Wilhelm Krelle

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Wilhelm Krelle, 1994

Wilhelm Krelle (* 24. Dezember 1916 in Magdeburg; † 23. Juni 2004 in Bonn) war ein deutscher Volkswirt, Mathematiker und Physiker.

Leben[Bearbeiten]

Krelle stammte aus einer alten Magdeburger Akademikerfamilie und war ein entfernter Neffe von Gustav Nachtigal und verwandt mit Johannes Scheyring. Nach Erreichen des Abiturs entschied sich Krelle zunächst für eine Offizierslaufbahn. Nach der Rückkehr aus dem Krieg studierte Krelle an den Universitäten Tübingen und Freiburg Physik, Mathematik und Nationalökonomie.

1948 beendete Krelle sein Studium mit einer Promotion zum Dr. rer.  pol. und konnte 1951 an der Universität Heidelberg bei Erich Preiser habilitieren. 1956 berief man Krelle – im Anschluss an verschiedentliche Forschungsaufenthalte an der Harvard University, am MIT und an der Chicago State University – zum a.o. Prof. für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an die Hochschule St. Gallen. Von 1958 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1982 wirkte er als o. Prof. für wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Universität Bonn. 1991/92 wurde Krelle reaktiviert, um als Gründungsdekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Humboldt-Universität zu Berlin zu fungieren.

Werk[Bearbeiten]

Im Vordergrund der wissenschaftlichen Arbeiten von Krelle stand die Abbildung ökonomischer Probleme in mathematischen Modellen. Außer in der akademischen Forschung war Krelle unter anderem als Mitglied der Mitbestimmungskommission und der Wehrstrukturkommission, sowie als Mitglied der Sozialkammer der Evangelischen Kirche in Deutschland engagiert.

Ehrungen[Bearbeiten]

Neben dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland (1987) erhielt Krelle für seine wissenschaftlichen Arbeiten sechs Ehrendoktorwürden, u. a. von der Chicago State University, der Universität Münster und der Universität Wien. Außerdem wurde er zum Honorarprofessor an der Universität Wien ernannt.

Debatte um Tätigkeit Krelles in der NS-Zeit[Bearbeiten]

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Während Wilhelm Krelle in den alten Bundesländern bis heute hoch angesehen ist, war er an der Humboldt-Universität teilweise umstritten[1].[2] Er hatte als Gründungsdekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Humboldt-Universität die Aufgabe, die politische und fachliche Eignung des vorhandenen wissenschaftlichen Personals zu überprüfen, was in vielen Fällen zu massenweisen Entlassungen führte.[3] Einige Aussagen Krelles, unter anderem der ihm zugeschriebene Satz: „Kein Marxist wird seinen Fuß über die Schwelle dieses Hauses setzen, solange ich hier das Sagen habe“,[2] ließ Kritiker daran zweifeln, dass er Personalentscheidungen nur nach fachlichen Kriterien fällte. Auf Kritik stieß auch Krelles Entscheidung, bereits vorhandene umweltökonomische Ansätze nicht weiter zu verfolgen. In der Folge haben einige Studenten der Humboldt-Universität – alten Gerüchten um eine SS-Mitgliedschaft Krelles nachgehend – schließlich Befehle und andere Dokumente aus dem Zweiten Weltkrieg an die Öffentlichkeit gebracht, die dieser mit „SS-Sturmbannführer Krelle“ unterzeichnet hatte. Hierauf wurden Forderungen gestützt, Wilhelm Krelle die Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität wieder abzuerkennen. Diese Forderungen wurden vor allem von Medien des linken Spektrums, etwa vom Neuen Deutschland und von der Jungen Welt, aufgegriffen.[4] Untersuchungen anderer Studenten erwiesen diese Behauptungen als teilweise falsch.[5] Die Universität setzte schließlich eine Kommission zur Aufklärung der Vorwürfe gegen Krelle ein. Krelle selbst stellte der Kommission, wie auch schon zuvor seinen Kritikern, seine Tagebuchaufzeichnungen zur Verfügung. Die Kommission kam zu einem Schluss, der sich im Wesentlichen mit Krelles Argumentation deckte: Er habe zwar eine SS-Division befehligt und den SS-Dienstgrad aus Autoritätsgründen verwendet, sei aber niemals Mitglied der Waffen-SS und im Übrigen auch niemals Mitglied der NSDAP gewesen. Auf Empfehlung der Kommission hielt die Universität an der Ehrendoktorwürde fest. Im Jahre 2004, kurz vor Krelles Tod, wurden weitere Dokumente gefunden, die zwar wiederum keine SS-Mitgliedschaft Krelles beweisen, wohl aber nach Meinung mancher Kritiker eine fanatische, nationalsozialistische Gesinnung bis in die letzten Tage des Krieges hinein belegen sollen. Bekannt sind allerdings auch Tagebuchaufzeichnungen Krelles, in denen er sich kritisch mit der Militärführung des Nationalsozialismus auseinandersetzt.[5] Wilhelm Krelle und andere Beobachter hielten dies für eine aus „Rache und DDR-Nostalgie“ geführte Kampagne.[4] Ein persönliches Fehlverhalten, etwa die Beteiligung an Kriegsverbrechen, wurde Krelle von keiner Seite jemals vorgeworfen.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Theorie wirtschaftlicher Verhaltensweisen. 1953.
  • Preistheorie. 1961.
  • Verteilungstheorie. 1962.
  • Präferenz- und Entscheidungstheorie. 1968.
  • Wachstumstheorie. 1972 (zusammen mit Günter Gabisch).
  • Mitbestimmung und marktwirtschaftliche Ordnung. 1978.
  • Theorie des wirtschaftlichen Wachstums. 1985.
  • The future of the world economy. 1989.
  • Weltwirtschaft und Sicherheit. 1994.
  • Wirtschaftswissenschaft in christlicher Verantwortung. 1997.
  • Ökonomische Grundlagen der Ethik. 1998.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Knut Borchardt: Nachruf Wilhelm Krelle. In: Jahrbuch Bayerische Akademie der Wissenschaften 2004, S. 315–317, badw.de (PDF; 118 kB)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Grenzen der Erinnerung. In: Berliner Zeitung, 13. Mai 2004
  2. a b Schiefer Vergleich. In: der Freitag, 16/2007
  3. derhermes.de
  4. a b Zweierlei Vergangenheit. In: Die Zeit, Nr. 8/1996
  5. a b Krelle im Kreuzfeuer. In: Berliner Zeitung, 14. Februar 1996