Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung (Klausen)

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Wallfahrtskirche Klausen, Nordostansicht
Blick vom Langhaus in den Chor
Ehemaliges Konventsgebäude

Die römisch-katholische Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung[1] in Klausen (Eifel), auch Eberhardsklausen, ehemals Stifts-, heute Pfarrkirche, gilt als „bedeutendster Bau der Spätgotik in der Südeifel und im Moseltal“.[2] Die Marien-Wallfahrtskirche zieht jährlich über 100.000 Pilger an.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirchengründung wird mit einem Tagelöhner namens Eberhard in Verbindung gebracht, der nach der Überlieferung 1440 eine kleine Marienfigur für die persönliche Andacht in einen hohlen Baum stellte. Nach einer Vision der Gottesmutter baute er dort 1442 eine Klause, um als Einsiedler zu leben. Bald wurde von Heilungswundern an dem Ort erzählt und immer mehr Menschen kamen zur Klause. Noch in den 1440er-Jahren baute Eberhard die erste kleine Kirche, die der Trierer Erzbischof Jakob von Sierck weihte. Eberhard starb 1451. 1456 gründete der Erzbischof, wohl beraten von Nikolaus von Kues, mit Kanonikern aus Niederwerth und Böddeken bei dem Marienheiligtum ein Augustiner-Chorherren-Stift der Windesheimer Kongregation.

Die Gemeinschaft begann mithilfe einer Stiftung der Grundherren, der Ritter von Esch,[4] und der Pilgergaben den Bau der Konventsgebäude und der spätgotischen Stiftskirche. Ihr Chor war 1474 vollendet, die Sakristei und Bibliothek 1491. 1502 wurde sie geweiht. Seitdem erfuhr das Gotteshaus keine baulichen Veränderungen mehr. Das Stift, geprägt von der Devotio moderna, hatte über lange Phasen seines Bestehens große Ausstrahlungskraft in Kurtrier und darüber hinaus. 1802 wurde es säkularisiert; die Kirche wurde Pfarrkirche.

Architektur und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundriss der Kirche
Hochaltar

Die Kirche ist ungewöhnlicherweise nach Südosten ausgerichtet, was vielleicht auf die ursprüngliche Eberhardsklause zurückgeht. Der spätgotische Bau besteht aus einem langgestreckten Chor, der sich in einem ebenso breiten und langen Mittelschiff fortsetzt, das auf der Nordostseite von einem gleich hohen Seitenschiff flankiert (Hallenkirche) wird. Auf der Südwestseite sind ein halbhoher Kapellengang sowie die Sakristei angebaut, in deren Obergeschoss die einst bedeutende Stiftsbibliothek untergebracht war. Daran schloss sich der Kreuzgang an, von dem nur geringe Reste erhalten sind. Alle Joche sind mit Netzgewölben überspannt. Neben dem quadratischen, spitzhelmbekrönten Turm, der den Nordwestabschluss bildet, steht als Fortsetzung des Seitenschiffs die Gnadenkapelle mit dem alten Gnadenbild, möglicherweise Eberhards kleiner Pietà aus der Zeit um 1440, und einer neueren Darstellung aus dem 17. Jahrhundert. Die alte Statue ist aus Eichenholz, 20 Zentimeter hoch und 16 Zentimeter breit; das neuere Bild aus Sandstein ist etwa 1,15 Meter hoch und 83 Zentimeter breit.[5]

Das bedeutendste Ausstattungsstück ist ein figurenreicher Antwerpener Passionsaltar, der auf die Zeit um 1480 datiert wird. Zwei Epitaphe erinnern an die Zeit, als die Stiftskirche Grablege der Familie von Esch[4] war. 2007 wurde eine neue Orgel von Rieger Orgelbau eingebaut. Sie umfasst 39 Register auf drei Manualen und Pedal.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Dohms: Die Geschichte des Klosters und Wallfahrtsortes Eberhardsklausen an der Mosel von den Anfängen bis zur Auflösung des Klosters im Jahre 1802. Bonn 1968
  • Kurt Heydeck, Giuliano Staccioli: Die lateinischen Handschriften aus dem Augustiner-Chorherrenstift Eberhardsklausen in der Stadtbibliothek Trier. Teil 1, Wiesbaden 2007 (Teildigitalisat des Vorworts)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wallfahrtskirche Klausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. offizielle Namensform, vgl. Netzpräsenz
  2. klausen.de
  3. klausen.de
  4. a b mit Stammsitz in Esch (bei Wittlich) (volksfreund.de), nicht verwandt mit den Esch von Esch (Elsdorf)
  5. Bernd Brauksiepe: Klausen – Augustinerchorherrenstift. Bau- und Kunstgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz. Abgerufen am 13. Februar 2017.
  6. klausen.de

Koordinaten: 49° 54′ 18″ N, 6° 53′ 0″ O