VIA Rail Canada

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VIA Rail Canada
Logo von VIA
Rechtsform Crown Corporation
Gründung 1977
Sitz Montréal, Québec
Leitung Yves Desjardins-Siciliano
(President and CEO)
Mitarbeiter 2.608 (2014)
Umsatz $ 280,3 Mio. (2014)
Branche Verkehr
Website www.viarail.ca
Via-Rail-Zug in London (Ontario)
General Electric P 42-Diesel der VIA in London (Ontario)

VIA Rail Canada (auch als VIA Rail oder VIA bezeichnet) ist die staatliche Eisenbahngesellschaft Kanadas für den Personenfernverkehr mit Sitz in Montréal. VIA Rail unterhält Zugverbindungen in acht Provinzen (ausgenommen Neufundland und Labrador sowie Prince Edward Island) vom Atlantik bis zum Pazifik und von den Großen Seen bis zur Hudson Bay.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1977 konnte VIA Rail keine wirtschaftliche Unabhängigkeit erreichen und ist auf dauerhafte Subventionszahlungen angewiesen.[1]

Verkehrsleistung[Bearbeiten]

VIA Rail betreibt ca. 490 Zugfahrten pro Woche und bedient 159 Bahnhöfe in ganz Kanada. Die Zugflotte umfasst zur Zeit 376 Personenwagen und 75 Lokomotiven (Stand Dezember 2015).[2]

Jahr[3] Zugkilometer in Mio. Passagiere in Mio. Personenkilometer in Mio.
1999 10,4 3,57 1.424,3
2000 10,7 3,80 1.454,8
2001 10,7 3,87 1.482,2
2002 10,9 3,98 1.525,7
2003 10,9 3,79 1.379,2
2004 10,9 3,89 1.369,6
2005 10,8 4,10 1.429,1
2006 10,7 4,09 1.407,6
2007 10,7 4,18 1.407,6
2008 10,9 4,61 1.530,5
2009 10,7 4,23 1.379,2
2010 10,7 4,15 1.361,5
2011 10,6 4,13 1.369,6
2012 10,4 3,92 1.342,2
2013 10,0 3,89 1.338,9
2014 9,1 3,80 1.300,3

Der überwiegende Anteil der Verkehrsleistung entfällt dabei auf den Intercity-Verkehr im Québec-Windsor-Korridor (2014: 94 % des Passagieraufkommens und 78 % der Personenkilometer).

Streckennetz[Bearbeiten]

Bahnnetz der ViaRail

VIA Rail verkehr auf rund 12.500 Kilometern Strecke und nutzt dabei die hauptsächlich Gleisanlagen von zehn verschiedenen Eisenbahnunternehmen. Lediglich auf 2 % der Strecke, also etwa auf 250 Kilometern, verkehren die Züge auf Gleisanlagen welche VIA selber gehören.[2] VIA Rail hat daher nur beschränkten Einfluss auf Pünktlichkeit, konsequente Ausrichtung der Fahrpläne an die Nachfrage nach Personenverkehrsleistungen sowie auf die Verkürzung von Reisezeiten.

Täglicher Zugverkehr wird von VIA Rail nur im Quebec-Windsor-Korridor angeboten.

Korridorzüge[Bearbeiten]

Hauptartikel: Corridor (Via Rail)
Karte der Korridor-Verbindungen

Diese Züge fahren als tägliche InterCity-Verbindungen zwischen den größeren Städten des Korridors. Sie verfügen üblicherweise über Wagen der Economy- und Business-Klasse und halten an allen oder ausgewählten Bahnhöfen der jeweiligen Strecke.

Strecke Streckenlänge Zugfrequenz
montags bis
freitags
Zugfrequenz
samstags
Zugfrequenz
sonntags
Bemerkungen
QuébecMontreal 272 km 5 3 3
Montreal–Ottawa 187 km 6–7 3–4 5
Montreal–KingstonToronto 539 km 5–6 4 5
Ottawa–Kingston–Toronto 446 km 7 4 5
Toronto–KitchenerLondonSarnia 290 km 1–2 1–2 1–2
Toronto–Aldershot–London–Windsor 359 km 4–5 3–4 3–4
Toronto–Aldershot–Niagara Falls 132 km 1 1 1 verkehrt nach/von New York City (s. u.)

Touristische Verbindungen[Bearbeiten]

Aussichtswagen (Dome) für das Ende von Zügen der Silver & Blue Class (Halifax NS, Kanada)

Diese Züge verkehren als Nachtzüge an ausgewählten Tagen der Woche. Sie sind mehr auf Touristen als auf Geschäftsreisende ausgerichtet und in der Regel teurer und langsamer als entsprechende Flugverbindungen.

Strecke Streckenlänge Zugfrequenz
pro Woche
Bemerkungen
HalifaxMontreal 1.245 km 3 Nachtzug, Zugname: The Ocean
Matapédia–Montreal mit Zug Gaspé–Montreal vereinigt
GaspéMontreal 1.047 km 3 Nachtzug
Matapédia–Montreal mit The Ocean Halifax–Montreal vereinigt (derzeit nicht im Betrieb)
TorontoWinnipegEdmontonJasperVancouver 4.466 km 2–3 Nachtzug, Zugname: The Canadian

Regionale Verbindungen[Bearbeiten]

VIA Rail ist verpflichtet, diese Verbindungen zu bedienen, da sie sonst nur schwer zu erreichende Siedlungen erschließen. Üblicherweise werden nur Economy-Class-Wagen geführt. Als Besonderheit halten einige dieser Verbindungen bei Bedarf auf freier Strecke, um Passagiere oder Güter aufzunehmen oder abzusetzen.

Strecke Streckenlänge Zugfrequenz
pro Woche
Bemerkungen
JonquièreMontreal 510 km 3 Hervey–Montreal mit Zug Senneterre–Montreal vereinigt
SenneterreMontreal 717 km 3 Hervey–Montreal mit Zug Jonquière–Montreal vereinigt
WinnipegThe PasChurchill 1.697 km 2–3 Nachtzug
JasperPrince GeorgePrince Rupert 1.160 km 3 die Abschnitte Jasper–Prince George und Prince George–Prince Rupert werden an zwei jeweils aufeinanderfolgenden Tagen bedient, ehemaliger Zugname bis 2009: The Skeena
SudburyWhite River 484 km 3
The PasPukatawagan 251 km 2 Wird von Keewatin Railway Company betrieben
VictoriaCourtenay 225 km wegen Streckenschäden außer Betrieb

Der grenzüberschreitende Zug The Maple Leaf Toronto–Niagara Falls–New York City wird gemeinsam mit der US-amerikanischen Bahngesellschaft Amtrak betrieben. Die weiteren grenzüberschreitenden Zugverbindungen Adirondack Montreal–New York City (einmal täglich) und Cascades Vancouver–Seattle (zweimal täglich) bedient Amtrak allein.

Geschichte[Bearbeiten]

Analog der Entwicklung in den USA fuhren auch in Kanada seit den 1960er Jahren die beiden Eisenbahngesellschaften Canadian Pacific Railway (CP) und Canadian National Railway (CN) mit ihren Personenzügen Verluste ein. 1966 wurde deshalb mit dem National Transportation Act (NTA) eine Subventionierung der Personenzüge beschlossen. Trotz einer Förderung von bis zu 80 Prozent blieb der Personenverkehr defizitär. Deshalb wurde im Januar 1976 beschlossen, künftig 100 Prozent der Verluste durch den Staat abzudecken. Unter dem Logo VIA CN präsentierte die Canadian National Railway kurz darauf ihr neues Angebot. Die beiden Gesellschaften CP und CN versuchten im Folgejahr, ihr Angebot zu koordinieren. Da diese Bemühungen relativ ergebnislos verliefen, gründete die Regierung 1977 die CN-Tochter VIA Rail Canada, in deren Aufsichtsrat auch die CP präsent sein sollte. Da sich die Zusammenarbeit auch damit nicht verbesserte, wurde am 31. März 1978 VIA Rail Canada in eine Crown Corporation umgewandelt, wodurch das Unternehmen der Regierung direkt unterstand. In der Folge kaufte VIA Rail von CP und CN das notwendige Personenzugequipment.

MLW LRC-Triebkopf

In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Zugverbindungen gestrichen, aber auch neues Zugmaterial erworben. So beschaffte VIA Rail zwischen 1977 und 1981 die so genannten LRC-Züge, die mehr Komfort als die bisher verwendeten Wagenparks der TurboTrains bieten sollten. Bis Ende der 1980er Jahre flossen genug staatliche Mittel, so dass die Gesellschaft auch ins Tourismusgeschäft einsteigen konnte.

Am 8. Februar 1986 ereignete sich bei einem Zusammenstoß zweier Züge bei Hinton (Alberta) mit 23 Todesopfern der bisher schwerste Zugunfall in der Geschichte von VIA Rail.

Mit einem 1989 verordneten Sparkurs wurden die staatlichen Zuschüsse um 50 Prozent reduziert, was zur Streichung von mehr als der Hälfte der Züge und zum Rückgang von über 45 Prozent des Passagieraufkommens bis zum Jahr 1990 führte. In den Folgejahren konnte das Passagieraufkommen zwischen 3,5 und 4,0 Millionen stabilisiert und anschließend leicht gesteigert werden.[4]

Im Jahre 2000 wurde ein jährlicher Zuschuss von 170 Millionen kanadischen Dollar festgeschrieben sowie ein Fünfjahrplan für Investitionen von 400 Millionen Dollar beschlossen. Damit war es VIA Rail möglich, moderne Lokomotiven der Baureihe P 42 von General Electric sowie neue Waggons zu erwerben. Diese 139 Wagen waren eigentlich für den Eurotunnel-Verkehr Deutschland–Großbritannien vorgesehen, wurden aber nie dafür eingesetzt. Die VIA erwarb die Wagen 2001 und richtete sie für ihre Zwecke unter der Typenbezeichnung „Renaissance“ her. Einsatzschwerpunkte sind der Nachtexpress The Ocean/L’ Océan und bisher mit LRC-Material gefahrene Korridorzüge.

Seit 1989 wurden mehrere Studien zur Errichtung von Hochgeschwindigkeitsschienenverkehren im Quebec-Windsor-Korridor erarbeitet, eine Umsetzung ist bisher an der Finanzierung gescheitert.[5]

2009 wurden die bisher verwendeten Zugnamen aufgegeben und durch Streckenbezeichnungen ersetzt. Nur The Canadian/Le Canadien und The Ocean/L’Océan behielten ihre traditionellen Namen.

Am 25. Februar 2012 verunglückte in Burlington (Ontario) ein Personenzug von Niagara Falls nach Toronto. Dabei kamen drei Menschen ums Leben, 45 weitere wurden verletzt.[6]

Im September 2013 kamen bei einem Zusammenstoß eines Via-Rail-Zugs mit einem Bus der OC Transpo in Ottawa nahe dem Bahnhof Fallowfield sechs Businsassen ums Leben, während im Zug trotz Entgleisung niemand zu Schaden kam.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Tom Allen: Rolling Home. A Cross-Canada Railroad Memoir. Penguin, Toronto 2001, ISBN 0-670-88473-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Via Rail – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jean Dupuis, VIA Rail Canada and the Future of Passenger Rail in Canada, Ottawa 2011, Seite 1 (PDF; 249 kB)
  2. a b Our Business At A Glance. VIA Rail, abgerufen am 1. Dezember 2015 (PDF, 1,12 MB, englisch).
  3. VIA Rail: Annual Reports 2003-2014 (englisch) abgerufen am 1. Juli 2012 (2003-2011), 15. Februar 2014 (2012), 13. November 2014 (2013), 20. Juni 2015 (2014)
  4. Jean Dupuis, VIA Rail Canada and the Future of Passenger Rail in Canada, Ottawa 2011, Seite 6 (PDF; 249 kB)
  5. Jean Dupuis, VIA Rail Canada and the Future of Passenger Rail in Canada, Ottawa 2011, Seite 10 f. (PDF; 249 kB)
  6. Personenzug in Kanada entgleist - Tote und Verletzte bei Zugunglück. In: RP Online. 27. Februar 2012. Abgerufen am 18. Juli 2012.
  7. Ottawa bus-train crash kills 6 in commuting horror - Ottawa - CBC News. cbc.ca, abgerufen am 12. November 2014.