Waldzustandsbericht

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Der Bericht über den Zustand des Waldes, auch Waldzustandsbericht, früher Waldschadensbericht genannt, ist ein jährlich vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft herausgegebener Bericht, der über die Ergebnisse des forstlichen Umweltmonitorings der Waldbäume in Deutschland berichtet.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer 1983 gab es die ersten Erhebungen in den Bundesländern. 1984 folgten die ersten Berichte im gesamten Bundesgebiet und ab 1986 dann auch in Europa. Auslöser war der Begriff vom „Tannensterben“, der Schreckensbilder aus dem Schwarzwald, dem südlichen Alpen­rand und aus dem Schweizer Jura in die Öffentlichkeit transportierte (s  a. Waldsterben). Aktueller Auslöser war nach heutigem Verständnis eine schwere Trockenperiode im Frühsommer 1976, die vor allem bereits vorgeschädigten Weißtannen schwer zusetzte.[1] Es folgte 1978/79 ein sehr harter Winter mit schweren Frostschäden.

Wesentlich war vor allem, wissenschaftliches Material darzustellen, das geeignet wäre, die Auswirkungen des „sauren Regens“ und die diesem zu Grunde liegenden Schadstoff­quellen wie Abgase aus Industrie und Straßenverkehr auf die „neuartigen Waldschäden“ bewerten zu können. Mit dem Waldzustandsbericht hoffte man außerdem die Wirkung von Maßnahmen darlegen zu können, die bereits um 1970 eingeleitet worden waren: Dazu zählten einerseits gesetzliche Regelungen wie das Bundes-Immissionsschutzgesetz, die TA Luft oder die Verordnung über Großfeuerungs-, Gasturbinen- und Verbrennungsmotoranlagen und andererseits deren konkrete technische Umsetzung. Dies betraf sowohl den einzelnen Verbraucher mit der Einführung des Fahrzeugkatalysators und des bleifreien Benzins, die Industrie mit der verordneten Nachrüstung von Filtern und Rauchgasentschwefelung als auch die Forstwirtschaft, wo das Ausbringen von Kalk (Calciumcarbonat) in den Wäldern empfohlen wurde.

Datenerhebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Daten für den Waldzustandsbericht werden erhoben, indem man ein gedachtes Untersuchungsnetz mit einem Raster von 16 × 16 Kilometern aufspannt. So beruht der Waldzustandsbericht 2003 auf 447 Stichprobenpunkten mit insgesamt 13.572 Bäumen. Dieselben Bäume werden jedes Jahr wieder begutachtet, indem ihre Baumkronen auf Nadel- oder Blattverlust, Vergilbung u. a. eingeschätzt werden. Es gibt fünf Schadstufen: Schadstufe 0: Verlust bis 10 %; Schadstufe 1: Verlust 11–25 %; Schadstufe 2: 26–60 %; Schadstufe 3: 61–99 % und die Schadstufe 4 mit 100 %. Schadstufe 0 bedeutet: „ohne Schadensmerkmale“, Schadstufe 1: „schwach geschädigt“ und die restlichen Schadstufen: „schwer geschädigt“.

Ergebnisse und Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zustand der Baumkronen dient als sichtbares Zeichen für Stress, dem ein einzelner Baum ausgesetzt ist; diese Stressbelastung kann sowohl lokal als auch überregional bedingt sein und sich auf Baumstandort und -ernährung negativ auswirken. Als Ursache kommt neben menschengemachtem („anthropogenem“) Stress (vorrangig in Form von Schadstoffen aus der Luft) auch eine Stressbelastung aus der Natur selbst in Betracht: Dazu zählen Wildverbiss, Sturm- oder Frostschäden, Schädlinge, Pflanzenkrankheiten und nicht zuletzt Trockenheit. Diese Mischung aus natürlichen Stressfaktoren und denen der Industriegesellschaft bedingt eine Schädigung des Waldes, welche nach den gegenwärtigen Kriterien zu einer kritischen Bewertung führt, weil mehr als 70 % des Baumbestandes als „schwach geschädigt“ oder gar „schwer geschädigt“ einzustufen sind.

Die Aussagekraft des Waldzustandsberichtes über anthropogene Umweltschäden ist wegen unzureichender Differenzierung der Schadensursachen (s. o.) bereits von Anfang an angezweifelt worden: So ist das Erhebungsverfahren 1988 von der Zeitschrift Nature und 1996 vom Bundesforschungsministerium für unbrauchbar erklärt worden. Um aussagekräftige Informationen zu bekommen, muss der Bericht mit anderen wichtigen Daten verbunden sein – dazu zählt namentlich die Berücksichtigung von Messdaten zur lokalen Wasser- und Bodenqualität und nicht zuletzt auch zum Klima.

Ein überraschendes Forschungsergebnis stellt die Tatsache dar, dass Bäume den durch die Bodenversauerung verursachten Rückgang ihrer Versorgung mit Mineralien ersetzen können. Im Boden lebende Mykorrhiza-Pilze können Mineralien aus Steinen lösen, was Bäumen nicht möglich ist. Doch da diese Pilze häufig in Symbiose mit Bäumen leben, erhalten die Bäume von den Pilzen ihre benötigten Mineralien. Das Waldsterben findet nicht statt wie befürchtet.

Ergebnisse im Jahr 2003[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fichte (Picea abies): schwere Schäden: 27 Prozent, schwache Schäden: 43 Prozent
  • Kiefer (Pinus sylvestris): schwere Schäden: 13 Prozent, schwache Schäden: 53 Prozent
  • Buche (Fagus sylvatica): schwere Schäden: 30 Prozent, schwache Schäden: 46 Prozent
  • Eiche (Quercus robur und Q. petraea): schwere Schäden: 39 Prozent, schwache Schäden: 44 Prozent

Die im Bericht genannten Einflussfaktoren auf den Waldzustand sind: Wetter, Fruktifikation, Schädlinge und die Stoffeinträge in den Wald durch den Menschen.

Das Wetter war im Jahr 2002 und im Frühjahr 2003 (bis zum Abschluss der Erhebung) vorteilhaft, weil warm und regenreich. Die im August einsetzende extrem lange Hitzeperiode, fast ohne jeden Regen, fand im Wesentlichen keinen Eingang mehr in den Bericht. Die Fruktifikation hatte im Berichtszeitraum so gut wie keine negativen Auswirkungen auf die Schätzwerte. Infolge des warmen Wetters waren daher massive vorbeugende Maßnahmen erforderlich: Bekämpfung von Borkenkäfer, Schmetterlingsraupen wie z. B. der Nonne, Hochlagenerkrankung der Buche, Maikäfer, Wurzelhalsfäule und der Kastanien-Miniermotte; dies schlug sich im Waldzustandsbericht negativ nieder. Die innerhalb der Luftschadstoffe gemessenen hohen Konzentrationen des bodennahen Ozons würden sich allerdings erst im nächsten Bericht wiederfinden. Ferner wurden die Stoffeinträge von Schwefel auf 9 kg/ha und die von Stickstoff auf 18 kg/ha beziffert. Im europäischen Teil des Waldzustandsberichtes wurde eine ähnliche Situation wie in Deutschland beschrieben.

Ergebnisse im Jahr 2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt hat sich der Zustand 2012 im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Der Anteil der nicht geschädigten Bäume betrug 39 % (2011: 37 %), der von Bäumen mit schwachen Schäden 36 % (2011: 35 %). Alle schweren Schäden zusammen machten 25 % (2011: 28 %) aus.

  • Fichte (Picea abies): schwere Schäden: 27 Prozent, schwache Schäden: 35 Prozent
  • Kiefer (Pinus sylvestris): schwere Schäden: 11 Prozent, schwache Schäden: 39 Prozent
  • Buche (Fagus sylvatica): schwere Schäden: 38 Prozent, schwache Schäden: 40 Prozent
  • Eiche (Quercus robur und Q. petraea): schwere Schäden: 50 Prozent, schwache Schäden: 33 Prozent

Nutzen für die Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bundesweiten Waldzustandsdaten zu den Bereichen Boden, Baumernährung, Klima und Schadstoffeintrag können zusammengefasst und zu acht typischen „Waldzustandstypen“ verdichtet werden, wodurch Empfehlungen zur Sanierung der Waldökosysteme möglich sind.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfram Elling, Ulrich Heber, Andrea Polle, Friedrich Beese: Schädigung von Waldökosystemen. Auswirkungen anthropogener Umweltveränderungen und Schutzmaßnahmen. Spektrum, Heidelberg, München 2007, ISBN 978-3-8274-1765-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tannensterben von Dr. Klaus J. Lang in: Gehölzkrankheiten in Wort und Bild, „Tannensterben - silver fir decline“.
  2. 20 Jahre Waldschadenserhebung in Deutschland von Michael Lange (Deutschlandfunk, 4. Januar 2004).