Wiesen-Bärenklau

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Wiesen-Bärenklau
HeracleumSphondylium1.jpg

Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Gattung: Bärenklau (Heracleum)
Art: Wiesen-Bärenklau
Wissenschaftlicher Name
Heracleum sphondylium
L.

Die oder der Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium), auch Gemeine Bärenklau genannt, ist eine Pflanzenart in der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Sie ist im Gegensatz zum Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) in Europa heimisch. Weil die lappig gestielten und behaarten Blätter Tierfüßen ähneln, hat diese auch Bärentap(p)e genannte Pflanzenart den Namen Bärenklau (= „Bärenklaue“) erhalten.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration
Blattscheiden sind groß und auffällig
Rau behaarter, kantig gefurchter, hohler Stängel
Unterer Teil einer Pflanze mit Grundblättern und kräftigem Stängel

Die Wiesen-Bärenklau ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu 1,5 Metern erreicht. Die Grundachse ist dick, verzweigt und tiefwurzelnd. Die Pflanze verströmt einen unangenehmen Geruch und enthält reichlich ätherische Öle. Der Stängel ist kantig gefurcht. Die Laubblätter sind drei- bis vierfach fiederschnittig. Die Blätter haben eine große, als Knospenschutz dienende Blattscheide (= Ochrea).

In einem doppeldoldigen Blütenstand stehen viele Blüten. Ihre Blüten sind weiß, oft leicht grünlich oder hellrosa überlaufen. Der Nektar liegt ähnlich wie beim Wiesenkerbel offen in der Blüte und ist daher auch für kurzrüsselige Insekten gut erreichbar. Die Blütezeit reicht von Juni bis Oktober.

Die Früchte sind geflügelte Doppelachänen. Die Früchte reifen zwischen Juli bis September.

Der Wiesenbärenklau blüht von Juni bis September.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.[1]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wiesen-Bärenklau ist eine Halbrosettenpflanze.

Die Blüten sind „Nektar führende Scheibenblumen“ und stehen in zusammengesetzten Dolden. Die Randblüten sind „strahlend“. Es ist die namengebende Art für den Heracleum-Typ. Die Blüten der Hauptdolde sind meist zwittrig, die übrigen besitzen neben zwittrigen Blüten oft männliche und durch sterile Staubbeutel oder Pollenkörner funktionell weibliche. Die Blüten sind vormännlich, d. h. die Staubblätter strecken sich nach ihrer Entfaltung nach außen und entladen den Pollen. Die Griffel mit der kopfigen Narbe entwickeln sich meist später. Sie sind von einem grünlichen, reichlich Nektar absondernden Diskus („Griffelpolster“) umgeben. Die Bestäubung der stark duftenden Blüten erfolgt meist zufällig durch verschiedenste herumlaufende und sich sonnende Insekten. Diese Pflanzenart ist die Hauptpollenquelle für die Sandbiene (Andrena rosae). Zu den befruchtenden Insekten zählen vor allem Fliegen und Käfer.

Die Früchte sind geflügelte Doppelachänen und verbreiten sich mit dem Wind als „Schirmchenflieger“ (Anemochorie). Die Hauptausbreitung erfolgt durch Wasserhaft- (Nautochorie) und Zufallsausbreitung durch Weidetiere (Zoochorie) und Stallmist.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man findet die Wiesen-Bärenklau verbreitet in Fettwiesen und Staudenfluren, an Ufern und Gräben, in Auenwäldern und deren Säumen und in Hochstaudenfluren. Sie wächst bevorzugt auf lockerem, feuchtem Boden. Nach Ellenberg ist sie eine Halblichtpflanze, ein Mäßigwärmezeiger mit ozeanischer Kontinentalitätszahl, ein Frischezeiger, ein ausgesprochener Stickstoffzeiger und eine Ordnungscharakterart gedüngter Frischwiesen und -weiden (Arrhenatheretalia).[2]

Unterarten und ihre Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wiesen-Bärenklau ist eine sehr formenreiche Art. In der Flora Europaea[3] werden neun Unterarten genannt. Zwei weitere Unterarten werden für die Türkei, fünf für Nordafrika angegeben.[4] In Deutschland unterscheidet man drei Unterarten:

  • Bergwiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium subsp. elegans (Crantz) Schübl. & G.Martens, Syn.: Heracleum sphondylium subsp. montanum (Schleicher ex Gaudin) Briq., Heracleum lanatum Michx., Heracleum sphondylium subsp. lanatum (Michx.) Á. Löve & D. Löve, Heracleum maximum W.Bartram, Heracleum montanum Schleich. ex Gaudin): Sie kommt von Marokko und Spanien, Portugal, Italien, Frankreich, Deutschland, der Schweiz, Österreich, der Balkanhalbinsel, Polen, Ungarn, Rumänien, bis zur asiatischen Türkei vor.[4] Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.[1] Sie ist eine Charakterart des Verbands Adenostylion.[5] In den Allgäuer Alpen steigt sie in Bayern am Südostgrat der Höfats bis zu einer Höhenlage von 2100 Metern auf.[6]
  • Grünblühende Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium subsp. sibiricum (L.) Simonk., Syn.: Heracleum sibiricum L.): Kommt in Europa von Frankreich, Italien und Mitteleuropa bis Nordost- und Südosteuropa vor und ist in Großbritannien ein Neophyt.[4] Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.[1] Sie kommt in Gesellschaften der Ordnung Arrhenatheretalia, aber auch der Klasse Epilobietea oder des Verbands Calthion vor.[5]
  • Gewöhnliche Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium L. subsp. sphondylium): Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.[1] Sie kommt in Europa und in der Türkei vor.[4] Sie kommt vor allem in Gesellschaften der Ordnung Arrhenatheretalia vor, aber auch der Verbände Atropion oder Alno-Ulmion.[5]

Weitere Unterarten sind:[3][4]

  • Heracleum sphondylium subsp. alpinum (L.) Bonnier & Layens (Syn.: Heracleum alpinum L.): Sie kommt nur im Jura in Frankreich und in der Schweiz vor.[4] Sie ist eine Art des Aceri-Fagetum und dessen Saumgesellschaften.[5]
  • Heracleum sphondylium subsp. artvinense (Manden.) P. H. Davis: Sie kommt in der Türkei vor.[4]
  • Heracleum sphondylium subsp. atlanticum Maire: Sie kommt in Algerien vor.[4]
  • Heracleum sphondylium subsp. aurasiacum (Maire) Dobignard: Sie kommt in Algerien vor.[4]
  • Heracleum sphondylium subsp. cyclocarpum (K. Koch) P. H. Davis: Sie kommt in der Türkei und in Georgien vor.[4]
  • Heracleum sphondylium subsp. embergeri Maire: Sie kommt in Marokko vor.[4]
  • Heracleum sphondylium subsp. orsinii (Guss.) H.Neumayer: Sie kommt im mittleren und südlichen Apennin und in den Gebirgen der Balkan-Halbinsel und in der europäischen Türkei vor.[4]
  • Heracleum sphondylium subsp. pyrenaicum (Lam.) Bonnier & Layens (Syn.: Heracleum pyrenaicum Lam.): Sie kommt in den Pyrenäen, den Alpen, im nördlichen Apennin und in den Gebirgen der Balkan-Halbinsel vor.[4] Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.[1]
  • Heracleum sphondylium subsp. rotundatum (Maire) Dobignard: Sie kommt in Marokko vor.[4]
  • Heracleum sphondylium subsp. suaveolens (Litard. & Maire) Dobignard: Sie kommt in Marokko vor.[4]
  • Heracleum sphondylium subsp. ternatum (Velen.) Brummitt (Syn.: Heracleum ternatum Velen.): Sie kommt im nördlichen und mittleren Apennin, in den Gebirgen der Balkan-Halbinsel und in der Türkei vor.[4]
  • Heracleum sphondylium subsp. transsilvanicum (Schur) Brummitt (Syn.: Heracleum palmatum Baumg., Heracleum transsilvanicum Schur): Sie kommt in den Karpaten von Polen, Rumänien und der Ukraine vor.[4]
  • Heracleum sphondylium subsp. verticillatum (Pančić) Brummitt: Sie kommt auf der Balkan-Halbinsel vor.[4]

Aufgrund der großen Variabilität der Merkmale und des Auftretens von Zwischenformen erscheint die Einstufung von Heracleum alpinum, Heracleum elegans und Heracleum sibiricum als eigene Arten nicht gerechtfertigt.

Inhaltsstoffe und Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Berührung der Pflanze können unangenehme Rötungen und Schwellungen der Haut auftreten („Wiesen-Dermatitis“). Sie werden durch UV-A-Empfindlichkeit verursachende Furocumarine ausgelöst. Von dieser Stoffklasse sind in den Wurzeln Pimpinellin, Isopimpinellin, Sphondin und Bergapten enthalten, in den Früchten außerdem Xanthotoxin und Imperatorin. Unreife Früchte besitzen den höchsten Furocumaringehalt.

Junge Blätter sind ein gutes Viehfutter z. B. für Kaninchen. Für hellhäutige Tiere ist bei der Verfütterung großer Mengen jedoch Vorsicht geboten, weil durch den Furocumaringehalt des Krauts bei Sonnenbestrahlung auch hier entzündliche Hautreaktionen auftreten können.

Verwendung in der Kräuterküche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wiesen-Bärenklau ist jung ungiftig. Junge Blätter und Sprosse werden daher vom Menschen als Wildgemüse genutzt. In der osteuropäischen Küche ist Wiesen-Bärenklau ein Hauptbestandteil für Borschtsch. Bei größeren Exemplaren kann der Stiel geschält und roh gegessen oder zu Kompott verarbeitet werden. Empfindliche Personen sollten beim Schälen der haarigen, stacheligen Stängel Handschuhe tragen, um Hautreizungen zu vermeiden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Heracleum sphondylium bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  2. Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht (= UTB für Wissenschaft. Große Reihe. Band 8104). 5., stark veränderte und verbesserte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1996, ISBN 3-8252-8104-3.
  3. a b Richard Kenneth Brummitt: Heracleum L. In: T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 2: Rosaceae to Umbelliferae. Cambridge University Press, Cambridge 1968, ISBN 0-521-06662-X, S. 364–366 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. a b c d e f g h i j k l m n o p q r Ralf Hand: Apiaceae – Heracleum sphondylium. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2011.
  5. a b c d Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 722.
  6. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, Seite 287. IHW-Verlag, Eching bei München, 2004. ISBN 3-930167-61-1