Wahl zum 20. Landtag des Landes Niedersachsen

Die Wahl zum 20. Landtag des Landes Niedersachsen wird, wenn die Legislaturperiode regulär abläuft, im Herbst 2027 stattfinden.
Wahlrecht
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Niedersächsische Verfassung legt fest, dass der Landtag auf fünf Jahre gewählt wird. Der nächste Landtag wird regulär frühestens 56, spätestens 59 Monate nach Beginn der Wahlperiode gewählt.[1]
Der 19. Niedersächsische Landtag hat sich am 8. November 2022 konstituiert. An diesem Tag begann somit die Wahlperiode. Der frühestmögliche reguläre Wahltermin wäre somit Sonntag, 11. Juli 2027, das späteste Datum, Sonntag, 3. Oktober 2027.
Nachdem der Staatsgerichtshof die Wahlkreiseinteilung im Dezember 2024 für verfassungswidrig erklärt hatte wegen zu großer Abweichungen der Bevölkerungszahlen vieler Wahlkreise vom Landesdurchschnitt, beschloss der Landtag am 3. März 2026 mit den Stimmen der Regierungsparteien SPD und Grüne gegen die Stimmen der Oppositionsfraktionen von CDU und AfD einen Neueinteilung, wodurch sich die Zahl der Wahlkreise von 87 auf 90 erhöht. Gleichzeitig wurde die Sitzverteilung auf die Parteien vom D’Hondt-Verfahren auf das Sainte-Laguë-Verfahren umgestellt.[2][3]
In jedem der 90 Wahlkreise ist der Bewerber mit meisten Erststimmen gewählt. Die 135 Sitze im Landtag werden gemäß den Zweitstimmen nach dem Sainte-Laguë-Verfahren proportional verteilt. Hierbei gilt eine Fünf-Prozent-Hürde. Erhält eine Partei mehr Sitze, als sie in den Wahlkreisen errungen hat, werden die restlichen über ihren Landeswahlvorschlag besetzt.
Erhält eine Partei in den Wahlkreisen mehr Sitze, als ihr nach dem Zweitstimmenanteil zustehen, so behält sie diese zusätzlichen Sitze (Überhangmandate) und die übrigen Parteien erhalten Ausgleichsmandate. Die Sitzzahl des Landtags wird über 135 hinaus angehoben um das Doppelte der Anzahl der Überhangmandate und die Sitzverteilung erneut nach dem Sainte-Laguë-Verfahren berechnet. Sollten auch hiernach Überhangmandate vorhanden sein, bleiben sie ohne Ausgleich bestehen.[4]
Ausgangslage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vorherige Wahl 2022
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die SPD blieb trotz leichter Verluste mit 33,4 Prozent stärkste Partei in Niedersachsen, gefolgt von der CDU, die mit 28,1 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis seit Jahrzehnten erreichte. Die Grünen gewannen hinzu und wurden mit 14,5 Prozent der Stimmen erneut drittstärkste Kraft im Landtag. Die AfD gewann trotz interner Querelen und einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz auf 10,9 Prozent hinzu. Die FDP scheiterte mit 4,7 Prozent der Stimmen knapp am Wiedereinzug in den Landtag. Die Linke verpasste den Einzug in den Landtag mit nur noch 2,7 Prozent nun deutlich.
Durch die Wahl erhielt eine von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) angestrebte rot-grüne Landesregierung erstmals seit 2017 wieder eine Mehrheit. Weil kündigte noch am Wahlabend an, Koalitionsverhandlungen mit den Grünen aufnehmen zu wollen. Diese führten schließlich zur Bildung des Kabinetts Weil III.
Rückzug Weils
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 1. April 2025 kündigte Ministerpräsident Stephan Weil seinen vorzeitigen Rückzug von seinen politischen Ämtern an. Er begründete dies unter anderem mit „persönlichen Motiven“ und nannte Schlafstörungen und einen hohen Druck, die ihn belasteten. Vertreter der CDU kritisierten die Entscheidung hingegen als Wortbruch und parteitaktisches Manöver und legten Neuwahlen nahe. Als seinen Nachfolger, sowohl im Amt des Ministerpräsidenten als auch als Vorsitzender des SPD-Landesverbands, schlug Weil den bisherigen Minister für Wirtschaft, Bauen, Verkehr und Digitalisierung Olaf Lies vor.[5] Dieser wurde am 20. Mai 2025 zum Ministerpräsidenten gewählt und führt das Kabinett Lies an.[6]
Im Landtag vertretene Fraktionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Fraktion / Landesverband | Kurzbe- zeichnung |
Sitze | ||
|---|---|---|---|---|
| 2022 | 2026 | |||
| Sozialdemokratische Partei Deutschlands | SPD | 57 | 57 | |
| Christlich Demokratische Union Deutschlands | CDU | 47 | 47 | |
| Bündnis 90/Die Grünen | GRÜNE | 24 | 24 | |
| Alternative für Deutschland | AfD | 18 | 17 | |
| Werteunion (fraktionslos) | WU | 0 | 1 | |
Parteien und Kandidaten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Parteien müssen bis zu einem noch festzulegenden Termin ihre Teilnahme an der Wahl anzeigen. Sie müssen zur Zulassung ihrer Landesliste fristgerecht mindestens 2000 Unterstützerunterschriften beziehungsweise je 100 Unterstützungsunterschriften für jeden Kreiswahlvorschlag einreichen. Auch Einzelbewerber benötigen jeweils 100 Unterstützungsunterschriften. Davon ausgenommen sind Parteien, die in Bundes- oder Landtag vertreten sind oder auf die bei der letzten Bundestagswahl mindestens 5 Prozent der gültigen Stimmen in Niedersachsen entfielen.
Umfragen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sonntagsfrage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Institut | Datum | SPD | CDU | Grüne | AfD | FDP | Linke | FW | BSW | Sonst. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| INSA[7] | 22.04.2026 | 25 % | 25 % | 12 % | 20 % | 4 % | 7 % | — | 3 % | 4 % |
| Allensbach[7] | 25.02.2026 | 26 % | 27 % | 10 % | 21 % | 3 % | 7 % | — | — | 6 % |
| Infratest dimap[7] | 19.11.2025 | 26 % | 26 % | 12 % | 20 % | 3 % | 6 % | — | 3 % | 4 % |
| Bundestagswahl | 23.02.2025 | 23,0 % | 28,1 % | 11,5 % | 17,8 % | 4,1 % | 8,1 % | 0,7 % | 3,8 % | 2,9 % |
| INSA[7] | 19.02.2025 | 25 % | 30 % | 10 % | 16 % | 5 % | 5 % | — | 5 % | 4 % |
| Allensbach[7] | 05.12.2024 | 27 % | 33 % | 10 % | 16 % | 4 % | — | 4 % | 4 % | 2 % |
| INSA[7] | 12.11.2024 | 26 % | 31 % | 10 % | 16 % | 4 % | 2 % | — | 6 % | 5 % |
| Infratest dimap[7] | 08.11.2024 | 25 % | 32 % | 12 % | 15 % | — | — | — | 4 % | 12 % |
| Europawahl | 09.06.2024 | 19,5 % | 31,4 % | 12,2 % | 13,2 % | 5,3 % | 2,1 % | 1,2 % | 4,5 % | 10,6 % |
| Allensbach[7] | 05.02.2024 | 29 % | 30 % | 11 % | 21 % | 4 % | 2 % | — | — | 3 % |
| Infratest dimap[7] | 14.11.2023 | 26 % | 28 % | 13 % | 18 % | 5 % | — | — | — | 10 % |
| INSA[7] | 19.10.2023 | 27 % | 29 % | 13 % | 17 % | 4 % | 3 % | — | — | 7 % |
| Allensbach[7] | 12.07.2023 | 32 % | 29 % | 13 % | 14 % | 5 % | 3 % | — | — | 4 % |
| Forsa[7] | 16.02.2023 | 33 % | 26 % | 17 % | 10 % | 5 % | 3 % | — | — | 6 % |
| Landtagswahl 2022 | 09.10.2022 | 33,4 % | 28,1 % | 14,5 % | 11,0 % | 4,7 % | 2,7 % | 0,8 % | — | 4,8 % |
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ VORIS Artikel 9 Verf ND | Landesnorm Niedersachsen | - Wahlperiode | Niedersächsische Verfassung vom 19. Mai 1993 | gültig ab: 01.06.1993. Abgerufen am 1. Dezember 2022.
- ↑ Niedersächsisches Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung: Abstimmung im Landtag: Niedersachsen stellt Wahlkreise für die Landtagswahl 2027 verfassungskonform neu auf
- ↑ Mindener Tageblatt: 90 statt 87: Wie sich die Wahlkreise in Niedersachsen ändern
- ↑ Erklärungen zum Niedersächsischen Wahlrecht, auf wahlracht.de
- ↑ Stephan Weil tritt zurück und gibt an Olaf Lies ab. In: ndr.de. 3. April 2025, abgerufen am 20. Mai 2025.
- ↑ Nachfolge von Stephan Weil: Olaf Lies zum Ministerpräsidenten von Niedersachsen gewählt. In: spiegel.de. 20. Mai 2025, abgerufen am 20. Mai 2025.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Wahlumfragen zur Landtagswahl in Niedersachsen (#ltwnds, #ltwni) – Sonntagsfrage. Abgerufen am 12. Juli 2023 (deutsch).