Was vom Tage übrigblieb

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Dieser Artikel behandelt den Roman. Zur Verfilmung siehe Was vom Tage übrig blieb.

Was vom Tage übrigblieb (in neuen Ausgaben Was vom Tage übrig blieb, engl. Originaltitel: The Remains of the Day) ist ein Roman des britischen Schriftstellers und Literatur-Nobelpreisträgers Kazuo Ishiguro aus dem Jahre 1989. Im selben Jahr wurde Ishiguro für das Buch mit dem Booker Prize ausgezeichnet. 2015 wählten 82 internationale Literaturkritiker und -wissenschaftler den Roman zu einem der bedeutendsten britischen Romane.[1]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stevens, der auf Schloss Darlington Hall als Butler angestellt ist, begibt sich 1956 auf eine Reise nach Cornwall, um dort seine ehemalige Arbeitskollegin Miss Kenton zu besuchen und sie zu bitten, nach Darlington Hall zurückzukehren. Diese Fahrt erweist sich als eine Reise in Stevens Vergangenheit. Allmählich erscheinen ihm die Erinnerungen an sein bisheriges Leben in Rückblenden. Vor dem Zweiten Weltkrieg war Lord Darlington, der mittlerweile verstorben ist, in Besitz des riesigen Landsitzes. Dort fanden von etwa 1920 bis 1938 teils geheime Treffen bedeutender europäischer Politiker statt. Lord Darlington setzte sich für eine Lockerung der im Friedensvertrag von Versailles festgeschriebenen deutschen Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg ein und war später ein Vertreter der Appeasement-Politik des britischen Premiers Chamberlain. In der Nachkriegszeit galt Darlington deshalb als „Nazifreund“, verlor eine Klage gegen eine Zeitung, die das nachdrücklich behauptet hatte, und starb als gebrochener Mann.

Stevens erlaubte sich als loyaler und seinem Herrn ergebener, perfekter Butler nie, die Motive des Handelns seines Herrn in Frage zu stellen oder dessen Verstrickungen in den Nationalsozialismus überhaupt wahrzunehmen. Auch seine Gefühle für Miss Kenton, die ihn liebt und ihm dies durchaus zu verstehen gibt, lässt er nicht zu. Er erkennt die möglichen Chancen, die er ungenutzt hat verstreichen lassen. Am Ende seiner Reise sieht er angesichts des hereinbrechenden Abends ein, dass er nur versuchen kann, das Beste aus dem zu machen, „was vom Tage übrig bleibt“.

Literarische Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Literaturtheoretiker Wayne C. Booth merkt 2005 an, dass neben der Figur des Huckleberry Finn von Mark Twain in literarischen Werken selten eine so durchweg zweifelhafte Stimme („a consistently dubious voice“, siehe unzuverlässiges Erzählen) geschaffen wurde wie die des Butlers in diesem Werk.[2]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„In ihrer Analyse des Romans referiert Bettina Steinhage zwei Lesarten: entweder als ein Werk, das "mit der Wahrnehmung und Darstellung von Vergangenheit befasst ist und daraus die Frage entwickelt, in welchem Zusammenhang Geschichte mit der Gegenwart steht", oder als "universales Lehrstück über fehlgeleiteten Idealismus und die persönliche Tragödie eines Menschen" (190). Vermutlich trifft beides zu: The Remains of the Day ist eine allgemeine Charakterstudie über verzerrte Wahrnehmung, aber auch eine historisch exakte Auseinandersetzung mit der Kehrseite vielgepriesener britischer Tugenden wie Reserviertheit, Diskretion, Würde und Loyalität. Dass der in Nagasaki gebürtige, jedoch früh in England sozialisierte Ishiguro den Leser mit Hilfe einer subtilen Erzählweise in die Interpretation seiner Figuren einbezieht, macht die eigentliche Stärke des Romans aus.“

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2010: The Remains of the Day, Musical. Uraufführung am 1. September 2010 im Union Theatre in London. [5]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The Remains of the Day. Faber and Faber, London 1989, ISBN 0-571-15310-0.
  • Was vom Tage übrigblieb. Aus dem Englischen von Hermann Stiehl. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1990, ISBN 3-498-03210-0.
  • Was vom Tage übrigblieb. Aus dem Englischen von Hermann Stiehl. btb-Taschenbuch, München 2005, ISBN 3-442-73309-X.
  • Was vom Tage übrig blieb. Aus dem Englischen von Hermann Stiehl. Heyne, München 2016, ISBN 978-3-453-42160-8.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adam Parkes: Kazuo Ishiguro's The Remains of the Day. A Reader's Guide. London: Bloomsbury Publ. 2001. ISBN 978-0-82645231-3
  • Daniel Schäbler: „'… What Dignity Is There in That?' Zum Zusammenhang erzählerischer Unzuverlässigkeit und ethischem Verhalten in Kazuo Ishiguros The Remains of the Day.“, In: Arbeiten aus Anglistik und Amerikanistik. Bd 38, H. 1, 2013. S. 19–36.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Guardian:The best British novel of all times - have international critics found it?, aufgerufen am 2. Januar 2016
  2. Wayne C. Booth, „Resurrection of the Implied Author: Why Bother?“, in: A Companion to Narrative Theory, edited by James Phelan and Peter J. Rabinowitz, Blackwell Publishing, Malden/Massachusetts and Oxford 2005, paperback edition 2008, ISBN 978-1-4051-1476-9 Inhaltsverzeichnis, S. 75–88.
  3. Johann N. Schmidt: Großbritannien 1945-2010: Kultur, Politik, Gesellschaft, Kröner, 2011, ISBN 978-352-030501-5, S. 351
  4. The Remains Of The Day, radiolistings.com abgerufen am 5. Oktober 2017
  5. The Remains Of The Day @ Union Theatre, London, 1.- 25. September 2010, abgerufen am 5. Oktober 2017