WestSpiel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Westdeutsche Spielbanken GmbH & Co. KG
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1976
Sitz Duisburg, Deutschland
Leitung Lothar Dunkel, Steffen Stumpf
Mitarbeiterzahl ca. 800[1]
Umsatz 106,782 Millionen Euro[1]
Branche Betrieb von Spielbanken
Website www.westspiel.de
Stand: 31. Dezember 2012

Das Unternehmen WestSpiel (vollständig Westdeutsche Spielbanken GmbH & Co. KG) ist ein Spielbankenbetreiber in Deutschland mit Sitz in Duisburg. Eigentümer des Unternehmens ist das Land Nordrhein-Westfalen[2] über die NRW.Bank.[3] Der Marktanteil der WestSpiel am Spielbankenmarkt in Deutschland beträgt rund 20 Prozent.[4] Das Unternehmen brachte von 2002 bis 2012 ein eigenes Magazin, Casino live verlegt von Hoffmann und Campe, heraus.[5] Am 8. Mai 2018 hat die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen die Privatisierung von WestSpiel beschlossen.[6]

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WestSpiel betreibt in Deutschland acht Spielbanken:

Im Jahr 2012 zählten die Spielbanken von WestSpiel 1,13 Millionen Besucher.[1]

WestSpiel beabsichtigt im Kölner Stadtteil Deutz die fünfte Spielbank in NRW zu eröffnen.[9]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen WestSpiel gehörte bis 2002 zur WestLB.[10] Seit der Aufspaltung der WestLB im Jahr 2002 in eine Geschäftsbank und in die NRW.Bank als Förderbank gehört WestSpiel zur NRW-Bank.[3]

Von Anfang der 1990er Jahre[11] bis zum Jahr 2001 betrieb WestSpiel die Spielbank Kassel. Neuer Betreiber wurde die SIM Spielbanken Investitions- Beteiligungs und Management GmbH & Co KG, eine Tochter der Deutschen Sporthilfe und Novomatic AG.[12]

2002 wurde die Tochterfirma WestSpiel-Entertainment GmbH (WSE) ins Leben gerufen. WSE betreibt die Gastronomie von WestSpiel mit Restaurants, Bars und Catering. Dazu organisiert WSE an den Spielbank-Standorten zahlreiche Veranstaltungen und Konzerte.

Umsatzentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umsatzentwicklung 2007 bis 2012
Umsatz in Millionen Euro
2007
  
176
2008
  
130
2009
  
125
2010
  
109
2012
  
107

Mit einem Umsatz von 351 Millionen DM, in den sechs Spielbanken (Aachen, Bad Oeynhausen, Hohensyburg, Bremen, Kassel und Berlin), wurde das Jahr 1998 abgeschlossen.[13] Das Jahr 2000 war mit einem Umsatz von 422 Mio. DM das erfolgreichste Jahr. 338 Mio. DM gingen in diesem Jahr an Spielbankabgabe an die Kommunen.[14] 2007 wurden 176 Millionen Euro Umsatz erzielt.[15] 2008 brachten die Spieler der WestSpiel 130 Millionen Euro Umsatz.[16] Im Jahr 2009 betrug der Umsatz 125 Millionen Euro. Damit konnte sie ihren Marktanteil von zwanzig Prozent in Deutschland halten.[4] 2010 wurden von 1,16 Millionen Besuchern 109,225 Millionen Euro umgesetzt. Hiervon wurden 60,583 Millionen Euro an Spielbankabgabe abgeführt.[17] Die umsatzstärksten Häuser Dortmund und Duisburg standen für knapp 75 Prozent der Umsätze.[16] 2014 konnte Westspiel nur durch den umstrittenen Verkauf von zwei Warhol-Bildern für insgesamt 111,4 Millionen Euro einen Überschuss erzielen. 866.000 Menschen besuchten die NRW-Spielbanken, halb so viel wie zehn Jahre zuvor.[18]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1998 wurden Manipulationen beim Zählen des Geldes in der Spielbank Bad Oeynhausen aufgedeckt. Neben Mitarbeitern der Spielbank sollen auch Finanzbeamte involviert gewesen sein. In dem Zusammenhang forderte die WestSpiel von den Beschuldigten 1,9 Millionen DM als Schadensersatz.[10] Weiterhin sollen Privatdetektive in der Schweiz Nachforschungen bei Banken betrieben haben, um Schwarzkonten der Beschuldigten zu entdecken.[19]

Anfang der 2000er Jahre wurde WestSpiel von spielsüchtigen Besuchern auf Schadensersatz verklagt, weil das Unternehmen seiner Zugangskontrollpflichten nicht nachgekommen sei.[20] Die Besucher hatten zu ihrem eigenen Schutz eine Selbstsperre für Spielbanken beantragt.[21] Als Ergebnis dieser Klagen urteilte der Bundesgerichtshof, dass die Spielbanken regresspflichtig sind, wenn sie die Zugänge zum Spielbereich nicht kontrollieren.[22]

Im Juni 2008 kam es zu einem Streik der Croupiers an der Spielbank Duisburg.[23] Grund waren die seit 1996 nicht erhöhten Gehälter für die Beschäftigten. Zudem klagen die Beschäftigen über eine intransparente Verteilung des Tronc.[24] Viele Jahre war dies kein Problem, da die Besucher ausreichend Geld in den Tronc gaben. Doch seit dem Niedergang im Glücksspielbereich sinken die Tronceinnahmen. Hierdurch fielen die Einkommen der Beschäftigten in den Bereich des Tarifvertrages.[25] Im Zusammenhang mit der Umstrukturierung von WestSpiel im Jahr 2010 sollen Betriebsräte von WestSpiel „gekauft“ worden sein.[26]

Westspiel ließ 2014 zwei Gemälde von Andy Warhol im Auktionshaus Christie’s in New York versteigern, die zuvor zur Ausstattung der Spielbank Aachen gehörten. Die Bilder Triple Elvis und Four Marlons wechselten für zusammen 151,5 Millionen US-Dollar den Besitzer; davon entfielen 16,1 Millionen auf Prämienzahlungen an das Auktionshaus[27]. Mit dem Erlös will Westspiel defizitäre Spielbanken sanieren. Kulturstaatsministerin Monika Grütters kritisierte den Verkauf von Kulturgut, „um damit Löcher im Haushalt zu stopfen“.[28]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Unternehmen. WestSpiel, abgerufen am 14. Dezember 2013.
  2. Klaus Buske: Spiel mit verdeckten Karten. In: Westfälische Rundschau. 25. Februar 2009 (HTML [abgerufen am 30. September 2012]).
  3. a b NRW.Bank (Hrsg.): Geschäftsbericht 2002. 2003, S. 78 (online [PDF; 2,0 MB; abgerufen am 30. September 2012]).
  4. a b Westspiel-Casinos werfen erneut weniger Spielerträge ab. In: Aachener Nachrichten. 12. April 2011 (HTML [abgerufen am 30. September 2012]).
  5. Hoffmann und Campe und WestSpiel Gruppe launchen 'Casino live'. In: New Business. 3. Januar 2002 (HTML [abgerufen am 30. September 2012]).
  6. https://www1.wdr.de/nachrichten/landespolitik/spielbanken-privatisierung-kabinett-100.html
  7. Weniger Besucher, weniger Ertrag. Casino büßt Spitzenplatz ein. In: Neue Ruhr Zeitung. 3. Mai 2009 (HTML [abgerufen am 30. September 2012]).
  8. 5 Jahre Casino Duisburg. Wir sind nicht so plüschig. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. 18. Februar 2012 (HTML [abgerufen am 13. Dezember 2012]).
  9. Hier soll Kölns Casino hinkommen. In: Bild (Zeitung). (bild.de [abgerufen am 31. März 2016]).
  10. a b Die Casino-Bande. In: Der Spiegel. Heft 34/2001, 20. August 2001, S. 32–34 (HTML [abgerufen am 30. September 2012]).
  11. Schicker Standort. In: Der Spiegel. Heft 20/1990, 14. Mai 1990 (HTML [abgerufen am 1. Oktober 2012]).
  12. Stadt Kassel (Hrsg.): Spielbank Kassel blickt in attraktive Zukunft. 7. August 2001 (HTML [abgerufen am 1. Oktober 2012]).
  13. Andreas Ulrich: Moment des Leidens. In: Der Spiegel. Heft 50/1999, 13. Dezember 1999 (HTML [abgerufen am 1. Oktober 2012]).
  14. Der Rubel rollt in den NRW-Casino. In: Westfälische Rundschau. 15. Februar 2001 (HTML (Memento vom 16. Oktober 2005 im Internet Archive) [abgerufen am 20. März 2013] Bereitgestellt auf Fachverband Glücksspiel).
  15. Dietmar Seher: Casinos geht das Glück aus. In: Neue Ruhr Zeitung. 7. Februar 2010 (HTML [abgerufen am 1. Oktober 2012]).
  16. a b Der Betreiber Westspiel. In: Neue Ruhr Zeitung. 14. Juli 2009 (HTML [abgerufen am 30. September 2012]).
  17. WestSpiel (Hrsg.): Unternehmen. (HTML [abgerufen am 30. September 2012]).
  18. Rheinische Post 27. Oktober 2015 S. B1: NRW-Casinos machen anhaltend Verluste
  19. Beate Balzli: Schnüffeln auf eigene Faust. In: Der Spiegel. Heft 49/2001, 3. Dezember 2001 (HTML [abgerufen am 30. September 2012]).
  20. Dietmar Hipp und Merlind Theile: Süchtig und verzockt – Geld zurück. In: spiegel online. 29. Dezember 2006 (HTML [abgerufen am 1. Oktober 2012]).
  21. Clemens von Frentz: Spielsucht ausgenutzt? In: Manager Magazin. 18. September 2001 (HTML [abgerufen am 1. Oktober 2012]).
  22. Casinos müssen gesperrte Spielsüchtige besser kontrollieren. In: spiegel online. 22. November 2007 (HTML [abgerufen am 1. Oktober 2012] Aktenzeichen: Bundesgerichtshof III ZR 9/07).
  23. Vom Spieltisch auf die Straße. Croupiers streiken. In: Westfälische Rundschau. 24. Juni 2008 (HTML [abgerufen am 30. September 2012]).
  24. Katja Sponholz: Croupiers sind die Casino-Verlierer. In: Westfälische Rundschau. 27. August 2008 (HTML [abgerufen am 30. September 2012]).
  25. Klaus Buske und M. Kohlstadt: Spielbank Hohensyburg büßt Umsatz und Besucher ein. In: Westfälische Rundschau. 19. August 2008 (HTML [abgerufen am 30. September 2012]).
  26. Dirk Berger: Westspiel soll Casino-Betriebsräte gekauft haben. In: Westfälische Rundschau. 15. Mai 2010 (HTML [abgerufen am 30. September 2012]).
  27. tagesschau.de: Rekordpreise auf dem Kunstmarkt: Nur aufgeheizt oder schon überheizt? (Memento vom 9. Dezember 2014 im Internet Archive) (abgerufen am 5. Dezember 2014)
  28. Umstrittener Verkauf aus NRW: Warhol-Bilder bringen150 Millionen Dollar Artikel in Spiegel Online vom 13. November 2014