Werner Friedrich Bruck

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Werner Friedrich Bruck (* 23. August 1880 in Breslau; † 29. Mai 1945 in New York City) war ein deutsch-britischer Agrarwissenschaftler und Ökonom.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werner Friedrich Bruck war ein Sohn des Breslauer Strafrechtlers und Geheimrats Felix Friedrich Bruck und der Anna Elise; seine Mutter starb bei der Geburt. Er studierte Biologie und Volkswirtschaft an den Universitäten Breslau, Berlin und Halle und war zunächst als Biologe und Agrarwissenschaftler tätig. Er promovierte 1904 in Leipzig und wurde nach einer Tätigkeit am Reichsamt für Land- und Forstwirtschaft in Berlin 1905 Assistent an der Universität Gießen wo er sich 1907 habilitierte und zum Privatdozenten ernannt wurde. Seit 1904 war er Mitglied der Nationalliberalen Partei und nach 1918 der Deutschen Volkspartei.

Vor dem Ersten Weltkrieg unternahm er im Auftrag des Reichskolonialamtes Studienreisen nach Ostafrika und Asien, so dass er einen Lehrauftrag für tropische Landwirtschaft in Gießen erhielt. Während des Krieges war er Mitarbeiter Walther Rathenaus im Kriegswirtschaftsamt, sowie tätig in der deutschen Gesandtschaft in Konstantinopel und im Generalgouvernement Warschau, wobei er die Rohstoffversorgung des Deutschen Reiches zu verbessern suchte. Dafür wurde er mit dem EKII ausgezeichnet. Nach einer Tätigkeit in der Demobilmachungsabteilung im Reichswirtschaftsministerium und an der Universität Breslau wurde er 1922 als Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften, Industriewirtschafts- und Weltwirtschaftslehre an die Universität Münster berufen und schrieb eine Reihe von Beiträgen zur politischen Ökonomie der Weimarer Republik. 1929 gründet er gemeinsam mit dem Generaldirektor der Westfälischen Heimstätte Heinrich Vormbrock die Forschungsstelle für Siedlungs- und Wohnungswesen, das heutige Institut für Siedlungs- und Wohnungswesen in Münster, sowie das Verkehrswissenschaftliche Seminar. Zusammen mit Walter Hoffmann und Heinrich Weber leitete er seit 1924 das "Institut für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften". Dem Institut waren mehrere Seminare angegliedert: 1. das Seminar für Fürsorgewesen, 2. das Seminar für Arbeitsvermittlung und Berufsberatung, 3. das Seminar für Gewerkschaftswesen, 4. das sozialpolitische Seminar. Ferner übernahm er mit Heinrich Weber die Studienleitung der Westfälischen Verwaltungsakademie, die ebenfalls dem "Institut für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften" angegliedert war. 1)

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten wurde Bruck aus rassistischen Gründen mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums zwangsbeurlaubt und musste ein Pensionierungsgesuch einreichen. 1934 emigrierte er nach Großbritannien und hatte eine Gastprofessur in Cardiff. Seit 1939 war er britischer Staatsbürger.

Mit einem Rockefeller-Stipendium konnte Bruck 1940 in die USA reisen, wo er einen Lehrstuhl für Politische Verwaltung an der New School of Social Research erhielt, sowie Gastprofessuren an den Universitäten von Wisconsin und Kansas.

Mit seiner Frau Antonia Coerper (* 1890) hatte er die Söhne Caspar (* 1920) und Peter (* 1922), die beide während des Zweiten Weltkriegs in der British Army Soldat waren. Er war ein jüngerer Bruder des Juristen Eberhard Friedrich Bruck.

1) Hermanns, Manfred: Heinrich Weber. Sozial- und Caritaswissenschaftler in einer Zeit des Umbruchs. Würzburg: Echter 1998, S. 27-36.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The road to planned economy : capitalism and socialism in Germany's development, Cardiff : Univ. Press Board 1934.
  • Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Wirtschaftsprüfers und die Anforderungen an sein Wissen in Deutschland und England, Berlin : J. Springer 1932.
  • Schafft Arbeit für Millionen Arbeitslose noch vor dem Winter! : ein Arbeitsprogramm in zwölfter Stunde, Münster 1931.
  • Das Ausbildungsproblem des Beamten in Verwaltung und Wirtschaft. Geschichtliches und Reformvorschläge. Leipzig: Quelle & Meyer 1926.
  • Institut für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. In: Taschenbuch für die Studierenden der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster i.W. 1926, S. 28-33.
  • Geschichte des Kriegsausschusses der Deutschen Baumwoll-Industrie zugleich Abriß d. Baumwollwirtschaft während d. Krieges : Im Auftr. d. Kriegsausschusses d. deutschen Baumwoll-Industrie, Berlin : Kriegsausschuß d. Deutschen Baumwoll-Ind. 1920.
  • Juteersatz und Hanfbau : ein Beitrag z. Organisation unseres inneren Wirtschaftsmarktes während d. Krieges, Berlin : Parey 1914.
  • Wie studiert man Biologie? : eine Einf. in d. Wissensch. f. angehende Studierende d. Botanik u. Zoologie u. deren Ergänzungswiss., mit Ratschl. z. zweckmäss. Anordn. d. Studienganges, Stuttgart : Violet 1910.
  • Pflanzenkrankheiten, Leipzig : Göschen 1907.

Herausgeberschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bruck, Werner Friedrich/Weber, Heinrich (Hrsg.): Westfälische Verwaltungsakademie. Münster: Verlag der Westfälischen Verwaltungsakademie 1925ff, 4 Hefte.
  • Bruck, Werner Friedrich/Hoffmann, Friedrich/Weber, Heinrich (Hrsg.): Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Abhandlungen. 9 Hefte. H. 1-4 Leipzig: Quelle & Meyer 1926 ff, ab H. 5 Münster i.W.: Baader 1929 ff.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gisela Möllenhoff; Rita Schlautmann-Overmeyer: Jüdische Familien in Münster 1918 bis 1945. Biographisches Lexikon, Münster : Westfäl. Dampfboot, 1995 ISBN 3-929586-48-7
  • Werner Roeder, Institut für Zeitgeschichte München [Hrsg.] : International biographical dictionary of Central European émigrés 1933–1945, München : Saur, 1983, p. 160 ISBN 3-598-10089-2
  • Joseph Walk (Hrsg.), Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–1945. hrsg. vom Leo Baeck Institute, Jerusalem. München : Saur, 1988 ISBN 3-598-10477-4
  • Manfred Hermanns: Heinrich Weber. Sozial- und Caritaswissenschaftler in einer Zeit des Umbruchs. Würzburg. Echter 1998, Seiten 25, 27-30, 33-34, 88, 90, 99, 103, 107, 187, 202-203, 206-210. ISBN 3-429-01971-0
  • Artikel in der DBE

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]