Neuengronau

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Neuengronau
Gemeinde Sinntal
Koordinaten: 50° 16′ 13″ N, 9° 36′ 15″ O
Höhe: 270 m ü. NHN
Fläche: 7,36 km²[1]
Einwohner: 358 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 49 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 1969
Eingemeindet nach: Altengronau
Postleitzahl: 36391
Bild von Neuengronau

Neuengronau ist ein Ortsteil der Gemeinde Sinntal im osthessischen Main-Kinzig-Kreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuengronau liegt auf einer Höhe von 270 m ü. NHN, etwa 10,5 Kilometer südöstlich von Schlüchtern.

Oberhalb von Neuengronau erstreckt sich am südlichen Ausläufer des Steinfirstes das Naturschutzgebiet Weinberg Neuengronau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste erhaltene schriftliche Erwähnung von Neuengronau, als Nuwengruouwe, stammt aus dem Jahr 1295. Neuengronau gehörte zum Gericht Altengronau, das 1333 als Reichslehen aus einer Erbschaft vom Haus Rieneck an die Herrschaft Hanau kam. Aus dem Gericht entstand im 15. Jahrhundert das Amt Schwarzenfels der Grafschaft Hanau, ab 1459: Grafschaft Hanau-Münzenberg. 1453 wurde der Gerichtssitz nach Schwarzenfels verlegt. 1339 hatten die Küchenmeister das Dorf inne, 1347 die von Hutten. Auch das Kloster Fulda hatte Rechte in Neuengronau, verpfändet diese aber 1351 denen von Thüngen.

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Neuengronau unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[2]

  • Nuwengruouwe (1295)
  • Nova Gruna (1323)
  • Neuengrunauwe (1396)

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1643 wurde das Amt Schwarzenfels – und damit auch Neuengronau – als Pfand für die Rückzahlung von Schulden zusammen mit anderen Sicherheiten der Landgrafschaft Hessen-Kassel übergeben und sollte für Hanauer Schulden bürgen, die im Zusammenhang mit der Befreiung der Stadt Hanau von der Belagerung durch kaiserliche Truppen 1636 gegenüber Hessen-Kassel entstanden waren. Es gelang den Grafen von Hanau nicht mehr, dieses Pfand von Hessen-Kassel zu lösen. Das Amt wurde in der Folgezeit wie landgräfliches Eigentum verwaltet, auch nachdem Hessen-Kassel 1736, nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., die gesamte Grafschaft Hanau-Münzenberg erbte.

Aus der Landgrafschaft wurde 1803 das Kurfürstentum Hessen. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, durch die Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, kam der Ort zum Landkreis Schlüchtern.

Bis zum 30. November 1969 war Neuengronau eine selbständige Gemeinde. Zu diesem Zeitpunkt wurde sie im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis ein Ortsteil von Altengronau. Am 1. Juli 1974 wurde die Gemeinde Altengronau kraft Landesgesetz in die zuvor neu gebildete Gemeinde Sinntal eingegliedert und kam durch die Auflösung des Kreises Schlüchtern zum Main-Kinzig-Kreis.[3][4] Für Altengronau und Neuengronau wurde wie für die übrigen Ortsteile ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher gebildet.[5]

Wassermühle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ortsbereich existierte die Wassermühle Spielmühle. Sie wurde zwischen 1920 und 1930 stillgelegt. Gespeist wurde sie von einem Betriebsgraben, der vom Lederhosebach abzweigte.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1587: 19 Schützen, 8 Spießer, 3 Hellebardierer, eine Bindaxt
• 1643: 5 Haushaltungen
• 1812: 56 Feuerstellen, 403 Seelen
Neuengronau: Einwohnerzahlen von 1812 bis 2017
Jahr  Einwohner
1812
  
403
1834
  
523
1840
  
534
1846
  
533
1852
  
480
1858
  
497
1864
  
445
1871
  
548
1875
  
427
1885
  
444
1895
  
422
1905
  
437
1910
  
431
1925
  
394
1939
  
379
1946
  
560
1950
  
494
1956
  
372
1961
  
386
1967
  
397
1969
  
391
1979
  
348
1990
  
393
1995
  
411
2000
  
403
2005
  
404
2010
  
379
2015
  
348
2017
  
346
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [2]; ab 1969: Gemeinde Sinntal[6]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1885: 444 evangelische (= 100,00 %), kein katholischer Einwohner
• 1961: 363 evangelische (= 94,04 %), 22 katholische (= 5,70 %) Einwohner

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick zum Naturschutzgebiet Weinberg, in der Bildhälfte links ein Wacholderhain

Die Pfarrei Neuengronau – die älteste erhaltene Erwähnung stammt aus dem Jahr 1396 – hat eine wechselhafte Geschichte. Mitte des 15. Jahrhunderts war sie eine Tochtergemeinde von Ramholz. Die Grafschaft Hanau-Münzenberg schloss sich in der Reformation zunächst der lutherischen Konfession an, ab 1597 war sie reformiert. Zur Pfarrei Neuengronau gehörte auch Altengronau, das nur zwischen 1602 und dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs selbständig war. Eingepfarrt war ebenso Jossa. Zeitweise gehörten auch Zeitlofs und Weißenbach zu ihr. Im 17. Jahrhundert verfielen sowohl die Kirche als auch das Pfarrhaus. Die heutige Pfarrei betreut wiederum sowohl Alten- als auch Neuengronau.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Willi Klein: Zur Geschichte des Mühlenwesens im Main-Kinzig-Kreis = Hanauer Geschichtsblätter 40. Hanau 2003, S. 417 f.
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 14, 1926, S. 184.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Einwohner, Daten und Anfahrt. In: Internetauftritt. Gemeinde Sinntal, archiviert vom Original; abgerufen im Juni 2018. (Daten aus Web-Archiv).
  2. a b c d Neuengronau, Main-Kinzig-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 25. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Gelnhausen, Hanau und Schlüchtern und der Stadt Hanau sowie die Rückkreisung der Städte Fulda, Hanau und Marburg (Lahn) betreffende Fragen (GVBl. 330–26) vom 12. März 1974. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 149, § 15 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 377.
  5. Hauptsatzung. (PDF; 529 kB) §; 5. In: Webauftritt. Gemeinde Sinntal, abgerufen im Februar 2019.
  6. Haushaltssatzung für den Haushaltsplan 2019. (PDF; 2,8 MB) Statistische Angaben. Gemeinde Sinntal, S. 41, archiviert vom Original; abgerufen im Januar 2019.