vw.os

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Das vw.os (Abkürzung von englisch Volkswagen operating system) ist ein Betriebssystem (eigentlich eine Softwareplattform) der Volkswagen AG für Autos auf Basis von Linux. Es soll in Fahrzeugen aller Marken des VW-Konzerns eingesetzt werden, vergleichbar mit dem Betriebssystem Android, das auf Smartphones verschiedener Hersteller läuft.[1] Bisher haben die Fahrzeug-Marken ihre eigene Software entwickelt oder von Zulieferern entwickeln lassen, was im Vergleich höhere Kosten bedeuten soll. Außerdem wird eine Softwareaktualisierung per Funk und höhere Rechenleistungen möglich.

Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die IT-Architektur im Auto soll auf wenigen Zentralrechnern (Server) mit einheitlicher Programmiersprache basieren. Damit sollen verteilte Steuergeräte, von denen bis zu 70 in einem Fahrzeug stecken (Stand 2018), mit ihrer vom jeweiligen Hersteller gelieferten Software ersetzt werden.[2] VW nennt das beim MEB (Modularer E-Antriebs-Baukasten) „End-to-End-Elektronik-Architektur“, kurz „E3“.[3][4] Damit geht unter anderem eine deutliche Steigerung der Rechenleistung einher, was nötig ist, um das Automatisierte Fahren (Level 3 und 4) zu ermöglichen.[4] Beim Elektroauto ID.3 kommen die zwei oder drei Server pro Fahrzeug von Continental, von VW „InCar Application Server“ (ICAS) genannt, auf der Software in virtuellen Maschinen (Hypervisor) laufen wird.[5][6] Auf einem Server läuft das digitale Cockpit, auf dem zweiten Server die Fahrerassistenzsysteme und der dritte Server ist für alles andere zuständig. Einige weitere Steuergeräte gibt es noch nach altem Muster, etwa die für den Elektromotor und die Steuerung der Akkus.[7]

Auch die softwaretechnische Trennung in Fahrzeuge von Volkswagen, Audi und Porsche wird aufgehoben, so dass neue Mobilitätsdienste und Assistenzsysteme gemeinsam etabliert werden können.[4] Wenn die Komponenten der Automobilelektronik aller Konzerntöchter zueinander kompatibel werden und Daten austauschen können, erreicht VW bei der Software dasselbe wie bei der Hardware, wo die Baukästen seit Jahren für geringere Kosten sorgen. Mit der „E3“-Architektur und dem „vw.os“ werden über den Lebenszyklus der Fahrzeuge Updates und Upgrades der Systeme möglich.

Das vw.os ist als plattformübergreifende Lösung geplant, die alle Softwarefunktionen bereitstellen soll.[8] Als Basis sollen Komponenten wie Kernel, Gerätetreiber und Virtuelle Maschinen von Android aus dem Android Open Source Project genommen und an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Der Kernel von vw.os ist damit ein Linuxkernel.

Mit zusätzlicher Software werden Fahrzeugfunktionen ergänzt, wie beispielsweise ein digitaler Tachometer, ein digitaler Kilometerzähler, ein Infotainmentsystem, diverse Fahrerassistenzsysteme und demnächst die Volkswagen Automotive Cloud.[9][10] Zu den einheitlichen Softwarestandards soll auch Software gehören, die bei der Parkplatzsuche hilft oder bei Elektroautos die Suche nach der nächsten Ladestation. Marken wie Audi und Porsche sollen sich mit besonderen Funktionen differenzieren können.[11]

Die Arbeit an vw.os findet in einer Geschäftseinheit namens CARIAD – zusammengesetzt aus CAR I Am Digital – statt, in welcher der Konzern seine Software-Entwicklung bündelt.

Einführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der VW ID.3 ist seit 2020 das erste Fahrzeug, welches das neue Betriebssystem nutzt.[12] Bis zum Jahr 2025 sollen alle vom VW-Konzern produzierten Neuwagen mit der einheitlichen Softwareplattform verbunden werden.[11]

Parallele Entwicklung bei anderen Automobilherstellern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch Daimler entwickelt ein eigenes Betriebssystem, dort Mercedes-Benz Operating System oder „MB.OS“ genannt.[13] BMW fordert die Entwicklung eines gemeinsamen deutschen Betriebssystems für Fahrzeuge, um eine Zersplitterung des Zuliefermarktes zu verhindern.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stefan Wimmelbücker: VW entwickelt eigenes Betriebssystem. In: Automobilwoche. 22. Oktober 2019, abgerufen am 29. April 2020.
  2. Andreas Wilkens: Volkswagen steckt Milliarden in vernetzte Autos und plant Übernahmen. In: heise.de. 23. August 2018, abgerufen am 15. September 2019.
  3. Claas Berlin: E/E-Architekturen. Frischzellenkur. In: cat-it.com. Media-Manufaktur, Pattensen, 1. April 2019, abgerufen am 12. Juni 2020.
  4. a b c volkswagen.at: Start einer neuen Ära. Volkswagen auf dem 40. Wiener Motorensymposium. In: ecarandbike.com. Team-i Zeitschriftenverlag, Korneuburg, 20. Mai 2019, abgerufen am 12. Juni 2020.
  5. Fahrzeugserver von Continental vernetzt VW ID. Elektrofahrzeuge. Abgerufen am 27. August 2020.
  6. Continentals Auto-Server für VW. In: heise.de, c't 26/2019 S. 49. Abgerufen am 27. August 2020.
  7. Hans-Christian Dirscherl: VW ID.3: 3 Hochleistungs-PCs und Microsoft-Azure-Cloud. 11. September 2019, abgerufen am 24. Oktober 2020 (deutsch).
  8. Schluss mit Fragmentierung: VW-OS soll das einheitliche Betriebssystem für Volkswagen werden. t3n.de, 19. September 2019, abgerufen am 29. April 2020.
  9. Android Auto: Volkswagen entwickelt Google-freies 'VW OS' auf Android-Basis - Google fordert zu viele Daten. In: GoogleWatchBlog. 25. September 2019, abgerufen am 30. April 2020 (Autor: „Jens“).
  10. Global and China Automotive Operating System (OS) Industry Report, 2019-2020. 4. Mai 2020, abgerufen am 9. Mai 2020 (englisch).
  11. a b Stefan Menzel: „Smartphones auf vier Rädern“ – VW bündelt die Softwareentwicklung in neuer Gesellschaft. Handelsblatt, 14. November 2019, abgerufen am 29. April 2020.
  12. Volkswagen mit neuer Software-Einheit. Volkswagen AG, 18. Juni 2019, abgerufen am 15. September 2019.
  13. Mit MB.OS gegen Tesla: Daimler baut sein eigenes „Windows fürs Auto“. In: t3n.de. 29. Mai 2020, abgerufen am 31. Oktober 2021.
  14. BMW fordert gemeinsames deutsches Autobetriebssystem - Wirtschaft - SZ.de. In: sueddeutsche.de. 5. September 2021, abgerufen am 31. Oktober 2021.