Walther Horn

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Walther Hermann Richard Horn (* 19. Oktober 1871 in Berlin; † 10. Juli 1939 ebenda) war ein deutscher Entomologe und Direktor des Deutschen Entomologischen Instituts in Berlin-Dahlem.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walther Horn war der Sohn von Wilhelm Horn (1835–1911), der 1862 die „Telegraphenbauanstalt und Pendeluhrenfabrik Wilhelm Horn“ in Glashütte gründete[1], und dessen Ehefrau Elisabeth, geborene Rößner (1845–1931), deren Vater in Berlin die „Turmuhrenfabrik C. Rößner“ besaß.[2] 1870 ging Walther Horns Vater nach Berlin und nannte seine Firma „Internationale Telegraphenbauanstalt Berlin“. Aufgrund gesundheitlicher Probleme übergab er die Firma 1880 an seinen Teilhaber Carl Lorenz. Schon im Alter von acht Jahren besaß Walther Horn eine Insektensammlung und legte sich eine entomologische Bibliothek an.[3] Seit 1889 studierte Horn Medizin und Zoologie in Berlin, wurde 1893 mit dem Thema „Laparotomie bei Verwachsung des Netzes[4] zum Doktor der Medizin promoviert und absolvierte 1885 zur Erlangung der Approbation das medizinische Staatsexamen. Medizinisch tätig war er allerdings nur im Ersten Weltkrieg als Feldarzt an der Ostfront.[5]

Walther Horn beschäftigte sich seit 1891 intensiv mit den Sandlaufkäfern, zunächst mit den einheimischen Arten.[6] 1895 waren schon 39 Veröffentlichungen mit ihm als Autor zu dieser Käfergruppe erschienen, bis zu seinem Lebensende wurden es 284 Arbeiten.[2] Ein großer Förderer seines Interesses an der Entomologie war der erste Direktor des 1886 gegründeten Deutschen Entomologischen Nationalmuseums Gustav Kraatz. Als Kraatz 1909 starb, wurde Walther Horn sein Nachfolger. Horn bewies großes Talent im Ausbau des Museums zu einer Einrichtung mit internationalem Ruf. 1920 benannte er das Museum in „Deutsches Entomologisches Institut“ (DEI) um. 1922 gelang es Horn, das DEI der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (KWG) anzugliedern.

Horn heiratete im Jahre 1904 in Kassel Agnes (1881–1953), die Tochter des Oberstaatsanwaltes Hermann von Ditfurth. Aus der Ehe gingen ein Sohn und eine Tochter hervor.[2]

Walther Horn war von 1926 bis 1936 ständiger Sekretär der „Wanderversammlung Deutscher Entomologen“.[2] 1938 holte er als Mitglied des Exekutivkomitees der Internationalen Entomologischen Kongresse den 7. Kongress nach Berlin und wurde dort zum Ehrenmitglied ernannt. Horn war außerdem Ehrenmitglied mehrerer internationaler Gesellschaften, so zum Beispiel der Schweizerischen Entomologischen Gesellschaft. Er war Herausgeber mehrerer entomologischer Zeitschriften.[2] Walther Horn legte keinen Wert auf Äußerlichkeiten und lehnte auch stets Angebote ab, ihm den Professorentitel zu verleihen.[5]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • zusammen mit Hans Roeschke: Monographie der paläarktischen Cicindelen: analytisch bearbeitet mit besonderer Berücksichtigung der Variationsfähigkeit und geographischen Verbreitung. Selbstverlag, Berlin 1891. doi:10.5962/bhl.title.9205
  • 1908. Coleoptera Adephaga. Fam. Carabidae Subfam. Cicindelinae. In: Philogène Auguste Galilée Wytsman (ed.), Genera Insectorum. Fascicule 82A. P. Wytsman, Brussels. Seiten 1–104, Tafeln 1–5.
  • 1910. Coleoptera Adephaga. Fam. Carabidae Subfam. Cicindelinae. In: P Wytsman (ed.), Genera Insectorum. Fascicule 82B. P. Wytsman, Brussels. Seiten 105–208, Tafeln 6–15.
  • 1915. Coleoptera Adephaga. Fam. Carabidae Subfam. Cicindelinae. In: P Wytsman (ed.), Genera Insectorum. Fascicule 82C. P. Wytsman, Brussels. Seiten 209–486, Tafeln 16–23.
  • 1926. Pars 86. Carabidae: Cicindelinae. In: Sigmund Schenkling (ed.), Coleopterorum Catalogus. W. Junk, Berlin. 345 Seiten.
  • 1928–1929. zusammen mit Sigmund Schenkling: Index Litteratuae Entomologicae. Berlin-Dahlem.

Verbleib der Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Horns weltweite Sammlung von Sandlaufkäfern einschließlich der Larven und die Käfersammlungen aus Nordafrika (1896), Ceylon (1899), Nord- und Südamerika (1902) sowie aus der Region um den Persischen Golf (1926, Sammler H. Schmidt) befinden sich im Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans-Heinrich Schmid: Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850–1980. Band 2: Firmenbeschreibungen, Literaturverzeichnis. Deutsche Gesellschaft für Chronometrie. Verlag Historische Uhrenbücher, Berlin 2012. Seite 187. ISBN 978-3-941539-99-0
  2. a b c d e Ursula Göllner-Scheiding: Horn, Walther. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 632 f. (Digitalisat).
  3. Anton von Schulthess (1939): Dr. Walther Horn 1871–1939. Ehrenmitglied der S. E. G. Mitteilungen der Schweizerischen Entomologischen Gesellschaft 17(12):617–618
  4. Walther Horn: Laparotomie bei Verwachsung des Netzes. Berlin: Vogt’s Buchdruckerei 1893. 48 Seiten.
  5. a b Albrecht Hase (1939): Walther Horn †. Anzeiger für Schädlingskunde 15(8):95–96.
  6. Walther Horn & Hans Roeschke: Monographie der paläarktischen Cicindelen: analytisch bearbeitet mit besonderer Berücksichtigung der Variationsfähigkeit und geographischen Verbreitung. Selbstverlag, Berlin 1891.
  7. Horn, Walther Hermann Richard aus der Datenbank des SDEI (mit Porträt von 1926) (abgerufen am 31. Dezember 2016)