Schluchseewerk

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Schluchseewerk AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1928
Sitz Laufenburg (Baden), Deutschland
Umsatz 100 Mio. Euro (2015)[1]
Branche Kraftwerksbetrieb
Website www.schluchseewerk.de

Die Schluchseewerk AG ist der Betreiber von fünf Pumpspeicheranlagen im südlichen Schwarzwald in Baden-Württemberg. Die Hauptverwaltung ist in Laufenburg (Baden).

Anteilseigner der Schluchseewerk AG sind RWE (50 %), EnBW (37,5 %), Energiedienst AG (7,5 %) und die Energiedienst Holding AG (5 %)[2] (letztere sind Töchter der EnBW).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schluchseewerk AG wurde 1928 gegründet. Ihr Hauptsitz befand sich in Freiburg in der Rempartstraße 14-16. Im Jahr 1931 ging das Kraftwerk Häusern ans Netz. Während sich die Arbeiten am Kraftwerk Witznau infolge der Weltwirtschaftskrise bis ins Jahre 1943 verzögerten, mussten die Arbeiten am Kraftwerk Waldshut wegen des Zweiten Weltkriegs 1944 komplett eingestellt werden. Es konnte erst 1951 (sechs Jahre nach Kriegsende) fertiggestellt werden. Bei beiden Projekten war der Ingenieur und spätere Bundesverdienstkreuzträger Erich Pfisterer beteiligt. Ebenfalls 1951 griff die Gesellschaft die Pläne für die Wutachtalsperre auf und erweiterte sie umfangreich. Aufgrund von Bedenken im Natur- und Umweltschutzbereich und einem breiten Widerstand in der Bevölkerung kippte 1960 die Landesregierung dieses Projekt.

Im Jahr 1967 ging das Kavernenkraftwerk Säckingen, das durch das Eggbergbecken gespeist wird, ans Netz. Zeitgleich erfolgte die Inbetriebnahme der Lastverteilung/Schaltanlage Kühmoos, als Steuerungszentrale aller von der Schluchseewerk AG betriebenen Pumpspeicherkraftwerke. Im Jahr 1976 gingen außerdem das Kavernenkraftwerk Wehr mit dem Wehra- und dem Hornbergbecken ans Netz. Infolge von Sanierungsmaßnahmen wurde der Schluchsee 1983 abgesenkt, was zahlreiche Schaulustige anlockte.

Seit 2004 hat die Schluchseewerk AG die technische und kaufmännische Betriebsführung für das Rheinkraftwerk Albbruck-Dogern inne. Dieses Laufwasserkraftwerk wurde im Dezember 2009 durch ein Wehrkraftwerk erweitert und liefert im Mittel 650 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. Den Stauraum des Rheinkraftwerks nutzt das Pumpspeicherwerk Waldshut als Unterbecken (siehe unten).

Die Hauptverwaltung wurde Ende 2006 nach Laufenburg (Baden) verlegt.[3]

Anlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schluchseegruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersicht Schluchseegruppe

Die sogenannte Schluchseegruppe wird aus drei Pumpspeicherkraftwerken gebildet, die hintereinander kaskadiert sind und so zusammen den größten Wasserkraft-Komplex in Deutschland bilden. Die mittlere Fallhöhe der Gesamtanlage beträgt 610 m, die kumulierte Stollenlänge 24,853 km und die jährlich erzeugte Strommenge 520 Mio. kWh.

Im Turbinenbetrieb strömt Wasser aufgrund des topographischen Gefälles durch Druckstollen aus dem namensgebenden Schluchsee nacheinander zu den drei stromerzeugenden Kraftwerken und gelangt schließlich bei Albbruck in den Rhein. Umgekehrt wird im Pumpbetrieb unter Aufwendung elektrischer Energie Wasser aus dem Rhein in den 619 m höher gelegenen Schluchsee gepumpt. Die Druckstollen haben Durchmesser von mehr als vier Metern. Sie verfügen jeweils über ein Wasserschloss. Das Wasserschloss der Unterstufe ist mehr als 160 m hoch.

Die folgende Tabelle listet die drei Pumpspeicherkraftwerke mit ihren zugehörigen Speicherbecken und einigen technischen Daten auf:

Kraftwerk Leistung im Turbinen-/Pumpbetrieb mittlere Fallhöhe Oberbecken (Stauziel) Unterbecken (Stauziel) Bauzeit
Häusern („Oberstufe“) 100 MW / 100 MW 200 m Schluchsee (930 müNN) Schwarzabecken (723 m ü. NN), Albbecken (736,5 m ü. NN) 1929–1931, 19??–1941
Witznau („Mittelstufe“) 220 MW / 128 MW 250 m Schwarzabecken (723 m ü. NN), Mettmabecken (717,5 m ü. NN) Witznaubecken (474,5 m ü. NN) 1939–1943
Waldshut („Unterstufe“) 150 MW / 80 MW 160 m Witznaubecken (474,5 m ü. NN) Rheinstauraum des Rheinkraftwerks Albbruck-Dogern zusammen mit dem Aubecken (beide 311 m ü. NN) 1942–1951

Bis zur endgültigen Fertigstellung der Kraftwerkskaskade, bzw. der Mittelstufe Witznau wurde zwischen der Ober- und der Mittelstufe von 1931 bis 1950 das Kraftwerk Eichholz, als Speicherkraftwerk betrieben.

Kraftwerk Leistung im Turbinenbetrieb mittlere Fallhöhe Oberbecken (Stauziel) Unterbecken Betriebszeit
Eichholz 35 MW 130 m Schwarzabecken (723 m ü. NN) keines, Abfluss direkt in die Schwarza 1931–1950

Hotzenwaldgruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden voneinander unabhängigen, im Hotzenwald gelegenen Pumpspeicherkraftwerke bilden die sog. Hotzenwaldgruppe. Beide sind in Kavernenbauweise ausgeführt, und das Bad Säckinger Kraftwerk war das erste deutsche Pumpspeicherkraftwerk in Kavernenbauweise.[4]

Die folgende Tabelle listet die beiden bestehenden Pumpspeicherkraftwerke mit ihren zugehörigen Speicherbecken und einigen technischen Daten auf:

Kraftwerk Leistung im Turbinen-/Pumpbetrieb mittlere Fallhöhe Oberbecken (Stauziel) Unterbecken (Stauziel) Bauzeit
Bad Säckingen 360 MW / 300 MW 400 m Eggbergbecken (700 m ü. NN) Rheinstauraum Rheinkraftwerk Säckingen (289 m ü. NN), Rheinstauraum Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt (281 m ü. NN) 1961–1967
Wehr 910 MW / 980 MW 625 m Hornbergbecken (1048 m ü. NN) Wehrabecken (419 m ü. NN) 1968–1976

Das Wehrabecken, aufgestaut durch die Wehratalsperre, besitzt zusätzlich ein Kleinwasserkraftwerk mit Durchströmturbine und einer Leistung von 1,135 MW.

Pumpspeicherkraftwerk Atdorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersicht Pumpspeicherkraftwerk Atdorf

Ende September 2008 veröffentlichte das Schluchseewerk Pläne für ein neues Pumpspeicherkraftwerk im Hotzenwald, das eine Leistung von 1400 Megawatt haben und bis 2018 realisiert werden sollte[5].

Bei Atdorf, etwa 500 m südlich des bisherigen Hornbergbeckens („Hornbergbecken I“), sollte das Hornbergbecken II als Oberbecken der neuen Anlage gebaut werden. Als Unterbecken sollte das Haselbecken im Haselbachtal zwischen dem Wehrer Ortsteil Brennet und dem Bergsee entstehen.

Im April 2014 teilte die RWE AG, die zu 50 % an der Schluchseewerke AG beteiligt ist, ihren Ausstieg aus dem Projekt mit, woraufhin die EnBW AG, die zusammen mit Tochtergesellschaften die anderen 50 % an der Schluchseewerk AG hält, das Planfeststellungsverfahren allein weiterbetrieb. Am 11. Oktober 2017 teilte auch die EnBW mit, das Projekt nicht weiterzuverfolgen.[6]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schluchseewerk AG bewirtschaftet zudem 14 Speicherbecken, davon vier Rheinstauräume.

Zum Schluchseewerk gehört auch das Umspannwerk Kühmoos.

Seit dem 17. März 2017 läuft die Stufe Häusern mit einer vorläufigen wasserrechtlichen Genehmigung. Die Neukonzessionierung der Oberstufe Schluchsee / Häusern ist vom Regierungspräsidium Freiburg noch nicht entschieden.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolf Eisenlohr: Das Schluchseewerk. In: Die Bautechnik, 8. Jahrgang, Heft 17 (18. April 1930), S. 259–263.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschäftsbericht 2015. Abgerufen am 3. Mai 2016.
  2. Schluchseewerk AG - Aktionäre. Abgerufen am 19. September 2015.
  3. Schluchseewerk AG - Geschichte. Abgerufen am 19. September 2015.
  4. Hotzenwaldgruppe. Abgerufen am 19. September 2015.
  5. Jahrhundertprojekt im Hotzenwald In: Badische Zeitung, 29. September 2008, abgerufen am 10. Oktober 2017
  6. EnBW ordnet Priorität bei Speicherprojekten neu: Das Pumpspeicherprojekt Atdorf wird nicht weiterverfolgt
  7. Wasserrechtsverfahren Oberstufe Häusern. Abgerufen am 5. Dezember 2017 (deutsch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schluchseewerk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 33′ 26,5″ N, 8° 2′ 43,5″ O