Windgfällweiher

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Windgfällweiher
WindgfaellWeiher.jpg
Seeblick
Geographische Lage Südschwarzwald
Zuflüsse Kähnerbächle
Abfluss Windgefällbach (Kanal) zum Schluchsee
Ufernaher Ort Titisee-Neustadt
Daten
Koordinaten 47° 51′ 7″ N, 8° 7′ 33″ OKoordinaten: 47° 51′ 7″ N, 8° 7′ 33″ O
Windgfällweiher (Baden-Württemberg)
Windgfällweiher
Höhe über Meeresspiegel 966,2 m ü. NHN
Fläche 19,81 ha
Länge 700 m
Breite 400 m
Maximale Tiefe 6 m

Besonderheiten

Stausee, seit 1932 ins Schluchseewerk eingebunden

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Der Windgfällweiher ist ein Stausee zwischen dem Titisee und dem Schluchsee im Süden von Baden-Württemberg im Hochschwarzwald. Er liegt in einer durch eiszeitliche Gletscher geformten Mulde zwischen den Ortschaften Altglashütten, Falkau und Aha auf dem Gebiet der Gemeinde Lenzkirch. Zusammen mit dem Schluchsee und dem Titisee ist der Windgfällweiher Namensgeber für die Dreiseenbahn, die an seinem östlichen Ufer verläuft. Das westliche Ufer wird durch die Bundesstraße 500 begrenzt.

Lage und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der See liegt in einer Talung, die vom Seebachtal im Nordwesten bis zum Schluchsee im Südosten verläuft und dabei die generell nordostwärts verlaufenden Bachtäler kreuzt. Diesem Rest eines ehemaligen Tals[1] folgen die in den Jahren 1920 bis 1926 gebaute Dreiseenbahn und seit 1932 der Überleitungskanal des Schluchseewerks vom Seebachtal über das Haslachtal zum Schluchseebecken.

Nördlich der in dieser Talung gelegenen niedrigen Talwasserscheide zwischen der Haslach im Norden und dem heute vom Schluchsee überstauten Ahabach im Süden hatten die Gletscher der letzten Eiszeiten eine Mulde ausgeschürft, in der, als natürlicher Vorläufer des heutigen Weihers, ein kleiner Moorsee lag. Dieser wurde im Jahr 1895 von der ehemaligen Schraubenfabrik Falkau durch einen Staudamm im Norden vergrößert und dadurch der Wasserspiegel um etwa 6 Meter angehoben. Zugleich erhielt der zuvor nur vom östlich zufließenden Kähnerbächle gespeiste See einen weiteren Zufluss in Form eines kleinen Hangkanals aus Südwesten. Seit 1932 ist der Windgfällweiher in die Überleitung vom Seebach zum Schluchsee (abgedeckter Hangkanal) eingebunden[2] und entwässert seitdem – in Gegenrichtung – nach Süden über eine Kanalrinne zum Schluchsee. Diese Verbindung zwischen dem Windgfällweiher und dem Schluchsee führt als offenes Holz- bzw. Bruchsteingerinne über die ehemalige Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten der Wutach/Haslach einerseits und der Schwarza andererseits[3] und wird auf Karten auch als Schwarzach und Windgefällbach bezeichnet.[4]

Der südliche Teil des Sees und seine Umgebung sind seit 1940 als flächenhaftes Naturdenkmal deklariert.[5] Seit 1950 steht der See unter Landschaftsschutz.[6] Im Jahr 2002 wurde ein Angel- und Fischverzehrverbot ausgesprochen, da in den Sedimentablagerungen am Grund des Sees PCB, das aus den 1970er-Jahren stammt, entdeckt worden war.[7][8]

Am bewaldeten Ostufer des von Besucherströmen kaum berührten Windgfällweihers liegt wenig augenfällig ein Strandbad, dessen Gebäude unter Denkmalschutz steht.[9] Die Badewasserqualität wird regelmäßig von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg kontrolliert.[10]

Im Oktober 2020 wurde bekannt, dass die Fürstlich Fürstenbergische Forstverwaltung am Windgfällweiher einen Reisemobilpark nach nordamerikanischem Vorbild mit etwa 115 Stellplätzen plant[11]. Die Gemeinden Lenzkirch und Feldberg zeigten sich dem Vorhaben gegenüber aufgeschlossen.[12] Nach Bekanntwerden der Pläne formierte sich jedoch in der Bevölkerung Widerstand gegen das Projekt, der von der Regionalen Initiative für Artenvielfalt in Feldberg getragen und vom Schwarzwaldverein und dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) unterstützt wird.[13][14]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Egbert Haase: Zur Entstehungsgeschichte des Windgfällweihers im Südschwarzwald. In: Berichte der naturforschenden Gesellschaft zu Freiburg im Breisgau. Band 56, 1966, S. 5–15 (PDF auf ZOBODAT).
  • Egbert Haase: Nachtrag zur Entstehungsgeschichte des Windgfällweihers im Südschwarzwald. In: Berichte der naturforschenden Gesellschaft zu Freiburg im Breisgau. Band 59, 1969, S. 5–6 (PDF auf ZOBODAT).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Windgfällweiher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. In der geomorphologischen Literatur wird es als Ur-Schwarza- oder Ur-Mettma-Tal bezeichnet. (Ekkehard Liehl: Landschaftsgeschichte des Feldberggebietes. In: Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (Hrsg.): Der Feldberg im Schwarzwald. Subalpine Insel im Mittelgebirge, Karlsruhe 1982, S. 13–147)
  2. Schluchseewerk AG (Hrsg.): Wasserrechtsverfahren Oberstufe Häusern. Antragsteil C. Erläuterungsbericht. Laufenburg 13. Juli 2016, II.3.7.1 Hangkanal einschließlich seiner Beileitungen, S. 45 ff. (baden-wuerttemberg.de [PDF; 14,0 MB; abgerufen am 10. Januar 2021]).
  3. Schluchseewerk AG (Hrsg.): Wasserrechtsverfahren Oberstufe Häusern. Antragsteil C. Erläuterungsbericht. Laufenburg 13. Juli 2016, II.3.7.2 Kanalrinne (Offenes Gerinne), S. 47 ff. (baden-wuerttemberg.de [PDF; 14,0 MB; abgerufen am 10. Januar 2021]).
  4. Gewässer Schwarzach; Windgefällbach. In: WMS Fliessgewässer 1:10.000. Geoportal Baden-Württemberg, Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg (LGL), abgerufen am 10. Januar 2021.
  5. Steckbrief des flächenhaften Naturdenkmals im Schutzgebietsverzeichnis der LUBW
  6. Windgfällweiher bei hochschwarzwald.de
  7. Ralf Morys: Behörden bewerten PCB-Altlast im Windgfällweiher neu, Badische Zeitung, 25. Mai 2013, abgerufen am 23. November 2014
  8. Ulrich Tränkle, Hans-Joachim Köhler & Johannes Pommerening: Wasserrechtsverfahren Oberstufe Häusern (NKH). Umweltverträglichkeitsuntersuchung. Hrsg.: Schluchseewerk AG. Laufenburg Juli 2016, 11.2.2.2.3 PCB-Belastung des Windgfällweihers, S. 348 ff. (baden-wuerttemberg.de [PDF; 16,2 MB; abgerufen am 10. Januar 2021]).
  9. Tina Hättich: Feldberg: Brezeln und stehend Paddeln am Weiher. Badische Zeitung, 8. Juni 2013, abgerufen am 23. Dezember 2016.
  10. Steckbrief Windgfällweiher. In: Liste der überwachten Badestellen. LUBW, 2020, abgerufen am 5. September 2020.
  11. Windgfällweiher: Bedrohte (Rest-)Natur im Schwarzwald, Mitwelt Stiftung Oberrhein
  12. Ralf Morys: Könnte am Windgfällweiher ein Wohnmobilpark entstehen? In: Badische Zeitung, Ausgabe Hochschwarzwald. 21. Oktober 2020 (badische-zeitung.de [abgerufen am 7. Januar 2021]).
  13. Ralf Morys: BI Artenvielfalt unterstützen. In: Badische Zeitung, Ausgabe Hochschwarzwald. 12. Dezember 2020 (badische-zeitung.de [abgerufen am 7. Januar 2021]).
  14. Susanne Gilg: Was hier wächst und lebt. Tiere und Pflanzen am Windgfällweiher – eine Spurensuche. In: Badische Zeitung, Ausgabe Hochschwarzwald. 7. Januar 2021, S. 18 (badische-zeitung.de [abgerufen am 7. Januar 2021]).