Waldelefant

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem heute lebenden Waldelefanten, zum ausgestorbenen Waldelefanten siehe Europäischer Waldelefant.
Waldelefant
Waldelefant (Loxodonta cyclotis)– Kuh mit Kalb –

Waldelefant (Loxodonta cyclotis)
– Kuh mit Kalb –

Systematik
ohne Rang: Paenungulata
ohne Rang: Tethytheria
Ordnung: Rüsseltiere (Proboscidea)
Familie: Elefanten (Elephantidae)
Gattung: Afrikanische Elefanten (Loxodonta)
Art: Waldelefant
Wissenschaftlicher Name
Loxodonta cyclotis
(Matschie, 1900)

Der Waldelefant (Loxodonta cyclotis) ist eine Art aus der Gattung der Afrikanischen Elefanten (Loxodonta).

Einstufung als Art[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das nach dem Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana, auch als Steppen- oder Savannenelefant bezeichnet), und dem Asiatischen Elefanten (Elephas maximus) drittgrößte Landtier der Erde wurde traditionell als Unterart des größeren Afrikanischen Elefanten angesehen; doch der Status des Waldelefanten als eigenständige Art konnte durch genetische Untersuchungen im Jahr 2001 und darauffolgend belegt werden.[1][2] Nach Untersuchungen der Harvard Medical School hat sich der Waldelefant vor drei bis fünf Millionen Jahren vom Afrikanischen Elefanten genetisch abgesondert.[3]

Weitere DNA-Studien wiesen auf ein komplexeres Verwandtschaftsverhältnis innerhalb der Gattung Loxodonta hin. Lori S. Eggert und Forscherkollegen führten anhand der Ergebnisse ihrer genetischen Studie im Jahr 2002 aus, dass in Westafrika möglicherweise eine dritte Elefantenart beheimatet sei, die weder mit dem Wald- noch dem Steppenelefanten identisch sei.[4][5] Dagegen zeigte die 2005 veröffentlichte Analyse von Régis Debruyne, dass ein breiter Hybridisierungskorridor zwischen den westafrikanischen und zentralafrikanischen Elefantenformen besteht. Aufgrund dessen gibt es seiner Meinung nach keine Hinweise auf zwei oder drei Arten innerhalb der Gattung Loxodonta.[6] Allerdings konnte in der darauf folgenden Zeit nachgewiesen werden, dass der Steppen- und der Waldelefant trotz gelegentlichen Genaustauschs jeweils eine eigenständige Art darstellen.[7]

Körperbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Waldelefant ist mit bis zu 2,40 Metern Schulterhöhe und 3 Tonnen Gewicht wesentlich kleiner als seine Verwandten aus der ost- und südafrikanischen Savanne. Auffällig ist zudem die deutlich rundere Form der Ohren, die der Art auch den wissenschaftlichen Artnamen cyclotis gab. Dieser setzt sich aus den griechischen Wörtern κύκλος (kyklos – „Kreis“) und οὦς (ous – „Ohr“) zusammen und bedeutet „rundohrig“.[8]

Verbreitungsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitung des Waldelefanten

Waldelefanten sind Dschungelbewohner und leben in den Regenwäldern West- und Zentralafrikas vom Senegal bis Uganda einschließlich des Kongobeckens. In ihrem Lebensraum haben sie eine wichtige Funktion, indem sie mit ihrem Kot die Samen einer Vielzahl von Bäumen verbreiten.

In den tropischen Regenwäldern Afrikas wurden von Großwildjägern und Einheimischen angeblich auch noch kleinere Elefanten gesichtet. Sie wurden 1906 als Zwergelefanten (Loxodonta pumilio) beschrieben, aber in der Folgezeit von der Zoologie nicht offiziell als Art anerkannt. Es könnte sich dabei um eine Unterart oder Kümmerformen des Waldelefanten handeln. Um den Nachweis solcher Tiere als eigenständige Art bemüht sich derzeit die Kryptozoologie.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Don E. Wilson, DeenAnn M. Reeder: Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic reference. Johns Hopkins University Press, Baltimore, Md. 2005, ISBN 0-8018-8221-4.
  • F. Maisels et al.: Devastating decline in forest elephants in Central Africa. PLoS ONE 8(3):e59469, 4. März 2013 doi:10.1371/journal.pone.0059469
  • A. K. Turkalo, P. H. Wrege, G. Wittemyer: Long-term monitoring of Dzanga Bai forest elephants: forest clearing use patterns. PLoS ONE 8(12):e85154, 26. Dezember 2013 doi:10.1371/journal.pone.0085154
  • A. L. Roca et al.: Genetic evidence for two species of elephant in Africa. Science 293(5534) S. 1473-1477, 2001
  • G. Wittemyer et al.: Illegal killing for ivory drives global decline in African elephants. Proceedings of the National Academy of Sciences, 111, 36, S. 13117-13121, 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Waldelefant – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nadin Rohland, David Reich, Swapan Mallick, Matthias Meyer, Richard E. Green, Nicholas J. Georgiadis, Alfred L. Roca, Michael Hofreiter: Genomic DNA Sequences from Mastodon and Woolly Mammoth Reveal Deep Speciation of Forest and Savanna Elephants. In: PLoS Biol. Band 8, Nr. 12, 2010, doi:10.1371/journal.pbio.1000564.
  2. Kenine E. Comstock, Nicholas Georgiadis, Jill Pecon-Slattery, Alfred L. Roca, Elaine A. Ostrander, Stephen J. O’Brien, Samuel K. Wasser: Patterns of molecular genetic variation among African elephant populations. In: Molecular Ecology. Band 11, Nr. 12, 2002, ISSN 0962-1083, S. 2489–2498, doi:10.1046/j.1365-294X.2002.01615.x.
  3. Zwei Elefantenarten. In: Bild der Wissenschaft. Nr. 3/2011, S. 10.
  4. Lori S. Eggert, Caylor A. Rasner und David S. Woodruff: The evolution and phylogeography of the African elephant inferred from mitochondrial DNA sequence and nuclear microsatellite markers. Proceedings of the Royal Society of London B 269, 2002, S. 1993–2006
  5. Ulrich Dewald: Westafrika hat seine eigene Elefantenart. In: Bild der Wissenschaft. Nr. 9/2002.
  6. Régis Debruyne: A case study of apparent conflict between molecular phylogenies: the interrelationships of African elephants. In: Cladistics. Band 21, 2005, S. 31–50.
  7. Yasuko Ishida, Taras K. Oleksyk, Nicholas J. Georgiadis, Victor A. David, Kai Zhao, Robert M. Stephens, Sergios-Orestis Kolokotronis und Alfred L. Roca: Reconciling Apparent Conflicts between Mitochondrial and Nuclear Phylogenies in African Elephants. PlosOne 6 (6), 2011, e20642 doi:10.1371/journal.pone.0020642
  8. Paul Matschie: Geographische Abarten des afrikanischen Elefanten. Sitzungsberichte der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin 1900, S. 189–197 (S. 194) ([1])