Vinkovci

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Vinkovci
Wappen von Vinkovci
Vinkovci (Kroatien)
Paris plan pointer b jms.svg
Koordinaten: 45° 17′ 25″ N, 18° 48′ 19″ O
Basisdaten
Staat: Kroatische Flagge Kroatien
Gespanschaft: Wappen der Gespanschaft Gespanschaft Vukovar-Srijem Vukovar-Srijem
Höhe: 78 m. i. J.
Fläche: 94 km²
Einwohner: 35.312 (2011)
Bevölkerungsdichte: 376 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+385) 032
Postleitzahl: 32 100
Kfz-Kennzeichen: VK
Struktur und Verwaltung
(Stand: 2013, vgl.)
Gemeindeart: Stadt
Bürgermeister: Mladen Karlić (HDZ)
Website:

Vinkovci [ˈʋiːnkɔʋtsi] (ungarisch Vinkovce, lateinisch Cibalae, deutsch Winkowitz) ist eine Stadt im Osten Kroatiens (35.312 Einwohner, 2011) unweit der Grenze zu Serbien. Die Kroaten stellen mit 92,35 Prozent die Mehrheit der Bevölkerung. Unter den Minderheiten stellen Serben die größte Gruppe (7 Prozent) dar.[1]

Vinkovci ist Kreisstadt und liegt in der Gespanschaft (Županija) Vukovar-Syrmien in einem uralten Siedlungsgebiet. Das Stadtbild wird durch barocke Architektur geprägt. Vinkovci ist ein wichtiger Verkehrs- und vor allem Eisenbahnknotenpunkt, dessen Rangierbahnhof jedoch bereits stillgelegt ist. Die Stadt wird auch das „Tor Kroatiens“ genannt.

Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigsten Industriezweige sind die Baustoffindustrie (Ziegelei, Kies-/Betonwerke) und die Nahrungsmittelindustrie. Die Stadt hat auch eine entwickelte Holzindustrie, die trotz des Krieges auf den Beinen blieb. Nach dem Krieg entwickelte sich stark die Gewebeindustrie.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vinkovci war schon in neolithischer Zeit (vor 7000 Jahren) besiedelt. Während der Bronzezeit konnte sich eine eigenständige Kultur entwickeln, die sog. Sopot Kultur. Später siedelten hier vor allem illyrische Stämme, die dann von Kelten verdrängt wurden. Nach der Eroberung Pannoniens durch die Römer entstand die römische Siedlung Cibalae. Die Stadt brachte sogar zwei römische Kaiser hervor: Valentinian I. und Valens. Mit dem Untergang des Römischen Reiches ging auch Cibalae unter. 378 zerstörten die Westgoten die Stadt. Weitere Zerstörungen richteten die Hunnen, Gepiden, Ostgoten sowie Awaren an.

Um 800 ließen sich um die Ruinen der Stadt die slawischen Kroaten nieder. Sie gründeten das Dorf Sv. Ilija neben den Ruinen Cibalaes, welches seit dem 11. Jahrhundert in ungarischen Chroniken erwähnt wird. Nach der Zerstörung durch den Mongolensturm von 1242 wurde das Dorf erstmals unter dem kroatischen Namen Vinko bzw. Vinkovci erwähnt. 1527 wurde die Siedlung von den Osmanen erobert und zerstört.

Nach der Vertreibung der Osmanen 1699 durch die Habsburger wurden die Bewohner der umliegenden Dörfer nach Vinkovci umgesiedelt. Dadurch entwickelte sich das Dorf wieder zu einer Stadt. In der Zeit der Habsburger Monarchie wurden in der Stadt und ihrem Umland verschiedene Bevölkerungsgruppen angesiedelt, aber vor allem Kroaten. Die verkehrsgünstige Lage kam der Entwicklung der Stadt auch in der österreichisch-ungarischen Monarchie zugute.

Der historische Stadtkern liegt innerhalb der Mauer der römischen Siedlung von Colonia Aurelia Cibalae. Im dritten Jahrhundert war die Stadt der Sitz einer frühchristlichen Diözese. Die zwei örtlichen Heiligen, St. Eusebius und St. Polion, gehören zu dieser Periode.

Später befand sich hier eine mittelalterliche Siedlung namens Sveti Ilija (Hl. Elias), die aber seit dem Ende des Mittelalters den heutigen Namen trägt. Während der Habsburger Monarchie ist die Stadt zum Militärzentrum geworden und hat ihr Barockaussehen bekommen.

In den turbulenten Zeiten des 20. Jahrhunderts wechselte die Stadt mehrmals den Herrn. Die letzten und größten Zerstörungen erlitt sie während des kroatischen Unabhängigkeitskrieges 1990/91, als Vinkovci zentraler Kriegsschauplatz wurde und Bombardierungen der jugoslawischen Armee erdulden musste. Dabei wurde mehr als die Hälfte der Stadt zerstört, viele Menschen mussten fliehen.

Freundeskreis und Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Zeiten, als Vinkovci und Kroatien Hilfe brauchten, meldeten sich u.a. Bürger der Stadt Kenzingen und das Deutsche Rote Kreuz, Kreisverband Emmendingen, um zu helfen. Sie entschlossen sich, Kinder aus Vinkovci nach Kenzingen zu bringen, damit sie den Krieg nicht miterleben müssen. Durch diesen humanitären Einsatz entstand nicht nur eine Freundschaft zwischen den Kindern und ihren Gastfamilien, sondern auch zwischen den Städten Vinkovci und Kenzingen. Am 2. Mai 2002 reiste eine Delegation aus Kenzingen nach Vinkovci, um die Städtefreundschaft zu vereinbaren. Es wurde beschlossen, die Zusammenarbeit auf Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport zu erweitern. Es kam zu weiteren gemeinsamen Projekten, Spenden und Austauschen zwischen Schulkindern. Am 8. Juli 2007 wurde die Partnerschaftsurkunde zur Begründung der Städtepartnerschaft vom Oberbürgermeister Mladen Karlić und Bürgermeister Matthias Guderjan unterzeichnet.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Stadt findet neben der Strip- und Comic-Ausstellung noch ein Volksfest jährlich statt. "Vinkovačke jeseni" ist ein Herbstfest, auf dem die Kultur und Gebräuche Kroatiens ausgestellt sind.

Jedes Jahr im Mai findet das Symposium "Schauspieler Festspiel" statt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dalibor Bartulović (alias Shorty; * 1980), Hip-Hop Künstler
  • Olga Čiča, Professorin im Ruhestand
  • Boris Đurđević, Komponist, Autor und Mitproduzent der Gruppe Colonia
  • Mirko Filipović (alias Crocop; * 1974), Kampfsportler und PRIDE-Weltmeister 2006 im Schwergewicht
  • Hans Freistadt (* 1945), deutscher Boxer, Europameister 1965 im Fliegengewicht
  • Goran Hadžić (1958–2016), Politiker
  • Wilhelm Heger (1904–?), Unternehmer
  • Albert Kinert, Künstler
  • Slavko Kopač, Künstler
  • Vladimir Kovačić, Schriftsteller
  • Ivan Kozarac (1885–1910), Schriftsteller
  • Josip Kozarac (1858–1906), Schriftsteller
  • Danijel Ljuboja (* 1978), serbisch-französischer Fußballspieler
  • Toma Misic, kroatischer Politiker (HDZ)
  • Vanja Radauš (1906–1973), Künstler und Hochschullehrer
  • Matija Antun Reljković (1732–1798), Aufklärer und Schriftsteller
  • Josif Runjanin (1821–1878), Offizier und Komponist der kroatischen Staatshymne
  • Davor Škrlec (* 1963), Ingenieurwissenschaftler und Politiker
  • Josip Šokčević, kroatischer Ban

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vinkovci – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daten aus 2001