Wilhelm von Freeden

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Wilhelm von Freeden

Wilhelm Ihno Adolph von Freeden (* 12. Mai 1822 in Norden; † 11. Januar 1894 in Bonn) war ein deutscher Mathematiker, Naturwissenschaftler, Ozeanograph und Gründer der Norddeutschen Seewarte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm von Freeden war der Sohn des Kapitäns und späteren Reeders Adolf Ihnen von Freeden (1786–1865) und dessen Ehefrau, der Juister Kapitänstochter Albertina geb. Visser (* 1787). Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er in Bonn und Göttingen Mathematik und Naturwissenschaften und wurde nach größeren Reisen 1845 Lehrer an den Gymnasien in Norden und Jever. 1856 wurde er Lehrer, 1860 Rektor der Navigationsschule in Elsfleth (heute Fachbereich Seefahrt der Jade Hochschule). Er veröffentlichte in diesen Jahren mehrere nautische Lehrbücher und Rechentafeln. Daneben führte er jahrelang systematische metereologische Beobachtungen und Messungen durch, die die Grundlage für seine späteren klimatologischen Veröffentlichungen bildeten. Zum 1. September 1867 schied er aus dem Staatsdienst aus und gründete 1867 in Hamburg das private Institut der Norddeutschen Seewarte. Freeden war Leiter und Hauptbeschäftigter des Instituts, das von Seiten der Handelskammern von Hamburg und Bremen des Norddeutschen Bundes, mehrerer großer Reedereien und des Reiches subventioniert wurde.[1] Aufgabe der Seewarte war es, Schiffskapitänen unter Berücksichtigung der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und gesammelter Beobachtungen genaue Vorschläge für die optimale Fahrtroutenbestimmung zu geben und dadurch die Reisezeit sowie die Kosten zu verringern. Freeden selbst verfasste selbst fast 800 dieser Fahrtanweisungen, die durch eingehende Befragung der Kapitäne und die systematische Auswertung der Schiffstagebücher stets auf dem neuesten Stand gehalten und erweitert wurden. Die Norddeutsche Seewarte wurde im Februar 1875 aufgelöst, ihr Aufgabengebiet wurde von der neugegründeten Deutschen Seewarte übernommen. Hier entwickelte er eine ausgebreitete Tätigkeit nach allen Weltteilen in Bezug auf praktische Segelanweisungen, Ozeanographie, Schifffahrtsstatistik, ozeanische Meteorologie und Sturmwarnungen. Im Deutschen Nordpolarverein bemühte er sich um die Förderung deutscher Nordfahrten. Bis 1891 gab er die Zeitschrift Hansa heraus, ein Zentralorgan verschiedener maritimer Gesellschaften, Vereine und Verbände, deren verantwortlicher Redakteur er bereits seit 1870 war.

Politisches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freeden war zeitweise auch politisch tätig. Bereits als junger Lehrer gab er zusammen mit seinem Kollegen Dagobert Böckel[2] nach dem Ausbruch der Revolution von 1848 in Jever bis 1850 die linksliberal-demokratischen Zeitung Freie Blätter für das freie Volk heraus. In den 1860er Jahren schloss er sich dem Nationalverein an.

Von 1871 bis 1877 gehörte er dem deutschen Reichstag als Abgeordneter für den Wahlkreis Provinz Hannover 1 (Emden - Norden - Leer) an, in welchem er sich der Fraktion der nationalliberalen Partei anschloss, in der er zum linkem Flügel gehörte.[3] Seit 1877 lebte Wilhelm von Freeden in Bonn. Er ist der Großvater des Kunsthistorikers Max Hermann von Freeden.

Von Freeden war Mitglied der Corps Guestphalia Bonn (1842) und Frisia Göttingen (1846).[4]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Praxis der Methode der kleinsten Quadrate. Für die Bedürfnisse der Anfänger bearbeitet. Band 1[5]: Elementare Darstellung der Methode nebst Sammlung vollständig berechneter physikalischer, meteorologischer, geodätischer und astronomischer Aufgaben, welche auf lineare und transcendente Gleichungen führen. Vieweg, Braunschweig 1863.
  • Handbuch der Nautik und ihrer Hülfswissenschaften. Schulze, Oldenburg 1864.
  • Ueber die wissenschaftliche Ergebnisse der ersten deutschen Nordfahrt von 1868. Öffentlicher Vortrag, gehalten im Verein für Kunst und Wissenschaft zu Hamburg, nebst besonderen Ausführungen des Wetterbuches und einer Karte, den gesegelten Weg der „Grönland“, und die Strömungen, Isothermen, Isametralen und Isogonen des Nordmeeres enthaltend (= Mittheilungen aus der Norddeutschen Seewarte. Bd. 1, 1869, ZDB-ID 1001305-2). Mauke, Hamburg 1869.
  • Nordwestdeutscher Wetter-Kalender. Nach den zehnjährigen Beobachtungen auf der meteorologischen Station Elsfleth an der Weser in den Jahren 1858–67 (= Mittheilungen aus der Norddeutschen Seewarte. Bd. 2, 1869). Mauke, Hamburg 1869.
  • Ueber die Dampferwege zwischen dem Kanal und Newyork. Nach den Journal-Auszügen der Dampfer des Norddeutschen Lloyd in den Jahren 1860–1867. Nebst Wind und Wetter in derselben Zeit (= Mittheilungen aus der Norddeutschen Seewarte. Bd. 3, 1870). Friedrichsen, Hamburg 1870.
  • Barometerbuch zum Gebrauch der Seeleute. Nach der neuesten Ausgabe der „Barometer Manual for the use of seamen“ der „Meteorological office“ zu London aus dem Englischen übersetzt. Schulze, Oldenburg 1885.

1849 bis 1850 redigierte er mit Böckel die Freien Blätter in Jever und seit 1870 die Hansa, Zeitschrift für Seewesen.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Wilhelm von Freedens Verdienste um die Unterstützung der Ersten Deutschen Arktisexpedition 1868 unter der Leitung Carl Koldeweys wurden nach ihm benannt: die Freeden-Insel[6] im Franz-Josef-Land (Russisch: Ostrov Fredena), das Kap Freeden[7] der Inselgruppe Spitzbergen, die Freeden-Bai[8] im Süden der Insel Shannon an der Ostküste Grönlands, die Freeden-Bank[9] in der Weddell-See in der Antarktis und der Freeden Seamount[10] im Südpazifik.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Walter Horn: Die Anfänge der Deutschen Seewarte. Zur 150. Wiederkehr des Geburtstages von Wilhelm Ihno Adolf von Freeden. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte. Bd. 58, 1972, ISSN 0083-5587, S. 45–82, hier S. 57, Digitalisat.
  2. Dagobert Böckel. In: Hans Friedl, Wolfgang Günther, Hilke Günther-Arndt und Heinrich Schmidt (Hrsg.): Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg. Isensee Verlag. Oldenburg. 1992. ISBN 3-89442-135-5. S. 76 (online)
  3. Fritz Specht, Paul Schwabe: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Auflage. Verlag Carl Heymann, Berlin 1904, S. 115.
  4. Kösener Korps-Listen 1910. 21, ZDB-ID 90022-9, 300; 66, 54.
  5. Alles Erschienene.
  6. www.franz-josef-land.info
  7. Kapp Freeden auf der Karte des norwegischen Polarinstituts
  8. Freeden Bugt. In: Anthony K. Higgins: Exploration history and place names of northern East Greenland. (= Geological Survey of Denmark and Greenland Bulletin 21, 2010). Kopenhagen 2010, ISBN 978-87-7871-292-9 (englisch), abgerufen am 19. Februar 2014
  9. Freeden Bank im Geographic Names Information System des United States Geological Survey
  10. Freeden Seamount im Marine Gazetteer