V-Lambda-Kurve

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Relative Hellempfindlichkeitskurven: Tagsehen V(λ) (rot) im Vergleich zum Nachtsehen V'(λ) (blau). Diese Kurven sind noch mit den Faktoren Km bzw. K'm zu multiplizieren, um die vollständigen photometrischen Strahlungsäquivalente K(λ) bzw. K'(λ) zu ergeben.

Die Hellempfindlichkeitskurve (auch: der relative spektrale Hellempfindlichkeitsgrad) beschreibt die spektrale Hell-Empfindlichkeit des menschlichen Auges bei Tageslicht (photopischer Bereich).

Hellempfindlichkeitsgrad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elektromagnetische Strahlung im Wellenlängenbereich von etwa 380 bis 780 Nanometern (also im „sichtbaren Spektralbereich“) löst im menschlichen Auge eine Helligkeitsempfindung aus – diese Strahlung wird als Licht wahrgenommen. Das Auge ist jedoch nicht überall in diesem Bereich gleich empfindlich. Bei Wellenlängen am Rand des sichtbaren Bereiches ist eine höhere Strahlungsintensität nötig, um dieselbe Helligkeitsempfindung zu bewirken, als bei Wellenlängen in der Mitte des sichtbaren Bereiches.

Die Empfindlichkeit des Auges bei der Wellenlänge wird beschrieben durch das spektrale photometrische Strahlungsäquivalent . Die Kurve gibt beispielsweise an,

  • welche spektrale Leuchtdichte bei der Wellenlänge wahrgenommen wird, wenn eine bestimmte spektrale Strahldichte in das Auge fällt, oder
  • welche spektrale Lichtstärke bei der Wellenlänge erzielt wird, wenn eine bestimmte spektrale Strahlstärke vorliegt.

Allgemein stellt den Zusammenhang her zwischen den photometrischen Größen (Leuchtdichte, Lichtstärke) und den zugehörigen radiometrischen Größen (Strahldichte, Strahlstärke).

Es ist üblich, die -Kurve zu schreiben als

,

sie also zu zerlegen in das Produkt aus

  • dem Zahlenwert in Lumen pro Watt, den sie in ihrem Maximum annimmt (den „Maximalwert des photometrischen Strahlungsäquivalents“), und
  • der zwischen 0 und 1 variierenden Kurve , welche den Verlauf der Empfindlichkeit für verschiedene Wellenlängen relativ zum Kurvenmaximum beschreibt (dem „relativen spektralen Hellempfindlichkeitsgrad“).

Tagessehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die -Kurve wurde empirisch ermittelt, 1924 im „Internationaler Standardbeobachter“ veröffentlicht[1] (Internationale Beleuchtungskommission, Commission Internationale de l'Éclairage, CIE) und 1983 überarbeitet (CIE 018.2-1983)[2]. Sie ist im Bereich 360 nm bis 830 nm in 1-nm-Schritten für einen 2°-Standardbeobachter definiert; die Werte von gelten also nur für eine Beobachtung in einem 2° großen Gesichtsfeld, was dem zentralen Bereich des scharfen Sehens beim Menschen entspricht. In Deutschland ist sie unter DIN 5031 normiert.

Das Maximum 1 der -Kurve liegt bei 555 nm.[3]

Wird die -Kurve mit dem Faktor multipliziert, so ergibt sich das spektrale photometrische Strahlungsäquivalent für Tagessehen.[3]

Dämmerungs- und Nachtsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das Dämmerungssehen (mesopischer Bereich) wurde die -Kurve und für das Nachtsehen (skotopischer Bereich) die -Kurve definiert. Diese erlangen z. B. im Rahmen der Blendungsbewertung bei Automobilscheinwerfern im Dunkeln immer mehr an Bedeutung. Die spektrale Verschiebung zwischen Tag- und Nachtsehen wird als Purkinje-Effekt bezeichnet.

Das Maximum 1 der -Kurve liegt bei 507 nm.[3]

Wird die -Kurve mit dem Faktor multipliziert, so ergibt sich das spektrale photometrische Strahlungsäquivalent für Nachtsehen.[3]

Hellempfindlichkeitskurve und Umwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Absorptionsspektrum von Chlorophyll a und b. Siehe auch Soret-Bande

Die Hellempfindlichkeit des menschlichen Auges liegt im Schwerpunkt des terrestrischen Sonnenspektrums bei der Farbe Grün. Dabei spielt vermutlich eine von grünen Pflanzen geprägte Umgebung eine Rolle; auch der blaugrüne Spektralbereich ist bei Mondlicht und in (algenreichem) Wasser von Bedeutung.

Die Augen der Säugetiere ähneln denen des Menschen. Allerdings ist das Farbsehen von Tieren wenig erforscht. Vögel[4] und Insekten können besonders im violetten und auch im nahen ultravioletten Spektralbereich sehen.

Sehempfindlichkeits-Zelltypen von Menschen und Tieren:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vorlesung „CV-Integration“ Photometrische und Radiometrische Grundlagen Universität Koblenz Landau S. 14 abgerufen am 1. Januar 2019
  2. CIE 018.2-1983 The Basis of Physical Photometry, 2nd ed. (reprinted 1996) (Englisch, kein freier Zugriff)
  3. a b c d DIN 5031: Strahlungsphysik im optischen Bereich und Lichttechnik. Teil 3: Größen, Formelzeichen und Einheiten der Lichttechnik. Beuth-Verlag, Berlin 1982.
  4. Steigerwald, K.: Sehleistung des Vogelauges - Perspektiven und Konsequenzen für die Haltung von Zier- und Wirtschaftgeflügel unter Kunstlichtbedingungen (PDF; 6,6 MB). Dissertation, Universität München, 2006.