Wilhelm Zoepf

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Wilhelm Zoepf, auch Zöpf geschrieben, (* 11. März 1908 in München; † 7. Juli 1980 in Straubing) war ein deutscher Jurist und während des Zweiten Weltkrieges Judenreferent des Judenreferats IV B 4 beim Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD (BdS) in Den Haag.

Leben[Bearbeiten]

Zoepf besuchte das Maximiliansgymnasium München und legte dort 1927 das Abitur ab. Anschließend folgte ein Studium der Rechtswissenschaft. Der Sohn des Justizobersekretärs Michael Zoepf und dessen Frau legte 1931 das erste und 1935 das zweite juristische Staatsexamen ab. Er heiratete 1938 und wurde 1957 geschieden.[1]

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Bereits am 1. Mai 1933 trat Zoepf in die NSDAP ein. Von 1933 bis 1936 gehörte er der Hitlerjugend an. In dieser Zeit hatte er regen Kontakt zu überzeugten Nationalsozialisten, wie dem in der Justizvollzugsanstalt Landsberg als verbrecherischer Arzt hingerichteten Dr. Gebhardt, auf dessen Vermittlung er Ende 1940 zum Reichssicherheitshauptamt (RSHA) kam. 1937 trat Zoepf der SS bei. Er wurde am 9. November 1942 zum SS-Sturmbannführer ernannt.

Nachdem Zoepf eine Afrikaausbildung in Rom kriegsbedingt abbrach, wurde er 1941 nach Den Haag versetzt.[2] Von März 1941 bis Februar 1942 war er Leiter der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam und danach des „Judenreferats“ IV B 4 beim BdS in Den Haag bis kurz vor Kriegsende. In dieser Funktion, als Vertreter Eichmanns in den Niederlanden,[3] war er verantwortlich für die Deportation von etwa 107.000 niederländischen Juden, die bis auf wenige Tausend Überlebende ermordet wurden. Zoepf hatte auch den letzten Transport niederländischer Juden vom 3. September 1944 nach Auschwitz zu verantworten. Unter den 1.019 Deportierten befanden sich auch Anne Frank und Edith Stein. Es bestand ein direkter Befehlsweg zwischen Eichmann und ihm[4] und er nahm an mehreren Treffen mit Eichmann und anderen Judenreferenten in Berlin teil. So auch am 4. März 1942 und am 11. Juni 1942, wo sowohl die Kennzeichnungspflicht für Juden in den besetzten Westgebieten, als auch die Planung für die Deportation der westeuropäischen Juden festgelegt wurde.[5] Im Frühjahr 1943 legte Zoepf einen Bericht vor, indem er seinen Plan für die Deportation der niederländischen Juden beschrieb, wohlwissend, dass diese nach Auschwitz deportiert werden würden.[6]

Leben nach dem Krieg und Prozess wegen Beihilfe zum tausendfachen Mord[Bearbeiten]

Bei Kriegsende befand sich Zoepf auf dem Weg nach Bad Reichenhall. Er galt in den Niederlanden lange Zeit als verschollen. Es gelang ihm, seine SS-Mitgliedschaft zu verheimlichen, und er schlug sich mit landwirtschaftlicher Arbeit durch. Zoepf erhielt 1953 eine Anstellung im Unfallkrankenhaus Murnau.[1] Zuletzt arbeitete Zoepf bei einem Münchner Ingenieurbüro in der Registratur.[7] Erst 1959 wurde sein Aufenthaltsort bekannt und die Niederlande reichten ein Gesuch an die Bundesrepublik ein, zur Einleitung eines Strafverfahrens.[8] Das Verfahren selbst fand zwischen dem 23. Januar und dem 24. Februar 1967 in München statt. Neben Zoepf waren noch Wilhelm Harster und Gertrud Slottke angeklagt.[9] Zoepf gestand seine Mitschuld an der Deportation und Ermordung der niederländischen Juden teilweise ein und wurde wegen Beihilfe zum gemeinschaftlichen Mord in 55.382 Fällen zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt.[7] Es war das erste große Verfahren gegen sogenannte Schreibtischtäter und wurde insbesondere von der niederländischen Presse intensiv verfolgt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Edith Stein und Anne Frank. Zwei von Hunderttausend. Die Enthüllungen über die NS-Verbrechen in Holland vor dem Schwurgericht in München. Veröffentlicht von Robert M.W. Kempner, Freiburg i.Br. 1968.
  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8.
  • Harald Fühner: Nachspiel. Die niederländische Politik und die Verfolgung von Kollaborateuren und NS-Verbrechern, 1945–1989. Waxmann, 2005, ISBN 3-8309-1464-4 GoogleBooks
  • Kerstin Freudiger: Die juristische Aufarbeitung von NS-Verbrechen. Mohr Siebeck, GoogleBooks
  • Israel Gutman (Hrsg.): Enzyklopädie des Holocaust – Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden. Piper, München/Zürich 1998, 3 Bände, ISBN 3-492-22700-7
  • Christian Ritz, Schreibtischtäter vor Gericht. Das Verfahren vor dem Münchner Landgericht wegen der Deportation der niederländischen Juden (1959-1967). Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh, 2012; 257 S.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Robert Kempner: Edith Stein und Anne Frank – zwei von Hunderttausend Freiburg 1968, S. 40
  2. Robert Kempner: Edith Stein und Anne Frank – zwei von Hunderttausend Freiburg 1968, S. 39
  3. Israel Gutman: Enzyclopädie des Holocaust. Tel Aviv 1993, S. 1638.
  4. Harald Fühner: Nachspiel. Münster 2005, S. 220ff.
  5. Ahlrich Meyer: Täter im Verhör. Darmstadt 2005, S.44ff.
  6. Gerald Reitlinger: Die Endlösung – Hitlers Versuch der Ausrottung der Juden Europas 1939–1945. 1992, S. 381f.
  7. a b Dietrich Strothmann: Die Sache Harster und andere … In: Die Zeit, Nr. 4/1967
  8. Fühner, Harald: Nachspiel, S. 220ff. Münster 2005.
  9. Abendblatt (PDF; 1,6 MB) 24. Februar 1967