Touch (Sport)

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Spielszene während einer Standardsituation.

Touch (auch Touch Rugby oder Touch Football genannt) ist eine dem Rugby entlehnte Mannschaftssportart. Im Touch findet jedoch kein harter Körperkontakt statt, so dass das Verletzungsrisiko äußerst gering ist. Touch zeichnet sich durch Geschwindigkeit, Taktik sowie Einfachheit aus und kann mit geringem Aufwand gespielt werden. Neben getrennten Männer- und Frauenmannschaften gibt es offizielle Wettkämpfe mit gemischten Mannschaften. Seit seiner Einführung hat sich Touch zu einer der beliebtesten Breitensportarten der Welt entwickelt.

Regelwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel des Spiels ist es, mehr Punkte als die gegnerische Mannschaft zu erzielen. Ein Punktgewinn erfolgt, wenn es der Spieler einer Mannschaft schafft, den Spielball zu einem sogenannten Touchdown (kontrolliertes Ablegen des Balles auf dem Boden) über die gegnerische Punktlinie zu setzen. Den Weg über das Spielfeld muss der Spieler ohne Touch (Berührung mit der Hand) durch Verteidiger der anderen Mannschaft durchlaufen. Wird der Spieler der angreifenden Mannschaft im Ballbesitz von einem Spieler der gegnerischen Mannschaft zum sechsten Mal in Folge berührt, muss der Ball an diese abgegeben werden. Daraufhin wechselt die Spielrichtung und die andere Mannschaft startet ihrerseits einen Angriffsversuch. Harter Körperkontakt ist im Touch untersagt, gepasst werden darf nur nach hinten.

Das im Touch verwendete Spielfeld ist ein Rasenfeld, 50 m breit und 70 m lang. Ein Spiel dauert in der Regel 2 × 20 Minuten. Es gibt zwei Mannschaften mit je sechs aktiven und bis zu acht Ersatzspielern. Gespielt wird mit einem oval geformten Ball, der die Größe 4 besitzt, also eine Stufe kleiner ist als ein gewöhnlicher Rugbyball. Die Gemeinsamkeiten zwischen klassischem Rugby und Touch bestehen heute lediglich darin, dass bei beiden Sportarten der Ball hinter der gegnerischen Ziellinie auf dem Boden aufgesetzt werden muss und der Ball nur rückwärts gepasst werden darf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünge und weltweite Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heimat von Touch ist Australien, wo es ursprünglich aus dem dort populären Rugby entstanden ist. In den 1960er Jahren begannen sich professionellen Spieler der „National Rugby League“ (NRL) mit verschiedenen Übungen ohne harten Körperkontakt aufzuwärmen. Daraus wurden später eigenständige Spielregeln entwickelt und Touch war entstanden. Die ersten offiziellen Meisterschaften gab es 1968 in Sydney. Seitdem ist der Sport sprunghaft gewachsen. Mehrere Millionen Australier spielen regelmäßig Touch; aktiv oder als sogenanntes „Social Touch“ unter Freunden. Im australischen Schulsport ist Touch die populärste Sportart.

Von Australien gelangte Touch schnell ins benachbarte Neuseeland. Über die Grenzen dieser beiden Länder hinweg breitete sich der Sport dann weiter in Länder wie Japan, Malaysia, Singapur und Südafrika aus. Vor allem auf den Britischen Inseln erlangte Touch schnell Popularität; es gibt zahlreiche aktive Mannschaften in England, Schottland, Wales, Irland und auf den Inseln Man, Jersey und Guernsey. Auf dem europäischen Festland gibt es Verbände in Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Polen, der Schweiz, Spanien, Tschechien und Ungarn.

1985 wurde die „Federation of International Touch“ (FIT) als internationaler Dachverband gegründet. Der FIT gehören heute knapp 30 Länder weltweit an. Durch das „European Touch Development Committee“ (ETDC) der FIT wurde zudem ein Programm zur Qualifizierung von Schiedsrichtern entwickelt, das inzwischen von allen europäischen Ländern angenommen wurde. Seit 1988 wird regelmäßig eine Weltmeisterschaft abgehalten. Der aktuelle Weltmeister ist Neuseeland, gefolgt von Australien, Südafrika, Japan und Samoa. Grundlage für die heutigen und bei offiziellen Turnieren angewandten Spielregeln im Touch ist das Regelwerk von Rugby League, einer der beiden Varianten des klassischen Rugby. Im November 2010 veröffentlichte allerdings der internationale Dachverband für die Variante Rugby Union, „World Rugby“ (WR), ebenfalls einen eigenen Regelwerksentwurf für Touch. Dieser weicht nur begrenzt vom Regelwerk der FIT ab, welches von WR jedoch offiziell nicht anerkannt wird.

Touch im deutschsprachigen Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Touch gibt es in Deutschland seit 2003. Die Sportart wurde vor allem durch australische und neuseeländische Expats verbreitet. 2004 war Deutschland das erste Mal bei den Europäischen Meisterschaften vertreten und konnte sich seit dem auch für sämtliche Weltmeisterschaften qualifizieren. 2005 wurden die ersten Deutschen Touchmeisterschaften ausgetragen, die jährlich das größte nationale Ereignis im deutschen Touch darstellen. Seit 2012 wird der Titel im Zuge von vier Turnieren ermittelt, die im Sommer eines jeden Jahres in Berlin, München, Köln und Frankfurt ausgetragen werden.

2005 wurde der „Touch Deutschland Sportverein“ (TDSV) gegründet. Zweck des TDSV ist die Entwicklung und Förderung sowie Durchführung der Sportart. Dazu zählen die Verbreitung des Sports und die Weitergabe und Entwicklung von Regularien für nationale Wettkämpfe. Des Weiteren werden Programme zur Ausbildung von Übungsleitern und Schiedsrichtern erarbeitet. Der TDSV veranstaltet Turniere und Titelwettkämpfe, unterstützt Jugendsportinitiativen, legt die Auswahlprozesse für die Benennung von Teilnehmern an internationalen Meisterschaften fest und organisiert die Teilnahme an internationalen Turnieren. Der Verein ist Mitglied der FIT und versteht sich als Ansprechpartner und Interessenvertretung für Touch in Deutschland. Regelmäßig gespielt wird Touch in eigenständigen Vereinen, separaten Abteilungen etablierter Breitensportvereine, an Hochschulen oder in Form loser Gruppen. Städte, in denen regelmäßig in unterschiedlichen Konstellationen Touch gespielt wird, sind unter anderem Berlin, Bonn, Braunschweig, Bremen, Essen, Frankfurt, Freiburg, Gießen, Hamburg, Heidelberg, Köln, Leipzig, Leuna, München, Nürnberg, Osnabrück, Paderborn und Rüthen.

Touchvereine in Deutschland mit gegenwärtig (Stand 2019) aktiver Turnierteilnahme oder regelmäßigem Spielbetrieb:

Mannschaft Stadt Meistertitel Besonderheiten
Touch Bears Berlin Berlin 2010, 2014, 2015, 2016, 2017, 2018 Abteilung der TiB Berlin 1848
Touch Bonn Bonn Abteilung des RC BRS Bonn
Touch Braunschweig Braunschweig Abteilung von TuRa Braunschweig 1865
Touch Bremen Bremen Hochschulsportangebot der Universität Bremen
Touch Essen Essen Hochschulsportangebot der Universität Duisburg-Essen
TRC Frankfurt 09 Frankfurt a. M. 2005, 2007 eigenständiger Verein
Touch Hamburg Hamburg eigenständiger Verein
Touch Heidelberg Heidelberg Abteilung des TSV Handschuhsheim 1886
Touch Rugby Colonia Köln 2006, 2008 Abteilung des TuS Köln 1874
NSK Köln Köln eigenständiges Bildungsprojekt für Jugendliche
OKR Leipzig Leipzig eigenständiger Verein
TR Total Leuna Leuna eigenständiger Verein
Touch München München 2009, 2011, 2012, 2013 eigenständiger Verein
Nürnberg Nuggets TR Nürnberg eigenständiger Verein
Ultimate Touch Osnabrück Osnabrück Hochschulsportangebot der Universität Osnabrück
Touch Rüthen 09 Rüthen Schulsportgemeinschaft des Friedrich-Spee-Gymnasiums Rüthen

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Touch gibt es in Österreich seit 2007, erstmals gespielt wurde es in Wien. Die erste österreichische Mannschaft nahm u. a. an mehreren Turnieren in Deutschland teil. An der Aufstellung einer österreichischen Nationalmannschaft wird seit 2008 gearbeitet, diese nahm im selben Jahr erstmals als Gastmannschaft bei den Europäischen Meisterschaften in Massy teil. Darüber hinaus wurde 2009 die „Austrian Touch League“ (ATL) geschaffen. Die österreichischen Nationalmannschaften in den verschiedenen Kategorien nehmen seitdem regelmäßig an internationalen Turnieren teil, wie etwa dem „Mainland Cup“. Im Oktober 2009 wurde „Touch Austria“ (TA) als österreichischer Touchverband offizielles Mitglied der FIT. Derzeit gehören dem Verband drei Vereine aus Wien und Vorarlberg an.

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Touch wird in der Schweiz vor allem in Basel, Genf, Luzern, Zürich und Zug gespielt. Der erste Touchverein wurde 2001 in Zürich gegründet und die ersten Turniere 2004 abgehalten. 2007 wurde der „Schweizerische Touchverband“ (STA) gegründet. Im selben Jahr nahm die Schweiz das erste Mal an den Weltmeisterschaften in Stellenbosch teil. 2008 wurde der STA Mitglied der FIT. Im Januar 2009 wurde der erste Touchverein in der schweizerischen Romandie gegründet. Zurzeit ist der STA im Gespräch mit Touchgruppen in anderen Städten der Schweiz, um den Sport auch dort zu formalisieren. Die schweizerischen Vereine nehmen des Weiteren aktiv an den europäischen Vereinsturnieren teil.

Weitere deutschsprachige Gebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Liechtenstein wird Touch seit 2013 gespielt. Organisatorische Kontakte bestehen vor allem zum STA in der benachbarten Schweiz.

Im deutschsprachigen Ostbelgien wird bereits seit 2003 Touch gespielt, vor allem in den Gemeinden Eupen, Kelmis und Lontzen. Der Sport findet jedoch hauptsächlich im Rahmen des lokalen Rugbyspielbetriebes statt und orientiert sich am Geschehen in der Wallonie. Turniere werden darüber hinaus vom „Allgemeinen Belgischen Touchverband“ (ABTV) als übergeordnetem Touchverband organisiert, dem gegenwärtig offiziell vier Touchvereine angeschlossen sind.

In Luxemburg wurde Touch zunächst viele Jahre als reiner Freizeitsport ohne feste Strukturen betrieben. Als oberstes Organ fungiert seit 2011 die „Luxemburgische Touchföderation“ (LTF), die Turniere organisiert, Schiedsrichter ausbildet und in Kontakt mit anderen Verbänden steht. Bereits im selben Jahr nahm eine Landesauswahl aus Luxemburg zudem erstmals an den Weltmeisterschaften teil. Die Spiele und Trainings des Touchverbandes finden regelmäßig in Weimerskirch statt. Darüber hinaus wird auch in Dudelange, Walferdange und Zessingen in unregelmäßigen Abständen Touch gespielt.

Eigenständige Touchmannschaften ohne Verbandsanschluss existieren über dies auch im deutschsprachigen Südtirol in den dortigen Regionalzentren Bozen und Meran, sowie im teilweise deutschsprachigen Großraum Oppeln.

Internationale Turniere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europäische Meisterschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Europäischen Meisterschaften finden alle zwei Jahre statt. Erstmals wurden sie 2008 im französischen Massy ausgetragen, 2010 im englischen Bristol, 2012 im italienischen Treviso und 2014 im walisischen Swansea. 2016 war schließlich die Kanalinsel Jersey und 2018 das englische Nottingham Gastgeber.

Weltmeisterschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erstmals 1988 in der australischen Stadt Gold Coast ausgetragenen Weltmeisterschaften werden alle vier Jahre durchgeführt. 1991 fand das Turnier im neuseeländischen Auckland, 1995 auf Hawaii und 1999 im australischen Sydney statt. 2003 war das japanische Kumagaya Gastgeber, 2007 das südafrikanische Stellenbosch und 2011 schließlich die schottische Hauptstadt Edinburgh. 2015 diente das australische Coffs Harbour als Austragungsort, gefolgt vom malaiischen Putrajaya in 2019.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • David Woolley: Touch Rugby – Everything you need to play and coach, Bloomsbury, London 2014, ISBN 978-1-47-290242-9 (engl.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Portal: Rugby – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Rugby