Schluchseewerk

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Schluchseewerk AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1928
Sitz Laufenburg, Deutschland
Leitung Stefan Vogt, Nicolaus Römer
Mitarbeiterzahl 313[1]
Umsatz 109,21 Mio. EUR[1]
Branche Kraftwerksbetrieb
Website www.schluchseewerk.de
Stand: 31. Dezember 2019

Die Schluchseewerk AG ist der Betreiber von fünf Pumpspeicheranlagen im südlichen Schwarzwald in Baden-Württemberg. Die Hauptverwaltung ist in Laufenburg (Baden).

Anteilseigner der Schluchseewerk AG sind RWE (50 %), EnBW (37,5 %), Energiedienst AG (7,5 %) und die Energiedienst Holding AG (5 %)[2] (letztere sind Töchter der EnBW).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schluchseewerk AG wurde 1928 gegründet. Ihr Hauptsitz befand sich in Freiburg in der Rempartstraße 14–16. Sie baute zwischen 1929 und 1932 den Schluchsee vom Gletschersee zum Talsperrensee um.

Notstandsarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeiten wurden zur Hälfte von den Fachkräften der beauftragten Firmen, zur anderen Hälfte von Arbeitslosen ausgeführt. 1929 gab es im Deutschen Reich zwei Millionen Arbeitslose. Deswegen war der Bau des Schluchseewerks zur „Notstandsarbeit“ erklärt worden und es mussten Arbeitslose aus ganz Deutschland eingestellt werden. Zur Spitzenzeit im Herbst 1930 zählten die Baustellen 2.800 Arbeiter. Um diese alle unterzubringen hatten die Baufirmen zehn Barackenlager mit etwa 50 Wohn- und Schlafbaracken errichtet. Die unhaltbaren hygienischen Verhältnisse, Missachtung der Arbeitsschutzbestimmungen, Dumpinglöhne und zahlreiche schwere Unfälle wurden über den Schwarzwald hinaus bekannt und beschäftigten sogar den Landtag.

Der Bezirksarzt von St. Blasien stellte im Dezember 1929 fest: Messerstechereien unter den Arbeitern seien an der Tagesordnung und der Alkoholkonsum nehme erschreckend zu. Die Gemeinden fürchteten um ihre Sicherheit doch an der mangelte es besonders auf den Baustellen. Bis Ende 1929 gab es 414 Unfälle. Insgesamt forderte der Bau mindestens neun Todesopfer. An der B 500 erinnert heute ein Gedenkstein an die ums Leben gekommenen Arbeiter. Die Ortskrankenkassen von Neustadt und St. Blasien, die sich anfangs über die mehr als 2000 Neumitglieder gefreut hatten, beklagten bald, dass die Beitragseinnahmen nicht mehr ausreichten, um die Leistungen zu decken.

Mitte 1931 waren die Arbeiten im Wesentlichen beendet – außer an der Schluchsee-Staumauer. Im Frühjahr 1932 traten 244 Arbeiter der Firma Grün & Bilfinger wegen Lohnkürzungen in den Streik. Nach sieben Wochen und nachdem etwa die Hälfte der Streikenden die Baustelle verlassen hatten, einigte man sich auf zwei Lohnerhöhungen. Im Winter 1932/33 waren auch die Arbeiten an der Staumauer beendet.[3]

Im Jahr 1931 ging das Kraftwerk Häusern ans Netz. Während sich die Arbeiten am Kraftwerk Witznau infolge der Weltwirtschaftskrise bis ins Jahre 1943 verzögerten, mussten die Arbeiten am Kraftwerk Waldshut wegen des Zweiten Weltkriegs 1944 komplett eingestellt werden. Es konnte erst 1951 (sechs Jahre nach Kriegsende) fertiggestellt werden. Bei beiden Projekten war der Ingenieur und spätere Bundesverdienstkreuzträger Erich Pfisterer beteiligt. Ebenfalls 1951 griff die Gesellschaft die Pläne für die Wutachtalsperre auf und erweiterte sie umfangreich. Aufgrund von Bedenken im Natur- und Umweltschutzbereich und einem breiten Widerstand in der Bevölkerung kippte 1960 die Landesregierung dieses Projekt.

Im Jahr 1967 ging das Kavernenkraftwerk Säckingen, das durch das Eggbergbecken gespeist wird, ans Netz. Zeitgleich erfolgte die Inbetriebnahme der Lastverteilung/Schaltanlage Kühmoos, als Steuerungszentrale aller von der Schluchseewerk AG betriebenen Pumpspeicherkraftwerke. Im Jahr 1976 gingen außerdem das Kavernenkraftwerk Wehr mit dem Wehra- und dem Hornbergbecken ans Netz. Infolge von Sanierungsmaßnahmen wurde der Schluchsee 1983 abgesenkt, was zahlreiche Schaulustige anlockte.

Seit 2004 hat die Schluchseewerk AG die technische und kaufmännische Betriebsführung für das Rheinkraftwerk Albbruck-Dogern inne. Dieses Laufwasserkraftwerk wurde im Dezember 2009 durch ein Wehrkraftwerk erweitert und liefert im Mittel 650 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. Den Stauraum des Rheinkraftwerks nutzt das Pumpspeicherwerk Waldshut als Unterbecken (siehe unten).

Die Hauptverwaltung wurde Ende 2006 nach Laufenburg (Baden) verlegt.[4]

Anlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schluchseegruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersicht Schluchseegruppe

Die Schluchseegruppe wird aus drei Pumpspeicherkraftwerken gebildet, die hintereinander kaskadiert sind und so zusammen den größten Wasserkraft-Komplex in Deutschland bilden. Die mittlere Fallhöhe der Gesamtanlage beträgt 610 m, die kumulierte Stollenlänge 24,853 km und die jährlich erzeugte Strommenge 520 Mio. kWh.

Im Turbinenbetrieb strömt Wasser aufgrund des topographischen Gefälles durch Druckstollen aus dem namensgebenden Schluchsee nacheinander zu den drei stromerzeugenden Kraftwerken und gelangt schließlich bei Albbruck in den Rhein. Umgekehrt wird im Pumpbetrieb unter Aufwendung elektrischer Energie Wasser aus dem Rhein in den 619 m höher gelegenen Schluchsee gepumpt. Die Druckstollen haben Durchmesser von mehr als vier Metern. Sie verfügen jeweils über ein Wasserschloss. Das Wasserschloss der Unterstufe ist mehr als 160 m hoch.

Die folgende Tabelle listet die drei Pumpspeicherkraftwerke mit ihren zugehörigen Speicherbecken und einigen technischen Daten auf:

Kraftwerk Leistung im Turbinen-/Pumpbetrieb mittlere Fallhöhe Oberbecken (Stauziel) Unterbecken (Stauziel) Bauzeit
Häusern („Oberstufe“) 100 MW / 100 MW 200 m Schluchsee (930 müNN) Schwarzabecken (723 m ü. NN), Albbecken (736,5 m ü. NN) 1929–1931, 19??–1941
Witznau („Mittelstufe“) 220 MW / 128 MW 250 m Schwarzabecken (723 m ü. NN), Mettmabecken (717,5 m ü. NN) Witznaubecken (474,5 m ü. NN) 1939–1943
Waldshut („Unterstufe“) 150 MW / 80 MW 160 m Witznaubecken (474,5 m ü. NN) Rheinstauraum des Rheinkraftwerks Albbruck-Dogern zusammen mit dem Aubecken (beide 311 m ü. NN) 1942–1951

Bis zur endgültigen Fertigstellung der Kraftwerkskaskade bzw. der Mittelstufe Witznau wurde zwischen der Ober- und der Mittelstufe von 1931 bis 1950 das Kraftwerk Eichholz als Speicherkraftwerk betrieben.

Kraftwerk Leistung im Turbinenbetrieb mittlere Fallhöhe Oberbecken (Stauziel) Unterbecken Betriebszeit
Eichholz 35 MW 130 m Schwarzabecken (723 m ü. NN) keines, Abfluss direkt in die Schwarza 1931–1950

Hotzenwaldgruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden voneinander unabhängigen, im Hotzenwald gelegenen Pumpspeicherkraftwerke bilden die sog. Hotzenwaldgruppe. Beide sind in Kavernenbauweise ausgeführt, und das Bad Säckinger Kraftwerk war das erste deutsche Pumpspeicherkraftwerk in Kavernenbauweise.[5]

Die folgende Tabelle listet die beiden bestehenden Pumpspeicherkraftwerke mit ihren zugehörigen Speicherbecken und einigen technischen Daten auf:

Kraftwerk Leistung im Turbinen-/Pumpbetrieb mittlere Fallhöhe Oberbecken (Stauziel) Unterbecken (Stauziel) Bauzeit
Bad Säckingen 360 MW / 300 MW 400 m Eggbergbecken (700 m ü. NN) Rheinstauraum Rheinkraftwerk Säckingen (289 m ü. NN), Rheinstauraum Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt (281 m ü. NN) 1961–1967
Wehr 910 MW / 980 MW 625 m Hornbergbecken (1048 m ü. NN) Wehrabecken (419 m ü. NN) 1968–1976

Das Wehrabecken, aufgestaut durch die Wehratalsperre, besitzt zusätzlich ein Kleinwasserkraftwerk mit Durchströmturbine und einer Leistung von 1,135 MW.

Pumpspeicherkraftwerk Atdorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersicht Pumpspeicherkraftwerk Atdorf

Ende September 2008 veröffentlichte das Schluchseewerk Pläne für ein neues Pumpspeicherkraftwerk im Hotzenwald, das eine Leistung von 1400 Megawatt haben und bis 2018 realisiert werden sollte[6].

Bei Atdorf, etwa 500 m südlich des bisherigen Hornbergbeckens („Hornbergbecken I“), sollte das Hornbergbecken II als Oberbecken der neuen Anlage gebaut werden. Als Unterbecken sollte das Haselbecken im Haselbachtal zwischen dem Wehrer Ortsteil Brennet und dem Bergsee entstehen.

Im April 2014 teilte die RWE AG, die zu 50 % an der Schluchseewerke AG beteiligt ist, ihren Ausstieg aus dem Projekt mit, woraufhin die EnBW AG, die zusammen mit Tochtergesellschaften die anderen 50 % an der Schluchseewerk AG hält, das Planfeststellungsverfahren allein weiterbetrieb. Am 11. Oktober 2017 teilte auch die EnBW mit, das Projekt nicht weiterzuverfolgen.[7]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schluchseewerk AG bewirtschaftet zudem 14 Speicherbecken, davon vier Rheinstauräume.

Zum Schluchseewerk gehört auch das Umspannwerk Kühmoos.

Seit dem 17. März 2017 lief die Stufe Häusern mit einer vorläufigen wasserrechtlichen Genehmigung. Die Neukonzessionierung der Oberstufe Schluchsee / Häusern wurde vom Regierungspräsidium Freiburg am 16. Januar 2018 entschieden.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolf Eisenlohr: Das Schluchseewerk. In: Die Bautechnik, 8. Jahrgang, Heft 17 (18. April 1930), S. 259–263.
  • Jürgen Schafranietz: Historische und gegenwärtige Wassernutzung am Hochrhein und im südlichen Schwarzwald. Prozesse und Konflikte. Dissertation. Freiburg im Breisgau 2015, 6.2 Die Werksgruppe Schluchsee, S. 91–95, doi:10.6094/UNIFR/10656.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jahresabschluss zum 31. Dezember 2019 im elektronischen Bundesanzeiger
  2. Schluchseewerk AG – Leitung und Organe – Aktionäre. Schluchseewerk AG, abgerufen am 14. Januar 2021.
  3. Friedbert Zapf: Mit hunderten Arbeitslosen wurde vor 90 Jahren das Schluchseewerk gebaut. Badische Zeitung, 29. November 2020, abgerufen am 10. Dezember 2020.
  4. Die Schluchseewerk AG – ein Unternehmen mit Geschichte. Zeitstrahl. Schluchseewerk AG, abgerufen am 13. Januar 2021.
  5. Die Hotzenwaldgruppe. Schluchseewerk AG, abgerufen am 14. Januar 2021.
  6. Jahrhundertprojekt im Hotzenwald In: Badische Zeitung, 29. September 2008, abgerufen am 10. Oktober 2017
  7. EnBW ordnet Priorität bei Speicherprojekten neu: Das Pumpspeicherprojekt Atdorf wird nicht weiterverfolgt. EnBW Energie Baden-Württemberg AG, 11. Oktober 2017, abgerufen am 14. Januar 2021.
  8. Wasserrechtsverfahren Oberstufe Häusern. Regierungspräsidium Freiburg, abgerufen am 13. Januar 2021.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schluchseewerk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 33′ 26,5″ N, 8° 2′ 43,5″ O