Wieliczki

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Wieliczki
Wappen von Wieliczki
Wieliczki (Polen)
Wieliczki
Wieliczki
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Olecko
Geographische Lage: 53° 59′ N, 22° 34′ OKoordinaten: 53° 59′ 8″ N, 22° 33′ 42″ O
Einwohner: 730 (2006)
Postleitzahl: 19-404[1]
Telefonvorwahl: (+48) 87
Kfz-Kennzeichen: NOE
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 655: (Giżycko–) KąpWydminyOleckoCimochySuwałkiRutka-Tartak
Wysokie/DK 16Kleszczewo → Wieliczki
Szczecinki/DW 653KrupinMarkowskie → Wieliczki
Schienenweg: Bahnstrecke Olecko–Suwałki (zur Zeit kein regulärer Betrieb)
Bahnstation: Wielieczki Oleckie
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 29 Ortschaften
20 Schulzenämter
Fläche: 141,00 km²
Einwohner: 3391
(31. Dez. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 24 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2813062
Verwaltung (Stand: 2002)
Bürgermeister: Jan Jakimowicz
Adresse: ul. Lipowa 53
19-404 Wieliczki
Webpräsenz: www.wieliczki.pl



Wieliczki (deutsch Wielitzken, 1938–1945 Wallenrode) ist ein Dorf und Sitz der Landgemeinde Wieliczki in Polen und liegt im Powiat Olecki (Kreis Oletzko, 1933 bis 1945 Kreis Treuburg) der Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Wieliczki aus der Luft

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wieliczki liegt im Osten der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Die Kreisstadt Olecko (Marggrabowa, umgangssprachlich auch Oletzko, 1928 bis 1945 Treuburg) ist sieben Kilometer in nordwestlicher Richtung entfernt, und bis zur Woiwodschaftsgrenze nach Podlachien (sie verläuft hier einen Kilometer weiter östlich als die frühere deutsch-polnische Staatsgrenze) sind es neun Kilometer in östlicher Richtung.

Der Ort Wieliczki (Wielitzken/Wallenrode)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das kleine Dorf Welitzcken – um 1770 Wieleitzken und bis 1938 Wielitzken genannt – wurde im Jahre 1540 gegründet[3]. Am 27. Mai 1874 wurde es Amtsdorf und damit Sitz und namensgebend für einen Amtsbezirk[4], der bis 1945 bestand und zum Kreis Oletzko (1933 bis 1945 Kreis Treuburg) im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.

Wielitzken zählte im Jahre 1910 insgesamt 494 Einwohner[5], 1933 waren es bereits 616, 1939 noch 588[6] und 2006 sogar 730.

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags stimmte die Bevölkerung im Abstimmungsgebiet Allenstein, zu dem Wielitzken gehörte, am 11. Juli 1920 über die weitere staatliche Zugehörigkeit zu Ostpreußen (und damit zu Deutschland) oder den Anschluss an Polen ab. In Wielitzken stimmten 395 Einwohner für den Verbleib bei Ostpreußen, auf Polen entfiel keine Stimme.[7]

Am 3. Juni (amtlich bestätigt am 16. Juli) des Jahres 1938 wurde Wielitzken aus politisch-ideologischen Gründen der Abwehr fremdländisch klingender Ortsnamen in „Wallenrode“ umbenannt.

Im Jahre 1945 kam das Dorf in Kriegsfolge mit dem gesamten südlichen Ostpreußen zu Polen und trägt seither die polnische Namensform „Wieliczki“. Heute ist der Ort Sitz eines Schulzenamtes (polnisch sołectwo) und auch Amtssitz der Landgemeinde Wieliczki, zu der der Ort auch selber gehört und der im Powiat Olecki (Kreis Oletzko, 1933 bis 1945 Kreis Treuburg) liegt, bis 1998 der Woiwodschaft Suwałki, seitdem der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig.

Amtsbezirk Wielitzken/Wallenrode (1874–1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Amtsbezirk Wielitzken gehörten bei seiner Errichtung am 27. Mai 1874 fünf Dörfer. Weil der Bezirk von strukturellen Änderungen (nicht aber von Namensumbenennungen) verschont blieb, waren alle fünf Ortschaften auch noch am 1. Januar 1945 in den – am 13. September 1938 umbenannten – „Amtsbezirk Wallenrode“ eingegliedert[4]:

Name Änderungsname
1938 bis 1945
Polnischer Name
Niedzwetzken (ab 1926:)
Bärengrund
Niedźwiedzken
Seesken
Ksp. Groß Czymochen/Reuß
Draheim Szeszki
Sobollen Richtenberg (Kr. Treuburg) Sobole
Wielitzken Wallenrode Wieliczki
Willkassen Wilkasy

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kirche Wielitzken

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche Wielitzken (Wallenrode)

In den Jahren 1674 bis 1676 wurde in Wielitzken eine Holzkirche gebaut[8], die auf einem Feldsteinfundament ruht und heute zu den ganz wenig erhaltenen Kirchen dieser Bauart in Ostpreußen zählt[9]. Den Westturm mit quadratischer Grundfläche errichtete man erst in den Jahren 1693/94. Im Innern befindet sich ein vom Bildhauer Schöbel aus Marggrabowa geschnitzter Altar aus dem beginnenden 18. Jahrhundert, ebenso eine verzierte Kanzel aus gleicher Zeit aber anderer Werkstatt.

Im Ersten Weltkrieg erlitt das Gotteshaus schwere Beschädigungen und wurde in den Jahren 1925 bis 1927 restauriert, wobei die Innenausmalung von Ernst Frey aus Berlin vorgenommen wurde. 270 Jahre war die Kirche ein evangelisches Gotteshaus[10]. Seit 1946 wird sie für römisch-katholische Gottesdienste genutzt – als Pfarrkirche, die den Namen Kościół Narodzenia Najświętszej Maryi Panny (deutsch Mariä-Geburt-Kirche) trägt.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in vorreformatorischer Zeit war Wielitzken ein Kirchdorf[11]. Die Reformation hielt hier bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts Einzug. Seit 1552 amtierten hier lutherische Geistliche[12]. Im Jahre 1925 zählte das Kirchspiel Wielitzken 4008 Gemeindeglieder, die in mehr als zwanzig Ortschaften und Wohnplätzen lebten. Bis 1945 war die Pfarrei Wielitzken (Wallenrode) in den Kirchenkreis Oletzko/Treuburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzten dem Leben der evangelischen Gemeinde ein Ende. Heute leben nur vereinzelt evangelische Kirchenglieder in der Region Wieliczki. Sie orientieren sich zu den Pfarrkirchen in Ełk (Lyck) bzw. Suwałki, die beide in der Diözese Masuren der Evangelische-Augsburgischen Kirche in Polen gelegen sind.

Römisch-katholisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die heutige Kirche Wieliczki im Winter

Vor 1945 lebten nur sehr wenige katholische Kirchenglieder in Wielitzken (Wallenrode) und Umgebung. Sie waren in die Pfarrkirche in Marggrabowa (Oletzko/Treuburg) im Bistum Ermland eingepfarrt.

Nach 1945 siedelten sich in Wieliczki viele polnische Bürger an, die fast ausnahmslos römisch-katholischer Konfession waren. Sie hielten in der bisher evangelischen Kirche ihre Messfeiern und errichteten 1956 hier eine Pfarrei. Sie ist in das Dekanat Olecko - św. Jana Apostoła im Bistum Ełk der Römisch-katholischen Kirche in Polen einbezogen[13].

Ehrenfriedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wieliczki gibt es einen Soldatenfriedhof[14], der eine Ruhestätte für Gefallene aus den Jahren 1914 bis 1918 ist. Hier liegen zehn deutsche und 26 russische Soldaten begraben.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortseinfahrt der DW 655 (ul. Lipowa) in Wieliczki

Wieliczki liegt an der verkehrstechnisch bedeutenden Woiwodschaftsstraße DW 655, die die beiden Woiwodschaften Ermland-Masuren und Podlachien mit den Regionen Giżycko (Lötzen), Olecko (Marggrabowa (Oletzko)/Treuburg) und Suwałki verbindet. Außerdem verbinden Nebenstraßen den Ort mit dem Umland.

Schienen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wieliczki liegt mit der Bahnstation „Wieliczki Oleckie“ an der Bahnstrecke Olecko–Suwałki, die heute allerdings nicht mehr für den Personenverkehr und nur noch sporadisch im Güterverkehr befahren wird. Es bestehen jedoch Pläne zur Reaktivierung der Strecke.

Gemeinde Wieliczki[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amtshaus der Gmina Wieliczki

Die Landgemeinde (polnisch gmina wiejska) Wieliczki liegt im Südosten des Powiat Olecki, und ihre Ostgrenze ist zugleich die Grenze zwischen den Woiwodschaften Ermland-Masuren und Podlachien. Die Gemeinde umfasst eine Fläche von 141 km² und nimmt damit 16,1 % der Fläche des Powiat in Anspruch. 9647 Hektar bilden Agrarfläche, 4424 Hektar Forstfläche. Im Westen der Gemeinde fließt die Lega, und im Nordosten liegt der Jezioro Olecko Małe (Klein Oletzkoer See, 1938 bis 1945 Herzogshöger See) mit immerhin 224 Hektar Wasserfläche.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Landgemeinde (gmina wiejska) Wieliczki gehören 19 Ortsteile (deutsche Namen, amtlich bis 1945)[15] mit einem Schulzenamt (sołectwo) sowie neun weitere Ortschaften:

Weitere Ortschaften der Gemeinde sind: Bartki (Bartken), Bartkowski Dwór (Bartkenhof), Gąsiorowo (Groß Gonschorowen, 1938–1945 Klinken), Godziejewo (Refusowisna, 1921–1945 Rehfeld), Krzyżewko (Krzysöwken, 1927–1945 Kreuzdorf), Niedźwiedzkie (osada), Norki (Nordenberg), Nowy Młyn (Neumühl) und Starosty (Starosten, 1938–1945 Müllersbrück).

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gmina Wieliczki ist von vier Nachbargemeinden umgeben:

Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gmina Wieliszki wurden zuletzt am 31. Dezember 2016 insgesamt 3391 Einwohner gezählt, von denen etwa 20 % im Dorf Wieliczki leben. Die Gesamteinwohnerzahl entspricht 9,8 % der Einwohner des Powiat Olecki. Einen Überblick über die Alters- und Geschlechterstruktur der Einwohnerschaft gibt die Alterspyramide aus dem Jahre 2014[16]: Piramida wieku Gmina Wieliczki.png

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Befanden sich vor 1945 im Gebiet der heutigen Gmina Wieliczki zwei evangelische Pfarreien (Wielitzken (Wallenrode) und Groß Czymochen (Reuß)) im Kirchenkreis Oletzko/Treuburg innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union mit mehr als 6500 Gemeindegliedern, so besteht seit 1945 keine evangelische Kirchengemeinde mehr. Hier heute lebende evangelische Kirchenglieder orientieren sich zu den Kirchen in Ełk bzw. Suwałki, beide der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen zugehörig.

Römisch-katholisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1945 leben fast ausnahmslos nur katholische Einwohner im Gebiet der Gemeinde Wieliczki. Auch gibt es zwei Pfarreien – in Wieliczki und in Cimochy –, außerdem aber noch zwei Filialkirchen in Kleszczewo (Kleschöwen, 1938 bis 1945 Kleschen) bzw. in Krupin (Krupinnen). Waren die Katholiken vor 1945 der Pfarrkirche in Olecko (Marggrabowa/Treuburg) im Bistum Ermland zugehörig, so sind sie heute in das Dekanat św. Jana Apostoła im Bistum Ełk der Römisch-katholischen Kirche in Polen eingegliedert.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gmina Wieliczki pflegt eine Partnerschaft zur Gemeinde Mäetaguse in Estland.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Willkommensschild in Cimochy an der Grenze zur Woiwodschaft Podlachien

Mitten durch das Gemeindegebiet verläuft in West-Ost-Richtung als Hauptverkehrsachse die Woiwodschaftsstraße DW 655, die die Woiwodschaft Ermland-Masuren und die Woiwodschaft Podlachien miteinander verbindet. Im Osten der Gemeinde zweigt von dieser die Woiwodschaftsstraße DW 661 ab, die in südlicher Richtung in den Nachbarkreis Ełk führt. Im westlichen Gemei´ndegebiet führt eine untergeordnete Nebenstraße ebenso in den Kreis Ełk. Im Übrigen sind die einzelnen Ortschaften der Gmina Wieliczki durch Nebenstraßen und Landwege gut miteinander vernetzt.

Schienen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch bis in die 2010er Jahre hinein war die Bahnstrecke Olecko–Suwałki, die durch das Gemeindegebiet in Ost-West-Richtung verläuft, in regulärem Betrieb. Mit den Stationen Wieliczki Oleckie, Wilkasy (Willkassen) und Cimochy (Groß Czymochen, 1928 bis 1945 Reuß) ist die Gemeinde an diese Strecke angeschlossen. Der weitere Betrieb auf ihr hängt von zukünftigen Überlegungen ab.

Luft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gmina Wieliczki ist nicht sehr günstige an den Luftverkehr angeschlossen, sind die beiden nächstgelegenen Flughäfen Danzig und Warschau doch nur auf sehr zeitraubenden Wegen zu erreichen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wieliczki – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Gmina Wieliczki – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Polnisches Postleitzahlenverzeichnis 2013, S. 1448
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB); abgerufen am 29. September 2017.
  3. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Wallenrode
  4. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Wielitzken/Wallenrode
  5. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Oletzko
  6. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Treuburg (Oletzko)
  7. Herbert Marzian, Csaba Kenez: „Selbstbestimmung für Ostdeutschland - Eine Dokumentation zum 50 Jahrestag der ost- und westpreussischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920“; Herausgeber: Göttinger Arbeitskreis, 1970, S. 67
  8. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 116, Abb. 529–530
  9. Wieliczki - Wielitzken/Wallenrode
  10. Galerie historischer Bilder der Kirche Wielitzken
  11. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen, 1968, S. 484
  12. Friedwald Moeller, Altpreußisches Evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 149
  13. Parafia Wieliczki/Bistum Ełk
  14. Soldatenfriedhof Wielitzken/Wieliczki
  15. Das Genealogische Orts-Verzeichnis
  16. Kobiety = Frauen, Mężczyźni = Männer