Whewellit

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Whewellit
Whewellite-md82a.jpg
Whewellitkristall aus Schlema im Erzgebirge
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen
Chemische Formel Ca(C2O4)·H2O[1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Organische Verbindungen
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
10.AB.45 (8. Auflage: IX/A.01)
50.01.01.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe P21/n (Nr. 14, Stellung 2)Vorlage:Raumgruppe/14.2[1]
Gitterparameter a = 6,29 Å; b = 14,58 Å; c = 10,12 Å
β = 109,5°[1]
Formeleinheiten Z = 8[1]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5 bis 3[2]
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,21 bis 2,23; berechnet: 2,22[2]
Spaltbarkeit vollkommen nach {101};
unvollkommen nach {010};
undeutlich nach {001} und {110}[2]
Bruch; Tenazität muschelig; spröde
Farbe farblos, weiß, grau, hellgelb, hellbraun
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz, Perlglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,489 bis 1,491[3]
nβ = 1,553 bis 1,554[3]
nγ = 1,649 bis 1,650[3]
Doppelbrechung δ = 0,160[3]
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = gemessen: 80 bis 84°; berechnet: 84°[3]

Whewellit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Organischen Verbindungen“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Ca(C2O4)·H2O[1], ist also chemisch gesehen ein Calciumoxalat.

Whewellit entwickelt meist farblose und durchsichtige Kristalle bis etwa 20 cm Größe von isometrischem bis kurz-prismatischem Habitus, aber auch herzförmige Zwillinge. Bei polykristalliner Ausbildung in massigen Aggregaten kann Whewellit auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen auch eine graue, gelbliche oder bräunliche Farbe annehmen. Die Strichfarbe des Minerals ist allerdings immer weiß.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Whewellit im „Glückauf-Schacht“ bei Burgk in Sachsen und beschrieben 1852 durch Henry James Brooke (1771–1857) und William Hallowes Miller (1801–1880), die das Mineral nach dem britischen Philosophen und Wissenschaftshistoriker William Whewell (1794–1866) benannten.

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Whewellit zur Mineralklasse der „Organischen Verbindungen“ und dort zur Abteilung der „Salze organischer Säuren“, wo er zusammen mit Caoxit, Coskrenit-(Ce), Glushinskit, Humboldtin, Levinsonit-(Y), Lindbergit, Minguzzit, Moolooit, Natroxalat, Novgorodovait, Oxammit, Stepanovit, Weddellit, Wheatleyit, Zhemchuzhnikovit und Zugshunstit-(Ce) die eigenständige „Gruppe der Oxalate“ bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Whewellit ebenfalls in die Klasse der „Organischen Verbindungen“ und dort in die Abteilung der „Salze von organischen Säuren“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Art der salzbildenden Säure, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Oxalate“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 10.AB.45 bildet.

Auch die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Whewellit in die Klasse der „Organische Minerale“ und dort in die gleichnamige Abteilung ein. Hier ist er einziges Mitglied der unbenannten Gruppe 50.01.01 innerhalb der Unterabteilung „Salze organischer Säuren (Oxalate)“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Perfekt ausgebildeter Whewellitkristall aus Schlema im Erzgebirge (Größe 2,9 cm × 2,8 cm × 2,3 cm)

Whewellit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/n (Raumgruppen-Nr. 14, Stellung 2)Vorlage:Raumgruppe/14.2 mit den Gitterparametern a = 6,29 Å; b = 14,58 Å; c = 10,12 Å und β = 109,5° sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch wenn es sich bei Whewellit um das Salz einer organischen Säure handelt, so müssen bei der Bildung keine biologischen Prozesse beteiligt sein. Whewellit bildet sich als selten vorkommendes Primärmineral in niedriggradigen hydrothermalen Carbonat-Sulfid-Adern oder -Geoden. Begleitminerale sind unter anderem Calcit, Baryt, Sphalerit, Pyrit, Weddellit und wachsartige Kohlenwasserstoffe.

Als seltene Mineralbildung konnte Whewellit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher rund 70 Fundorte (Stand 2017) als bekannt gelten.[4] Neben seiner Typlokalität Burgk konnte das Mineral in Deutschland noch bei Freiberg, Schlema und Hartenstein in Sachsen; bei Peine in Niedersachsen; bei Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen; im „Hannebacher Ley“ in der rheinland-pfälzischen Gemeinde Spessart (Brohltal) sowie bei Gera in Thüringen. In Österreich fand sich Whewellit bisher nur am Graukogel in den Hohen Tauern.

Weitere Fundorte befinden sich in Australien, Brasilien, Frankreich, Grönland, Italien, Mexiko, Rumänien, Russland, Slowakei, Tschechien, Ukraine, Ungarn, England im Vereinigten Königreich und in mehreren Regionen in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[5]

Whewellit kann im Urin auskristallisieren und zur Bildung von Harnsteinen führen. Ursache ist meist eine hohe Oxalsäure- oder Calciumoxalataufnahme mit der Nahrung (Sauerampfer, Spinat, Mangold, Rote Beete, Kakao). In der Tiermedizin treten Whewellit-Steine vor allem bei Hunden und Katzen immer häufiger auf.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. J. Brooke, W. H. Miller: An Elementary Introduction to Mineralogy Longman. Whewellite. Brown, Green, and Longmans, London 1852, S. 523–524 (rruff.info [PDF; 153 kB]).
  • Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 798 (Erstausgabe: 1891).
  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Nebel Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 281.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Whewellite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 720.
  2. a b c Whewellite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 67 kB; abgerufen am 3. August 2017]).
  3. a b c d e Mindat – Whewellite (englisch)
  4. Mindat – Anzahl der Fundorte für Whewellit
  5. Fundortliste für Whewellit beim Mineralienatlas und bei Mindat
  6. A. Hesse: Harnsteinarten. Die Herkunft der Namen. In: Animal Stone Letter. Band 13, Nr. 7,1, 2013 (harnsteinanalysezentrum-bonn.de [PDF; 1,9 MB; abgerufen am 3. August 2017]).