Unterwasserrugby

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Unterwasserrugby

Unterwasserrugby ist eine Mannschaftssportart, die dadurch einzigartig ist, dass sich sowohl der Ball als auch die Spieler in drei Dimensionen bewegen. Die international übliche Abkürzung lautet UWR, im skandinavischen Raum ist außerdem UVR üblich.

Spielverlauf[Bearbeiten]

Unterwasserrugby Spielfeld

Gespielt wird mit einem mit Salzwasser gefüllten Ball (der etwa die Größe eines Handballs und oft das Aussehen eines klassischen Fußballs hat), der durch seine im Vergleich zu Süßwasser höhere Dichte mit einer Sinkgeschwindigkeit von 1 bis 1,25 m/s sinkt. Es wird immer unter Wasser gespielt, der Ball darf nicht über die Wasseroberfläche gelangen.

In einer Wassertiefe zwischen 3,5 m und 5,0 m befinden sich die Tore am Boden des Beckens. Sie sind schwere Metallkörbe mit einem Durchmesser von 39–40 cm.

Ein Spiel dauert 2 x 15 Minuten. Jede Mannschaft besteht aus 6 Spielern und 6 Auswechselspielern sowie 3 Ersatzspielern. Da durch das schnelle Spiel der Kreislauf stark belastet wird, unter Wasser aber nicht geatmet wird, wechseln die Spieler “fliegend“. Dabei gilt die Regel, dass der Auswechselspieler erst dann ins Wasser darf, wenn der andere es komplett verlassen hat.

Unterwasserrugby erfordert eine hohe Ausdauer und gutes Apnoetraining. Aber auch taktisches Gefühl ist notwendig, da richtige Positionierung für ein gutes Passspiel entscheidend ist. Dabei wird der Ball, ähnlich wie beim Kugelstoßen, weggedrückt. Je nach Krafteinsatz und Geschwindigkeit kann der Ball so über mehrere Meter Distanz zielgenau gepasst werden. Insgesamt zeichnet sich das Spiel durch unterschiedliche Anforderungen an die Spieler aus: Nicht nur Kraft ist gefragt, gerade unter Wasser sind Schnelligkeit und Wendigkeit maßgebend. Um sich im annähernd „freien Raum“ der drei Dimensionen zurechtzufinden, ist darüber hinaus eine gute Übersicht unerlässlich, denn ein Angriff kann beim Unterwasserrugby auch von oben oder unten erfolgen.

Geschichte[Bearbeiten]

Unterwasserrugby wurde in den sechziger Jahren als ein Spiel eingeführt, bei dem mit einem mit Salzwasser gefüllten Ball gespielt wurde. In dieser Anfangsphase wurde unter Wasser ein Netz gespannt wodurch es eine Art Unterwasser-Volleyball wurde.

Im Jahre 1964 dann haben die DLRG Mülheim an der Ruhr und der DUC Duisburg das erste Match mit geänderten Regeln ausgetragen, wobei man sich an denen des Rugby orientierte. Dieses Match kann als das erste Unterwasser-Rugbyspiel angesehen werden.

Eine erste Meisterschaft wurde 1966 in Mülheim ausgetragen, damals mit acht Spielern pro Mannschaft.

1971 wurde die erste Deutsche Unterwasserrugby-Meisterschaft (BRD und Berlin-West) ausgetragen, welche damals aber noch keinen offiziellen Charakter hatte; ein Jahr später dann die erste offizielle Meisterschaft.

Ein weiteres Jahr später, 1973, wurde Unterwasserrugby international eingeführt.

Im Zuge der offiziellen Anerkennung von Unterwasserrugby und Unterwasserhockey als Wettkampfsportarten durch das CMAS wird 1978 die erste offizielle Europameisterschaft im schwedischen Malmö ausgetragen.

Die erste Unterwasserrugby-Weltmeisterschaft wurde 1980 im Geburtsort Mülheim ausgetragen.

Popularität[Bearbeiten]

Ausgehend von seinem Ursprungsland Deutschland fand der Sport rasch Anklang in den anderen deutschsprachigen Ländern Österreich[1] und der Schweiz. Auch in Skandinavien, Tschechien und Italien wurde der Sport schon früh übernommen und hat eine lange Tradition. Inzwischen gibt es in über 15 Ländern eine Meisterschaft, der Sport wird in dreißig Ländern aktiv betrieben.[2] Neben der Türkei, Südafrika, Kolumbien und Venezuela setzte sich der Sport in den letzten Jahren auch in den USA, Kanada, China, Singapur, Frankreich und Großbritannien fest.

An der alle vier Jahre stattfindenden Weltmeisterschaft nahmen Damen- und Herrenteams aus 20 verschiedenen Nationen teil, neben der Europameisterschaft findet auch jährlich ein internationaler Cup der Ligasieger statt, der Championscup. Seit 2012 existiert auch eine europäische Liga, die "European Underwater Rugby League" in der die Top Mannschaften Europas drei mal jährlich zusammentreffen.[3] Um den Sport für Zuschauer freundlicher zu gestalten und damit populärer zu machen, werden die Spiele der Euroleague in hoher Qualität live über das Internet gestreamt.

Ausrüstung[Bearbeiten]

Die Ausrüstung eines Unterwasserrugby-Spielers besteht aus:

Siehe auch ABC-Ausrüstung

Regeln[Bearbeiten]

Wichtigste Regeln[Bearbeiten]

  • Körperliche Attacken dürfen nur gegen den ballführenden Spieler gerichtet sein oder vom ballführenden Spieler ausgehen.
  • Es darf keiner an seiner Ausrüstung angegriffen werden.
  • Der Ball darf nicht aus dem Wasser gehoben werden.
  • Das Festhalten am Tor ist nicht erlaubt.
  • Grundsätzlich gilt: rohe Gewalt ist unzulässig; Beißen, Kratzen, Schlagen, Würgen, Treten, übermäßiges Verdrehen von Gliedmaßen und absichtliches Untertauchen gelten als Foul.

Hupsignale[Bearbeiten]

Ein Spielleiter und zwei Unterwasser-Schiedsrichter sorgen durch Hupsignale dafür, dass das Spiel fair bleibt.

  • Ein langer Ton: Spielbeginn/-fortsetzung
  • Zwei lange Töne: Tor
  • Mehrere kurze Töne: Spielunterbrechung (Strafe, Schiedsrichterball oder Ende der Halbzeit)

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Unterwasserrugby – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geschichte Unterwasserrugby in Österreich aufgerufen am 18. Dezember 2015
  2. Laut einer Umfrage unter 314 Spielern Anual Underwater Rugby Survey 2015 aufgerufen am 18. Dezember 2015
  3. Offizielle Website der EUWRL