Willy-Brandt-Platz (Frankfurt am Main)

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Willy-Brandt-Platz
Wappen Frankfurt am Main.svg
Platz in Frankfurt am Main
Willy-Brandt-Platz
Blick vom Main Tower
Basisdaten
Ort Frankfurt am Main
Ortsteil Innenstadt


Einmündende Straßen Friedensstraße, Weißfrauenstraße, Neue Mainzer Straße, Gallusanlage, Münchener Straße, Gutleutstraße
Bauwerke Städtische Bühnen Frankfurt, Eurotower


Der Willy-Brandt-Platz (bis 1992 Theaterplatz) ist ein Platz in der südwestlichen Innenstadt von Frankfurt am Main. Er liegt im sogenannten Bankenviertel östlich der Gallusanlage unmittelbar nördlich an das Schauspielhaus angrenzend.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden „Gallenthore“ um 1845

Bis zum Abriss der Frankfurter Stadtbefestigung im Jahr 1809 gab es im Westen der Stadt zwei Stadttore: Das in der Verlängerung der Großen Gallusstraße gelegene Alte oder Innere Galgentor aus dem 14. Jahrhundert, seit dem 18. Jahrhundert auch Gallustor oder Gallentor genannt, führte aus der Stadt über den inneren Stadtgraben auf die vor dem Tor gelegene Bastion des Galgenbollwerks. Etwa 100 Meter südlich des Alten Galgentores, am heutigen Willy-Brandt-Platz zwischen Galgenbollwerk und Mainzer Bollwerk, entstand 1661 bis 1662 das Neue oder Äußere Galgentor mit einer Zugbrücke über den äußeren Stadtgraben. Von hier gab es keinen direkten Zugang in die Stadt.

Nach der Schleifung der Stadtbefestigung legte Stadtgärtner Sebastian Rinz die Wallanlagen an, einen durch die Wallservitut vor Eingriffen geschützten Grüngürtel, der sich bis heute um die Frankfurter Innenstadt zieht. 1810 errichtete Johann Friedrich Christian Hess zum Schutz der Durchfahrten durch die Wallanlagen zwei klassizistische Torbauten. Ihre schmiedeeisernen Gitter wurden noch bis 1864 jeden Abend verschlossen.

Mit dem südlichen Äußeren Gallustor entstand durch Verlängerung der Münzgasse erstmals ein direkter Zugang von Westen zur Altstadt. Das nördlich gelegene Tor an der Großen Gallusgasse wurde weiterhin als Inneres Gallenthor bezeichnet. Nach der Inbetriebnahme des Taunusbahnhofs 1839 entstand die nach diesem benannte Taunusstraße, deren Name in der Folge auf das Tor überging. Es trägt seitdem den Namen Taunustor, das Äußere Gallenthor historisch inkorrekt Gallustor.

Von diesem Namen abgeleitet erhielt der hier beginnende Abschnitt der Wallanlagen den Namen Gallusanlage, der ab dem Taunustor folgende heißt demnach Taunusanlage.

Die Gallusanlage war von 1839 bis 1888 Standort der drei Frankfurter Westbahnhöfe, die 1888 durch den Hauptbahnhof ersetzt wurden. Das Gallustor war also eine wichtige Verbindung zwischen dem historischen Stadtkern und den Bahnhöfen.

Nach dem Bau des neuen Schauspielhauses wurde der Platz 1902 in Theaterplatz umbenannt. Seit 1992 trägt er den heute gültigen Namen Willy-Brandt-Platz.

Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Willy-Brandt-Platz nach Umgestaltung

Der Willy-Brandt-Platz ist ein kombinierter Platz für Fußgänger, Straßenindividualverkehr, Straßenbahn und die U-Bahn. Die Gestaltung richtete sich lange Zeit nach den Bedürfnissen des Autoverkehrs, was zu Problemen für die anderen Verkehrsteilnehmer führte. Nach dem Bau des Theatertunnels konnte dieser Verkehr größtenteils in den Untergrund verlegt werden.

Der Platz wurde 2005 barrierefrei umgebaut, so dass mobilitätsbehinderte Besucher Oper und Schauspiel stufenlos über den Platz und in die Straßenbahn gelangen können. Ein neues Ausleuchtungskonzept soll eine angenehme Atmosphäre schaffen.

Am Platz befindet sich eines von zwei Exemplaren der Euro-Skulptur von Ottmar Hörl. Sie erfreut sich gewisser Beliebtheit bei Touristen als Fotomotiv. Deren Entfernung steht gegenwärtig zur Disposition.

Einmündende Straßen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt sieben Straßen münden heute am Willy-Brandt-Platz ein:

Gutleut- und Münchener Straße
  • Ostseite
    • die Friedensstraße in Richtung Kaiserplatz;
    • die Weißfrauenstraße, mit Straßenbahnschienen in Richtung Altstadt, die sich im weiteren Verlauf in Berliner Straße, Bethmannstraße und Münzgasse aufspaltet.
  • Im Verlauf der ehemaligen Befestigungen
    • die Neue Mainzer Straße (östlich), die Hauptstraße des Bankenviertels;
    • die Untermainanlage (nordöstlich)
  • Westseite

Theatertunnel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Platz verläuft der Theatertunnel, der aus verkehrlicher Sicht von hoher Bedeutung für die Innenstadt Frankfurts ist. Dies ist durch das tägliche hohe Verkehrsaufkommen im Tunnel deutlich erkennbar.

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schauspielhaus, dessen historische Fassade Anfang der 1960er Jahre größtenteils entfernt wurde.

Eurotower[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das bekannteste Gebäude ist der Eurotower, der mit seiner Höhe von fast 150 Metern den Platz überragt. Es wurde ursprünglich für die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) errichtet. Von 1998 bis zum Bezug des Neubaus 2014 diente er als Hauptsitz der Europäischen Zentralbank. Nach Plänen der EZB soll der Eurotower zukünftig Sitz des Einheitlichen Bankenaufsichtsmechanismus (SSM) werden.[1]

Schauspielhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Opern- und Schauspielhaus der Städtischen Bühnen wurde 1899–1902 im Jugendstil als Schauspielhaus erbaut und 1944 bei den Luftangriffen auf Frankfurt am Main durch Fliegerbomben schwer beschädigt. Zunächst behelfsmäßig repariert, diente es ab 1951 als Spielstätte für die Oper Frankfurt. 1959–1963 wurde das Gebäude komplett umgebaut, die Fassade des historischen Schauspielhauses wurde dabei nahezu vollständig abgebrochen und mit einer im damaligen Sinne modernen Hülle überbaut. Zunächst wurde 1960 auf dem Nachbargrundstück ein neues Schauspiel und eine weitere kleine Bühne, das sogenannte Kammerspiel, errichtet. 1963 wurden beide Gebäude mit einer modernen, gemeinsamen 120 Meter langen Glasfassade versehen. Die Oper Frankfurt zählt zu den angesehensten Opernhäusern der Welt und erhielt 1995 und 2003 die Auszeichnung Opernhaus des Jahres.

U-Bahnhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die große Rolltreppenanlage im U-Bahnhof.

Der Bahnhof Willy-Brandt-Platz ist ein Knotenpunkt im Netz der Frankfurter U-Bahn. Hier kreuzen sich die A-Strecke (Linien U1, U2, U3 und U8) und B-Strecke (Linien U4 und U5).

Kurioses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem der ehemalige Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt 1992 gestorben war, initiierte SPD-Oberbürgermeister Andreas von Schoeler die Umbenennung des Platzes. Die Schilder mussten jedoch schnell wieder ausgetauscht werden, als ein italienischer Journalist bemerkte, dass die Schreibweise fälschlicherweise "Willi-Brandt-Platz" lautete.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pressemitteilung der EZB zur Standort-Entscheidung für die Bankenaufsicht
  2. Frankfurter Rundschau vom 19. Juni 2009@1@2Vorlage:Toter Link/www.fr-online.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.: „Unübertroffen bleibt eine Panne, die den ehemaligen Oberbürgermeister Andreas von Schoeler fast aus den Latschen kippte: Als er 1993 das Schild für den in Gedenken an den verstorbenen Bundeskanzler umbenannten ‚Willy-Brandt-Platz‘ enthüllte, offenbarte sich Ungeheuerliches. Auf dem Schild stand ‚Willi‘.“

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Willy-Brandt-Platz, Frankfurt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 6′ 33″ N, 8° 40′ 26″ O