Winter-Schachtelhalm

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Winter-Schachtelhalm
Winter-Schachtelhalm (Equisetum hyemale)

Winter-Schachtelhalm (Equisetum hyemale)

Systematik
Farne
Klasse: Equisetopsida
Ordnung: Schachtelhalmartige (Equisetales)
Familie: Schachtelhalmgewächse (Equisetaceae)
Gattung: Schachtelhalme (Equisetum)
Art: Winter-Schachtelhalm
Wissenschaftlicher Name
Equisetum hyemale
L.
Winter-Schachtelhalm (Equisetum hyemale)

Der Winter-Schachtelhalm (Equisetum hyemale) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Schachtelhalme (Equisetum).

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Winter-Schachtelhalm ist ein immergrüner Chamaephyt. Die harten, rauen, meist unverzweigten Sprosse erreichen eine Wuchshöhe bis 130 cm[1] und einen Durchmesser von 5 bis 10 mm[2]; der Durchmesser der Zentralhöhle nimmt etwa 2/3 des Stängeldurchmessers ein[1]. Ährentragende und unfruchtbare Sprosse unterscheiden sich nicht; beide sind dunkelgrün und meist ohne Seitenäste. Die Stängelscheiden sind eng anliegend und bis 8 mm lang mit früh abfallenden Zähnen[1]. Die Sprosse haben 15 bis 25 Rippen; jede Rippe hat zwei Kanten, zwischen denen eine flache Vertiefung liegt. Die bis zu 18 mm lange Ähre[1] läuft in einer kleinen Spitze aus; die Sporen werden von Juni bis August gebildet.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 216.

Verbreitung und Standort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Winter-Schachtelhalm ist circumpolar und nord-eurasiatisch bis submediterran verbreitet. In Deutschland und angrenzenden Gebieten ist die Art verbreitet bis selten. In einigen deutschen Bundesländern gilt sie als gefährdet bis stark gefährdet.

Der Winter-Schachtelhalm kommt oft in größeren Beständen in Auwäldern, Quellmooren, Gebüschen und an Waldsäumen vor, die von Grund- oder Sickerwasser geprägt und oft wechselfeucht sind. Er bevorzugt nährstoff- und basenreiche, milde bis mäßig saure Lehm- und Tonböden (Gleyböden) und ist ein tiefwurzelnder Wasserzugzeiger. Er kommt in der planaren bis collinen Höhenstufe vor, erreicht im Schwarzwald aber auch Höhen bis 800 m und in den Alpen bis 1370 m. In den Allgäuer Alpen steigt er im Kleinen Walsertal im unteren Bärgunttal südwestlich Baad bis zu 1250 m Meereshöhe auf.[3]

Nach Ellenberg ist der Winterschachtelhalm eine Halblichtpflanze und ein Mäßigwärmezeiger, der intermediär kontinental verbreitet ist. Außerdem ist er ein Feuchtezeiger, ein Schwachsäure- bis Schwachbasenzeiger und eine Verbandscharakterart der Erlen- und Edellaub-Auenwälder (Alno-Ulmion).

Hybride[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Winter-Schachtelhalm hybridisiert mit weiteren Arten der Untergattung Equisetum subgen. Hippochaete, wodurch folgende Hybriden entstehen:

  • Aufsteigender Schachtelhalm (Equisetum ×ascendens Lubienski & Bennert, = Equisetum hyemale × Equisetum ramosissimum × E. hyemale)[2]
  • Geisserts Schachtelhalm (Equisetum ×geissertii Lubienski & Bennert, = Equisetum hyemale × Equisetum ramosissimum × Equisetum variegatum)[2]
  • Moores Schachtelhalm Equisetum × moorei Newman = Equisetum hyemale × Equisetum ramosissimum
  • Rauer Schachtelhalm Equisetum × trachydon A.Braun = Equisetum hyemale × Equisetum variegatum
  • Equisetum × ferrissii Clute = Equisetum hyemale × Equisetum laevigatum

Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Winterschachtelhalm enthält das Alkaloid Palustrin neben anderen Begleitalkaloiden. Er gilt deshalb als giftig.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Winter-Schachtelhalm wurde vor der Erfindung von Schleifpapier im 19. Jahrhundert in der Holzbildhauerei zum finalen Glätten von Holzoberflächen verwendet. Der US-amerikanische Bildhauer David Esterly konnte dies bei Schnitzereien des Barock-Bildhauers Grinling Gibbons nachweisen, als er mit der Rekonstruktion von Schnitzereien beauftragt war, die beim Brand des Hampton Court Palace im Jahre 1986 verloren gegangen waren. Auf Grund der Struktur ihrer Stängel hinterlassen sie spezifische Kerbungen, die auf den Schnitzereien nachweisbar waren. Weitere Bildhauer, bei denen man sich sicher ist, dass sie in ähnlicher Weise Winter-Schachtelhalm verwendeten, sind Michel Erhart, Veit Stoss und Tilman Riemenschneider.[4]

Seit einigen Jahren werden Winterschachtelhalme in Gärtnereien für Trockensträuße verwendet („Schlangengras“). Auch als Zierpflanze an Gartenteichen wird die Art eingesetzt.

Trivialnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Winter-Schachtelhalmen bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Polirkannenkraut, Polirschachtelhalm, großer Schachtelhalm, Tischlerschachtelhalm und Winterschafthalm.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jäger, E. J. & K. Werner: Exkursionsflora von Deutschland / begr. von Werner Rothmaler. Band 4: Gefäßpflanzen: kritischer Band. 9. Auflage, Spektrum, Heidelberg 2002, ISBN 3-8274-0917-9
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage, Ulmer, Stuttgart 2001, Seite 64. ISBN 3-8001-3131-5
  • Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. 5. Auflage, Ulmer- Verlag, 1996
  • Römpp: Lexikon Naturstoffe, Georg Thieme Verlag 1997, ISBN 3-13-749901-1
  • Roth/Daunderer/Kormann: Giftpflanzen Pflanzengifte. 4. Auflage.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. 6. Auflage, Quelle & Meyer-Verlag, 2005, ISBN 3-494-01397-7

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi: Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Bd. 1, 1993
  2. a b c Marcus Lubienski: Die Schachtelhalme (Equisetaceae, Pteridophyta) der Flora Deutschlands - ein aktualisierter Bestimmungsschlüssel. Jahrbuch des Bochumer Botanischen Vereins. Bd. 2, 2011, S. 68-86 (PDF 6,7 MB)
  3. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, Seite 103. IHW-Verlag, Eching bei München, 2001. ISBN 3-930167-50-6
  4. David Esterly: The Lost Carving - A Journey to the Heart of Making. London 2013, ISBN 978-0-7156-4649-6. Kapitel VIII: Meaning isn't the Meaning
  5. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 141.(online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bilder: Winter-Schachtelhalm (Memento vom 19. Juli 2007 im Internet Archive) [1] [2] [3]

 Commons: Winter-Schachtelhalm – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien