SY A

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SY A
SY A in Kiel
SY A in Kiel
Schiffsdaten
Flagge BermudaBermuda Bermuda
andere Schiffsnamen

White Pearl (während der Bauphase)

Schiffstyp Segelyacht
Rufzeichen ZCEU9
Heimathafen Hamilton
Bauwerft German Naval Yards, Kiel, Deutschland
Baunummer 787
Stapellauf 2014
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
142,81 m (Lüa)
Breite 24,88 m
Tiefgang max. 8,00 m
Vermessung 11.997 BRZ
 
Besatzung 54[1]
Maschinenanlage
Maschine 2 × Elektromotor[2],
2 × Dieselmotor (MTU 20V 4000 M73L)[3]
Maschinen-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
8.600 kW (11.693 PS)
Energie-
versorgung
4 × Dieselmotor (MTU 16V 4000 M73L)[4]
Generator-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
11.200 kW (15.228 PS)
Propeller 2 × 5-Blatt-Verstellpropeller[3]
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 1.450 tdw
Takelung und Rigg
Anzahl Masten 3
Anzahl Segel 3
Segelfläche 3.700[5]
Geschwindigkeit
unter Segeln
max. 21 kn (39 km/h)
Sonstiges
Klassifizierungen

Lloyd’s Register

Registrier-
nummern

IMO-Nr. 1012141

Die SY A (Name während der Bauphase: White Pearl, von der Bauwerft auch als Projekt 787 bezeichnet[6]) ist eine Segelyacht des russischen Milliardärs und Unternehmers Andrei Melnitschenko.[7][8] Nach Indienststellung ist das Schiff mit einer Länge von knapp 143 Metern über alles die größte Segelyacht der Welt.[7] Der Eigner besitzt bereits eine Motoryacht mit dem Namen A.

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auftragnehmer für den Bau der SY A war die Werft Nobiskrug. Der Rumpf wurde unter großer Diskretion seit der Kiellegung im Jahre 2012 auf der wie Nobiskrug zur German Naval Yards Holdings GmbH gehörenden Kieler Werft German Naval Yards[9][10] nach einem Design Philippe Starcks[11] auf- und ausgebaut. Die Kielkonstruktion und das Rigg stammen von der niederländischen Firma Dykstra Naval Architects[12], die auch die Maltese Falcon[13] bestückt hat. Die Segel wurden von Doyle Sails (USA) hergestellt, das verwendete Teakholz stammt von der spanischen Firma Teak Solutions (Valencia). Insgesamt wurden hiervon 1.278 Elemente eingebaut. Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt zum, durch DNA-Analysen bestätigten Vorwurf, das Holz komme von illegalen Plantagen.[14]

Lange war das Schiff beim Bau verhüllt, um die Lackarbeiten vor Witterungseinflüssen zu schützen. Im April 2015 wurde diese Verhüllung erstmals entfernt, die erste Testfahrt fand am 21. September 2015 statt.[15][16]

Die SY A ist als Dreimaster konzipiert, wobei die Höhe der aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) von der südenglischen Firma Magma Structures[17] hergestellten Masten circa 90 m beträgt. Es sind die bisher größten freistehenden (unverstagten) Masten, die aus Carbon gefertigt wurden. Die Herstellerfirma verwendete drei Jahre für die Entwicklung und die Produktion.[18] Die drei Masten wurden auf einem Schwimmponton von Portsmouth nach Kiel geliefert und dort eingebaut. Die Bäume hingegen stammen von Future Fibres aus Spanien. Das größte Einzelsegel umfasst 1.767 m² Segelfläche, alle Segel werden vollautomatisch gesetzt. Aufgrund der hohen Masten kann die Segelyacht die Ostsee nur durch den Drogden, einen 8 Meter tiefen Sund zwischen Amager und Saltholm im Öresund, verlassen.[9][19]

Die Yacht hat insgesamt acht Decks. Der Kiel ist am unteren Ende aus gebogenem Glas geformt, so dass man die Unterwasserwelt beobachten kann.

Der Rumpf besteht aus Stahl, der mit einer speziellen Kunststoffschicht überzogen ist.[20]

Dem Bug eilt etwas über der Höhe der Wasserlinie vorne eine Plattform voraus, von dieser wird die vorderste Partie des Bugs von unten beleuchtet. Etwas über der Wasserlinie waren bei der Ausfahrt am 5. Februar 2017 etwa 20 Leuchten, die seitlich abstrahlen, zu sehen.[21]

Als Baukosten werden etwa 400 Millionen Euro verlautbart, die tatsächlichen Kosten sind nicht bekannt.

Antrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der auf drei Masten verteilten Segelfläche wird das Schiff von zwei Dieselaggregaten mit je 3.600 kW Leistung, die auf jeweils einen 5-Blatt-Verstellpropeller wirken, angetrieben. Zusätzlich zu den Dieselmotoren stehen über Getriebe auch zwei Elektromotoren mit je 4.300 kW Leistung zur Verfügung. Hierbei sind verschiedene Betriebsmodi möglich, d. h. dieselmechanischer Antrieb bei optionaler Verwendung der Elektromotoren als Wellengeneratoren, Verwendung der Elektromotoren zusätzlich zu den Dieseln (Boosterbetrieb) oder rein elektrischer Antrieb. Zur Stromversorgung stehen darüber hinaus vier Dieselgeneratoren mit jeweils ca. 2.800 kW Leistung zur Verfügung, welche abhängig von der Lastanforderung in einem variablen Drehzahlbereich zwischen 1.200 und 2.050 Umdrehungen pro Minute betrieben werden können.[3]

Als Höchstgeschwindigkeit werden 21 Knoten (rund 39 km/h) angegeben. Ihre Reichweite unter Motor bei einer mittleren Geschwindigkeit von 16 Knoten beträgt 5.320 Seemeilen.

Inbetriebnahme und Überführung aus der Ostsee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. Januar 2017 wurde das Schiff in Betrieb genommen und am 3. Februar 2017 lieferte die Bauwerft Nobiskrug in Kiel die Yacht offiziell ab, ohne dass der Eigner selbst anwesend war. Die Öffentlichkeit war auch hier ausgeschlossen, lediglich ein kleiner Kreis geladener Gäste, wie Ulf Kämpfer, Oberbürgermeister der Stadt Kiel, und der ehemalige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen, waren neben den Werftmitarbeitern zugegen.

Das Schiff verließ Kiel am 5. Februar und passierte den Öresund am 6. Februar.[22] Anschließend legte sie einen Zwischenstopp im norwegischen Kristiansand ein, um dort die Ausfuhrbescheinigung für die Rückerstattung der deutschen Mehrwertsteuer erstellen zu lassen.[23] Mitte Februar lief die Yacht zu einem Tankstopp in Gibraltar ein, wo sie arrestiert wurde. Die Werft hatte den Arrest beantragt, nachdem der Eigner einen Betrag von rund 15,3 Millionen Euro schuldig geblieben war, jedoch schon 9,8 Millionen Euro auf einem Treuhand-Konto der Käufer-Anwälte in London hinterlegt hatte. Am 21. Februar 2017 wurde bekanntgegeben, dass die Werft sich mit dem Käufer geeinigt habe und der Arrest nach Zahlung von 5,5 Millionen Euro auf ein weiteres Treuhandkonto in Gibraltar aufgehoben werden solle. Am 22. Februar 2017 verließ die Yacht schließlich Gibraltar mit Kurs auf Cartagena.[24]

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: IMO 1012141 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 6 facts about the build of Sailing Yacht A. Sailing Yacht A’s imposing scale. In: Boat International. Abgerufen am 19. September 2016 (englisch).
  2. Carsten Kemmling: Irgendwie geheim. Größtes Segelschiff der Welt: “White Pearl” bekommt ein “A”. In: SegelReporter. 24. September 2016, abgerufen am 25. September 2016.
  3. a b c 6 facts about the build of Sailing Yacht A. Sailing Yacht A’s propulsion. In: Boat International. Abgerufen am 23. Februar 2017 (englisch).
  4. Hans Jürgen Reuß: Stromerzeugung an Bord Neuer Standard für Fahrgastschiffe und Megayachten. In: Schiff & Hafen. Mai 2017, Nr. 5, Mai 2017, S. 12−14.
  5. … und tschüss. Sailing Yacht A: In See gestochen – Eigner übernimmt 400-Millionen-Dollar-Yacht in Südspanien. In: SegelReporter. 6. Februar 2017, abgerufen am 6. Februar 2017.
  6. Chronologie: Der Bau der „Sailing Yacht A“ in Kiel, NDR, 19. Februar 2017, abgerufen am 23. März 2017.
  7. a b Mit Video: Treffen der Megajachten – „A“ besucht „Sailing Yacht A“ in Kiel. In: shz.de. 26. August 2016, abgerufen am 26. August 2016.
  8. Kurs Kieler Förde: „Sailing Yacht A“ auf Probefahrt. In: shz.de. 21. September 2015, abgerufen am 23. September 2015.
  9. a b Sebastian Baak: Mega-Jacht begeistert Fans bei Testfahrt. In: NDR.de. 21. September 2015, abgerufen am 26. August 2016.
  10. Megajacht „A“ zeigt sich in Kiel. In: shz.de. 29. August 2015, abgerufen am 26. August 2016.
  11. Sailing Yacht A – Specifications. In: Boat International. Abgerufen am 19. September 2016 (englisch).
  12. Kristina Müller: Probefahrt eines Superlativs. In: Yacht online. 22. September 2015, abgerufen am 19. September 2016.
  13. Maltese Falcon. In: Dykstra Naval Architects. Abgerufen am 4. Februar 2017 (englisch).
  14. Alistair Walsh/dpa: World’s biggest sailing yacht built using illegal timber. In: dw.com. 5. April 2017, abgerufen am 6. April 2017 (englisch).
  15. Längste Segelyacht der Welt legt ab. Sailing Yacht A. In: Spiegel Online. 21. September 2015, abgerufen am 21. September 2015.
  16. Weltgrößte Segeljacht zur Probefahrt gestartet. In: ORF.at. 21. September 2015, abgerufen am 21. September 2015.
  17. World’s tallest masts stepped on Sailing Yacht A (Memento vom 15. Oktober 2015 im Internet Archive), Magma Structures.
  18. 6 facts about the build of Sailing Yacht A. The rig and sail plan of Sailing Yacht A. In: Boat International. Abgerufen am 7. Februar 2017 (englisch).
  19. Frank Behling: Falschmeldungen: Aufregung um die „Sailing Yacht A“. Kieler Nachrichten, 11. Oktober 2016, abgerufen am 12. Oktober 2016.
  20. Frank Behling: White Pearl hat Probefahrt begonnen. Kieler Nachrichten, 21. September 2016, abgerufen am 6. Februar 2017.
  21. Frank Behling: Die „Sailing Yacht A“ liegt vor Gibraltar fest. 15,29 Millionen Euro nicht bezahlt. Kieler Nachrichten, 19. Februar 2017, abgerufen am 21. Februar 2017.
  22. Kjetil Mæland: Seilbåt til 3,7 milliarder på plass i Norge. In: Nettavisen. 6. Februar 2017, abgerufen am 8. Februar 2017 (norwegisch).
  23. Margret Kiosz: Segeljacht „A“ – Russe lässt sich deutsche Steuer erstatten. In: Flensburger Tageblatt. shz.de, 9. Februar 2017, abgerufen am 19. Februar 2017.
  24. Megajacht „A“ verlässt Gibraltar. In: NDR.de. 22. Februar 2017, abgerufen am 23. Februar 2017.