. Felix habe bei Bettys Mutter übernachtet, die ja Sozialarbeiterin sei, weil alle Jugendeinrichtungen voll belegt gewesen seien. Betty habe das in der Schule erzählt, was Felix ganz und gar nicht gefallen habe. Die beiden hätten sich dann sogar in der Aula geprügelt. Später erfährt Kauth, dass Betty einen Selbstmordversuch unternommen hat, weil Felix sie monatelang gemobbt hatte.
Ein Kunst-Gutschein, den Jan Brandt Felix kurz vor seinem Tod geschenkt hatte, sorgt für eine Wendung in dem Fall. Jan hat sich sein Alibi erkauft und ist nun im Begriff mit Julia zu verreisen und eventuell ein neues Leben zu beginnen. Durch eine herausgerissene Seite aus einem Notizblock, deren Mitteilung sich auf die nachfolgenden Seiten durchgedrückt hat, kommt nun auch Julia durch Schraffieren mit einem Bleistift dahinter, dass ihr eigener Ehemann sexuelles Interesse an ihrem Schüler Felix hatte. Sie konfrontiert Jan damit und versichert ihm, dass sie mit Felix lediglich einen besonderen Moment gehabt habe, in dem sie sich zu einem Kuss habe hinreißen lassen. Nichts weiter. Er habe sie beide dann wohl gegeneinander ausgespielt, da er weder von ihm noch von ihr, das bekommen habe, was er hatte haben wollen. Aus Jan bricht es heraus, dass Felix behauptet habe, Sex mit Julia gehabt zu haben. Daraufhin sei er durchgedreht und habe Felix aus Eifersucht getötet.
Während Jan festgenommen wird, flieht Julia, für die eine Welt zusammengebrochen ist, ans Meer. Sie will nicht mehr leben. Im letzten Moment wird sie jedoch von Kommissar Kauth vor ihrem Vorhaben abgehalten.
Produktionsnotizen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Produziert wurde der Zweiteiler von der filmpool fiction GmbH (Köln) in Zusammenarbeit mit der Degeto Film GmbH (Berlin) und dem Österreichischen Rundfunk (ORF; Wien) im Auftrag der ARD Degeto. Die Redaktion des Films lag bei Barbara Süßmann und Christoph Pellander, beide (ARD Degeto), die Herstellungsleitung bei Jeffrey Budd und Frank Horak (ARD Degeto), die Produktionsleitung bei Rico Krahnert und die Aufnahmeleitung bei Lars Haagen, Kim Sophie Schwarz (Motiv) und Markus Burhenne (Set).
Unschuldig – Der Fall Julia B. wurde vom 17. Mai bis zum 19. Juli 2022 an 44 Drehtagen an der Ostsee (Wohlenberger Wiek), in Travemünde und Hamburg gedreht.[2][3] Seine Uraufführung hatte der Zweiteiler am 4. Oktober 2023 auf dem Filmfest Hamburg.[4]
Die Erstausstrahlung des jeweiligen Films im Fernsehen erfolgte am 25. und 28. Oktober 2023 als Zweiteiler beim Sender ORF 2 unter dem Titel Unschuldig – Der Fall Julia.[5] In Deutschland war der Zweiteiler erstmals am 4. Mai 2024 im Fernsehen zu sehen.
Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kritik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Stern schrieb Susanne Bald, der „wie immer großartigen Emily Cox gelinge es einmal mehr, mit oder besser trotz ihres subtilen, ruhigen Spiels ein ganzes Feuerwerk an Emotionen und Reaktionen zu transportieren, durch die ihre Figur im Laufe der beiden 90-Minüter“ gehe. Sie zeige „eindringlich Julias Verletzlichkeit und gleichzeitig ihren starken Willen, ihr Leben zurückzuholen“. Auch ihre „Enttäuschung und gleichzeitig nie erloschene Liebe zu Exmann Jan“ sei „glaubhaft dargestellt“. Auch wenn der Zweiteiler letztlich ein „klassischer Whodunit-Krimi“ sei, bleibe er „dank seines wendungsreichen Drehbuchs, der starken Besetzung bis in die Nebenrollen und des tiefen Einblicks in menschliche Abgründe durchgehend spannend – und“ sorge „am Ende für eine doch ziemlich überraschende Auflösung des Falls. Dranbleiben“ lohne „sich also!“[1]
Der Kritiker Rainer Tittelbach gab dem Film auf seiner Seite tittelbach.tv vier von sechs möglichen Sternen und meinte, der ARD-Zweiteiler erzähle „zwei Geschichten parallel: die eines Neuanfangs und die einer Mördersuche“. Der „Perspektivwechsel“ sei „bereichernd“, doch hätte man „mehr aus beiden Plots machen können“. Insbesondere die Titelfigur bleibe einem – „trotz einer gewohnt überzeugenden Emily Cox – seltsam fremd“. Umso „faszinierender“ sei „der Kommissar, der einen Sack voller Selbstzweifeln schultern“ müsse, „Selbstgespräche“ halte und „mit den Toten“ kommuniziere. Thomas Loibl verkörpere ihn „wunderbar“. Dramaturgisch indes seien die 180 Filmminuten „eher simpel“. Ein handlungsintensives Reihungsprinzip erschwere „ein stimmungsvolles filmisches Erzählen“. Der „Whodunit-Flow“ funktioniere trotzdem, „weil der Fall mit seinen multiplen Beziehungen clever konstruiert“ sei. „Langeweile“ komme „jedenfalls nicht auf“.[6]
Tilmann P. Gangloff bewertete den Film für evangelisch.de und war der Meinung, der Film weise gerade im zweiten Teil „gewisse Längen“ auf. Für die Auftritte von Thomas Loibl gelte „das ausdrücklich nicht.“ Über Christina Große schrieb der Kritiker, sie versehe die Polizistin, die sie spiele, „mit viel Ironie“. Regisseurin und Kamerafrau gäben dem Film einen besonderen Look, „Dank eines starken Grünstichs, der in ielen Szenen auch Ausstattung Kostümbild“ präge, wirkten die Aufnahmen „oft wie unter Wasser gefilmt“. Luna Jordan verkörpere ihre Rolle „Betty allzu sehr als potenzielle Amokläuferin, aber davongesehen“ sei der Zweiteiler „auch darstellerisch sehenswert. Ganz ausgezeichnet“ sei „neben Emily Cox wie so oft Thomas Loibl als melancholischer Ermittler. Wichtige, aber kleine Nebenrollen“ seien „mit Andreas Guenther, Barbara Philipp und Michael Punk sehr markant besetzt. Die abwechslungsreiche Musik“ sorge „für hintergründige Spannung“.[7]
Einschaltquoten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Zweiteiler konnte bei seiner Erstausstrahlung in der ARD am 4. Mai 2024 4,95 Millionen Zuschauer erreichen, was einem Marktanteil von 23 Prozent entsprach, bei seiner Wiederholung 2026 schalteten 3,24 Millionen Zuschauer ein bei einem Marktanteil von 14,5 Prozent.[6]
Auszeichnung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Deutscher Fernsehpreis 2024: Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „Bester Schauspieler“ Jan Krauter
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Unschuldig – Der Fall Julia B. bei IMDb
- Unschuldig – Der Fall Julia B. bei crew united
- Unschuldig – Der Fall Julia B. bei filmportal.de
- Unschuldig – Der Fall Julia B. bei Fernsehserien.de
- Unschuldig – Der Fall Julia B. (01) in der ARD-Mediathek, verfügbar bis einschließl. 24. Januar 2027, 20:14 Uhr.
- Unschuldig – Der Fall Julia B. (2) in der ARD-Mediathek, verfügbar bis einschl. 25. Januar 2027, 02:44 Uhr.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b Susanne Bald: Unschuldig – Der Fall Julia B. Nach dem Freispruch In: Stern, 22. Januar 2026. Abgerufen am 26. Februar 2026.
- ↑ Abgedreht: „Unschuldig – Der Fall Julia“ (AT). In: Degeto Film GmbH. Abgerufen am 28. Januar 2024.
- ↑ Unschuldig – Der Fall Julia B. (Drehdaten) bei crew united, abgerufen am 28. Januar 2024.
- ↑ ARD Degeto auf dem Filmfest Hamburg 2023: Unschuldig – Der Fall Julia B. degeto.de. Abgerufen am 26. Februar 2026.
- ↑ ORF-Premiere am 25. und 28. Oktober in ORF 2: Emily Cox in „Unschuldig – Der Fall Julia“. In: ots.at. 22. Oktober 2023, abgerufen am 29. Januar 2024.
- ↑ a b Rainer Tittelbach: Unschuldig – Der Fall Julia B. Cox, Loibl, Krauter, Schubert, Oeller, Wieland, Psychosen, Neurosen & sehr viel Wut tittelbach.tv. Abgerufen am 26. Februar 2026.
- ↑ Tilmann P. Gangloff: TV-Tipp: „Unschuldig – Der Fall Julia B.“ evangelisch.de, 24. Januar 2026. Abgerufen am 26. Februar 2026.