Ute Boy

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Ute Boy-Behrend (* 30. Dezember 1938 in Berlin; † 2. September 2014[1]) war eine deutsche Schauspielerin und Fernsehansagerin.[2]

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Mittleren Reife und einer erfolgreichen Ausbildung zur Großhandelskauffrau[2] absolvierte Boy bei Marlise Ludwig ein Schauspielstudium.[3]

Zum Beginn ihrer Karriere, 1962, wurde sie für die deutsch-amerikanische Spielfilm-Co-Produktion Tunnel 28 unter der Regie Robert Siodmaks als Nebendarstellerin verpflichtet. 1963 sammelte sie erste Bühnenerfahrungen bei den Berliner Kammerspielen. Im Spätsommer 1964 begann ihr zwölf Jahre währendes Engagement an der Vaganten Bühne in der Berlin-Charlottenburger Kantstraße[4][5], wo sie Rainer Behrend, den älteren der beiden Inhaber-Söhne, der nicht nur Ensemble-Mitglied war, sondern auch gelegentlich Regisseur, kennen und bei den Proben zu Die Liebenden in der Untergrundbahn überdies lieben lernte.[2][4][6]

Nach dem ersten gemeinsamen Auftritt in Anton Pawlowitsch Tschechows Der Heiratsantrag am 5. März 1965 machte Behrend Boy einen solchen.[2][6][Anmerkung 1] Geheiratet hat das Paar am 3. August 1965.[2] Sohn Florian kam 1972 zur Welt.[7] Zwischenzeitlich führte Boy immer wieder einmal den Doppelnamen Boy-Behrend oder (seltener) Behrend-Boy.[Anmerkung 2]

Parallel zur Vaganten Bühne, die quasi zum Familienunternehmen geworden war, zumal ihr Mann seine Regietätigkeit ausgeweitet hatte, war sie weitere Verpflichtungen, wenn auch nur Stückverträge, eingegangen, und zwar erneut an den Berliner Kammerspielen 1965, ferner an der Komödie am Kurfürstendamm von Herbst 1967 bis Sommer 1969 und am Schauspielhaus Hansa (Berliner Volkstheater) in der Saison 1965/66.[4] Eine Dreiländertournee durch die damalige Bundesrepublik, Österreich und die Schweiz machte sie zwischen Februar und April 1969 außerhalb Berlins bekannt. Sie gab neben Hans-Joachim Kulenkampff das Pützchen in Carl Zuckmayers Des Teufels General.[2][6] Die Fernseh-Aufzeichnung der von Wolfgang Spier inszenierten Komödie Zwei ahnungslose Engel, die kurz darauf stattfand und in der sie die Rolle der Rose Allan verkörperte, tat ein Übriges.[8] Im selben Jahr war ihr auf einer Geburtstagsfeier der Sendeleiter des Senders Freies Berlin, Heinz Schmidt-Faber, begegnet. Dieser hatte sie spontan zu einem Kameratest für einen Programmsprecher-Job eingeladen, was sie zunächst nur für ein „charmantes Kompliment“ gehalten hatte. Erst das Nachhaken einer früheren Schulfreundin, der bereits etablierten Ansagerin Renate Bauer, bewog Boy 1970 bei Schmidt-Faber vorzusprechen. Dann ging alles sehr schnell, denn gerade mal zehn Tage nach ihrer Bewerbung, an einem Montag im Oktober 1970, hatte sie ihren ersten Einsatz im Vormittagsprogramm der ARD. Und im neuen Jahr schon führte sie in regelmäßigen Abständen durch das Vormittagsprogramm des SFB. Die Anmoderation der vorabendlichen Regional-Sendungen wurde ihr im Mai anvertraut. Schließlich durfte sie am 4. Dezember 1971 um 14.10 Uhr ihren Einstand im Samstags-Programm der ARD geben. Sie blieb jedoch eine freie Mitarbeiterin, das heißt ohne festen Arbeitsvertrag.[2]

Ein Jahr nach ihrem Ausscheiden bei den „Vaganten“ drehte sie unter Fritz Umgelter an der Seite von Günter Pfitzmann die Tatort-Folge Feuerzauber.[9] Außerdem war sie 1983 im Kreise namhafter Kollegen wie Judy Winter und Wolfgang Kieling an Gottfried von Einems Hörspiel-Produktion für den RIAS Fix und fertig beteiligt, die seither öfter von verschiedenen der ARD angeschlossenen Rundfunkanstalten ausgestrahlt wurde.[10]

Sie führte eine Zeit lang eine Künstler-Pension.[3]

Zitate zu Boy[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Der Bär (Tschechow, März 1965):

„Der Regisseur hielt das temperamentvolle Duell mit Schuß und Kuß so angenehm ironisch in Schwung, daß man darüber fast vergaß, wie fade eigentlich die attraktive Ute Boy ihre Witwen-Partie spielte.“[11]

„Ute Boy spielt die erst etepetete, dann kämpferisch kratzbürstige und schließlich kapitulierende Schöne wirklich ganz geschickt und hübsch; sie sieht zudem aus, wie aus einem russischen Biedermeier-Medaillon geschnitten.“[12]

Zu Geschlossene Gesellschaft (Sartre, März 1966):

„Ute Boy bringt für die Estelle eine klare Ausstrahlung mit; das Schnippische, Gefallsüchtige, Oberflächliche der jungen Mörderin wird dadurch vielleicht noch zwingender als durch bloße Weibchenhaftigkeit.“[13]

„Estelle, die nymphomanische Kindesmörderin, ist Ute Boy; besonders mit ihr, die ihre Rolle nur in groben Umrissen zu geben weiß, hätte die Regie noch intensiver zu tun haben müssen.“[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. rbb trauert um Ute Boy. Pressemitteilung des Rundfunk Berlin-Brandenburg vom 10. September 2014 (abgerufen am 10. September 2014).
  2. a b c d e f g Anonymus: Ute Boy. Die charmante Vierte aus Berlin. (Beruf: Fernsehansagerin (20)). Funk Uhr, Heft 5/1972, S. 56.
  3. a b Artikel auf welt.de: Jürgen Draeger: Wiedersehen nach 25 Jahren.
  4. a b c Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger Hrsg.: Deutsches Bühnenjahrbuch. Das große Adressbuch für Bühne, Film, Funk und Fernsehen. Verlag der Bühnenschriften-Vertriebs-Gesellschaft, Hamburg, ISSN 0070-4431 (diverse Jahresbände).
  5. Landesarchiv Berlin – Abteilung Zeitgeschichte im Auftrage des Senats von Berlin [Hrsg.]: 25 Jahre Theater in Berlin. Theaterpremieren 1945–1970. (Schriftenreihe zur Berliner Zeitgeschichte 7). Heinz Spitzing Verlag, Berlin, 1972.
  6. a b c Arnim Borski: Das harte Brot der jungen Mimen. Zum Beispiel: Ute Boy und Rainer Behrend. B.Z., [Datum unbekannt] 1968.
  7. Franziska Martin: Rainer Behrend zwischen Vaganten und Tribüne. Gespräch mit einem vielseitigen Berliner Theatermann. Berliner Morgenpost, 1. März 1988.
  8. The Internet Movie Database (Zwei ahnungslose Engel).
  9. tatort-fundus.de.
  10. hoerspieltipps.net.
  11. Htz.: Ein flotter Dreier. Bei den Vaganten: Spaß mit Tschechow-Einaktern. Der Abend, 15. März 1965.
  12. F.L.: Heimlicherweise ein Spaßvogel. Drei Einakter von Tschechow in der Vagantenbühne wiederaufgeführt. Die Welt, 16. März 1965.
  13. Hans-Jörg von Jena: Die Hölle im Hotelzimmer. Neuinszenierung von Sartres 'Geschlossener Gesellschaft' bei den Vaganten. Spandauer Volksblatt, 29. März 1966.
  14. G[ünther].G[rack].: Sartres Höllenspiel. 'Geschlossene Gesellschaft' bei den Vaganten neu inszeniert. Der Tagesspiegel, 30. März 1966.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Datum aus 25 Jahre Theater in Berlin. Das Nachschlagewerk ist jedoch nicht zuverlässig, zum Beispiel gibt es die Besetzung unvollständig, nämlich Behrend lediglich als Regisseur, an. Funk Uhr, Heft 6 (o. 7?)/1972, S. 56, Ute Boy. Die charmante Vierte aus Berlin (Beruf: Fernsehansagerin (20)), nennt kein Datum. Der Theaterkritiker Herbert Ihering hat auf seinem Theaterzettel den 14. März vermerkt. (Archiv der Akademie der Künste, Herbert-Ihering-Archiv, Signatur 11486). Rezensionen erschienen unmittelbar darauf. Der Vaganten Bühne selbst liegen nur indirekte Belege vor; man hält den 14. März für plausibel.
  2. Siehe wechselnde Namen in den Jahresbänden des Bühnenjahrbuchs und in den Unterzeichnerlisten der Todesanzeigen von Schwiegervater Horst Behrend und Rainer Behrend. Ebenso bei der Internetrecherche.