Vensys Energy

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Vensys Energy AG

Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 2000[1]
Sitz Neunkirchen (Saar), Deutschland
Leitung

Jürgen Rinck, Stefan Groß

Mitarbeiterzahl

ca. 250

Umsatz ca. 100 Mio. EUR (2016)
Branche Erneuerbare Energie
Website www.vensys.de

Hauptsitz in Neunkirchen (Saar)

Die Vensys Energy AG (Eigenschreibweise VENSYS) ist ein Unternehmen der Windenergiebranche. Das Hauptgeschäftsfeld ist die Entwicklung und Konstruktion von getriebelosen Windenergieanlagen. Vensys ist als Lizenzgeber für mehrere nicht-europäische Hersteller von Windenergieanlagen, daneben fertigt Vensys am Stammsitz in Neunkirchen (Saar) in kleinem Umfang selbst Anlagen. Zur Vensys Gruppe gehören u. a. die Firma Vensys Elektrotechnik GmbH in Diepholz, welche die Elektrokomponenten herstellt, und die Firma NEVEN Windenergie GmbH in Trier, welche in der Projektentwicklung tätig ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen Vensys entstand ursprünglich aus der 1990 gegründeten Forschungsgruppe Windenergie (FGW) unter der Leitung von Friedrich Klinger an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Nach erfolgreicher Forschungsarbeit ging 1997 der erste Prototyp „Genesys“ mit 600 kW in Betrieb. Durch Mitglieder der Forschungsgruppe wurde die Vensys Energiesysteme GmbH & Co. KG im Jahr 2000 als Spin-off der Hochschule für Technik und Wirtschaft gegründet. Das daraus entstandene Ingenieurbüro konzentrierte sich auf die Weiterentwicklung der getriebelosen Technik. Im Jahr 2003 wurde der erste Prototyp der Vensys 62 mit 1,2 MW errichtet. Im selben Jahr begann die Lizenzpartnerschaft mit dem chinesischen Windenergieanlagenhersteller Goldwind. Dadurch war Goldwind das erste Unternehmen, welches berechtigt war, Vensys-Windenergieanlagen in Lizenz zu fertigen und zu vertreiben. Im darauffolgenden Jahr wurde die 1,5-MW-Anlage mit erweitertem Rotordurchmesser entwickelt. Im Jahr 2007 firmierte die Vensys Energiesysteme GmbH & Co. KG in die nicht börsennotierte Vensys Energy AG um. Im gleichen Jahr wurden Lizenzen an ReGen Powertech (Indien) und IMPSA Wind (Brasilien) vergeben. Als neuer Mitgesellschafter stieg 2008 die Goldwind GmbH ein, wodurch das weitere Firmenwachstum und der Aufbau einer eigenen Produktionsstätte in Neunkirchen (Saar) möglich wurden. Im Jahr 2010 wurde die erste Vensys 100 mit 2,5 MW Leistung in Betrieb genommen. Als letzter Lizenznehmer stieg 2012 A.O.I. (Ägypten) ein.

Technologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vensys-Windenergieanlagen weisen gegenüber den meisten anderen Windenergieanlagenherstellern einige besondere technische Merkmale auf, welche für alle Vensys-Anlagentypen gelten. Charakteristisch ist das getriebelose Anlagenkonzept, welches von Beginn an verfolgt wurde. Die Drehzahl des Rotors entspricht dabei der Drehzahl des Generators, sodass auf ein potentiell störanfälliges und wartungsintensives Getriebe verzichtet werden kann. Stattdessen wird ein permanenterregter Synchrongenerator verwendet, wodurch im Vergleich zu fremderregten Generatoren keine Erregerleistung benötigt und gleichzeitig an Turmkopfmasse gespart wird. Der Generator ist als Außenläufer ausgeführt, was den Vorteil aufweist, dass keine Erregerleistung mit einem Schleifring übertragen werden muss. Das Kühlsystem wird durch eine Luftkühlung realisiert, welche als einfach und robust gilt. Das Blattverstellsystem mit Zahnriemenantrieb ist eine weitere Besonderheit der Vensys-Windenergieanlagen. Diese Form des Blattverstellsystems ist schmierungsfrei und wartungsarm. Vensys setzt ein Vollumrichtersystem ein, wodurch sich der Hersteller Vorteile bei der Erfüllung der technischen Anforderungen an die Netzeigenschaften verspricht.[2] Fünf Prozent der Windräder weltweit basieren auf der Vensys-Technologie (Stand September 2016).[3]

Anlagentypen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windkraftanlage von Vensys in Tholey

1,5-MW-Plattform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1,5-MW-Anlage ist nach Unternehmensangaben die meist gebaute getriebelose Windenergieanlage ihrer Klasse.[4] Seit dem Jahr 2003 wurden 11.685 Einheiten gebaut (Stand März 2017). Angeboten wird die 1,5-MW-Anlage mit einem Rotordurchmesser von 70, 77, 82 und 87 Meter und einer Nabenhöhe von 61,5 bis 100 Meter je nach Anlagentyp.[5]

2012 wurde mit der Windkraftanlage Hannover-Marienwerder eine derartige Anlage mit einem Rotordurchmesser von 77 m auf einem 100 m hohen Holzturm errichtet. Dabei handelt es sich um die erste Windenergieanlage, bei der für den Turm das Baumaterial Holz zum Einsatz kam.[6]

2,5-MW-Plattform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste 2,5-MW-Anlage wurde 2010 aufgestellt, und bis März 2017 wurden 2.095 Anlagen diesen Typs in Betrieb genommen. Der Rotordurchmesser wird in 100, 109 und 112 Meter angeboten und die Nabenhöhe kann je nach Typ zwischen 93,5 und 140 Meter variieren.[7] Ein Hauptunterschied zu der 1,5-MW-Plattform ist die aktive Kühlung des Generators durch ein geschlossenes Luftkühlsystem. Bei der 1,5-MW-Plattform erfolgt die Kühlung passiv durch die Außenluft.[8]

3-MW-Plattform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahr 2015 wird die 3-MW-Plattform angeboten. Technisch beruht diese auf der 2,5-MW-Anlage.[8] Angeboten wird die 3-MW-Anlage mit einem Rotordurchmesser von 112 und 120 Meter und einer Nabenhöhe von 90 bis 140 Meter je nach Anlagentyp. Als Produktvorteile werden das typische getriebelose Design, der luftgekühlte und gekapselte Generator sowie der Einsatz von Permanentmagneten genannt, bei einer guten Eignung für Schwachwindstandorte.[9]

Lizenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2003 werden die Vensys-Windenergieanlagen auch von Partnerfirmen in Lizenz gebaut. Zu den Lizenznehmern gehören Goldwind aus China, ReGen Powertech aus Indien und AOI – Arab Organization for Industrialization aus Ägypten. Die Vensys und deren Lizenznehmer sind in China, Indien, Deutschland, Polen, Großbritannien[10], Portugal, Kanada, USA, Brasilien, Ecuador, Ägypten, Zypern, Sri Lanka und Australien tätig. Goldwind ist der größte Lizenznehmer von Vensys und gemessen an der neuinstallierten Anlagenleistung zugleich der zweitgrößte Windenergieanlagenhersteller der Welt (Stand 2013).[11]

Installierte Leistung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltweit entfallen 26.878 MW Leistung auf Windenergieanlagen, die auf dem von Vensys entwickelten Konzept beruhen (Stand März 2017). Davon hat Vensys selbst 346,9 MW – überwiegend in Europa – errichtet. Auf Goldwind entfallen 24.181 MW, gefolgt von ReGen Powertech mit 1.887 MW.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vensys Energy AG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Historie. Internetseite von Vensys. Abgerufen am 8. Oktober 2014.
  2. http://vensys.de/energy/technologie/technologie.php, abgerufen am 5. Oktober 2014.
  3. Saarländischer Rundfunk: Fünf Prozent aller Windräder mit Saar-Technologie, 23. September 2016.
  4. http://vensys.de/energy/produkte-und-service/vensys-1-5-mw.php, abgerufen am 5. Oktober 2014.
  5. http://www.vensys.de/energy-wAssets/docs/pdf-dateien-fuer-download/VENSYS-1-5MW-deutsch.pdf, abgerufen am 5. Oktober 2014.
  6. Ein Holzturm für den Rotor. In: Stuttgarter Zeitung, 8. Januar 2014. Abgerufen am 8. Oktober 2014.
  7. http://www.vensys.de/energy-wAssets/docs/pdf-dateien-fuer-download/VENSYS-2-5MW-deutsch.pdf, abgerufen am 7. Oktober 2014.
  8. a b Close up - Vensys looks beyond the 1.5MW. In: Windpower Monthly, 17. Februar 2014. Abgerufen am 8. Oktober 2014.
  9. http://www.vensys.de/energy-wAssets/docs/pdf-dateien-fuer-download/VENSYS-3MW-deutsch.pdf, abgerufen am 7. Oktober 2014.
  10. Vensys baut höchste Windkraftanlage in UK, abgerufen am 7. Oktober 2014.
  11. Top 15 Wind Turbine Suppliers Of 2013, abgerufen am 7. Oktober 2014.